Jan Piet H. de Man - 26.10.2005
Das Alter und die gleichmäßige Beherbergung (Unterbringung)
Die gleichmäßige Beherbergung - genau so wie jede andere Aufenthaltsregelung - muss an das Alter des Kindes angepasst sein. Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass, je älter man wird desto schneller die Zeit vergeht; oder anders gesagt, je jünger das Kind ist desto länger dauert Zeit für es. Um eine Idee von der subjektiven Erfahrung der Zeit zu bekommen, kann man sie so zum Ausdruck bringen, dass man sie prozentual zum Alter setzt. Auf diese Weise würde 1Tag für ein einjähriges Kind - in seiner subjektiven Zeiterfahrung - ebenso lange dauern wie für seine 30-jährigen Eltern 1 Monat; und 12 Tage (zwischen 2 Umgangswochenenden in der traditionellen Aufenthaltsregelung) ebenso lange wie 1 Jahr. Das bedeutet also, je jünger ein Kind ist, desto weniger besitzt es die Fähigkeit, eine Trennung von einer bestimmten Dauer auszuhalten.
Der Weltexperte auf dem Gebiet von Kindern unter 3 Jahren, Dr. Michael Lamb und eine der Weltexpertinnen für Scheidungskinder, Dr. Joan Kelly, haben zusammen im Schlusskapitel von ihrem Artikel "Benutzung der Untersuchungen über die Entwicklung von Kindern, um auf Grund davon geeignete Entscheidungen zu treffen über die Aufenthalts- und Umgangsregelungen für Kleinkinder" die am besten fundierten Antworten gegeben auf die Frage: " Wie lang ist die angemessene Zeitdauer einer Trennung von Bindungspersonen?" [1]/. Tatsächlich zeigt sich, dass die Bedürfnisse von den Kindern, nicht zu lange von ihren Bindungspersonen getrennt zu sein, sich mit ihrem Alter entwickelt. Bedauerlicherweise gibt der Artikel nur konkrete Bezeichnungen (3 bis 6 Jahre: 3 bis 4 Tage; von rund 7 bis 8 Jahre: 5 bis 7 Tage) ab dem Alter von 3 Jahren. Für jüngere Altersstufen kann man das Buch von dem französischen Psychoanalytiker Dr. Maurice Berger zurate ziehen [2]/ (jedoch mit Vorsicht: es scheint nur auf Expertisen von besonderen Fällen zu basieren). Für Babys von 0 bis zu 1 Jahr meint er, dass "das Kind seinen Vater 2 bis 3 mal pro Woche sehen dürfe, während jeweils 3 bis 4 Stunden ohne Übernachtung"; "ab einem Jahr kann eine Nacht dazu kommen und ab 3 Jahren ein ganzes Wochenende mit 2 Nächten" (Seite 114). Man kann jedoch eher Joan Kelly den Vorzug geben, weil ihre Untersuchungen mehr auf den Ergebnissen von vielen empirischen wissenschaftlichen Untersuchungen in größeren und mehr allgemeinen Stichproben basieren.
Ausgegangen von einer schrittweisen Evolution
der Fähigkeiten des Kindes, könnte man folglich, auf Basis von
all den Autoren, den folgenden "sehr genauen progressiven Kalender"
vorschlagen, der jeweils an das Alter des Kindes angepasst ist:
| 0 bis 6 Monate | 3 mal pro Woche, jedes Mal 3 Stunden mit dem Vater |
| 6 Monate bis 1 Jahr | 3 mal pro Woche, je 4 Stunden mit dem Vater und 1 Übernachtung |
| 1 bis 3 Jahre | 3 mal pro Woche, je 5 Stunden, aber 24 Stunden am Wochenende mit dem Vater |
| 3 Jahre | nicht mehr als 3 Tage mit 1 Elternteil |
| 4 Jahre | nicht mehr als 4 Tage mit 1 Elternteil |
| 5 und 6 Jahre | nicht mehr als 5 Tage mit 1 Elternteil, z.B. 5 / 5 / 2 / 2 (Freitag-Montag) |
| 7 Jahre | nicht mehr als 6 Tage mit 1 Elternteil |
| 8 bis 9 Jahre | nicht mehr als 7 Tage mit 1 Elternteil (1 Woche) und 10 Tage in den Ferien |
| 10 bis 13 Jahre | nicht mehr als 7 Tage mit 1 Elternteil (1 Woche) und 2 Wochen in den Ferien |
| 14 Jahre und älter | nich mehr als 2 Wochen mit einem Elternteil, wenn die/er Jugendliche/r es wünscht (Übergänge am Freitag) |
