paPPa.com informiert zum Thema Weihnachten 1998:
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Weihnachts-Mahnwache am 24.12.98 in Berlin: |
Presse-Mitteilung zur Situation getrennt
lebender Väter: |
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Traurige Weihnachten für viele Väter
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Ihm geht es wie vielen Berliner Vätern:
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Wenn der Weihnachtsmann zweimal kommt: |
Zu Weihnachten liegt Thema Einsamkeit obenauf - Telefonseelsorge an den Feiertagen stark gefragt |
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Viele Eltern sind mit der Bescherung |
Festtage nach Trennung oder Scheidung:
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Zu Weihnachten ist die Sehnsucht
nach einer normalen Familie groß |
| Väteraufbruch
für Kinder Berlin e.V. |
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Presseerklärung
WEIHNACHTS-MAHNWACHE
FÜR KINDER
am 24. Dezember 1998, 16:00 bis 20:00 - Gedächtniskirche
Berlin
Berlin, den 21. Dezember 1998
Erklärung zum Heiligen Abend:
Weihnachten ohne Papa . . . !
Können Sie sich das vorstellen ?
Für über eine Million deutsche Kinder ist dies traurige Realität !
Sehr geehrte Damen und Herren !
Sie feiern heute Weihnachten, in der Kirche, in der Familie - mit Ihren Kindern oder Enkelkindern ... !
Weihnachten wird als "Fest der Liebe" bezeichnet, es wird die Geburt eines Kindes gefeiert.
Ein Grund auch einmal über die Kinder in unserem Land nachzudenken. Wir wollen Sie deshalb mit unserem Anliegen vertraut machen:
Kinder ohne Väter- Väter ohne Kinder !
§ 187.802 Ehen
wurden 1997 geschieden
§ Mit betroffen
waren 163.112 minderjährige Kinder (Steigerung um ca.
10 % zu 1996, hiebei sind noch nicht mitgezählt die nichtehelichen
Trennungen, die Kinder in Heimen, Pflegefamilien etc.)
§ Über
50% dieser Kinder sehen schon ein Jahr nach der Trennung ihren Vater nicht
mehr!
Nach Zahlen aus den USA kommen aus vaterlosen Familien:
§ 90% aller Ausreißer
und obdachlosen Kinder
§ 85% aller
jugendlichen Häftlinge
§ 63% der
jugendlichen Selbstmörder
§ 75% aller
Heranwachsenden in Drogenentzugszentren
Auch unsere Kinder müssen heute Weihnachten ohne Papa feiern.
Wir stellen uns zum Weihnachtsfest vor die Gedächtniskirche, um an sie zu erinnern, an unsere Kinder:
Paris, Sarah, Julian, Fabian, Nadine, Benjamin, Madeleine, Brice-Joel, Serge-Patrick ...
Sie stehen stellvertretend für viele hunderttausende.
Sie, die Kinder und wir Väter sind Opfer einer verfehlten Familienpolitik, die Verantwortungslosigkeit fördert, Egoismus und Tücke belohnt, Familien zertrümmert, Väter und Kinder entrechtet - Opfer einer Politik und Rechtsprechung, die Kooperationsbereitschaft, Aufrichtigkeit und Güte bestraft und das Schlechteste aus den Beteiligten herausholt.
Was brauchen wir stattdessen ?
§ Pflichtberatung
bei Trennung und Scheidung, wenn Kinder betroffen sind.
§ Verantwortungsloses
Trennungsverhalten muß rechtlich sanktioniert werden, die Familie
darf kein Raum für Selbstverwirklichungsexperimente sein.
§ Kindeswegnahme
oder Umgangsvereitelung muß strafrechtliche Konsequenzen haben.
§ Gemeinsame
Sorgepflicht von Vater und Mutter muß nach Trennung und Scheidung
zum Regelfall werden, unabhängig davon ob die Eltern verheiratet waren
oder nicht.
§ Kooperatives
und verantwortungsvolles, kindorientiertes Verhalten muß belohnt
werden.
Helfen Sie uns gegen diese Mißstände anzugehen, für eine kindorientierte, solidarische, familienfreundliche Gesellschaft.
