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Dürfen Lesben Vater werden?
Parlamentsausschuß spricht sich für homosexuelle Ehen aus - Gesetzesänderung hat Chancen
Von HELMUT HETZEL
Den Haag - Loret Karman und Yvette van Geest hegen wieder
Hoffnung. Die beiden Lesben wollen eine "richtige" Familie gründen
und heiraten, bekamen jedoch auch vom obersten niederländischen Gericht,
dem "Hoge Raad" in einem Grundsatzurteil nicht das Recht darauf
zugesprochen. Deshalb forderten sie die Politik auf, die geltenden Familiengesetze
in den Niederlanden zu ändern. Die beiden Frauen fanden Gehör.
Das Haager Parlament setzte daraufhin einen Ausschuß ein, der die
Möglichkeiten einer "Homo-Ehe" und die dafür nötigen
Gesetzesänderungen evaluieren sollte. Der Ausschuß legte nun
seinen Abschlußbericht vor. Fünf der insgesamt acht Ausschußmitglieder
sprachen sich darin dafür aus, daß schwulen und lesbischen Paaren
künftig das Recht zu heiraten eingeräumt werden solle. Auch sollen
diese homosexuellen Paare nach Meinung des Ausschusses die Möglichkeit
erhalten, Kinder zu adoptieren. Nur drei der acht Ausschußmitglieder
votierten in dem Abschlußbericht, der als "Vorschlag zu einer
Gesetzesreform" sowohl dem Haager Parlament als auch der Regierung
zugeleitet wurde, gegen die Möglichkeit einer Homo-Ehe.
Nun ist der Gesetzgeber am Zug. -> Hier weiterlesen -> http://www.welt.de/daten/1997/10/30/1030vm95592.htx
Kommentar paPP.com: Was die Holländer können ... Wir haben die PDS-Vertreterin für Frauenpolitik im Deutschen Bundestag, Christina Schenk, um Auskunft gebeten, ob sie nicht ähnliche Vorhaben auch in Deutschland eingeleitet hat und warten auf Antwort ...
... die dann auch sehr schnell kam - am 31.10.1997:
Wir fragten:
> Da wir um Ihr Engagement in diesem Bereich wissen, fragen wir an,
ob Sie
> von Inititativen wissen, die gleichgeschlechtlichen Paaren auch in
> Deutschland die volle Elternschaft bringen kann.
Christina Schenk dazu:
"Nein - solange die konservative Mehrheit fortbesteht, gibt es nicht die geringste Chance einer progressiven Änderung.
Die Forderungen liegen schon lange auf dem Tisch. Der Antrag der PDS zum Kindschaftsrecht (und auch der der BündnisGrünen) enthält entsprechende Passagen. Darüber hinaus tritt die PDS im Bundestag für die Gleichstellung aller Lebensweisen ein, was zwingend bedeutet, daß die sexuelle Orientierung bei allen Fragen im Zusammenhang mit Elternschaft unerheblich zu bleiben hat. Die Antwort der Bundesregierung auf eine von mir in den Bundestag eingebrachte Große Anfrage zur Situation von Lesben und Schwulen in der BRD hat im übrigen deutlich gemacht, daß für die Konservativen ein solcher Gedanke noch immer ein Greuel ist. Die sind damit offenbar hoffnungslos überfordert.
Zur Zeit wird in der PDS-Bundestagsgruppe an einem Antrag zur Gleichstellung aller Lebensweisen gearbeitet. Ich hoffe ihn noch in diesem Jahr in den Bundestag einbringen zu können. Dieser wird sich nicht auf die - so unendlich triviale - Forderung nach Heiratstrecht für Lesben und Schwule beschränken, sondern dies mit konkreten Vorschlägen zur Beendigung der Eheprivilegien verbinden.
Mit freundlichem Gruß
Christina Schenk"