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FOCUS Nr. 40/1999 vom 4.10.99, Seiten 264/266
Leserbriefe per Fax an 089 92 50 31 96 und/oder eMail leserbriefe@focus-r.de
[Anmerkung paPPa.com: Der Beitrag ist auch eine Besprechung des neuen Buches
von Karin Jäckel, Die Frau an seiner Seite - "Nur"-Hausfrauen
im Spiegel des Feminsmus, DTV 1999, DM 19,90]
Es wird zurückgescheuert
Das Manifest der deutschen Hausfrauenbewegung dreht
Karriere-Ladys und Radikal-Emanzen durch die Mangel
Als der Trendforscher Peter Wippermann vor einigen Monaten die Ergebnisse seiner neuen Frauenumfrage sichtete, blieb ihm die Futurologen-Spucke weg. 60 Prozent der jüngeren deutschen Frauen (zwischen 14 und 40) wollten lieber Hausfrau sein, statt als "moderne Amazone" oder "smarte Schlampe" durchs Leben zu tapern (FOCUS 25/99).
Auch andere Meinungsumfragen aus neuerer Zeit erbrachten, dass immerhin etwa die Hälfte der Frauen in Westdeutschland dem scheinbar vorgestrigen Ideal der häuslichen Rundumversorgerin anhängen. Kaum zu glauben, wo doch die Hausfrau aus der Medienöffentlichkeit weitgehend verschwunden ist.
Unermüdlich porträtieren Frauenzeitschriften tapfere Karrieremacherinnen, und in Fernsehkrimis bringen coole Polizistinnen jeden finsteren Schurken zur Strecke (und damit symbolisch die Männerherrschaft gleich mit).
Drei Dinge braucht die Frau, glaubt man den Medien: einen tollen Job, einen toleranten Mann und – zur weiteren Egostärkung – einen heißen Lover. (Wenn’s sich so nebenbei einrichten lässt, können auch ein oder zwei Kinder dazukommen.)
So etwas nervt Karin Jäckel, Kinder- und Sachbuchautorin aus dem Schwarzwald. Die dreifache Mutter findet es jedenfalls gut, wenn sich Geschlechtsgenossinnen bereit finden, “die Frau an seiner Seite“ (Buchtitel) zu sein – gemeint ist: an der Seite eines netten, allein verdienenden Gemahls. Flankenschutz erhält Jäckel, in Form von Geleitworten, durch Mitstreiterinnen von der Deutschen Hausfrauengewerkschaft sowie der Weltorganisation der Mütter aller Nationen (W.O.M.A.N.)
Vor allem geht es Karin Jäckel darum, die Schmähungen der “Familienfrauen“ durch Feministinnen anzuprangern. Beispiele: Die ehemalige hessische Frauenministerin Heide Pfarr beschuldigte Hausfrauen, ihren Männern den Rücken freihalten zu wollen, damit sich diese unfairerweise der Konkurrenz der Karrierefrauenbataillone erwehren könnten. Den Lebensentwurf Hausfrau, so Pfarr laut Jäckels Zitat "unterstütze ich nicht, sondern bekämpfe ihn, wo ich ihn treffe“. Die Soziologin Gunhild Gutschmidt hält Hausfrauen und ihre Ehemänner – sinngemäß – sogar für Schmarotzer des Sozialsystems, weil die Familienversorgerinnen keine Beiträge in die Rentenkasse entrichten müssen.
Viele bittere Worte verliert Jäckel über das Mobbing gegen die Frauen mit Mopp. Macht es aber wirklich Freude zu kochen, zu putzen, zu erziehen, den Ehemann zu umsorgen? Einen Einblick in die Lebens- und Gefühlswelt der heutigen Hausfrauen bekommt man von ihr nicht. Sie rechtfertigt das Versorgerdasein vor allem mit Vorteilen fürs seelische Kindeswohl.
Ein einziges Rollenvorbild hat sie parat, allerdings nicht gerade ein taufrisches: Katharina von Bora, Gattin des Kirchenrebellen Martin Luther, sei eine selbstbewusste Frau gewesen, dennoch eine verlässliche Gefährtin des Mannes, umsichtige Wirtschafterin und gute Mutter.