Wir werden unsere Mahnwachen abhalten solange bis sich der Gesetzgeber in dieser Angelegenheit deutlich nach vorn bewegt hat.
Ein Frohes Weihnachten wünscht Ihnen und Ihrer Familie der
Väteraufbruch für Kinder Berlin e.V.
Bundesweite Hotline: 01805 - 120 120
Väteraufbruch für Kinder Berlin e.V. - Vorstand:
Günter Gempp Falkensteinstr. 46
10997 Berlin FON/AB/FAX 030-618 25 64
Peter Meißner Paul-Linke-Ufer 32 10999 Berlin FON/AB/FAX 030-611
911 5
Matthias Neumann Fichtestr. 17 15366 Neuenhagen FON/AB/FAX 03342-201 697
Spendenkonto: Nr. 183 856 56 00 - Berliner Bank BLZ 100 200 00
Presse-Mitteilung zur Situation getrennt lebender Väter, Dezember 1998
"Nicht alle Kinder können fröhliche Weihnachten erleben!"
Die Kasseler Vätergruppe "Vater sein trotz Trennung" möchte zum bevorstehenden Weihnachtsfest daran erinnern, daß nicht alle Kinder das Fest mit Vater und Mutter feiern dürfen.
Jedes zweite Scheidungskind hat ein Jahr nach der Trennung seiner Eltern keinen Kontakt mehr zu seinem Vater; sei es, weil der Vater den Kontakt ablehnt oder die Mutter den Kontakt als störend empfindet. Auch an dem bevorstehenden Weihnachtsfest werden viele dieser Kinder vergeblich auf einen Kontakt zu ihrem Vater warten.
Die Vätergruppe möchte aus diesem Grunde alle getrenntlebenden Väter ermutigen, sich intensiv um einen Kontakt zu ihren Kindern zu bemühen und diesen langfristig zu pflegen, Sie appelliert weiter eindringlich an die ablehnenden Mütter, ihre Zurückhaltung aufzugeben und ihren Kindern den wichtigen Kontakt zum Vater zu ermöglichen.
Die Vätergruppe fordert die offiziellen Stellen, wie Familiengerichte, Jugendämter und Beratungsstellen dazu auf, ihre vermittelnde und beratende Tätigkeit zu intensivieren, um getrenntlebenden Elternteilen den Weg zu einer kooperativen Elternschaft zu erleichtern, die Vätergruppe hofft, daß ein "Mehr an qualifizierter Beratung" in Zukunft dazu beiträgt, daß die oben beschriebenen Umstände bald der Vergangenheit angehören."
Für Rückfragen zum Thema oder zu unserer Arbeit stehen wir Ihnen selbstverständlich jeder Zeit unter der Tel. Nummer 05650 - 92 10 60 oder per E-Mail VaeterKS@aol.com zur Verfügung.
Rüdiger Meyer-Spelbrink - Meyer-Spelbrink@t-online.de
Vätergruppe "Vater sein trotz Trennung" e.V. - Kassel
und Nordhessen
Mitglied im Väteraufbruch für Kinder
Tel. 05650/92 10-60 Fax -61 - http://members.aol.com/VaeterKS
Traurige Weihnachten für viele Väter
Besuchsverbot beim eigenen Kind
Von Pilar May
Das schwere Schicksal vieler Väter ohne Sorgerecht für ihre Kinder: Den Sprößling monate- gar jahrelang nicht besuchen zu können, zu Weihnachten nicht mal ein Geschenk überreichen zu dürfen. Der Verein "Väteraufbruch für Kinder" will jetzt Abhilfe schaffen, bietet auch in Wiesbaden Beratung und Hilfe für "Väter ohne Kinder" an.
Die Vorstandsmitglieder des Ortsvereins Wiesbaden Martin Eßrich (36) und Thorsten Mahler (45) kennen die Problematik aus eigener Erfahrung. Martin erinnert sich: "Mein Sohn war 18 Monate alt, als seine Mutter und ich uns trennten. Danach habe ich ihn 2 Jahre gar nicht gesehen - weil sie es nicht wollte. Sie hat das Sorgerecht. Seit diesem August darf ich ihn letzt eine Stunde in der Woche im Kindergarten besuchen. Aber ein Weihnachtsgeschenk darf ich ihm nicht kaufen. Das hat mir seine Mutter durch den Kindergarten ausrichten lassen."
