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Matussek: Die vaterlose
Gesellschaft
- Überfällige Anmerkungen zum Geschlechterkampf
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Evangelischer Digest, Sept. 98, S. 38/39
Zur Diskussion gestellt:
Der verbotene Vater -
ein Gesellschaftsskandal
"Wer sein Kind verliert, wird nie mehr froh." An dieses Wort einer 85jährigen, der in jungen Jahren eines ihrer zwölf Kinder gestorben war, dachte ich bei der Lektüre von Matthias Matusseks Buch über die ausgegrenzten Väter in unserer Gesellschaft. Er ist kein Einzelfall: In Deutschland Ost und West leben zur Zeit 1,7 Millionen Trennungs- und Scheidungskinder. Jedes Jahr kommen etwa 150.000 hin. zu. Ihnen steht eine Million von Trennungsvätern gegenüber, mit der Wachstumsrate von 100.000 pro Jahr. Jeweils 60 von hundert all dieser Männer werden ihre Kinder nach der Trennung nicht wiedersehen. Dabei sind es nach des Autors Recherchen nicht mehr vorrangig pflichtvergessene Väter, die aus immer kürzer werdenden Ehen ausbrechen, sondern Frauen, die den Ehemann verlassen. Jedenfalls sichern sich in Dreiviertel aller Scheidungsfälle die Mütter das alleinige Sorgerecht für die Sprößlinge. Der Mann muß alimentieren, darf aber seine Kinder nur noch nach Wunsch und Willen der geschiedenen Frauen sehen.
Es ist eine traurige, eine aufwühlende Bilanz, die der Autor da anhand von Fakten und Fällen zieht. Sie zeigt, daß in unserer Gesellschaft immer weniger stimmt. daß da erneut ein familienpolitischer Skandal schwelt: die Entsorgung der Männer als Väter. Das gültige Familien- und Scheidungsrecht garantiert der Frau Unterhalt und Kindersorge selbst dann, wenn es die Frau ist, die die Ehe bricht bzw. aus ihr ausbricht. Während die einen ihren Kindern den Vater nach wie vor gönnen und nicht daran denken, ihn aus der Erziehung auszuklinken, nehmen die anderen ihrem verlassenen Mann gleich alles. Um ihn zu treffen, mißbrauchen sie die ihnen vom Gesetz verliehene Muttermacht, vereiteln Kind-Vater-Kontakte.
Jugendämter - Mütterämter?
Die Leidtragenden solcher Verhaltensweisen sind natürlich die Schwächsten und Ohnmächtigsten, die Kinder. Ihnen wird von den alleinerziehenden Müttern - und ganzen Schwadronen staatlicher und städtischer Helfer alles mögliche suggeriert: Daß sie "zur Ruhe" kommen müßten. Daß es besser für sie sei, ihren Papa bzw. die Großeltern väterlicherseits eine Zeitlang nicht zu sehen. Daß es genüge, eine Beziehungsperson zu haben.
"Die Jugendämter", so schreibt der engagierte Autor (selbst übrigens kein Scheidungsvater) "sind in praxi Mütterämter geworden; zuständig für Teebeutel, Kummermienen und das weibliche Solidarschicksal, das sie, die Angestelltinnen, mit der überwiegenden Mehrheit von alleinerziehenden Müttern verbindet in einer vermümmelten Allianz gegen den Feind: den Mann." Daß sich ein Kind ohne Vater und komplette Familie schutzlos fühlen und seelisch wie emotional verwahrlosen kann, interessiert kaum. Doch beweisen Dutzende dokumentierter Fälle: Jugendamtsmitarbeiter schädigen und vernichten ganze Familien durch zu viele Befugnisse. Sie allein entscheiden zum Beispiel darüber, ob der Umgang eines Vaters mit seinen Kindern "dem Kindeswohl dienlich ist" oder nicht. Als verlängerte Arme der Gerichte dürfen sie Kindeswegnahmen anordnen. Sie können Vater-Kind-Kontakte "sperren", ungeprüft Kindesmißbrauch postulieren, Einweisungen in geschlossene Anstalten veranlassen, Umgangsverbote auch über Großeltern verhängen und vieles mehr.
Von jemandem, der über ein solches Arsenal an sozialen Druckmöglichkeiten verfügt, fordert Matussek nicht gerade die Weisheit eines Buddhas, jedoch wenigstens eine erstklassige Ausbildung. Dagegen sei es in der Praxis so, daß der renommierte Kinder- und Jugendpsychologe Uwe Jopt beklagt: "Ich kenne so viele Einzelschicksale, so viele verschiedene Jugendämter, wo in der Person der Vertreter sich Inkompetenz, Willkür, Naivität bis hin zur Dummheit paaren, und das ganze eingebunden in eine einzige Macht". Auch das ist dem Experten klar: "Die Helferindustrie ist ein erfolgsfeindliches Paradox. Ihre Auftragslage schwillt an, je mehr sie versagt. Ein Kreislauf, ein Wasserkopf von Helfern, der immer neue Planstellen schafft."
Neues Kindschaftsrecht hilft den Vätern nicht
Nicht allein aus diesen Gründen fordern Fachleute eine Kontrolle der Kontrolleure, sprich der Jugendämter. Da hier auch im neuen Kindschaftsrecht nach altem Zopf verfahren wird, bedeutet das selbst für den liebevollsten Vater, die pflichtbewußteste Großmutter: Sie können sich nirgendwo beschweren. Haftung und Verantwortung für behördliches Handeln muß daher das Allmachtsmonopol derer ablösen, die in ihren Entscheidungen lediglich ihrer und ihres Brötchengebers Bequemlichkeit dienen, dem Kind mitnichten. Dessen Seele kümmert hier niemanden. Dessen Sehnsucht nach Liebe beider Elternteile wird ignoriert. Dessen Bedürfnis nach Schutz und Schirm eines starken Papas wird geleugnet.