So lange die Autorin lediglich das Recht der Hausfrau einfordert, nicht diskriminiert zu werden, ist ihr völlig zuzustimmen. Richtig liegt Karin Jäckel zudem, wenn sie beklagt, wie sehr das Geschlechterverhältnis durch feministische Halb- und Viertelwahrheiten gestört ist: etwa durch die Unterstellung, dass Männer massenhaft Kinder missbrauchten und Frauen verprügelten oder dass sie schlechte Väter seien, auf deren Erziehungsleistung leicht verzichtet werden könne. ln Ordnung geht noch, wenn sie gegen pädagogische Experimente vom Leder zieht, in denen kleinen Jungs Aggressivität aberzogen, kleinen Mädchen jedoch anerzogen werden soll.
Die antifeministische Giftspritze bedient sie dann leider doch etwas zu intensiv. Während Feministinnen gern einer Verschwörungstheorie anhängen nach der ein ominöses "Patriarchat" die Frauen mit allen Mitteln von den Chefsesseln der Macht fern halte, unterstellt Jäckel - auf dem gleichen Niveau – dem "Hardlinerfeminismus" ein geheimes Programm zur "Zerstörung von Familienstrukturen" und der "Eliminierung von Männern", weibliches Dominanzstreben sei an Ehezerwürfnissen, Jugendkriminalität und seelischen Störungen der Kinder schuld, suggeriert sie und macht sich die Sache damit viel zu einfach.
Keiner Erwähnung wert ist ihr auch der Umstand, dass es für Frauen angesichts einer Scheidungsquote von mittlerweile 40 Prozent ziemlich riskant ist, ihren Berufsweg abzubrechen. Oder dass viele Mütter schlicht deshalb arbeiten gehen, weil der Ehemann zu wenig verdient.
Wenn Karin Jäckel schließlich behauptet, der Feminismus habe die Frauen mittels "Gehirnwäsche" dem ihnen ureigenen Hausfrauenleben "entfremdet", dann errichtet sie ein ebenso törichtes Dogma wie ihre Gegnerinnen. Dem feministischen Postulat der erwerbstätigen Mutter setzt sie – indirekt – die Norm entgegen, eine Frau mit Kindern habe naturgemäß Hausfrau zu sein.
Nicht einmal die Autorin hält sich streng an ihre eigenen Vorgabe: Sie schreibt seit vielen Jahren Bücher - meistens mehrere pro Jahr.
Frank Gerbert
Leserbriefe zu diesem Artikel:
peter brumann, 6.10.99
Sehr geehrte Redaktion,
zum oben erwähnten Bericht über das Buch von Karin Jäckel führt Ihr Autor auch aus: "Drei Dinge braucht die Frau, glaubt man den Medien: einen tollen Job, einen toleranten Mann und einen heißen Lover". Zu dieser Art von Medien zählt Focus, Gott sei Dank, aber nicht!
Glaubt man nämlich gewissen Medien wirklich, dann braucht diese Frau noch erheblich mehr, nämlich den Mann als Schläger und Vergewaltiger, damit sie sich selbst als Opfer fühlen und dadurch ihr unnatürliches Rollenverhalten legitimieren kann. Und sie braucht auch den Mann, der sich nur noch dann als Macho fühlt, wenn er blutrünstige Brutalitäten über Männer in der Zeitung verfolgen kann. Auch als Unterhaltssklave und Samenspender ist der Mann für diese Frau von großem Nutzen.
Da Goldstücke - wie von Karin Jäckel geschildert - immer in festen Händen sind, bleibt doch nur noch ein logischer Weg: "Männer, lebt solo, entfraupiziert euch und laßt euch unter Naturschutz stellen". Das Hauptproblem aller Berufsfeministinnen wird schon Mitte des nächsten Jahrhunderts genetisch zu lösen sein. Man wird den pflegeleichten-austauschbaren-sanften und hochpotenten Mann als abwaschbare Ausführung auf den Markt bringen, der rein äußerlich eine Kreuzung zwischen Tarzan und Don Camillo sein könnte.