Auf der Suche noch Hilfe fand Martin Eßrich auf der Internetseite http://www.paPPa.com einen Hinweis auf den "Väteraufbruch für Kinder". Kurze Zeit später wurde die Wiesbadener Anlaufstelle von siebzehn Vätern gegründet: "Wir haben mittlerweile 35 feste Mitglieder, darunter auch Großeltern. Frauen wären auch herzlich willkommen, aber unser Name schreckt sie wohl ab."
Erreichbar sind die Wiesbadener Helfer auch für Betroffene aus Bad Kreuznach, Mainz, dem Rheingau und Limburg unter Tel: 0611/840 104 oder per E-Mail: Martin.Essrich@t-online.de
Foto: Die beiden Vorsitzenden des Vereins "Väteraufbruch für Kinder" Martin Eßrich (36, links) und Thorsten Mahler (45).
BILD-Zeitung, Ausgabe Berlin, Seite 3, 14.12.98
Ihm geht es wie vielen Berliner Vätern
Warum Herr Fietkau weint, wenn er dieses Foto sieht
Von Hartmut Kascha
Liebe Nadine, liebe Madeleine, da wir uns auch dieses Weihnachten wohl wieder kaum sehen werden, sollt ihr auf diesem Wege erfahren, daß ihr auch in der Heiligen Nacht und Weihnachten ganz tief in meinem Herzen seid. Ich hoffe, daß wir uns im nächsten Jahr wieder häufiger sehen werden. Ich habe Euch sehr lieb. Euer Papa.
Wie verzweifelt muß ein Vater sein, wenn er über die Zeitung seine Kinder grüßen muß. Bankkaufmann Manfred Fietkau (41) aus Schmargendorf ist so verzweifelt.
Familien-Adventstage !? Nur noch Erinnerungen bleiben ihm: "Wie schön war es, mit den Mädels den Christbaum auszusuchen, mit ihnen zu basteln, ihnen Märchen zu erzählen oder sie einfach nur in den Schlaf zu streicheln."
Manfred F. ist einer von 129 097 geschiedenen Berlinern mit einem ganz harten Schicksal. "Ich sehe meine Töchter höchstens einmal im Monat für 90 Minuten", sagt er. Gemeinsame Urlaube oder Geburtstagsfeiern gab es 1998 nicht. Seine Ex-Frau Kerstin (35, Optikerin) läßt ihm die Töchter einfach nicht, sagt nur: "Dazu sage ich nur eins: Die Kinder wollen gar nicht zu ihm."
SIE trennte sich im Oktober 1996 von ihm. SIE zog gleich danach mit dem Lehrer von Nadine (10) zusammen nach Kleinmachnow (Brandenburg) in ein Häuschen. SIE wollte die Scheidung (Februar 1998). SIE feierte im Juli bereits Hochzeit mit dem"Neuen".
ER schaffte das Geld ran. ER wollte die Familie retten. ER hatte keine Freundin. ER weinte nächtelang. ER trinkt nicht, raucht nicht, nimmt keine Drogen, ist nicht vorbestraft. ER ist einfach nur ein Mann. "Und deshalb bekam Kerstin das Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrecht", sagt er.
Doch der Bankkaufmann kämpft. Beim Familiengericht Tempelhof beantragte er letzt wieder das gemeinsame Sorgerecht (162 F 9545/98). "Der Antrag geht in die Kategorie des menschenverachtenden Argumentierens" schrieb Barbara Merkel, Anwältin von Ex-Frau Kerstin, an das Gericht und beantragte, den Antrag zurückzuweisen. Entscheidung im Februar.
Bis dahin sucht Manfred F. im Verein "Väteraufbruch für Kinder" (Kontakt: Kiezoase Schöneberg, Barbarossastraße 65, 10781 Berlin) Trost. Dort engagieren sich knapp 100 Männer mit gleichem Schicksal für die Forderung: "Kinder brauchen Väter."