Matussek verlangt nach einer Revision des neuen Vaterbildes. Er nennt die vaterlose Gesellschaft einen menschlichen Betrug an den Kindern, die für ihre Entwicklung die Vaterfigur brauchen und einen juristischen Betrug, da ihnen dieses Recht zwar garantiert, jedoch vorenthalten wird. Statt daß man ihnen Beständigkeit, ein möglichst komplettes Netz familiärer Bezüge sichert, werden sie dazu erzogen, sich gegen ihre Väter zu wenden. Wegen der Gefährdung solcher Kinder liegt hier eine weltlich sanktionierte Straftat vor.
Aus diesen und weiteren Gründen erhält der persönlich betroffene Leser in einem Kampfbrevier genannten Schlußkapitel Tips und Ratschläge, wie er sein Naturrecht auf Vater-, Großvater-, Großmuttersein etc. legal einklagen kann.
Christa Kroah
Das neue Recht der Kinder auf beide Eltern
Die Schlacht ums Kind nach Trennungen und Scheidungen der Eltern soll der Vergangenheit angehören. So will es jedenfalls das am 1. Juli dieses Jahres in Kraft getretene neue Kindschaftsrecht, das vor allem um diesen Paragraphen erweitert wurde: "Das Kind hat Recht auf Umgang mit jedem Elternteil; jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt." Eltern sind also künftig unabhängig von ihrer eigenen Abkehr voneinander gemeinsam für ihre Sprößlinge zuständig.
Betrüblicherweise geht der Geschlechterkampf um diejenigen, die beide Eltern brauchen und lieben wollen, zuweilen auch nach dem 1. Juli noch weiter, sogar mit Hilfe manches amtlichen Scheidungsbegleiters. So warnte die Berliner Familienrichterin und Feministin Johanna Bacher Jugendamtsangestellte dringlich davor, "die Erzeuger nunmehr in ein gemeinsames Sorgerecht einzubeziehen'." Ein solches Sorgerecht verschlechtere im Fall der Trennung die Position der Frau bei nichtehelichen Lebensgemeinschaften. Diese Worte ertönten bei einem Informationsvortrag über das neue Familienrecht. Bisher waren die Mütter unehelicher Kinder allein sorgeberechtigt. Nun aber soll für sogenannte wilde Ehen das gleiche gelten wie für verheiratete Paare: Kinder bleiben "gemeinsame Sache", worauf sich vor allem Hunderttausende von Trennungsvätern freuen, die bisher unter dem Vorwand der alleinigen Sorgeberechtigung der Mutter vom Umgang mit den Kindern praktisch völlig ausgeschlossen wären.
Um so unverständlicher, daß sich auch nüchtern denkende Juristen gegen die Neuerung sperren. Sie sagen, Frauen sollten ihre "Rechtsposition" nicht verschlechtern. Professor Ludwig Salgo von der Fachhochschule Frankfurt unkt gar: "Das gemeinsame Sorgerecht ist als gesetzlich vorgeschriebener Regelfall unannehmbar." Was hierzulande auf derlei Ablehnung stößt ist anderswo - etwa in den USA - längst selbstverständlicher Brauch. Dort sorgen zeitgemäße Regelungen dafür, daß Eltern ihre Beziehungsstreitereien nicht auf dem Rücken ihrer Kinder austragen. In Frankreich wurden Elternteile sogar mit Sorgerechtsentzug bestraft, weil sie die Kinder gegen den anderen Elternteil aufhetzten.
Leider geht's in unserer Scheidungs- und Trennungsgesellschaft fast immer auch um das Geld. Das macht die Kinder im Krieg der Geschlechter oft zu wahren Geiseln. Denn nur wer die Kinder behält, kann Unterhalt beanspruchen. Auch deshalb ging das alleinige Sorgerecht bisher in drei Viertel alter Fälle an die Frau, während der Mann zahlen mußte. Hatte aber die Mutter Kind und Geld, war es für sie ein leichtes, den Expartner vom Kontakt mit den Kindern abzuschnüren. Besuche, Ferienregelungen, medizinische Einsichtnahmen - alles mußte den Expartnerinnen abgebettelt werden, der nicht sorgeberechtigte Vater hatte kein Mitspracherecht. Über die Hälfte der so Entmündigten gaben infolgedessen auf. Frauenrechtlerinnen und Gesellschaft erklärten sie darauf zu Rabenvätern.
Mit all dem soll nun Schluß sein. Juristisch wird ja die gemeinsame Sorge zum Regelfall. Doch die guten Vorsätze müssen erst noch umgesetzt werden. Allzu stark klammert man sich im Behördenalltag an das alte Beziehungsmuster. So ist zu fürchten, daß mancher Scheidungsrichter weiterhin "Amtshilfe" zur Kindesentfremdung leisten wird. Etliche resignieren: "Wenn die Mutter nicht will, ist sowieso nichts zu machen." In solchen Fällen wird hervorgekehrt, daß die Kindesfrage nicht allein "eine juristische, sondern auch eine menschliche Komponente" habe. Hoffen wir also auf mehr elterliche Bereitschaft und stärkere richterliche Weisheit. Vorerst scheint es, als produziere das gutgemeinte neue Kindschaftsrecht weitere juristische Schlammschlachten. Die gemeinsame Sorge als nunmehr gesetzlicher Normalfall kann nämlich nur noch durch begründeten Antrag eines Elternteils aufgehoben werden: Grund für manchen, vor Gericht - wahr oder unwahr - erneut in den alten Beziehungskonflikten herumzurühren. Vernünftige Entscheidungen, die bisher nur wie "vereinzelte Leuchttürme aus der Sorgerechtslandschaft ragten" - so der Rechtsexperte Peter Koeppel - sollten jedoch schon deshalb so schnell wie möglich Norm werden, damit Kinderseelen geschont bleiben. Am Egoismus von Eltern sind in unserer Gesellschaft schon zu viele Kinde, kaputtgegangen.
kro
Lesung in Tübingen, 16.9.98 - Bericht im Schwäbischen Tagblatt, 18.9.98
Wie Ohnmacht unter die Haut
geht
"Spiegel"-Autor Matthias Matussek las im
Sudhaus aus seiner "vaterlosen Gesellschaft"
TÜBINGEN. Von der "rechtlichen Ohnmacht der Männer", die nach einer Trennung gegen den Willen ihrer ehemaligen Partnerin ihre Kinder sehen wollen, handeln die "Spiegel"-Titelgeschichte und das neue Buch des 44jährigen Autors Matthias Matussek. Am Mittwoch abend stellte er "Die vaterlose Gesellschaft" im Sudhaus vor.
