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Berliner Väter lassen seit September 1997 nicht locker !

Demo der LÖWENVÄTER:
Wir wollen unsere Kinder sehen !

B. Z. (Berlin) 29. Jan. 99 - Seite 1:
Die Demo, die ans Herz geht

Scheidungs-Väter kämpfen um das Recht,
ihre Kinder zu sehen
- Seiten 5-7

Seite 5
Gestern Demo der Löwen-Väter:
Wir wollen unsere Kinder sehen

Die verzweifelten Väter demonstrierten gestern vor dem Familiengericht Tempelhof-Kreuzberg. Sie forderten ein gemeinsames Sorgerecht geschiedener Eltern. Denn meist sprechen Scheidungsrichter alleine den Müttern die Kinder zu. Blättern Sie um, und lesen Sie die persönlichen Leidensgeschichten der Väter hier auf dem Bild.

Die Demo, die ans Herz geht - Scheidungsväter kämpfen um das Recht, ihre Kinder zu sehen - 52 kB

Demo der Löwenväter: Wir wollen unsere Kinder sehen ... 220 kB

Von MATTHIAS MATUSSEK

Sie stehen im Regen, und kämpfen um Menschenrechte. Väter; die nichts weiter wollen; als Kontakt mit ihren Kindern zu halten. Kontakt, den ihnen die getrennt lebenden Frauen verweigern. Ein Skandal, doch einer, über den nicht gerne gesprochen wird.

Das Klischee behauptet: Männer sind karrierebesessene Egoisten, die sich nicht um ihre Kinder kümmern. Nun stehen da aber Männer herum, die das Gegenteil beweisen. Die meisten haben sich in endlosen Gerichtseingaben zerschlissen und in Amtskorridoren demütigen lassen - ergebnislos. Nun greifen sie zum letzten Mittel: dem öffentlichen Protest.

Es sind Männer, die Mut zeigen. Und der Widerstand wird stärker werden und all die dümmlichen Klischees widerlegen.

Diese Väter bestreiken ihre Rolle als stille Zahlesel, die ihnen das Scheidungsrecht gelassen hat.

Ein paar Zahlen: Jede zweite Großstadtehe wird heute geschieden. Nahezu drei Viertel alle Scheidungen werden von Frauen beantragt, oft schon nach ein paar Jahren. Zu 80 Prozent sind es Männer, die nach einer Trennung unterhaltspflichtig werden. Die Zahl der minderjährigen Trennungswaisen - besonders in Berlin - schießt nach oben. Bundesweit kommen jährlich 150.000 dazu.

Ich habe hunderte von ergreifenden Briefen und Tagebüchern zugeschickt bekommen, als ich im "Spiegel" und in meinem Buch darüber schrieb. Die Reaktion von radikalen Feministinnen? Sie verhöhnten die geschilderten Männer als "greinende" Looser.

Noch eine Zahl: Die Selbstmordrate von Trennungsvätern zwischen 40 und 50 Jahren liegt um das Sechsfache über dem Durchschnitt.

Die "Gewalt gegen Frauen" ist mittlerweile ein Evergreen geworden, buchstäblich eine Eiskunstlaufkür. Doch wer spricht von dieser Gewalt gegen Männer, die sie - ebenso buchstäblich - in den Tod treibt?

Wer das Kind hat, hat die Macht - so unverblümt argumentieren radikale Frauenverbände. Ohne Rücksicht auf die Kinder. Sie - meistens Kleinkinder - sind nur noch wehrlose Wirtschaftsgeisel. Papa wurde davongejagt. Er soll zahlen. Basta. Auch das neue Kindschaftsrecht ändert daran wenig.

Immer noch bleiben Gerichte untätig, wenn Väter ausgegrenzt werden. Sie demütigen sie. Väter müssen mit Gutachten beweisen, daß sie gute Väter sind - und selbst dann haben sie das Nachsehen. Der Zynismus hat System: Da outet sich die Familienrichterin Bacher in Pankow-Weißensee als Feministin. Da gibt die Familienrichterin Heinke in Bremen eine feministische Rechtszeitschrift heraus und schreibt, daß Männer, die das Sorgerecht für ihre Kinder haben wollen "Frauen mit Gefühl nur um ihr Geld betrügen" wollen. Sie redet über Geld, wo Väter über Kinder reden wollen.

Während Männer von modischen Girlie-Journalen und "Emma"-Feministinnen verhöhnt, verlacht, ausgegrenzt werden; erleben wir die bittere Realität einer vaterlose Gesellschaft. Väter fehlen als Rollenmodelle. Die Folge: Die Jugendkriminalität wächst explosionsartig.

Die Männer im Regen protestieren auch dagegen. Ihr Protest wird irgendwann auch die Langschläfer in den Parteien wecken. Unsere Gesellschaft geht kaputt. Väter sind nötig. Und wir müssen ihre Rechte auch in einer Trennungsgesellschaft stärken.