"Die Frau an seiner Seite", endlich mal ein Buch, daß sich durch Ehrlichkeit auszeichnet und genau das bringt, was sich die Mehrzahl der Frauen nur heimlich zu wünschen wagt.
Herzliche Grüße Ihr
Peter Brumann
Wir leben in einer Zeit, die dieses und jenes, einfach alles in Frage stellt.
Die Folge: Wir klagen über Orientierungslosigkeit, Werteverlust, beklagen zunehmende Scheidungsraten und eine schleichende Auflösung der Familie. Nichts scheint mehr wie früher!
Die Gegenüberstellung Hausfrau versus erwerbstätige Alleinerziehende ist dabei nur ein Ausschnitt bei der Betrachtung des Gesamtsystems 'Familie' . Als Keimzelle der Gesellschaft begleitete diese Institution - mit der heute in Frage gestellten traditionellen Rollenverteilung - den Menschen seit seiner Frühzeit als steinzeitlicher Jäger. Nichts anderes versucht auch Karin Jaeckel ihren Lesern zu vermitteln. Es ist daher töricht, wenn Sie schreiben:
"Wenn Karin Jäckel schließlich behauptet, der Feminismus habe die Frauen mittels "Gehirnwäsche" dem ihnen ureigenen Hausfrauenleben "entfremdet", dann errichtet sie ein ebenso törichtes Dogma wie ihre Gegnerinnen. Dem feministischen Postulat der erwerbstätigen Mutter setzt sie - indirekt - die Norm entgegen, eine Frau mit Kindern habe naturgemäß Hausfrau zu sein."
Was sich in Millionen Jahren unserer Stammesgeschichte ausgebildet hat, der Spezies homo sapiens als nützlich für die erfolgreiche Brutpflege erwies, was uns in unserem Innersten geprägt hat, läßt sich nicht um eines momentanen Zeitgeistes willen folgenlos abschaffen. Negative Selektion tritt ein. Die Quittung ist die weniger erfolgreiche Brutpflege.
Das sehen wir derzeit schon: wir beklagen zunehmende Gewalttätigkeit bei Jugendlichen, eine steigende Kinderkriminalität. Noch denkt freilich niemand darüber nach, dass dies durch das Aufbrechen der traditionellen Familie verursacht sein könnte.
Wer an der Institution der Familie zu sehr rüttelt und die voranschreitende Individualisierung unserer Gesellschaft mit vorantreibt, zerstört nicht nur unsere Kinder sondern die Zukunft der gesamten Gesellschaft. Der Evolution ist es dabei völlig wurscht, welcher Art die Ideologie ist, die dies zuwege bringt.
Dr. Christian Adler
Verhaltensforscher, Diplomphysiker
Rezension von Karin Jäckel: Die Frau an seiner Seite (dtv 1999)
Ein Plädoyer für die Hausfrauenehe und eine Abrechnung mit dem Feminismus
Aus den Medien ist die Nur-Hausfrau weitgehend verschwunden und ersetzt worden durch die schwungvolle, durchgestylte Businessfrau, die Beruf, Kinder und Haushalt locker unter einen Hut bringt.
Die Wahrheit aber scheint zu sein - wenn man denn Karin Jäckel glauben darf -, dass für sehr viele Frauen auch heute noch der Lebensentwurf "Nur-Hausfrau" durchaus attraktiv zu sein scheint. Über die Hälfte der jüngeren Frauen (bis 40 Jahre) gibt an, lieber zu Hause zu bleiben, als berufstätig zu sein. Und sogar unter Studentinnen kann sich keine Einzige vorstellen, lebenslang einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen.
Karin Jäckel nimmt den Lebensentwurf der Hausfrau oder der "Frau an seiner Seite" unter die Lupe und beklagt deren gesellschaftliche Entwertung: die Hausfrau würde als Schmarotzerin dargestellt, die sich lieber aushalten ließe statt selbst Geld zu verdienen; die Hausarbeit würde als das bisschen Haushalt" abqualifiziert und Erziehungsarbeit nicht genügend anerkannt.