Das Problem läßt sich mit einfachen Worten beschreiben: Wenn ein Paar mit Kindern auseinandergeht, sind Väter, die sich nicht auch noch von ihren Kindern trennen wollen, gegenüber den Müttern in einer unterlegenen Position. Das gilt in besonderem Maß für Unverheiratete, aber auch für geschiedene Ehemänner. Und es gilt - zumindest nach Einschätzung des "Spiegel"-Autors Matthias Matussek - auch noch nach dem neuen Kindschaftsrecht vom 1. Juli. Drei von vier getrennt lebenden Müttern haben das alleinige Sorgerecht über ihre Kinder. Wie leicht es für sie sein kann, die leiblichen Väter von ihren Kindern fernzuhalten - selbst wenn der Ex-Partner ein vom Familiengericht bestätigtes Umgangsrecht hat - hat Matussek im "Spiegel" und jetzt in seinem jüngsten Buch demonstriert.
Zahlen müssen die beiseitegeschobenen Väter trotzdem. Das alte Familienrecht ging implizit von folgender Standard-Trennungs-Situation aus: Verantwortungsloser Mann verläßt Weib und Kinder. Also muß die im Prinzip schon vorher alleinerziehende Mutter vom Gesetzgeber geschützt werden. Auch das neue Kindschaftsrecht garantiert zumindest den unverheirateten Müttern mehr Macht in Sorgerechtsfragen. Heute aber, so Matussek, sind es "nach Angaben von Frauenbüros zu drei Viertel Frauen, die die Scheidung oder Trennung vollziehen, rechnet man die unehelichen Beziehungen dazu." Und es gibt immer mehr Väter, die nach der Trennung um die Nähe zum eigenen Kind kämpfen, individuell vor Gericht oder in Vereinigungen wie dem "Väteraufbruch für Kinder".
Ins Kampfgetümmel stürzt sich auch der "Spiegel"-Autor. Die Benachteiligung von Vätern - ein Schönheitsfehler am neuen Kindschaftsrecht; das immer wieder reformierte Familienrecht - noch immer reformbedürftig? Von wegen! "Die vaterlose Gesellschaft" bemüht sich das Gefühl zu vermitteln, der Untergang des christlichen Abendlands stehe unmittelbar bevor. Allenthalben kaputte Familien und ein Heer von alleinerziehenden Müttern, deren unbevaterte Söhne Ausländerwohnheime anzünden und nach dem Führer brüllen. Und wer ist schuld an der Malaise? Die "feministische Meinungsnomenklatura", eine "radikalisierte Minderheit", der "die Hoheit über die Familie" eingeräumt wurde.
Matussek will hoch hinaus. Es geht nicht (nur) um einzelne, leidende Väter, die Sehnsucht nach ihren Kindern haben, es geht ums Grundsätzliche. Er zitiert den Psvchoanalytiker Paul Federn, der schon 1919 davor gewarnt hatte, die revolutionäre Entmachtung und Entwertung der Väter könnte zur Sehnsucht nach Obervätern mutieren. Flugs landet er über die Studenten- bei der Frauenbewegung: alles Väterfeinde, alles Schuldige am Zerfall der Familie.
Hatte Alexander Mitscherlich, wie Matussek immerhin kurz referiert, noch Veränderungen in der Arbeitswelt für die Entwicklung zur vaterlosen Gesellschaft (mit)verantwortlich gemacht, ist jetzt ganz im Sinne der Postmoderne ein "Diskurs", eben der feministische, zum Hauptschuldigen geworden - geronnen zu einer Gesetzgebung, die Frauen einlade, sich von ihren Männern zu trennen und anschließend zu bereichern.
Gegen diesen Diskurs bringt Matussek sein ganzes Ressentiment in Stellung. Mit bewunderungswürdiger Gelassenheit lassen sich rund siebzig Männer und Frauen am Mittwoch abend im Sudhaus Sätze wie den folgenden vorlesen: "Grotesk etwa der Kult um die sogenannte ,Alleinerziehende', der die staatlichen Helferschwadronen mittlerweile zur Seite springen wie einer Schwerverletzten, als sei das Kinderkriegen allein eine nobelpreisreife Leistung und als stünde fortan jeder bindungsschwachen Bafög-Empfängerin, die ihren Freund nicht halten konnte oder wollte, eine Kriegerwitwenrente (...) zu."
Ohne Störgeräusche kann der Pamphletist, der Reaktionen "bis hin zu Saalschlacht" gewohnt ist, verkünden, daß Kinder "seit den frühen siebziger Jahren zum Objekt pädagogischer Experimente wurden, mit denen Kommunarden und Kommunen, Soziologen und Politiker und in der Regel bekiffte Erwachsene ihre antiautoritären Theoreme ausprobierten". "Sie müssen meine satirische, saloppe Sprache entschuldigen", sagt der Geschlechterkrieger verbindlich, und man entschuldigt. Eine frauenbewegte Aktivistin darf ihm ein T-Shirt mit der Aufschrift "Alles Schlampen außer Mami" überreichen, ansonsten diskutiert man sachlich, freundlich und herrschaftsfrei über die Lage der familienvertriebenen Väter und findet die Polemik etwas übertrieben. Einige wundern sich über die Welt, die der Berliner Autor bewohnt: sie kennen eine andere. Betroffene Väter fühlen sich endlich verstanden. Ein Jugendamtsmitarbeiter begrüßt das Buch, in dem die Ämter und ihre Mitarbeiter dauergefoult werden, als notwendige Polemik. Und besorgte Diskutantinnen fragen Matussek, ob er seiner guten Sache durch die aggressive Form nicht schade.
