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Matussek: Die vaterlose
Gesellschaft
- Überfällige Anmerkungen zum Geschlechterkampf
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Interview PAPS / Matussek am 12. Mai 1998, veröffentlich in der Zeitschrift paps ("Brigitte für Väter") 2/98, S. 8-10, unter " `Überfällige Anmerkungen´ oder `überflüssige Anmerkungen´ zum Geschlechterkampf? "
Ein Missionar der neuen
Männerbewegung
Matthias Matussek über den "entsorgten Vater'' - Aufruf
zum Boykott von Unterhaltszahlungen
Stuttgarter Zeitung 19.9.98
Mit einer Reportage über Trennungsväter hat Matthias Matussek vor einem Jahr Feministinnen, Sozialarbeiter und Juristen gegen sich aufgebracht. Aus dem Report ist inzwischen ein Buch geworden und aus dem "Spiegel''-Autor ein Missionar der neuen Männerbewegung.
Von Ludwig Labacher
"Für viele bin ich eine uncoole Nummer geworden'', sagte Matthias Matussek, Sohn eines früheren Stuttgarter Bürgermeisters, "denn ich rede über Väter und das Familienrecht''. Doch bevor er im Treffpunkt Rotebühlplatz mit vielen Betroffenen redete, las der Journalist eine Fallgeschichte aus seinem Buch "Die vaterlose Gesellschaft - Überfällige Anmerkungen zum Geschlechterkampf''.
Hauptperson darin ist Sofia, die vierjährige Tochter des Stuttgarters Georg Nassos, Maler und Mitglied im Verein Väteraufbruch für Kinder. Ein Foto von ihr wird fast lebensgroß vor dem lesenden Autor aufgebaut. Ein Kind zum Liebhaben: nett gescheitelt und mit traurigen Kulleraugen schaut es den ganzen Abend lang ins Publikum. Ein Arrangement, das eine junge Frau später als "kitschige Inszenierung'' kritisieren wird. Wofür sie die geballte Wut des Autors und seiner Anhänger zu spüren bekommt.
Nassos' Lebensgefährtin hat den Künstler, im Buch heißt er aus rechtlichen Gründen Orfeu Adler, verlassen, als das Töchterchen zehn Monate alt war. Seither streitet er vor allen möglichen Behörden und Gerichten um das Recht, seine Tochter wenigstens stundenweise sehen zu dürfen. Für Matussek ein typischer Fall: Nassos-Adler ist in die Fänge der "Scheidungsindustrie'' geraten, und diese arbeitet nur zum Wohl von Frauen. Bleibt eine gütliche Einigung im Trennungsfall von Paaren mit Kindern aus, dann hat der Vater keine Chance, das Sorgerecht zu bekommen.
Richter, Anwälte und Jugendamtsmitarbeiter unternähmen alles, um den Kontakt zum Vater zu unterbinden. Dieser Mißstand in der Rechtsprechung sei, so Matussek, ein Resultat von drei Jahrzehnten Frauenbewegung und grundsätzlich "sozialdemokratischer Politik'' in Familienfragen. Wer darauf hinweise, verstoße gegen die Political correctness, "das intelligenzfeindlichste Tabu unserer Zeit''. Sein Buch stellt er als "einen Wutausbruch, traurig und sarkastisch'' vor, als "Auseinandersetzung eines Linken mit der Linken und dem Feminismus''.
In einem Interview mit der Zeitschrift Tempo hatte Matussek 1993 verraten, er wolle der erste Dandy des deutschen Journalismus werden. Doch seither hat er sich zum Vorbeter der "entsorgten Väter'' gewandelt. Wenn er vom Podium herab zum Boykott der Unterhaltszahlungen aufruft, gröhlen die Betroffenen wie ein Haufen fundamentalistischer Sektierer. Mit Polemik und Totschlagsargumenten überzieht der Autor jeden Kritiker. Er will zeigen, daß es ihm furchtbar ernst ist mit dem Kampf für die Väter. Zu diesem Zweck steigert er sich auch ohne direkten Auslöser in wüste Beschimpfungen hinein. Das Ganze wirkt, als engagiere sich Harald Schmidt plötzlich ernsthaft für den Tierschutz.
Er schade der Sache, meint die bereits erwähnte junge Frau, doch Matussek hört keine Zwischentöne. Wer nicht mit ihm stimmt, ist gegen ihn, also stempelt er die Kritikerin als Prototyp jener Frauen ab, die dreißig Jahre lang gefordert hätten, Männer sollten endlich Gefühl zeigen. Jetzt, wo sie Emotion zeigten, werde ihnen von den gleichen Frauen übel mitgespielt - aus Rache für von ihren eigenen Vätern erlittenes Unrecht.