Die Entwertung der Hausfauenrolle, hauptsächlich durch Feministinnen betrieben, führe zum Verfall der Familie und dazu, dass Kinder orientierungslos aufwachsen: ungeliebt, einsam, vernachlässigt - oft auch vaterlos. In den Berichten mehrerer Familienfrauen wird es dann etwas differenzierter und auch der Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem Wandel und veränderten Rollenbildern wird aufgezeigt.
Als Musterbeispiel einer klassischen "Frau an seiner Seite", die wegen ihrer Klugheit und Tüchtigkeit alle Anerkennung verdient, wird Katharina von Bora angeführt (Ehefrau von Martin Luther). Außerdem kommen zwei alte Frauen zu Wort, die ihr zwar entbehrungsreiches, aber sinnerflülltes Frauenleben eindrucksvoll schildern. Zum Beispiel eine Bäuerin, die nicht nur ihre vier Kinder zu lebenstüchtigen Menschen heranzog, sondern auch noch bei der Feldarbeit mithalf, für den Stall zuständig war und von Waschen (alles per Hand!), Weben, Flicken, Buttern, Käsen, Kochen, Backen und Einwecken berichtet. Ihr Leben sei dahingegangen in Sorge füreinander. Von "großer Liebe" ist hier nicht die Rede, höchstens mal verschämt von "Liebhaben". Aber in der einfachen Art dieser Frau kommt eine Lebensklugheit und Herzenswärme zum Ausdruck, die eine moderne Frau aufhorchen lassen müsste: von gegenseitigem Respekt und Unterstützung ist hier die Rede! Ohne Groll oder Vorwurf, nur mit einer gewissen Traurigkeit und Bitterkeit beschreibt diese alte Bäuerin ihre junge Schwiegertochter. Diese habe ihren Sohn nur unter den Bedingung geheiratet, in der Landwirtschaft nicht mithelfen zu müssen. Und obwohl sie alles hat (Zentralheizung, Waschmaschine usw.) wurde sie den Haushalt nicht schaffen und ständig darüber klagen, wie überfordert sie mit der Hausarbeit und den beiden Kindern sei.
Weiter Beispiele von unzufriedenen Hausfrauen fehlen; außer dass eine jüngere, 32jährige, überzeugte Familienfrau sehr anschaulich ihre Mutter beschreibt: eine ewig klagende, nörgelnde, den Mann missachtende und fordernde Frau. Überhaupt wird die Negativseite der Hausfrauenrolle - die finanzielle Abhängigkeit vom Mann, das ständige Verfügbarsein, die soziale Isolation, die "Drecksarbeit" - hier kaum erwähnt, fast ignoriert.
Die Schuld an der Diskriminierung der Hausfauenrolle gibt Karin Jäckel hauptsächlich der Frauenbewegung, den Radikal- und Hardlinerfeministinnen: "Die Kampfparolen des Radikalfeminismus, die wirkungsvoll als verbale Waffen gegen männliche Machthaber gerichtet wurden und zum Ziel haften, die traditionelle Rollenverteilung zwischen Frauen und Männern aufzulösen, um einen Machtwechsel zu erzwingen, haben sich verselbständigt. Sie wurden verinnerlicht und sind als zerstörerische Saat in den Köpfen aufgegangen." Statt auf die erreichten Errungenschaften stolz zu sein und sie zu hegen und zu pflegen, würde weiterhin nur gekämpft und gefordert.
Die Botschaft, dass Frauen grundsätzlich schwächer, besser, immer unschuldig, immer benachteiligt sind und deshalb schützenswert und förderungsbedürftig sind wollen nicht enden. Also müssten sie an die Hand genommen werden! Wenn nicht von einem Mann, dann von anderen Frauen, nämlich Feministinnen. D.h. Frauen würde jeder freie Wille, jede eigene Entscheidungsfähigkeit abgesprochen. Nur Feministinnen wissen, was für Frauen gut ist!?