Bei soviel Entgegenkommen wird aus dem klischeetrunkenen Polemiker ein besonnener Experte. Er plaudert sogar aus, daß er selber ein Betroffener ist: Nach der Geburt des heute vierjährigen Sohns drohte die Trennung von der Ehefrau. Deren Anwältin verbot den früheren Partnern und jetzigen Kontrahenten jeden Kontakt. "Wir haben uns wieder zusammengerauft. Aber ich habe in den Abgrund der Scheidungsindustrie geschaut." Es war ein Abgrund der Ohnmacht. Weil die nicht nur für Männer schwer zu ertragen ist, scheint der Hau-drauf-Stil verständlich. Daß er Matussek auch sonst am Herzen liegt, kann jederzeit im "Spiegel" nachgelesen werden. Aus dem feministischen "Männer sind Schweine"-Schwarz-Weiß wird so halt ein maskulinistisches "Frauen sind machtgeil und geldgierig"-Weiß-Schwarz. Das gibt der auch belletristisch aktive Autor gern zu. So findet man nun mal Gehör in der Medienlandschaft.
Warum aber die stilsicher entfesselten männlichen Ressentiments zu Haßtiraden auf alles Sozialdemokratische und Sozialstaatliche entgleisen, ist eine andere Frage. "Mein Vater war CDU-Politiker, arbeitete den ganzen Tag, aber er war für mich da", erinnert sich der einst maoistisch aufmuckende Sproß einer Familie mit fünf Kindern an bessere und durchaus konfliktreiche Zeiten aus seiner Stuttgarter Jugend. Doch heißt das nicht, daß Matussek, der sich noch heute als Linken bezeichnet, die parteipolitischen Vorlieben des eigenen Erzeugers teilt: "Die CDU hat mich als Wertkonservativen längst links überholt. Die waren in den letzten 16 Jahren doch die besseren Sozialdemokraten." Wählen wir statt der psychologischen also lieber die politische Erklärungsvariante. Während die "feministische Meinungsnomenklatura" erst ins Wanken gerät, liegt die sozialstaatliche schon fast am Boden. Wer heute in den zeitgeistdurchwehten Redaktionen der Republik ohne sichtbare Ekelreaktionen Schmuddelworte wie "Versorgungsanspruch" in den Mund nimmt, hat ausgespielt. Und das kann sich einer, der den Blick seiner Leser in eine bestimmte Richtung "zwingen" will, der "unter die Haut gehen will", nicht leisten.
Peter Vobach
Jäckel- und Matussek-Lesung in Düsseldorf, 20./21.9.98 - Pressereaktionen:
Rhein-Bote: Der Verein "Kinderparlament" veranstaltete zwei Literaturtage
Wo bitteschön ist der Papa?
Kinderrechte, Elternrechte, Menschenrechte - eine Farce in Deutschland? Diese Frage stellte der Verein "Kinderparlament" am Wochenende während einer Podiumsdiskussion. Anläßlich des Weltkindertages drehte sich in der Freizeitstätte Garath zwei Tage lang alles rund um den Nachwuchs.
"Wo ist der Papa?" muß eine Frage sein, die in Deutschlands Kinderstuben nicht selten zu hören ist. Wie sonst wäre Literaturpreisträger Matthias Matussek auf die Idee gekommen, ein Buch zu schreiben mit dem Titel "Die vaterlose Gesellschaft?" Während des Literaturtreffens in der Freizeitstätte Garath las der Schriftsteller aus seinem Werke vor. Danach wurde heftig diskutiert. Denn: Oft liegt der Grund für die fehlende männliche Unterstützung bei der Kindererziehung gar nicht beim Vater. So kann zum Beispiel eine Frau ihrem Lebenspartner jeglichen Kontakt zum Kind verweigern. Für Pierre Sens, Vorsitzender des Vereins "Kinderparlament", sind hier oft die Kinder die Leidtragenden.
Die Ursache sieht er vor allem in der Justiz. "Die Bürger müssen vor richterlicher Rechtswillkür geschützt werden", erklärte der Kinderrechtler. Völkerrechtliche Verträge, wie etwa die UN-Kinderrechtskonvention, werden noch längst nicht überall in die Tat umgesetzt.
Nach dem Motto "Kinder an die Macht" möchte der Verein noch dieses Jahr in Düsseldorf ein Kinder- und Jugendparlament einrichten. Vorausgesetzt natürlich: Der Nachwuchs engagiert sich hierfür tüchtig. Was dem in Düsseldorf eingetragenen Verein vor allem auf dem Herzen liegt, ist sein Einsatz für die Jüngsten. So sollen insbesondere kleine Kinder vor Gewalt geschützt werden. Doch auch Eltern erfahren Unterstützung. "Bitte melde Dich:" Auf den Internetseiten des Vereins können vermißte Kinder per Suchmeldung aufgerufen werden, eine Nachricht zu hinterlassen. Kleine Ausreißer können auf einer eigenen Seite ihren Eltern oder einer nahestehenden Person etwas mitteilen.
Wer gerne mehr wissen möchte über die Arbeit von Pierre Sens und seinem Verein, der sollte sich an das "Kinderparlament e. V.", Postfach 10 14 32, in 40834 Ratingen wenden. Lust, etwas Gutes zu tun? Auch mit einer Spende kann schon viel bewegt werden.