Manfred F. hofft für sich auf ein gutes Ende. Bis dahin bleibt ihm nur der Blick in das Kinderzimmer seiner 105-qm-Wohnung (1100 Miete). Dort hängt noch Madeleines Bayern-Trikot. Dort steht noch das Hochbett von Nadine? Das letzte Mal waren die Kinder im September 1997 dort. "Aber sie kommen wieder", sagt der Vater und klappt das Fotoalbum auf.
Bilder:
Wenn der Weihnachtsmann zweimal kommt
«Fest der Liebe» muß für Scheidungskinder
nicht zum Alptraum werden
Von AP-Korrespondentin Barbara Spetzer
Für die vierjährige Paula, seit einem halben Jahr Scheidungskind,
ist es keine Frage: An Weihnachten will sie beide Eltern mit unterm Baum
haben. Die junge Mutter, eine 28jährige Architektin, ist seit Sommer
von ihrem Mann getrennt. Der Kleinen zuliebe verbringen sie Weihnachten
im Familienkreis. «Das ist ihr Fest», sagt die Mutter.
Die achtjährige Joanna aus Frankfurt, die bei ihrer Mutter lebt, freut sich dagegen auf die doppelte Bescherung: Sie schmückt noch mit der Mutter den Baum, empfängt den Weihnachtsmann dann bei ihrem Vater samt Großeltern und kehrt nach dem Fest zurück zu ihrer Mutter, die sie nochmals beschert.
Rund 2,5 Millionen getrennt lebende Elternpaare stehen jährlich vor dem Problem: «Wohin dürfen die Kinder?» Und weil an kein Fest mehr Sehnsüchte geknüpft werden als an Weihnachten, ist der Druck gerade bei getrennten Eltern besonders groß, es schön zu machen. Besonders bei den drei- bis zehnjährigen Scheidungskindern wird der Wunsch nach der Komplettfamilie besonders an Weihnachten sehr stark, wie der Familientherapeut Lothar Steuerer von der Beratungsstelle des Kinderschutzbundes in Ulm berichtet.
Besonders schlimm sei es, wenn Kinder in Loyalitätskonflikte getrieben würden, sobald sie eigene Wünsche äußerten. Psychologen empfehlen deshalb möglichst rechtzeitige Absprachen der Eltern untereinander.
Eine Orientierung für Eltern, die nicht mehr miteinander können, bietet das Umgangsrecht: Es sieht vor, daß die Kinder am 24. Dezember bei der Mutter bleiben, am 25. oder 26. dann zum Vater gehen. Zum regelrechten Alptraum werde Weihnachten, wenn die Kinder als Knebel mißbraucht würden, um sich für Kränkungen zu rächen oder mehr Unterhalt zu erpressen, sagt der Vorsitzende des Interessenverbandes Unterhalt und Familienrecht (ISUV), Michael Salchow. «Die Eltern versündigen sich an ihren Kindern, wenn sie ihre Paarkonflikte auf dem Rücken der Kinder austragen und beispielsweise Absprachen bewußt nicht einhalten.»
Dann kommt es zu den Horrorszenarios, die schlimmstenfalls mit einer Klage wegen Kindesentführung enden, wenn der Vater trotz Absprache vor verschlossenen Türen steht, weil die Mutter samt Kind weggefahren ist. Das sei aber inzwischen weniger geworden, berichtet Familienrichter Michael Höhler aus Frankfurt am Main. Die Eltern hätten eingesehen, daß das nichts bringe.
Zeigen: «Ich bin für Dich da»
Egal in welcher Konstellation letztlich gefeiert werde, wichtig sei, daß beide Eltern den Kindern zeigten: «Ich bin für Dich da», erklärt Familientherapeut Steuerer. Ein Gruß, ein Telefongespräch oder ein Paket könne da schon viel ausrichten. Aus Sicht der Erziehungsberaterin Irene Kluge sind klare Absprachen wichtig. Wenn das Kind noch zu jung sei, um selbst über Weihnachten zu entscheiden, dann müßten eben die Eltern zum Wohl der Kinder entscheiden - und letztlich auch zu ihrem eigenen.