Keine Frau sollte an den Herd gezwungen werden. Aber wenn sich eine freiwillig dafür entscheidet, sollte das ernst genommen werden und respektiert werden. Karin Jäckel spricht sich vehement gegen den männerverachtenden Feminismus aus und fordert Frauen nachdrücklich auf, selbstkritischer zu sein und mehr Verständnis und Respekt gegenüber Männern / Ehemännern / Vätern aufzubringen. Auch mit dem blindwutigen Hass - jeder 3. Mann sei ein Schläger, jeder 7. ein Vergewaltiger - müsste endlich Schluss sein. Feministinnen würden ignorieren, sogar bespötteln oder bewitzeln, dass auch Männer benachteiligt sein können oder leiden können.
Und Frauen seien durchaus keine Unschuldsengel: z.B. wenn sie nach Trennung/Scheidung den Mann zwar finanziell schröpfen, ihm aber nicht sein Kind herausrücken. Du Hauptvorwurf an die Feministinnen geht aber dahin, dass sie Frauen in die Erwerbstätigkeit drangen würden und dies als das einzig Seligmachende darstellten, weil es eben die einzigste Möglichkeit wäre, vorn Mann finanziell unabhängig und somit frei zu sein. Die Frauen sollten auch aufhören, den Männern die Schuld daran zu geben, dass sie in Führungspositionen unterrepräsentiert seien. Viele Frauen wollten das gar nicht anders.
Hier schleicht sich bei der Hausfrauen-Argumentation allerdings genau das ein, was sie Feministinnen vorwerfen: nämlich dass sie, um den eigenen Wert zu erhöhen, andere (Männer) missachten. Die Erwerbsarbeit des Mannes - wenn er denn Ehemann / Vater / Familienernährer ist - müsse zwar geachtet und unterstützt werden, weil sonst die Hausfrauenehe nicht funktioniert. Aber da kommen von der Hausfrauenseite böse Töne von Intoleranz und Missachtung gegenüber den berufstätigen Geschlechtsgenossinnen: eiskalte Karriere-Ladies, egoistisch, nur auf Selbstverwirklichung bedacht kinderfeindlich, konsumorientiert; von "Tussis" ist die Rede, von verklemmten Schnepfen, alten Jungfern usw. Und bei Frauen, die es schaffen, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bringen, wird argwöhnisch und akribisch bei den Kindern nach Verhaltensstörungen gesucht. Also auch die hochgelobte Hausfrau scheint nicht ganz frei von Konkurrenzdenken und Neid zu sein. Ist die Frau, die vielleicht bewusst auf eigene Kinder verzichtet, um 40 Jahre lang tagtäglich als Kinderärztin zu arbeiten, etwa eine Tussi? Oder die Verkäuferin, die tagtäglich hinter der Theke steht, weil aus irgendwelchen Gründen ein männlicher Ernährer fehlt?
So sehr Karin Jäckel die Hausfrauenehe an sich befürwortet, sie verteilt auch Schelte an ihre Geschlechtsgenossinnen insgesamt, nicht nur an Feministinnen: nur Rechte haben wollen, aber keine Pflichten, das ginge eben nicht. Auch Fehler in der Erziehung werden angeprangert. Die Stärkung/Vermännlichung von Mädchen und die Schwächung/Bremsung/Verweiblichung von Jungen könne doch wohl kein Erziehungsziel sein.
Dass die Hausfrauenrolle heute keine sehr hohe Wertschätzung erfährt, wird verständlicher, wenn man sich die jüngeren Hausfrauen, die in dem Buch auch zu Wort kommen, anhört:
Beate Kricheldorf
Autorin von "Verantwortung: Nein Danke!"
RG. Fischer 1998
dtv-Info zum Buch:
"Karin Jäckel ist es gelungen, das Zusammenleben von Mann
und Frau und von Familien in einer breitgefächerten Sicht darzulegen."
Ingrid Kalazu, Vorsitzende von W.O.M.A.N.