Rheinische Post: Spiegel-Autor Matussek las in der Freizeitstätte:
Männerclicue schmorte im eigenen Saft
- Verbitterte Väter rechnen mit den Frauen ab -
Frau mit Schild und Schwert, Frau mit bleckenden Zähnen. Frau, die ihr Kind vor dem Vater wegschliesst, und immmer wieder das Frauensymbol, der stilisierte Venusspiegel - Georges Nassos Motivsprache ist die eines Verbitterten. Seit fünf Jahren kämpft der aus Griechenland stammende Maler und deren Anwältin.
Matthias Matussek hat Männern wie Nassos eine Stimme gegeben. Vor einem Jahr sorgte Matusseks umstrittene Titelgeschichte im "Spiegel" für Furore. Seitdem nimmt der Kisch-Preisträger sich des Schicksals von Männern an, deren Ex-Partnerinnen das gemeinsame Kind als "Scheidungsgeissel" mißbrauchen. Jetzt stellte Matussek in Garath sein Buch vor: "Die vaterlose Gesellschaft. Überfällige Anmerkungen zum Geschlechterkampf". Kostprobe: "Jahrzehntelang haben Männer (und Frauen) zugesehen, wie aus der in einigen Ansätzen wichtigen Frauenbewegung ein Punk-Zirkus von Girlies und verbiesterten Männerhasserinnen wurden. Es reicht!"
Karin Kortmann (SPD) reichte es auch - sie verließ die Freizeitstätte umgehend und ließ die übrigen Zuhörer, so die Klage des Moderators, "im eigenen Saft" schmorend zurück. Die Bundestagskandidatin fand die "diffamierenden Ausfälle Matusseks ekelerregend". Das Publikum, fast ausnahmslos Betroffene, war sich einig: Kortmanns Flucht sei "eine weitere Strategie der Ausgrenzung". Verfolgt fühle man sich, "von einem System, das Menschenrechte mißachtet". Das böse Wort von den "Feminazis" fiel. Matussek machte den Vätern Mut. Die Frauenbewegung habe mit Selbsterfahrungsliteratur und Guerille-Taktiken den öffentlichen Raum erobert. "Wenden wir diese Methoden gegen sie", riet der "Spiegel"-Reporter "und wir werden die oeffentliche Meinung für uns gewinnen."
Veranstalterbericht von der Matussek-Lesung in Kassel am 22.9.98
Lesung (in Kassel)
Von den ohnmächtigen Vätern
KASSEL Im Evangelischen Forum las auf Einladung der Gruppe "Vater sein trotz Trennung" Spiegel-Autor Matthias Matussek aus seinem Buch "Die vaterlose Gesellschaft": Im Kern eine radikale Abrechnung mit dem aktuellen Scheidungsrecht, das seiner Ansicht nach in der gängigen Auslegung, unterstützt durch eine "Scheidungs- und Helferindustrie", zum Mißbrauch durch Frauen ermutige. Bei 3/4 aller Scheidungen werde Frauen das Sorgerecht zugesprochen, Männern bleibe oft einzig die Pflicht zu zahlen.
Matussek machte klar, daß er mit der Darstellung ohnmächtiger Väter ein Tabu berühre - im, wie er meint, feministisch dominierten öffentlichen Diskurs, denn dort werde mit einem anderen Holzschnittmuster Politik und Geld gemacht: die Frau habe als ohnmächtig und schützenswert zu gelten, gleichzeitig werde ein Kult um die Alleinerziehende errichtet, Väter seien letztlich Störenfriede. Katastrophal nennt Matussek diese Entwicklung. Sie schade den betroffenen Kindern, denn vaterlos aufgewachsene Kinder seien in ihrer Persönlichkeitsentwicklung vielfach gefährdeter, neigten häufiger zu Gewalt und Rechtsradikalismus.
Matussek redet parteiisch, aber nicht ideologisch. Seiner Ansicht nach wird der Geschlechterkampf in Sorgerechtsfragen auch zu falschen Vorwürfen benutzt: 90 Prozent der gegen Männer erhobenen Mißbrauchsvorwürfe seien erwiesene Falschbehauptungen, mit denen in der Regel Väter stigmatisiert werden sollten.
Im Publikum befanden sich etliche Männer, denen die beschriebenen Fälle bekannt erschienen. Von den politischen Parteien fühlen sie sich alleingelassen und berichteten von "Rollenklischees", die sie zu spüren bekämen, wenn sie regelmäßig ihre Kinder von der Schule abholten. Matussek machte ihnen Mut: Sie hätten ein Recht auf ihr Kind. Sein Buch sei deshalb in erster Linie eine Kampfschrift für eine neue Väterbewegung, die klare rechtliche Forderungen stelle: Unterhaltserschleichung, Umgangsboykott und Rechtsmißbrauch durch Behörden müßten bestraft werden. Matussek plant einen Nachfolgeband "Briefe zur vaterlosen Gesellschaft", in dem Betroffene zu Wort kommen sollen.
Thomas Otto
"Die vaterlose Gesellschaft":
Matthias Matussek las in Peine
Zwischen Schelte und Applaus
PEINE. Ein Meister des Wortes, ein Großmeister der Polemik: Matthias Matussek heizt den Geschlechterkampf sehenden Auges an. Sein Buch "Die vaterlose Gesellschaft" ist eine kompromißlose Kriegserklärung an jene Mütter, die Vätern die Kinder verwehren. Der Autor las am Donnerstag abend in der Peiner Buchhandlung Gillmeister - und bekam Schelte und Applaus gleichermaßen.
"Mutig, mich einzuladen!" hatte der 43jährige dem Buchhändler kurz vor Lesungsbeginn eine hitzige Diskussion prophezeit. Am Ende stand dem Peiner Geschäftsmann dann eingedenk seiner weiblichen Kundschaft auch das Unwohlsein ins Gesicht geschrieben: "Hoffentlich war's denen nicht zuviel."