«Im besten Fall können die Kinder davon sogar profitieren», sagt eine scheidungserfahrene Münchnerin. «Sie lernen verschiedene Traditionen kennen und das Tollste für die Kinder - sie werden zweimal beschert.»
Zu Weihnachten liegt das Thema Einsamkeit obenauf - Telefonseelsorge an den Feiertagen stark gefragt
Von AP-Korrespondent Claus-Peter Thiemann
Hamburg (AP) An Weihnachten haben nicht nur Geschenkläden und Glühweinstände Hochkonjunktur: Auch die Telefonseelsorge wird öfter angerufen als an normalen Tagen. «Das Thema Einsamkeit liegt an Weihnachten ganz obenauf», sagt Pastorin Bettina Seiler, die in Hamburg die 120 ehrenamtlichen Helfer am Sorgentelefon koordiniert. Ihr Rat an Singles und andere Alleinstehende: rechtzeitig das Weihnachtsfest organisieren.
Am Heiligen Abend sind Anrufer aus allen sozialen Schichten am Telefon, erzählt Pastorin Seiler. Da ist die alleinerziehende Mutter, die mit ihren Kindern gefeiert hat und sich alleine fühlt, nachdem die Kinder im Bett sind. Oder alte Menschen, deren Kinder weit weg wohnen. Auch Arbeitslose rufen an oder Singles, die gerade am Weihnachtsabend ihr Alleinsein spüren. Auffällig ist, daß deutlich mehr Frauen als Männer sich melden.
«Wer eine halbwegs funktionierende Familie hat», weiß Seiler, «macht am Heiligen Abend etwas mit der Familie. Doch das Thema Einsamkeit nimmt immer mehr zu.» Was an anderen Tagen noch erträglich ist, weil Arbeit oder der gewohnte Tagesablauf die Menschen ablenken und beschäftigen, schlägt an den freien Weihnachtstagen voll durch. Außerdem sind viele Anrufer psychisch Kranke, denen der gewohnte Beistand von Therapeuten fehlt, die über Weihnachten ihre Praxen geschlossen haben.
Praktische Hilfe am Heiligen Abend können die Berater am Telefon kaum leisten. Wie sollen sie auch die Anrufer aus ihrer Einsamkeit erlösen? «Es geht in den Gesprächen vor allem darum, Kontakt zu haben», erzählt die Pastorin. Die Anrufer werden gefragt, was sie denn schon ausprobiert hätten, um andere Menschen kennenzulernen. Außerdem verweisen die Berater auf offene Weihnachtsfeiern, die viele Kirchengemeinden organisieren und auf denen auch unbekannte Gäste willkommen sind.
Telefon-Pastorin Seiler rät allerdings, mit der Suche nach solch einer Feier nicht bis zum Heiligen Abend zu warten. Wer absehen könne, daß er zu Weihnachten in Einsamkeit versinken werde, sollte rechtzeitig vorher die Feiertage planen. Wo und wann offene kirchliche Weihnachtsfeiern stattfinden, wissen zum Beispiel die Gemeindebüros. Aber auch in Zeitungen gibt es Hinweise auf Veranstaltungen am Heiligen Abend. Wer dennoch traurig wird, kann sich immer noch an die bundesweit einheitliche Nummer der Telefonseelsorge wenden: 0800 111 0111.
Weihnachten im Sinne der Kinder
Festtage nach Trennung oder Scheidung: Eltern sollen sich nicht gegenseitig
durch Geschenke übertrumpfen
TRIER/SAARBURG. (kro) Julia und Mario freuen sich auf Weihnachten. Vater wird dann Urlaub haben, zu Hause sein, mehr Zeit haben. Gemeinsam werden Mutter und Vater den Weihnachtsbaum schmücken, zusammen werden sie am Heiligen Abend die Christmette besuchen, und am ersten Weihnachtstag kommen die Großeltern zu Besuch.
Szenenwechsel. Andrea und Thomas haben Angst vor Weihnachten. Zwar will Vater mit ihnen in Skiurlaub fahren, aber Mutter wird nicht dabei sein. Auch einen Weihnachtsbaum wird's geben - nein, sogar zwei. Aber für Andrea und Thomas ist das kein Grund zur Freude. Ihre Eltern haben sich im Sommer scheiden lassen.