Die "Frau an seiner Seite" - ein Ehefrauenleben lang ist sie damit ausgefüllt, die Karriere ihres Mannes mitzutragen, zu fördern und zu ihrer ganz persönlichen Aufgabe zu machen. Sie ist ihm Gefährtin, Freundin, Geliebte und Beraterin, kümmert sich um die Erziehung der gemeinsamen Kinder, erledigt die Arbeit im häuslichen Bereich und hält ihm so den Rücken frei. Die Erfüllung ihrer vielfältigen Pflichten bringt ihr in der öffentlichen Meinung aber alles an Andere als Ruhm und Ehre ein, sie gilt gemeinhin als "Nur"-Hausfrau und "Heimchen am Herd", ist in Zeiten der selbstverständlich erscheinenden Erwerbstätigkeit der Frau als "Schmarotzerin" verschrien und steht in der gesellschaftlichen Werteskala weit unten.
Karin Jäckel betrachtet die historischen sowie die heutigen Zusammenhänge dieser verdeckten bis offen-aggressiven Abwertung und geht den Beweggründen und dem Selbstverständnis der "Frau an seiner Seite" nach. Dabei bemitleidet sie sie keineswegs als Verliererin im Geschlechterkampf, sondern zeigt an zahlreichen Beispielen, welche Bereicherung, Befriedigung und welchen Genuß dieser Lebensentwurf beinhalten kann.
Karin Jäckel
Die Frau an seiner Seite
"Nur"-Hausfrauen im Spiegel des Feminismus
dtv 36053
320 Seiten
DM 19,90 öS 145,- sF 19,-
Originalausgabe Oktober 1999
Karin Jäckel studierte Germanistik und Kunstgeschichte mit anschließender Promotion und arbeitet seither als freie Autorin. Sie widmet sich vor allem sozialkritischen Themen und wurde durch Bestseller wie "Monika B. ich bin nicht mehr eure Tochter (1993) und "Sag keinem, wer dein Vater ist. Das Schicksal von Priesterkindern (1998). Ihr Erfolgstitel "Der gebrauchte Mann. Abgeliebt und abgezockt - Väter nach der Trennung" (1997; dtv 15103) trug maßgeblich zur öffentlichen Diskussion über Scheidungsweisen und um ein gemeinsames Sorgerecht kämpfender Väter bei. Karin Jäckel ist Ehefrau und Mutter von drei Söhnen und lebt im Schwarzwald. Ebenso im dtv erhältlich "Wer sind die Täter? Die andere Seite des Kindesmißbrauchs" (dtv 30528).
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG. Friedrichstr. 1a,
80801 München
Presseabteilung - Telefon: ( 089) 38167-117, Telefax: (089) 38167-333,
E-Mail: stuermer@dtv.de
Hausfrau schlägt Amazone
Die moderne Frau versteht sich als Managerin der Familie, ist konservativ,
aber nicht sonderlich treu FOCUS 21.6.99, Seite 84
Gesellschaftlicher Wandel ist ein Mysterium. Vor gut einem Vierteljahrhundert rief die widerborstige Frontfrau Alice Schwarzer dazu auf, "verstärkt in die Männerdomänen einzudringen". Und nun kommt alles anders: Die Frauen stöckeln genau in die entgegengesetzte Richtung. Nach einer Umfrage liebäugeln 60 Prozent statt mit dem Chefsessel mit dem Ceranherd. Mit einem Unterschied zu früher: Sie tun es freiwillig!
Sonntags Kuchen, sonntags Freude. Um herauszufinden, welche Rolle den Damen zum Ausgang des Jahrtausends wohl die begehrteste im Lande ist, befragten Emnid und das Trendbüro Hamburg 1.700 Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts. Trendbüro-Chef Peter Wippermann: "Die Frauen sind sehr viel konservativer, als wir erwartet haben."
Frust für Feministinnen. In einer Vorstudie analysierten die Forscher zuvor vier den Zeitgeist widerspiegelnde Frauentypen: neue Hausfrau, smarte Schlampe, Öko-Spiritistin und moderne Amazone. Wie stark sich die Damen tatsächlich mit den definierten Vorgaben identifizieren, ergab nun die Umfrage. Fazit: Die begehrteste Rolle ist die der Hausfrau!