Der obige Kalender entspricht gut "den Untersuchungen über Scheidungen, die feststellen, "dass eine Trennung von 12 Tagen von" "dem Elternteil, bei dem die Kinder im Augenblick am wenigsten übernachten" "für viele Kinder oft viel zu lang ist (.....) Außerdem gibt diese Option dem Elternteil", bei dem das Kind die 12 Tage bleibt "wenig Entlastung von der Verantwortlichkeit gegenüber den Kindern." [3]/ Der Kalender entspricht auch gut "einer ganzen Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen," die gezeigt haben, dass viele Kinder, in der Hauptsache Jungs, mehr Zeit mit dem Vater zusammen sein wollen als traditionell ausgehandelt oder befohlen wurde; dass Kinder und Jugendliche im Erwachsenenalter den Verlust und Kontakt mit einem Elternteil als wichtigsten negativen Aspekt von der Scheidung ansehen; und dass Kinder immer wieder sagen, dass sie ihren Vater vermissen [4]/. Trotz solcher Forschungsergebnissen hat sich die Rechtsprechung nur langsam geändert." [5]/
Damit Scheidungskinder schneller in den Genuss von den an ihr Alter angepasste Aufenthaltsregelungen kommen, sollte man im Bürgerlichen Gesetzbuch (z. B. in einem "gesetzlichen Scheidungssystem") einen einfacheren Gesetzestext als obigen Kalender einbringen: das ein Kind nicht mehr Tage von einem Elternteil getrennt sein darf als es Jahre alt ist (also 1 Tag für ein einjähriges Kind, 2 Tage für ein zweijähriges, usw.). Oder noch einfacher - und kostengünstiger für die Eltern -: "Solange die Eltern nichts anderes vereinbaren, werden ihre Kinder abwechselnd je einen Tag von jedem Elternteil untergebracht werden".
[1] - Joan B. Kelly and
Michael E. Lamb: Using child development research to make appropriate custody
and access decisions for young children. Family and conciliation courts
review, Vol. 38 No. 3, July 2000, 297-311: p. 308-309: "How much separation
from primary attachment figures is appropriate?"
- De Man, Jan Piet H.: Benutzung der Untersuchungen
über die Entwicklung der Kinder, um auf Grund davon geeignete Entscheidungen
zu treffen über die Aufenthalts- und Umgangsregelungen für junge
Kinder. (teilweise Übersetzung von: Joan B. Kelly and Michael E. Lamb:
Using child development research to make appropriate custody and access
decisions for young children. Family and conciliation courts review, Vol.
38 No. 3, July 2000, 297-311.) Edegem (B): Europäisches Institut für
das Wohl des Kindes, 21.10.2005.
[2] Berger, Maurice & Gravillon, Isabelle: "Mes parents se séparent", Ed. Albin Michel, 2003.
[3] Joan B. Kelly, Ph.D.: Some Options for Child Custody Parenting Plans (for Children of School Age) www.ColoradoDivorceMediation.com 2003. (basé sur ce que les dernières recherches cliniques et concernant le développement nous apprennent).
[4] - Fabricius, W. V.,
& Hall, J. (2000). Young adults' perspectives on divorce: Living arrangements.
Family and Conciliation Courts Review, 38, 446-461;
- Healy, J., Malley, J., & Stewart, A.
(1990). Children and their fathers after parental separation. American
Journal of Orthopsychiatry, 60, 531-543.
- Hetherington, E. M. (1999). Should we stay
together for the sake of the children? In E. M. Hetherington (Ed.), Coping
with divorce, single parenting, and remarriage (pp. 93-116). Mahwah, NJ:
Erlbaum.
- Hetherington, E. M., Cox, M., & Cox,
R. (1982). Effects of divorce on parents and children. In M. Lamb (Ed.),
Nontraditional families (pp. 233-288). Hillsdale, NJ: Erlbaum.
- Laumann-Billings, L., & Emery, R. E.
(2000). Distress among young adults in divorced families. Journal of Family
Psychology, 14, 671-687.
Wallerstein, J. S., & Kelly, J. B. (1980).
Surviving the breakup: How children and parents cope with divorce. New
York: Basic Books.
[5] Kelly , Joan B. and Robert E. Emery: Children's Adjustment Following Divorce: Risk and Resilience Perspectives. Family Relations, 2003, 52, 352-362, p. 354.
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© paPPa.com e.V. - Stand dieser Seite: November 2006 - Fundstelle: http://www.paPPa.com/divorce_child/deMan-Alter+gleichmaessige-Beherbergung.html