Dialog-Fachtagung 1997 - Ergebnisse der Arbeitsgemeinschaften


    AG 1: Mißbrauch mit dem Mißbrauch - AG 2: Reform des Kindschaftsrechts
    AG 3: Vermeidung von psychosomatischen Störungen bei Kindern in Trennung und Scheidung


    AG 1: Mißbrauch mit dem Mißbrauch
    Protokoll: Hartmut Müller

    Forderungen:

    Aufklärung nur durch Staatsanwalt und Polizei bei besserer Ausbildung und dem Verbot von Suggestivmethoden (ärztliche und psychologische Gutachter sollen gegebenenfalls eingeschaltet werden)

    Einrichten von halbverspiegelten Vernehmungszimmern zur verdeckten Beobachtung

    Verfahrensverkürzung auf höchstens drei Monate / sofortiger Verfahrensbeginn nach Bekanntwerden des Verdachtes

    Erstbefragung auch bei Verdächtigten nur mit Video- und Tonbegleitung (Zeitpunkt der Erstbefragung definieren)

    Zusammenarbeit mit Jugendämtern - z.B. Teilnahme an Jugendhilfekonferenz

    Keine Kindesherausnahme aus der Familie ohne Beweis der Täterschaft - Verdacht genügt nicht

    "Pflegschaft zur weiteren Ausübung des Umgangsrechts bei Verdächtigungen"

    Sofortige Rückführung in die Familie bei Unschuld - gezielte Maßnahmen bei längerer Fremdunterbringung und psychologische Betreuung nach der Rückkehr in dieFamilie

    Anerkennung des "Polygraphen" und Anwendung der Methode auf freiwilliger Basis

    Strafrechtliche Verfolgung bei Vereitelung der Aufklärung und Verdunkelung

    Bei Verleumdung - Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechtes, Schadenersatz, Schmerzensgeld (Kunstfehler) - Verbot der Berufsausübung für Jugendamtsmitarbeiter, Rechtsanwälte, Gutachter, Ärzte

    Definition und Einteilung sexueller Handlungen nach der Schwere der Schädigung bzw. Gefährdung

    Adressaten der Forderungen:

    • Bundestagsausschüsse für Rechtund Familie
    • Petitionsausschüsse der Landtage
    • Deutscher Städtetag
    • Familiengerichtstag
    • Familien-, Straf-, Zivilgerichte
    • Staatsanwaltschaft
    • Landeskriminalämter
    • Ärztekammer
    • Bund dtsch. Psychologen
    • (Landes-)Jugendämter
    • Kitas und Heime
    • "Weisser Ring"


    AG 2: Reform des Kindschaftsrechts
    - Weisung an die Kinderkommission zur Gesetzesverbesserung -

    Teilnehmer

    Andreas Beldowski, Dialog zum Wohle des Kindes Hamburg e.V.
    Jan Piet H. de Man, Europäisches Institut für das Wohl des Kindes, Belgien
    Peter Herterich, Väteraufbruch für Kinder München e.V.
    Erich Kovacs, VeV, Schweiz
    Otto Kurth, 06217 Trebnitz
    Horst Löffler, Interessengemeinschaft Umgangs- und Sorgerecht für Kind+Vater
    Klaus Sander, Väteraufbruch für Kinder e.V. + Bündnis f. Kinder - Parents Forever Germany
    Thomas Sochart, Väter aktuell + Väteraufbruch für Kinder
    Peter Stoßhoff, S.E.M. e.V. + K.i.N.D.

    Unter den Teilnehmern herrscht Einigkeit, daß der bisherige Stand der Reform (einschließlich der beiden Anhörungen vom Dezember 96 und Februar 97) im Wesentlichen nicht geeignet ist, die katastrophale Zahl der Trennungswaisen und Opfern unberechtigter Kindeswegnahme (ca. 150.000 jährlich) deutlich zu reduzieren

    Hingewiesen wird auf eine umfassende Stellungnahme, die von verschiedenen Verbandsvertretern unter dem Dach des neu gegründeten Verbandes „Bündnis für Kinder und Menschenrechte - Parents FOREVER Germany“ noch in diesem Monat verabschiedet und eingereicht werden wird.

    Im Folgenden werden mögliche und geplante Aktionen besprochen, um doch noch Einfluß auf den weiteren Gesetzgebungsverlauf zu nehmen:

    1. P. Stoßhoff weist auf die Falldokumentation Kindeswegnahme von SEM hin, die in den nächsten Wochen in einer aktualisierten Form der Öffentlichkeit vorgestellt wird (mehr als 600 Fallbeispiele).

    2. Fallsammlung + Forderungen nach Bonn (Rechtsausschuß) - auf Initiative des Väteraufbruch für Kinder und mit Unterstützung des „Bündnisses für Kinder und Menschenrechte - Parents Forever Germany“ wird ganz kurzfristig zu ausgewählten Bereichen zur Einreichung von Fällen und einer zusammenfassenden Stellungnahme/Fordungskatalog zur aktuellen Situation aufgerufen. Termine: a) 11.5.1997 b) bis Ende Mai 97

    Ansprechpartner: Thomas Martin, Köln; Thomas Sochart, Nürtingen

    [Aufruf ist inzwischen erfolgt und unter http://www.paPPa.com/buendnis-pfg/fallbonn.htm abrufbar.]

    3. Fallsammlung+Forderungen auf Diskette an alle MdB und die Presse (Auflage ca. 1.000)
    Auf die Fallsammlung von SEM wird dabei Bezug genommen werden.

    Die AG empfiehlt die baldige Vernetzung der Informationen bei Beibehaltung der Vereinsautonomie.