Matussek, ganz in intellektuelles Schwarz gewandet, packte die verbale Peitsche nicht gleich aus, sondern drehte erst "einige Runden auf der politisch korrekten Gebetstrommel": Wenn er über egoistische oder unverantwortliche Frauen rede, dann rede er über egoistische und unverantwortliche Frauen und nicht über die Frau schlechthin. Ein wichtiger Hinweis, den der Autor allerdings während der Lesung häufiger hätte wiederholen sollen, denn offenkundig sahen viele der Zuhörerinnen sich und ihre Geschlechtsgenossinnen dauerhaft en gros beschimpft. Eine packte gar nach wenigen Minuten des Vortrags ihre Sachen ...
Polemik sei manchmal nötig, um auf Mißstände hinzuweisen, meinte Matussek ungerührt, "und ich bin teilweise beschissene Presse gewöhnt". Doch zustimmende Briefe - von Männern und Frauen - hätten ihm bewiesen, wie wichtig es sei, daß endlich einmal jemand die Wut betroffen er Männer öffentlich mache. Deshalb plane er auch, diese Schreiben in einem weiteren Buch zusammenzufassen. Matussek empörte sich über das deutsche Familienrecht, über Gerichte und Anwälte, die sich dem Mainstream folgend - einseitig für die Frauen stark machten und es ihnen ermöglichten, die Männer finanziell über den Tisch zu ziehen. Und immer wieder bemühte er Statistiken: Dreiviertel aller Scheidungen würden von Frauen eingereicht; das Risiko sexuellen Mißbrauchs durch Mütter sei neunmal höher als bei Vätern ...
Die anschließende Diskussion war eindeutig geschlechtsspezifisch gespalten. Frauen fühlten sich zu Unrecht angegriffen, Männer (einige schilderten ihr familiäres Schicksal) sahen sich bestätigt. Einigung erzielte der Autor wohl höchstens durch seine Mahnung, der Familie zum Wohl der Kinder vermehrt den Rücken zu stärken und Beziehungen nicht vorschnell aufzugeben.
Schade, daß Matussek darauf pfeift, wieviel Beifall seine "überfälligen Anmerkungen zum Geschlechterkampf" beim Großteil der Frauen finden. So jedenfalls vertut er die Chance, vehemente Mitstreiterinnen zu finden, die den Weg ebnen helfen zu einem wahrhaft gerechten Familienrecht.
Leserbriefe in den Ausgaben vom 29. und 30.9.98 der Peiner Nachrichten:
Von Kindern entsorgt worden
Das Buch "Die vaterlose Gesellschaft" war sicher eine Offenbarung für alle, die von ihren Kindern "entsorgt" worden sind und denen von verantwortungslosen Müttern trotz gerichtlich ausgesprochenen Besuchsrechts selbst diese Besuche sanktionslos vorenthalten werden dürfen, ohne daß die Familiengerichte etwas dagegen unternehmen. Autor Matussek führte zu Recht an, daß die Grundlage dazu in erster Linie durch die unausgewogene Eherechtsreform von 1977 geschaffen wurde, mit der das Schuldprinzip bei Scheidung abgeschafft und das Zerrüttungsprinzip eingeführt wurde. Seit dieser gloriosen Reform werden vorhandene Kinder selbst dann der Mutter zugesprochen, wenn diese ihren Ehemann in gröbster Weise hintergangen und betrogen hat, und der betrogene Vater hat in der Regel außer dem selbstverständlichen Kindesunterhalt noch drei Siebtel seines Nettoeinkommens an die ihn betrügende Exgattin zu zahlen.
Die Folgen dieser "Reform" sind evident. Die jährliche Zahl der Scheidungen hat sich seither verdreifacht, wobei rund zwei Drittel aller Scheidungen von Frauen eingereicht werden. Die Jugendkriminalität ist massiv angestiegen und steigt unentwegt weiter. Aus den USA ist bekannt, daß dort zwei Drittel aller jugendlichen Gefängnisinsassen Kinder alleinerziehender Mütter sind, Die entsprechenden Zahlen hierzulande werden unter dem Druck radikalfeministischer Seilschaften als top secret behandelt und nicht veröffentlicht. Herrn Matussek ist besonders für den Hinweis zu danken, daß auch die Lübecker Synagogen-Brandstifter zum größten Teil vaterlos aufgewachsen sind. Man kann nur hoffen, daß die Familiengerichtsbarkeit und insbesondere das Personal der diese Gerichtsbarkeit entscheidend beeinflussenden Jugendämter Matusseks Buch zur Kenntnis nimmt und Lehren daraus zieht.
Arthur Krajc, Laatzen
Oberregierungsrat im Ruhestand
"Bei der Lesung fühlten sich - entgegen dem Bericht - nicht die anwesenden Frauen angegriffen, sondern eine Handvoll ideologisch verblendeter Radikalfeministinnen. Diese reagierten nicht einmal auf das Angebot Matusseks, im SPIEGEL zu berichten, würden sie sich für nur einen der vorgetragenen Peiner Fälle einsetzen, womit diese Frauen ihre Glaubwürdigkeit verspielten. Die Lesung fand immerhin auf Anregung einer Kundin statt, die sich als berufstätige ,Alleinerziehende' über das ewige Gejammer der Feministinnen und Ausgrenzung der Väter im Bekanntenkreis mokierte.
Weil sich Peines Jugend- und Justizbehörden in Familienangelegenheiten etwas schwer tun, wurde diesen vor wenigen Monaten in zahlreichen Leserbriefen Inkompetenz sowie Grund- und Menschenrechtsverletzung vorgeworfen. Da Peines Juristen teilweise die Meinung vertreten, in Peine sei die Europäische Menschenrechtskonvention, auf die sich immer mehr Väter berufen, nicht anwendungswürdig, schaltete im Januar 97 eine Mitarbeiterin des Ministeriums der Justiz und für Europaangelegenheiten die Staatsanwaltschaft zu Lasten eines Peiner Richters ein.