Mehr als jede zweite Deutsche zwischen 14 und 40 favorisiert demnach traditionelle und materielle Werte wie Ehe, Partnerschaft, Häuslichkeit, Eigentum. Anders als unsere Großmütter und Mütter sehen sie das Dasein der Hausfrau jedoch nicht als klaglos hinzunehmende Pflicht, sondern als frei gewählte Lebensform und Beruf. Die Wiedergeburt des Heimchens am Herd aber ist die Managerin dar Familie damit beileibe nicht. Zwar schätzt sie konservative Werte wie Ehre und Gehorchen, mit der Treue aber hat sie nicht sonderlich viel am Hut. Frei und sinnlich wie die smarte Schlampe, die Disziplin eher ablehnt und daher lustbetonter lebt, fühlt sich nur ein Drittel der Befragten. Und auch mit der Öko-Spiritistin, der zeitgemäßen Interpretation der 68er-Frau, die sich eher der Esoterik als der Rettung der Natur verschrieben hat, identifiziert sich nur jede Fünfte. Am seltensten aber ist noch immer - und das überrascht Trendforscher wie Werbetreibende - die moderne Amazone zu finden. Hart gegen sich selbst, notfalls auch ohne Familie, wollen nur zwölf Prozent ihren Weg gehen.
Abmarsch zurück an den Herd? Viele Frauen sind da anderer Meinung. Mit dem Ergebnis der von der Zeitschrift "freundin" finanzierten Untersuchung konfrontiert, reagieren nicht wenige ungläubig und empört. Wippermann: "Einige schimpfen mich sogar Sesselpupser." Doch an seinen Erkenntnissen läßt der Trendforscher nicht rütteln. "Die Studie ist repräsentativ und keine Spekulation!"
BIRTE SEIDENBURG
Das Frauenleitbild am Ende des 20. Jahrhunderts
Mann, Kinder, Freunde, Beruf- so sieht der ideale Lebensentwurf moderner Frauen heute aus. Die kinderlose, karriereorientierte Frau, die noch in den 80er Jahren absolutes Leitbild war, hat ihren Glanz verloren, ebenso der klassische Dreiklang Hausfrau/Ehefrau/Mutter. Eindimensionale Lebensentwürfe haben ausgedient. So das Hauptergebnis einer repräsentativen Studie, welche die Zeitschrift Journal für die Frau zusammen mit dem Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt hat. Von 2500 Frauen und Männern wollten die Demoskopen erfahren, welche Werte und Ideale bei der Lebensplanung der Frauen der 90er Jahre eine Rolle spielen.
Mutter mit Teilzeitbeschäftigung nennen 51 Prozent der Frauen als attraktivste Lebensform, volle Berufstätigkeit streben nur 16 Prozent an. Um den Konflikt zwischen Kindern und Karriere zu lösen, machen Frauen also Abstriche im Beruf. Eine große Mehrheit setzt auf Gemeinsamkeit und will sich nicht mehr gegen die Männer sondern mit ihnen verwirklichen. Ein Wunsch, der allerdings bei vielen Männern auf taube Ohren stößt: Nur 31 Prozent finden die Familie ideal, in der beide einen Beruf ausüben, sich die Hausarbeit und Kinderbetreuung gerecht aufteilen.
35 Prozent der Männer wünschen sich eine Familie, in der die Frau beruflich weniger beansprucht ist als der Mann und den größeren Teil der Familienarbeit übernimmt. Die klassische Hausfrau finden noch 18 Prozent der Männer gut, eine Meinung, der sich nur acht Prozent der befragten Frauen anschließen mochten.
Ganz klare Vorstellungen spiegeln sich im Bild von einer idealen Partnerschaft: Pragmatische Aspekte des Zusammenlebens sind wichtiger als tiefe Gefühle. "Die ideale Partnerschaft von heute ist eine Art Arbeitsgemeinschaft, um die Unbilden des Lebens zu meistern und als Individuum gute Chancen zur Entwicklung zu haben", sagt Elke Rieck, Anzeigenleiterin der Zeitschrift Journal für die Frau, "keine Amour fou und keine sentimentale Beziehungskiste".