    4. Es besteht weiterer Informationsbedarf hinsichtlich der Einreichung von aktuellen Fällen zur UN nach Genf sowie zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, Straßburg. Ansprechpartner: Thomas Sochart und Hilmar Stracke

    5. Unterstützung der Vatertagsaktion des Väteraufbruch für Kinder am 8. Mai 1997, u.a. „999 Luftballons für Lena“ in einigen Großstädten, bundesweit [inzwischen mit guter Resonanz durchgeführt)

    6. Einladung zu Informationsveranstaltungen an die MdB der einzelnen Bundesländer (Beliner Aktion unter http://www.paPPa.com/veranst/pfgb0697.htm)

    7. Aktion in Bonn, am Bundestag zur 3. Anhörung! Es kommt eine Wiederholung der Luftballonaktion (jeder Ballon ein „entsorgtes“ Kind) in Frage. P. Stoßhoff berichtet von öffentlichkeitswirksamer Aktion mit wassergefüllten Ballons.

    Aktion macht nur Sinn als vereinsübergreifendes Projekt. Wird vom „Bündnisses für Kinder und Menschenrechte - Parents Forever Germany“ um den 20. Mai offiziell vorgestellt werden; der genaue Termin ist noch offen, wird sich u.U. erst sehr kurzfristig erfolgen.

    Zeitliche Protestaktion vor allen Oberlandesgerichten / Bundesobergerichten: Wurde nicht weiter behandelt, Koordinator mußte vorzeitig abreisen.

    Es braucht für alle Aktionen:

    1. Einen - möglichst zwei - verantwortliche Ansprechpartner/Koordinatoren
    2. Festen, verbindlichen Zeitplan
    3. Konzept für Pressearbeit - verteilt vorgehen


    AG 3: Vermeidung von psychosomatischen Störungen bei Kindern in Trennung und Scheidung

    Es herrschte Einigkeit darüber, daß psychosomatische Störungen durchaus auch bei Mitgliedern sog. „heiler“ Familien auftreten können. Psychosomatische Störungen sind als Symptome jener Krankheiten zu betrachten, die durch fehlende Bearbeitung seelischer Probleme entstehen können: Genannt wurden Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, Erkrankungen der Atemwege (insbes. Asthma), Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes sowie eine Vielfalt motorischer Störungen.

    Im Konfliktfall Trennung/Scheidung verstärken sich naturgemäß bei allen Beteiligten entweder bereits vorhandene psychosomatische Störungen oder werden hervorgerufen. Dieser Umstand kann in erheblichem Umfange dazu beitragen, daß der Trennungskonflikt sich verschärft: Häufig wird die Krankheit des Kindes/der Kinder in eine „Ablehnung“ des jeweils anderen Elternteils umgedeutet und nicht als Krankwerden an der Situation selbst gewürdigt.

    Christiane Thomas-Plesner (paPPa.com) regte an, daß die Teilnehmer des Arbeitskreises an konkreten Beispielen aufzeigten, auf welche Weise sie jeweils mit den Beschwerden ihrer Kinder - auch im sog. „Normalfall“ - umgingen: Wenn auch zumeist Laien auf den Fachgebieten Psychologie bzw. Medizin, so seien sie als Eltern insgesamt Experten, was die eigenen Kinder anginge. Ständige Aufmerksamkeit für die kleinsten Signale (die berühmten „Bauchschmerzen“), offene Augen und Ohren für die eigenen Kinder seien die besten Ratgeber, um präventiv gegen eventuell aufkommende psychosomatische Störungen angehen zu können.

    Ergänzend wurden von Birgitt Schwämmle (Eltern-Dialog für Kinder bei Trennung und Scheidung) Forderungen nach qualifizierter und vor allen Dingen häufiger angebotener Unterstützung in Kindergärten und Schulen geäußert. Das existierende Angebot an Selbsthilfegruppen bzw. Beratungen - seien es private oder öffentliche Einrichtungen - müsse ausgebaut werden.

    Prof. Dr. Ploeger (Rheinisch-Westfälische TH Aachen, Verfasser der „Aachener Scheidungs-Studie ASS“) formulierte - quasi als „Vision“ - drei Forderungen:

    1. Es möge eine obligatorische Beratung über die „Gefahren der Ehe“ eingerichtet werden

    2. Es möge obligatorisch seitens der damit künftig befaßten Institutionen ein Hinweis auf die konkrete Möglichkeit der einvernehmlichen Lösung im Trennungsfall gegeben werden (oft werden diese noch nicht einmal über die Möglichkeit der gemeinsamen Sorge aufgeklärt).

    3. Es möge die Trennung der Eltern/Scheidung der Ehe nicht vor einem Gericht vollzogen und auch nicht von Rechtsanwälten erstritten werden; stattdessen sei als Regelfall die Mediation zwischen den in Trennung befindlichen Partnern einzuführen.

    Die Teilnehmer des Arbeitskreise waren sich darüber einig, daß die Einführung der gemeinsamen elterlichen Sorge nach Trennung und Scheidung als Regelfall - für nichteheliche wie für eheliche Verbindungen - entscheidend dazu beiträgt, daß konfliktverschärfende Spannungen mit all ihren seelischen wie körperlichen Folgen weitestgehend gemildert wenn nicht gar vermieden werden können.

    Der Arbeitskreis richtete die Empfehlung an den Verband DIALOG zum Wohle des Kindes sowie an das „Bündnis für Kinder und Menschenrechte - Parents Forever Germany“, einen ständigen Arbeitskreis „Vermeidung von psychosomatischen Störungen ...“ einzurichten und andere Verbände anzuregen, ebenso zu verfahren.


    Vorschläg zur Dialog - Kinderpolitik an eMail: ms.DIALOG@t-online.de (Manfred Swars)

    DIALOG Ruhrgebiet-Homepage