Die ausgefallene Familienrechtspraxis Peiner Behörden führte bereits zur Menschenrechtsbeschwerde vor der Europäischen Menschenrechtskommission gegen die BRD und Eingaben an das Europaparlament, da entgegen dem gesetzlichen Auftrag der Niedersächsische Landtag nicht auf Einhaltung/Anwendung der Gesetze achtet. Die Rechtlosigkeit der Väter und Kinder nach Trennung/Scheidung führte aber auch zu Demonstrationen gegen Justizwillkür vor Justizbehörden im hiesigen Raum und vor der deutschen Botschaft in Paris.
Peines Behörden müssen zwangsläufig von der Mütterbevorzugung/Väterfeindlichkeit
abrücken und sich an geltendes Recht halten, da sich erkennbar langsam
der Frust in Widerstand verwandelt, wie die Strafanträge
gegen Frauen- und Familienministerin Claudia Nolte wegen Volksverhetzung
nach ihren jüngsten Väterhetzattacken zeigten.
Deutschland, ein familienpolitisches Entwicklungsland?
Holger Friese, Rolfsbüttel
Mit dem Buch "Die vaterlose Gesellschaft" will Herr Matussek auf die vorhandene und doch totgeschwiegene Problematik unserer Gesellschaft, nämlich die Mißstände im Familienbereich, aufmerksam machen. Was ihm - die anschließende Diskussion zwischen Frauen und betroffenen Männern bestätigte es - auch gelungen ist.
Überall liest man über die "Gleichberechtigung" und gemeint ist der "Feminismus". Frauen, die nicht aufgrund ihrer Leistung, sondern wegen zu erfüllender Quoten einen Posten innehaben (zum Beispiel Frauen- und Familienministerin Nolte - wo ist der Männer- und Familienminister?). Frauen, die nicht Gleichstellung in allen Lebensbereichen wollen, sondern die alleinige Macht.
Daß es Männer und Frauen gibt, die auch die andere Seite publizieren, finde ich sehr mutig.
Karin Würfel, Edemissen
Frauen schaden sich selbst
Wenn ich den Autor nicht total falsch verstanden oder mißgedeutet habe, schürt er nicht, wie ihm im Bericht unterstellt wird, den Geschlechterkampf, sondern zeigt einige Schwachstellen beziehungsweise Fehlentwicklungen des Systems auf. Dieses sind die Nichtachtung/Nichtanwendung beziehungsweise die fälschliche oder mißbräuchliche Anwendung der Gesetze durch einen großen Anteil der Jugendamtsmitarbeiter, Juristen, Richter, Gutachter und Staatsanwälte, die all ihr Tun scheinbar ausschließlich auf die Demonstration ihrer Macht oder auf die Maximierung ihres persönlichen Profites ausgerichtet haben, nicht aber auf die gesetzlichen oder moralischen Werte.
Denn im Gefolge der Trenungs-/Scheidungsindustrie geht es jährlich um zig Milliarden, die es zu vereinnahmen gilt.
So hat sich eine "unheilige Allianz" aus Jugendamtsmitarbeitern, Betreuern, Gutachtern, Sachverständigen, Richtern und so weiter zusammengefunden, die sich um diesen Milliardenbatzen streiten.
Sie sind die Strippenzieher, die den Streit der Geschlechter schüren, um ihn dann skrupellos auf Kosten aller Beteiligten, hier besonders der Kinder, Väter - und nicht zu vergessen - der Steuerzahler, gewinnträchtig zu ihren Gunsten ausschlachten! Zu Hilfe gerufene Staatsanwälte erblinden sodann fast regelmäßig spontan, indem sie dann keine Straftaten mehr erkennen können (wollen), um das einträgliches Geschäft ihrer Zunftgenossen nicht zu stören.
Bei diesem perfiden Tun nutzen sie ganz geschickt Emanzipationsbestrebungen des weiblichen Geschlechts aus, ohne daß die Frauen erkennen können, daß sie von diesem Ensemble in diesem schmutzigen Krieg gegen den Staat und die Gesellschaft als "nützliche Idioten" für ihre Zwecke mißbraucht werden.
So werden die Frauen selbst das Opfer ihrer überzogenen feministischen Ideologie, ohne es selbst zu wollen und zu merken. Somit schaden sie sich und ihrer Sache ganz beträchtlich.
Dieses den Anwesenden zu vermitteln, war meines Erachtens das Anliegen des Autoren Matussek. Es wäre sehr schade, wenn dieses so gründlich mißverstanden worden sein sollte!
Werner Korte, Göttingen
Peiner Allgemeine Zeitung (PAZ), 28.9.98
Autorenlesung / Matthias Matussek bei Gillmeister über die "Vaterlose
Gesellschaft"
"Da schreit jemand, wie ich fühle"
Peine (uj) Matthias Matussek, Schriftsteller, Journalist, Männerrechtler - eine Art Jeanne d´Arc, eine Jungfrau von Orleans für entrechtete, dem persönlichen Untergang geweihte Väter? Matussek hat Mut. Er schreibt unpopulär - über Männer als Opfer von Frauen. "Überfällige Anmerkungen zum Geschlechterkampf" nennt er sein Buch über "Die vaterlose Gesellschaft" im Untertitel. Dabei ist sie das eigentlich gar nicht, denn Väter gibt es genug. Auch Kinder gibt es eine Menge. Nur die müssen, weil es die Mama beim Papa einfach nicht mehr aushält ("75 Prozent aller Scheidungen reichen Frauen ein") auf ein Leben mit Papa, außer nach genau reglementierten Zeiten, verzichten.