So ähnlich wie Andrea und Thomas wird es an diesem Weihnachtsfest den etwa 1000 Kindern im Regierungsbezirk Trier gehen, deren Eltern sich im vergangenen Jahr getrennt haben. Zum erstenmal feiern sie Weihnachten nicht mit der ganzen Familie. »Kinder, die nach einer Trennung ohnehin erst mit der neuen Situation fertig werden müssen, leiden an Weihnachten oft ganz besonders«, sagt Josef Junk, Leiter der Lebensberatung in Saarburg. Er beobachtet daher auch in der vorweihnachtlichen Zeit eine besonders große Nachfrage nach dem Angebot der Lebensberatung.
Junk empfiehlt Eltern, sich spätestens jetzt genau zu überlegen, wie sie das Weihnachtsfest gestalten wollen. Sie müßten überlegen, bei wem die Kinder den Heiligen Abend verbringen, wie die Besuche bei den Großeltern organisiert werden, oder wer mit ihnen die Christmette besucht.
Für zentral hält es der Leiter der Saarburger Lebensberatung, die Kinder in diese Überlegungen miteinzubeziehen und nach ihrer Meinung zu fragen. Nach seiner Ansicht sollten die Eltern sich auch verständigen, wer den Kindern was schenkt. »Unbedingt sollten Eltern es unterlassen, sich gegenseitig durch ihre Geschenke übertrumpfen zu wollen«, warnt Junk.
An bewährten Traditionen festhalten |
Er spricht sich dafür aus, an bewährten Traditionen festzuhalten - sei es am Backen von Plätzchen oder an dem Schmücken des Weihnachtsbaumes. Nach seiner Ansicht sollten Kinder den Heiligen Abend dort verbringen, wo sie wohnen. Ein großer Fehler wäre es, den Kindern an Weihnachten den neuen Partner oder die neue Partnerin vorzustellen. »Das verletzt die Kinder und ist überflüssig, denn hierfür gibt es nach Weihnachten sicher bessere Gelegenheiten.« Junk räumt ein, daß es bei solchen Absprachen und Verständigungsversuchen leicht zu Problemen kommen kann. Leicht könnten die Gefühle zu mächtig werden oder Streitigkeiten neu ausbrechen. Für solche Fälle empfiehlt er den Eltern eine Aussprache mit Freunden.
»Sollte das nicht reichen, ist selbstverständlich die nächstgelegene Lebensberatung gerne bereit, die Eltern dabei zu unterstützen, das Weihnachtsfest im Sinne der Kinder zu gestalten«, bietet Junk konkrete Hilfe an.
So können dann Andrea und Thomas vielleicht doch noch ein fröhliches Weihnachtsfest feiern, nicht ganz so wie das von Julia und Mario, aber doch mit Vater und Mutter.
BM/dpa Hannover - Immer mehr Eltern sind mit der Bescherung ihrer Kinder zu Weihnachten überfordert. Darauf hat der Deutsche Kinderschutzbund jetzt hingewiesen. «Die meisten Mütter und Väter stehen hilflos vor dem Überangebot an Spielwaren, aber auch anderen Konsumgütern. Oft wissen sie auch nicht, was sie schenken sollen, weil ihre Kinder schon zuviel haben», sagte der Geschäftsführer des Kinderschutzbundes, Walter Wilken, in Hannover. «Weniger ist oft mehr, der Ruf nach neuer Bescheidenheit ist hier durchaus berechtigt.»
Der klassische Wunschzettel sei zwar nach wie vor in Mode. «Viele Eltern verzichten aber darauf, weil sie Enttäuschungen befürchten, die vielen Wünsche ihrer Kinder nicht realisieren zu können.» Auch die Kleinsten wüßten heute schon genau, was der Markt biete.
«Sie kennen die Computerspiele und die Markenklamotten und wissen, was sie wollen», sagte Wilken. Die Möglichkeiten der Eltern, ihre Kinder zu beeinflussen, seien eher gering. «Die Meinung der Freunde und der Gleichaltrigen ist für die Mädchen und Jungen viel wichtiger als die der Erwachsenen.»