Diese aufgeklärte Grundhaltung, die das Prinzip Partnerschaft eher instrumentalisiert als idealisiert fordert eine ganz bestimmte Persönlichkeitsentwicklung: Ungekünstelt, natürlich, humorvoll und emotional zuverlässig soll die moderne Frau sein - und einen Sinn fürs Praktische haben. Darin sind sich Männer wie Frauen einig. Intelligenz ist natürlich auch wichtig, wobei Männer eher die natürliche Intelligenz favorisieren, worunter sie praktische Vernunft verstehen- formale Bildung finden Männer weniger sympathisch - Frauen erstaunlicherweise übrigens auch. Nur 28 Prozent halten Bildung und Wissen für ein wesentliches Element des neuen Leitbildes.
Gerlinde Unvrezagt
paPPa.com Kommentar:
Diese Meldung deutet an, daß bei einem Großteil der Bevölkerung die Saat der allgegenwärtigen feministischen Ideologie nicht aufgegangen ist.
Wohl hat die vorgetragene Idee der Frauenemanzipation für linke 68erinnen viel Gehör eingebracht. Mit der Behauptung, sie würden die weiblichen Interessen schlechthin vertreten, ist ihnen ein gewaltiger PR-Coup gelungen. Mit uns 68er Männern haben sie die Gleichstellung der Frauen erreicht und stehen nun, karrieristisch orientiert, kinder- oder männerlos, lesbisch konveriert oder einfach nur opferleidend da und suchen weiterhin den Kampf.
Folgt ihnen da die nachfolgende Generation?
Ganz im Gegenteil: Die "neuen" Lebensentwürfe scheinen an denen der verbliebenen und alternden Funktionärinnen vorbeizuzielen (sie werden ausgelacht) und bewegen sich intensiv innerhalb der Koordinaten Lebensqualität, Entfaltung der Persönlichkeit, Herausfinden und freudvolles Ausleben der individuellen und geschlechtlichen Differenzen (Katharina Rutschky). Dazu gehört insbesondere der "neue" postive Wunsch nach Kindern bei Frauen und Männern und nach dem jeweils anderen Geschlecht. Und dies in toleranter Gemeinsamkeit, denn der alltägliche Weg durch die "desintegrierte Gesellschaft" (Wilhelm Heitmeyer) verlangt höchsten Einsatz.
Der lange propagierte Weg der feministischen Gruppeninteressen, deren Vertreterinnen nun noch für eine gewisse Zeit in medialen und fiskalen Schaltstellen ihr Unwesen treiben, erweist sich zusehens als obsolet, nimmt zuweilen skurille Züge an (Hausmännerverordnung der rotgrünen Regierung) oder entartet zu einer männerfeindlichen Hetze gegen den männlichen Bevölkerungsteil. Hier gilt es verstärkt darauf zu achten, ob nicht volksverhetzende Tatbestände ans Tageslicht treten, die nicht mehr zu dulden sind.
Einzelne Randgruppen werden wohl weiter ihre Entmännlichungsphantasien pflegen -jüngstes Beispiel "Antimachopädagogik" und eine sektenhafte Entwicklung nehmen. "Spreu und Weizen" sind allerdings im Begriff sich zu trennen. Bei der persönlichen Lebensplanung in der "unverbindlichen Gesellschaft" (Dagmar Lorenz) gilt es zusehends darauf Acht zu geben, mit welcher Art Mensch man zusammen sein will, um sich vor all zu großen Überraschungen zu schützen. Das Pendant zur Benutzung von Präservativen im Zeitalter von Aids wäre heute - auf unsere Problematik bezogen - die gemeinsame Sorgeerklärung schon vor der Geburt eines Kindes.
© paPPa.com e.V. - Stand dieser Seite: 18.10.1999 - Fundstelle: http://www.paPPa.com/emanzi/kj_focus.htm
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