Matthias Matussek ist SPlEGEL-Autor in Berlin. Sein Buch "Die vaterlose Gesellschaft" wurde attackiert und gefeiert - die Stuttgarter Zeitung nannte ihn den "Missionar der neuen Männerbewegung". Im Mai erscheint die Fortsetzung "Die vaterlose Gesellschaft - Briefe von Männern und Frauen", ebenfalls im Rowohlt-Verlag.


Die Demo der Löwen-Väter

Haben Männertränen in unserer Gesellschaft
weniger Gewicht als Frauentränen?

Demo der Löwenväter: Haben Männertränen in unserer Gesellschaft ... (28 kB)
Gewicht als Frauentränen ? (9 kB)

Manfred F. (32 kB) Manfred F., 42, Bankkaufmann

"Ich mußte meinen Kindern über Flugblätter frohe Weihnachten wünschen"

"Vor drei Jahren ging meine Ehe in die Brüche. Ein Jahr lang haben wir wochenweise abwechselnd unsere Töchter Nadine, 10, und Madeleine, 7, betreut. Doch dann beantragte meine Ex-Frau das alleinige Sorgerecht. Im vergangenen Jahr habe ich meine Kinder weniger als 24 Stunden gesehen. Ich mußte ihnen über Flugblätter ein frohes Weihnachtsfest wünschen. Die Geschenke konnte ich nur bei Nachbarn abgeben. Wie es weitergeht, wird am 24. Februar vor Gericht verhandelt. Ich möchte meine Kinder alle zwei Wochen sehen, möchte auch mit ihnen in den Urlaub fahren."

Manfred F. mit Töchtern (19 kB)

Teddy Fuchs, 40, arbeitslos
"Meine Frau betrog mich und nahm die Kinder mit"

"Nach zwölf Jahren glücklicher Ehe zerbrach unsere Beziehung 1997. Sie beichtete mir einen Seitenspung, zog dann zu ihrem Neuen. Mit unseren drei Söhnen. Die Scheidung ist noch nicht durch, aber ich darf die Kinder alle zwei Wochen sehen. Allerdings werde ich oft einfach von der Mutter weggeschickt, darf nicht zu ihnen. In diesem Jahr habe ich meine Kinder nicht einmal sehen können. Morgen ist wieder Besuchstag. Ob ich dann zu ihnen gelassen werde, weiß ich nicht. Wenn doch, werden wir vielleicht in den Zoo gehen oder "Mensch ärgere dich nicht" spielen."

Teddy Fuchs mit Söhnen (17 kB)

Teddy Fuchs (16 kB)
Johannes-Schultz-Tesmar mit Kinderbild (53 kB) Johannes Schultz-Tesmar, 60, Redakteur
"Das Kammergericht verbot mir den Umgang mit meinen Kindern"

"30 Jahre lebte ich in Thailand, kaufte mir dort ein Haus - und verliebte mich in Jeeraporn. Wir heirateten, bekamen zwei Kinder: Alexander und Yvonne. 1992 zogen wir dann nach Deutschland - der Anfang vom Ärger. Jeeraporn fühlte sich hier nicht wohl, es kam zum Streit. Sie verschwand mit den Kindern, monatelang wußte ich nicht, wo sie sind. Erst als das Jugendamt mir eine Unterhaltsforderung schickte, hörte ich wieder von meiner Familie. Seitdem kämpfe ich verzweifelt um ein Besuchsrecht. Vergebens - das Kammergericht verbot mir sogar den Umgang mit den Kindern!"

Dieter Hämmerer, 36, arbeitslos
"Ich habe meinen Sohn noch nie gesehen"

"Meinen zweieinhalbjährigen Sohn habe ich noch nie gesehen, ich habe noch nicht mal ein Foto von ihm. Mit der Mutter meines Sohnes war ich knapp sechs Wochen zusammen. Ohne mir jemals einen Grund zu nennen, trennte sie sich von mir. Ein Jahr später erfuhr ich, daß ich Vater bin.
Die Mutter ist mit dem Kind für ein halbes Jahr nach Australien gegangen und somit ist der geplante Termin beim Familiengericht geplatzt. Unterhalt muß ich für meinen Sohn natürlich zahlen. Ich fühle mich ausgenutzt und habe Angst, daß ich mein Kind nie sehen werde."

Dieter Hämmerer (32 kB)
Jürgen Kastrau (16 kB) Jürgen Kastrau, 45, Frührentner
"Ich möchte einmal mit meiner Tochter in Urlaub fahren"

"Unsere Ehe war nicht die harmonischste, aber daß sie so enden würde, hätte ich nie gedacht. Ich kam vom Flohmarkt, da war meine Frau mit unserer Tochter Jennifer Manjana, 6, einfach ausgezogen. Zwei Wochen wußte ich nicht, wo sie lebt, per einstweiliger Verfügung mußte ich sie ausfindig machen. Vor Gericht wurde Jennifer ihr zugesprochen. Doch ich darf sie alle 14 Tage besuchen. Aber nur jeder zweite Termin findet auch statt. Ich möchte auch mit Jennifer in den Urlaub fahren. Sie wünscht sich doch so sehr eine Reise nach Griechenland. Das möchte ich ihr erfüllen."