Eltern müßten ihren Kinder so früh wie möglich beibringen, mit dem Überangebot vernünftig und kritisch umzugehen, empfahl der Kinderschutzbund. «Das einzige, was wirklich hilft, ist, gemeinsam ein Budget aufstellen und den Kindern erklären, wenn es die teuren Sportschuhe sein sollen, daß dann der Pullover oder das Skateboard nicht mehr drin sind.»
Wichtig sei aber auch, den Status der Kleinen als eigenständige Entscheider zu akzeptieren und sie zu kritischen Konsumenten zu erziehen. Streit zum Weihnachtsfest ist nach Ansicht des Kinderschutzbundes in vielen Familien nach wie vor an der Tagesordnung. «Solcher Krach kann aber durch eine rechtzeitige Planung gemeinsam mit den Kindern vermieden werden.»
Wichtig sei, die Feiertage nicht mit Terminen zu überschütten und den Kindern viel freie Zeit zu lassen. Hauptursache für den familiären Zoff sind nach Ansicht Wilkens überhöhte Erwartungen an das Christfest. «Weihnachten soll der große Rausreißer aus dem alltäglichen Streß sein, die Familie sitzt nett beieinander, alles ist perfekt und jeder freut sich über die Geschenke.»
Wenn diese Hoffnung sich nicht erfülle, komme es zu Gereiztheit und Streit. «Enttäuschte Erwartungen, ein trinkender Vater, ein Kind, das wegen seines Geschenks nörgelt und eine Mutter, deren Gänsebraten anbrennt - das ist ein gewaltförderndes Milieu.»
von Katarina Köting
Der Heilige Abend verläuft schon in normalen Familien nicht immer friedlich. Und "Patchworkfamilien", in denen Kinder gleich mehrere Eltern haben, weil Vater und Mutter nicht mehr in der Originalbesetzung zusammenleben, finden mühelos noch ein paar Gründe mehr, sich alle Jahre wieder neu zu verkrachen.
Tim Kramer* war gerade zwei Jahre alt, da saßen er und seine Mutter schon ohne den dazugehörigen Vater unterm Weihnachtsbaum. "Ich habe mich gefühlt wie ein Penner am Alex - so ohne Familie", erinnert sich Luise Kramer, "da kann man noch so genau wissen, daß Weihnachten nur eine Illusion ist - für mich war es brutal." Die Alleinerziehende fühlte sich verpflichtet, ihrem Sohn ein schönes Fest zu bereiten und hatte doch überhaupt keine Lust dazu. Sie wünschte sich, die Zeit "einfach weiterkurbeln zu können".
Den Patchworkfamilien kann Weihnachten ganz schön zur Last fallen. "Die Leute haben das übliche Familienbild im Kopf", erklärt Karl Droescher, Sozialpädagoge und Leiter des Berliner Kindernotdienstes, "und das sehen sie jeden Tag im Fernsehen - schöne heile Welt mit Eigenheim. Und Weihnachten ist die Sehnsucht danach besonders groß. Eltern, die ihren Kindern keine "richtige" Familie bieten können, haben ständig Schuldgefühle".
Getrennt lebende Eltern plagen sich nicht nur mit dem schlechten Gewissen, sondern auch mit Organisationsproblemen. Jo Kreutzer zum Beispiel bleibt nichts anderes übrig, als "halbe Sachen" zu machen: den Vormittag des 24. Dezember verbringt er bei seiner Ex-Freundin und der vierjährigen Tochter Nele, nachmittags hetzt er dann zu seiner Ex-Ehefrau und dem gemeinsamen Sohn Kolja, 9. "Richtig toll ist das nie, weil irgendein Kind dabei immer zu kurz kommt", glaubt er. Der einzige Versuch, ein gemeinsames Fest zu feiern, sei nicht besonders spaßig gewesen - außer für die Kinder. "Die beiden Frauen können einander nicht ausstehen, und deshalb gibt es immer wieder das gleiche Hickhack."
