paPPa.com informiert:
Matussek: Die vaterlose
Gesellschaft
- Überfällige Anmerkungen zum Geschlechterkampf
-
Saarländischer Rundfunk, SR 2 Kulturradio, 3.7.98
Bisher machten Frauen die Sache vorwiegend unter sich aus. Die einen veröffentlichten in zahllosen Verlagen ganze Frauenbuchreihen, bemühten sich, weniger zu lieben und böser zu werden. Andere, wie Karin Jäckel, Claudia Heyne oder Eva Julia Fischkurt, wiesen darauf hin, daß es nicht nur böse Männer gibt, sondern wirklich böse Frauen. Zuletzt erschien "Wenn Frauen zuviel schreiben".
Jetzt endlich hat ein Mann den Mut gefunden zurückzuschlagen und sich gegen pauschale Herabsetzung seines Geschlechts zu wehren: der SPIEGEL-Redakteur Matthias Matussek, der zuletzt Kurzgeschichten und einen Roman geschrieben hatte.
Er erinnert daran, daß es inzwischen auch Männer gibt, die sich gern um ihre Kinder kümmern würden, aber daran gehindert werden. Verrückterweise sind es gerade softe und emanzipierte Männer, wie sie von der Frauenbewegung gefordert wurden, die heute in Hungerstreik gehen, um ein Sorgerecht zu erkämpfen. Um alleinerziehende Frauen wird oft geradezu ein Kult entwickelt, aus der Not wird eine Tugend gemacht nach dem Motto: Ohne Väter geht es viel besser.
Und genau das ist ein schlimmer Irrtum: Kinder brauchen auch die stabile männliche Bezugsperson, sonst fehlt ihnen ein Vorbild und die Möglichkeit, sich von der Mutter zu lösen.
Kinder, die ohne Väter aufwachsen, werden häufiger drogenabhängig und kriminell. Sie werden sogar häufiger gewalttätig - und daran kann ja dann kein Macho-Vater schuld sein.
Wenn Väter und allgemeiner: Männer abgewertet werden, wie soll dann ein Junge ohne Schäden erwachsen werden. Fazit: Wenn irgend möglich, sollte es gemeinsames Sorgerecht geben. Partner sollten nicht gleich bei den ersten Problemen auseinandergehen. Und wenn eine Ehe wirklich nicht zu retten ist, sollten wenigstens Gemeinsamkeiten in der Erziehung gesucht werden. Klingt selbstverständlich, ist es aber absolut nicht!
Das Buch von Matthias Matussek ist stellenweise polemisch, es ist aber nicht frauenfeindlich, auch wenn ihm manche unverantwortliche Luxus-Emanzen, die Väter und Kinder ausnutzen, gelinde gesagt zum Halse heraushängen.
Der Autor ist übrigens verheiratet und hat einen Sohn.
Sein Buch "Die vaterlose Gesellschaft" bietet wirklich "Überfällige Anmerkungen zum Geschlechterkampf".
Provokateur will die Familie retten
Matthias Matussek über "entsorgte Väter"
Von Matthias Striet
Stade. Er polemisiert und polarisiert gern, bricht Tabus und denkt quer: Matthias Matussek, Journalist aus Berlin, genießt es, öffentliche Debatten anzustoßen. Noch nie erhielt der "Spiegel" so viele Leserbriefe wie nach Matusseks bissigem Artikel "Der entsorgte Vater". Das Spektrum der Reaktionen reichte von persönlichen Angriffen ("Pascha") hin zu erleichterter Zustimmung.
Denn wenn Matussek gegen die "Spatzenhirndiäten des Feminismus", "die Pirouetten weiblicher Selbstfindung" und vor allem gegen das Familienrecht anschreibt, kämpft er mit harten rhetorischen Bandagen. Geschiedenen Vätern, die ihre Kinder selten oder gar nicht sehen dürfen, spricht er damit aus der Seele. Die Initiative "Männer und Scheidung" lud den Anwalt der "neuen Männerbewegung" nun am Montag nach Stade, um zu lesen und zu diskutieren.
Vor etwa 80 Zuhörern und rund 20 Zuhörerinnen stellte der Kisch-Preisträger Matussek in der Aula des Athenaeums sein Buch "Die vaterlose Gesellschaft" vor. Untertitel: "Überfällige Anmerkungen zum Geschlechterkampf".
Mit "afrikanischen Schrei- und Schimpfspielen" möchte Matussek seine Streitschrift verglichen wissen: "Die transportieren auch eine Wahrheit, die einfach da ist." Trotz der Überzeichnungen. Ein vielfaches, wütendes "Es reicht!" ruft Matussek dem "institutionell erstarrten Feminat" gleich im ersten Kapitel zu. Gegen das "weibliche Reservat" Scheidungsrecht wettert er, in dem das alleinige Sorgerecht für Kinder in 75 Prozent der Fälle an Mütter geht. Obwohl die meisten Scheidungen von Frauen ausgingen.
Die Unterhaltspflicht der Väter mißbrauchten viele Frauen als "Volllkasko gegen das Lebensrisiko Liebe". Die Väter würden finanziell und seelisch "ausbluten", die Mütter genössen ihr Leben als "Wohlstandsnuckelchen". Ihre "vaterlosen" Kinder aber seien später anfälliger für Kriminalität.
Auch das anderthalbstündige, lebhafte Publikumsgespräch beginnt Matussek kompromißlos "Laßt uns einen neuen Ton in den öffentlichen Raum tragen", ruft er, und seine Stimme wird laut: "Natürlich gibt es blöde Weiber! Natürlich gibt es Tussis! Laßt uns die Rechte zurückholen, die wir en passant abgegeben haben."
Doch unter den Anwesenden regt sich Kritik. Ob es weise sei, fragt eine Besucherin, den sexuellen Mißbrauch von Müttern an Kindern hervorzuheben. Matussek verharmlose so den Mißbrauch durch Väter. Ein geschiedener Vater bekennt: "Ich mißtraue Ihnen, Herr Matussek. Die Juristen sind Männer, die Gesetze stammen von Männern. Wenn Väter das alleinige Sorgerecht wirklich wollen, könnten sie es haben." Die meisten Väter aber verteidigen die Thesen des Buchautors: "Wenn man etwas bewirken will, muß man provozieren. Das lockert die Denkstrukturen."
Trotzdem mäßigt Matussek seinen Ton. Nach Schimpfkanonaden klingt sein Schlußplädoyer versöhnlich: "Laßt uns den konservativen Wert Familie bewahren. Ich wünsche mir mehr Stimmen, die sagen: Es ist geil, ein Paar zu sein. Auch nach fünfzehn Jahren Ehe."