Jürgens Tochter (10 kB)
Günter Gempp, 47, Sozialarbeiter
"Erst nachdem ich in Hungerstreik trat, durfte ich meine Kinder sehen"

"Nach einem Streit mit meiner Ex-Freundin 1997 verweigerte sie mir die den Umgang mit unseren zwei Kindern. Um sie zufällig mal sehen zu können, fuhr ich öfter mit dem Fahrrad um ihr Wohnhaus. Aus meiner Machtlosigkeit heraus startete ich 1997 eine Hungerstreik-Aktion vor dem Familiengericht. Ich hatte Erfolg und sah meine Kinder erstmals nach mehreren Monaten wieder. Ich konnte mit der Mutter ein Umgangsrecht aushandeln: alle 14 Tage ein Wochenende, die Hälfte der Ferien und ein Telefonat pro Woche. Aber ich habe Angst, daß mir diese Rechte wieder genommen werden."

Günter Gempp (13 kB)


Günter, Teddy, Manfred, Dieter und Johannes (109 kB) Berliner Zeitung, 29.1.99

Väter wollen ihre Kinder sehen

"Ich bin hier, weil ich meine beiden Kinder öfter sehen will", sagt Manfred F. (dritter von links). Vor dem Familiengericht Tempelhof-Kreuzberg hielt er am Donnerstag mit 15 anderen Männern der Berliner Sektion von "Väteraufbruch für Kinder" Mahnwache.

Der in ganz Deutschland tätige Verein versteht sich als Sprachrohr von Vätern, deren Ex-Partnerinnen das Sorgerecht haben und den Kontakt zu ihren Kindern verhindern. Mehr als die Hälfte der Kinder, so der Verein, sehen schon ein Jahr nach der Trennung ihren Vater nicht mehr.

Die Welt, 29.1.99

Besuchsrecht: Geschiedene Väter fühlen sich betrogen
Mahnwache vor dem Familiengericht Kreuzberg

"Papa, wie lange muß ich noch schlafen, bis ich dich wieder besuchen darf", fragt die ßjährige Jen-niffer ihren Vater immer wieder am Telefon. Doch wie oft Jürgen K. seine Tochter im vergangenen Jahr in die Arme schließen konnte, das kann der 45 jährige an einer Hand abzählen. Laut Gerichtsbeschluß hätte der Vater alle zwei Wochen das Recht sein Kind von Samstag 10 Uhr bis Sonntag 18 Uhr zu sehen. Doch: "Ich bin in dieser Sache auf Gedeih und Verderb der Mutter ausgeliefert" , so der Vater.

Etwa zehn Männer haben sich am Donnerstag vor dem Familiengericht Kreuzberg-Tempelhof versammelt. Mit einer Mahnwache wollen die Vertreter des Vereines "Väteraufbruch für Kinder" die Öffentlichkeit für die Anliegen der "Scheidungsväter" sensibilisieren. 1988 wurde der Verein bundesweit gegründet und wurde zur Anlaufstelle für Tausende von Vätern, die eine Trennung von ihren Kindern nicht hinnehmen wollen. Sie wehren sich dagegen als "Erzeuger, Besuchsonkel und Zahlmeister" ausgegrenzt zu werden. Unter dem Motto: "Kinder brauchen Vater und Mütter! Eltern sind Eltern ein Leben lang!" fordert der Verein unter anderem strafrechtliche Sanktionen bei Kindswegnahme, sowie die gemeinsame Sorgepflicht.

Am 1. Juli 1998 trat das neue Kindschaftsrecht in Kraft. Darin wird das gemeinsame Sorgerecht für Vater und Mutter auch nach der Scheidung geregelt. Die Kinder können also bei Vater und Mutter abwechselnd wohnen und leben. 1997 wurden in Berlin 9782 Ehen geschieden. Günter Gempp, seit drei Jahren Vereinsmitglied, schätzt, daß etwa 80 Prozent der Kinder den Müttern zugesprochen wurden. Mehr als die Hälfte aller Kinder verliert nach der Trennung den Kontakt zum Vater.

Bis heute gibt es keine Statistik, wie sich diese Zahlen seit dem Inkrafttreten des neuen Kindschaftsrechts verändert haben. Rudolf Vossenkämper, Aufsichtsführender Richter im Familiengericht Kreuzberg-Tempelhof stellt in seiner eigenen Praxis jedoch einen starken Aufwärtstrend in Richtung gemeinsames Sorgerecht fest. Beantrage jedoch die Mutter das alleinige Sorgerecht habe der Vater praktisch keine Chance, es sei denn, es liegen trifftige Gründe vor, ihr das Kind zu entziehen. Der Verein "Väter für Kinder" prangert nun dieses Familienrecht an. Es gehe vom Leitbild der patriarchalischen Familie aus. Darin sei allein die Mutter für die Kinder zuständig. Der Vater hingegen von ihrer Willkür abhängig.

"Der Streit wird auf dem Rücken der Kinder ausgetragen." ist sich Jürgen K. völlig bewußt: "Das Schlimmste ist, daß Jennifer darunter leidet." barb


Siehe zu den beharrlichen Aktionen der Berliner Väter u.a. schon:


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