Wenn es nach Kreutzers Ex-Freundin Claudia Speth ginge, könnte das Fest ganz ausfallen. Zwar habe ihr neunjähriger Sohn Nico, angeregt durch die Weihnachtsgeschichte in der Kirche, Fragen nach einer richtigen Familie gestellt, "so wie bei Joseph und Maria". Aber da habe sie ihm erklärt, daß die eigentlich gar keine Familie waren, weil Jesus ja das Kind von einem anderen Papa sei. "Ich weiß nicht, ob er das verstanden hat", sagt die arbeitslose Lehrerin, "aber die Heilige Familie war doch eindeutig eine Patchworkfamilie, oder nicht?"
Solche Gespräche sind eine gute Möglichkeit, mit den Sehnsüchten der Kinder umzugehen, meint Christa Hömmen-Gornik, Familientherapeutin beim Kindernotdienst: "Weihnachten ist gerade für Kinder ein Problem, die in einer Stieffamilie leben und mit neuen Geschwistern zurechtkommen müssen. Manche fühlen sich auch vernachlässigt wegen des neuen Partners der Mutter."
Hömmen-Gornik hat ihre Tochter selber in einer Patchworkfamilie großgezogen. "Das Weihnachtsproblem haben wir so gelöst, daß wir zweimal feierten: einmal mit dem richtigen Vater und einmal mit der Stieffamilie." Das größte Problem für ein Kind sei oft gar nicht, daß der reale Vater nicht da ist, so die Familientherapeutin, sondern daß es sich von den anwesenden Erwachsenen weniger geliebt fühle als beispielsweise "ein neues Baby".
Die Idee, mehrere Teilfamilien unter einen Hut zu bringen, ist Brigitte Kreutzer gerade Weihnachten zuwider. Weil ihr das konventionell Familiäre am Herzen liegt, schmerzt es sie dann besonders, daß die tatsächlichen Verhältnisse anders sind. Und eine zweite Frau paßt da erst recht nicht hinein: "Ich könnte mich nicht überwinden, mit der neuen Freundin meines Mannes zusammen Weihnachtsgans zu essen - und das dann auch noch schön zu finden." Sie hat es versucht, wegen der Kinder, "aber nochmal mache ich das nicht!" Die Kinder wiederum bedauern das. "Als wir alle zusammen gefeiert haben, das fand ich toll!" erinnert sich Kolja. Sein Freund Nico, der andere Halbbruder von Nele, stimmt zu: "Wenn man mit mehreren Kindern feiert, kann man gleich zusammen mit den neuen Sachen spielen. Das macht viel mehr Spaß."
Der zwölfjährige Jonas Herms wünscht sich schon manchmal, daß sein Papa auch bei der Bescherung dabei ist, obwohl seine Eltern schon seit zehn Jahren getrennt leben. Aber da für ihn zur Familie nicht nur Mama und Papa zählen, sondern auch Onkel, Tanten, Cousinen und Großeltern, fällt die Abwesenheit des Vaters nicht sehr ins Gewicht. "Wir haben uns dran gewöhnt", versichert Jonas" jüngere Schwester Lisa.
Maria Zydra, 20, Studentin, feierte immer zusammen mit ihren Halbschwestern und der Mutter, und da fehlte ihr nichts, weil sie es nicht anders kannte. "Papa wollte mir immer etwas schenken, aber meine Mutter hat ihm das verboten", erzählt sie lachend. "Der kam dann vor die Tür und hat irgendwelche Geschenke abgeliefert, doch sehen durfte ich ihn nicht."
Luise Kramer freut sich dieses Jahr wieder aufs Fest. Gemeinsam mit ihrem neuen Partner und ein paar Freunden wird sie einfach "einen gemütlichen Abend machen". Sie weiß, daß in herkömmlichen Familien "auch nicht alles Gold ist, was glänzt". Ein schlechtes Gewissen hätte sie nur, wenn sie ihrem Sohn "eine Show" vorspielte, "ein Theaterstück von Weihnachten": "Bei uns ist es nun mal so, und bei anderen Leuten ist es halt anders."
* Namen sind geändert.
"Eltern, die ihren Kindern keine "richtige" Familie bieten können, haben ständig Schuldgefühle."
Sozialpädagoge Karl Droescher