Und der Papa auf die Kinder. Manchmal sogar für lange oder für immer. Den meisten Kindern und Vätern tut das weh - und das ärgert die Väter, die Kinder und jetzt auch Matussek. Er prangert das seit 1977 geltende Scheidungsrecht an, "das Frauen und Müttern alle Rechte, den Vätern meist nur den Fall in die wirtschaftliche, psychische und rechtliche Bodenlosigkeit" bietet. Ihm reicht es. Er vertritt seine Meinung aggressiv, schneidend, hart.
Der Autor akzentuiert seine Sprache, wenn er vorträgt, nein plädiert. Gegen "verwöhnte Wohlstandskinder, die sich nach einem Frauenbestseller "böse" Mädchen nennen, wie verzogene Kinder auf Schwache eintreten und vor sich selbst bewundernd in die Knie gehen".
Er geißelt die "Scheidungsindustrie", zu der er auch Gerichte und Jugendämter zählt, die Frauenmagazine, die der Frau klarmachen, daß sie dumm ist, wenn sie in einer Krisenbeziehung bleibt, die unteremanzipiert ist, wenn sie nicht ausbricht und "den Alten über den Tisch zieht, denn sie hat die Möglichkeit dazu." Im Publikum ist es während der Lesestunde bei Gillmeister still. In den vollbesetzten Stuhlreihen wird getuschelt, Männer nicken, atmen tief durch, lächeln, setzen sich aufrecht. Frauen schütteln die Köpfe, eine ist den Tränen nahe, eine andere verbirgt das Gesicht in den Händen.
"Kinder wollen mit Papa und Mama in den Zoo und Schimpansen ärgern" - "Wie wäre es denn, wenn man sich zusammennimmt, Schwierigkeiten gemeinsam zu meistern, vor allem den Kindern zuliebe?"
Matussek übertreibt und polemisiert, sarkastisch-wütend. "Viele Frauen und Männer leben diese Wut - für die schreibe ich". In der Diskussion fallen Hemmungen: Männer stehen auf, erzählen von ihren Trennungen, von Ungerechtigkeit, als die sie Entscheidungen der Ämter und Richter empfinden. Frauen machen ihrem Unmut über den Autor Luft, sprechen ihm Ernsthaftigkeit ab. "Sie mögen ja Recht haben" gibt eine zu, kritisiert aber seine aggressive Art. Der Autor habe kein Frauen-Feindbild. Er will vor der Verführung warnen, die er "Scheidungsindustrie" nennt, verteidigt den berufstätigen Vater.
Matussek gibt denen Mut, die oft fassungslos erkennen, wie schwer es ihnen und ihren Kindern gemacht wird, miteinander umzugehen, die sich Gewalt- und Mißbrauchslügen ausgesetzt, Boshaftigkeiten ausgeliefert fühlen.
Fehlen nur noch die Tips für Kinder, wie sie Papa und Mama dazu bekommen, wieder mit ihnen gemeinsam im Zoo Schimpansen zu ärgern. Aber vielleicht eine Lektüre für Verliebte im siebten Himmel, die sich vorgenommen haben, Kinder ernst zu nehmen, durchzuhalten, es Matusseks Eltern nachzumachen: goldene Hochzeit zu feiern.
Leserbriefe in der PAZ-Ausgabe vom 2.10.98
Berüchtigtes Familienrecht
Vor wenigen Monaten veröffentlichte die PAZ etliche Leserbriefe, die sich mit der menschenverachtenden Familienrechtspraxis befaßten. Unmißverständlich wurden Peines Jugend- und Justizbehörden Inkompetenz und sogar Menschenrechtsverletzung vorgeworfen. Wann legen endlich Peines Beamtinnen in oben genannten Behörden ihre Scheuklappen ab und beenden ihre ausschließliche Ausrichtung auf das Wohlbefinden der Mutter'?
Wie lange schauen die Politiker (insbesondere der Landtag) dem väterfeindlichen Treiben mit Entrechtung der Kinder unter Mißachtung elementarer Grund- und Menschenrechte noch tatenlos zu? Warum wird uns unser Recht (Artikel 13 Europäische Menschenrechtskonvention von 1953) auf eine wirksame Beschwerde vor einer unabhängigen nationalen Instanz immer noch vorenthalten?
International bildet die BRD mit ihrem berüchtigten "Familienrecht" das absolute Schlußlicht. Matussek schreibt zu Recht in seinem Buch "Die vaterlose Gesellschaft - längst überfällige Anmerkungen zum Geschlechterkampf". ... "Es reicht !"
Holger Friese
Kinderseelen werden zerstört
Beim Lesen des Berichts zur Autorenlesung des Herrn Matusseks freute ich mich über den Mut ihres Redakteurs. Klar und präzise wurde die Lesung, deren Thematik und die Stimmung unter den Zuhörern wiedergegeben. Polemik ja - aber durchaus nicht übertrieben.
Ich kenne selbst einige Väter und ihren Leidensweg nach der Trennung, darum fehlte es mir auch nicht an Ernsthaftigkeit, wie einigen anderen Damen. Es kann natürlich sein, daß diese Damen keine Kinder haben, oder falls sie alleinerziehend sind, nie auf das Leuchten in den Augen ihrer Kinder geachtet haben, wenn der Vater von seinem Besuchsrecht Gebrauch machen konnte und vor den Kindern stand. Dann das betretene Zubodenschauen der Kinder. "Mama sagt, sie traurig, wenn ich zu Papa gehe!"
Kinder, die durch die "liebende" Mutter in einer Loyalitätskonflikt getrieben werden - zum Wohle des Egos der Mutter. Kinderseelen, die ohne Bedenken für die Rachefeldzüge der Mutter zerstört werden, damit sich dieselbe selbstverwirklichen kann. Ich schließe mich Herrn Matussek an, der sagte: "Seht es spiegelverkehrt und stellt Euch vor Ihr wärt Mann!"
Karin Würfel