Es sieht so aus, als sei Matussek tatsächlich zu einer uncoolen Nummer geworden.
Nachspiel I zu Labachers Femi-Fantasmen: Die ersten Leserbriefe ...
Nach Auskunft von Georges Nassos muß die Redaktion der Stuttgarter Zeitung eine Fülle von Leserbriefen erhalten haben, hier eine erste Auswahl:
24.9.98: Zu einfach gemacht
"Mit Ihrem Bericht der Lesung von Matthias Matussek kann ich nicht einverstanden sein. Sie erwähnen beispielsweise den Vorwurf der "kitschigen Inszenierung", von einer Zuhörerin gemacht. Herr Matussek hat diesem Statement ruhig und sachlich geantwortet. Daß einige anwesende Väter emotional reagierten, macht diese für Sie zu "fundamentalistischen Sektierern" - wie einfach. Auch der Unterschied zwischen provokativer Polemik und "wüster Beschimpfung" ist Ihnen wohl nicht geläufig.
Es ist dem Mut und der Zivilcourage des Rowohl-Bosses Nikolaus Hansen zu verdanken, daß Matusseks Buch "Die vaterlose Gesellschaft" überhaupt erschien - gegen die Zensurversuche seiner Lektorinnen.
Wie wäre es, wenn Sie einmal die Hintergründe beleuchten würden, die zur "neuen Männerbewegung" führen? Wie wäre es, wenn Sie sich einmal vorurteilsfrei mit den Tatsachen eines Scheidungsrechts auseinandersetzten, das internationalen Standards weit hinterherhinkt? Wie wäre es, wenn Sie sich einmal der persönlichen Situation von Männern/Vätern in dieser Lage konfrontierten?"
Wolfgang Kellner, Murrhardt
Anspruch verwirkt
"Die in vielen Gerichtsbezirken Deutschlands in vielen Teilen Europas bereits gängige Rechtsprechung "Wer den Umgang boykottiert, verwirkt seinen Anspruch auf Unterhalt", scheint sich noch nicht bis Stuttgart herumgesprochen zu haben.
Außerdem habe ich in Ihrem Artikel den Hinweis auf die UN-Kinderrechtskonvention vermißt: Das Kind hat das Recht auf elterliche Fürsorge. Dieses Recht steht jedem Kind von Geburt an zu und kann von niemandem verliehen werden. Demgegenüber steht die elterliche Fürsorgepflicht."
Thomas Sochart, Nürtingen
Arrogant gewitzelt
"Die Botschaft "Leute, wehrt Euch, wenn Euch Unrecht geschieht", diese Botschaft, die Matussek mutig in die Welt hinausschreit, ist auch meine Botschaft, obwohl ich eine Frau bin. Ich kann nur immer wieder feststellen, daß es offensichtlich "uncool" ist, und daß es deshalb sehr viel Mut bedarf, die herrschende Helferindustrie anzuprangern. Auch ich war bei der Lesung, die Sie mit Ihrem Artikel verspötteln.
Mit Ihrer Polemik werten Sie aber auch die Betroffenen ab, die schrecklich leiden. Ich denke, wer sich über das Leid von Menschen lustig macht und nur arrogant darüber witzelt, daß man vielleicht das Leid kitschig vorgetragen hat, dem fehlt es an Reife. Die Betroffenen fühlen sich dem Autor Matussek verbunden, weil er es geschafft hat, ihnen aus dem Herzen zu sprechen. Matussek zeigt Gefühl, wirkt dadurch authentisch, und das macht offensichtlich vielen Menschen Angst, nicht nur dem feministischen Lager. Ich und viele andere Betroffenen sind ihm dankbar dafür.
Ursel Maurer, Luginsland
Initiative Jugendamtsgeschädigte
Sehr gefühlsbetont
Als teilnehmender Beobachter der Veranstaltung rund um Herrn Matussek, der ich nicht als Vater betroffen bin, möchte ich korrigieren: Von ca. 150 männlichen Teilnehmern kamen in der abschließenden Diskussionsrunde nur etwa zehn zu Wort. Davon berichteten drei sehr gefühlsbetont von ihrer Situation. Nur ein Zwischenrufer fiel aus der Rolle. In diesem Zusammenhang von einem Haufen fundamentalistischer Sektierer oder gar grölender Meute zu sprechen, halte ich für diffamierend. Auch hat Matussek ausdrücklich nicht zu einem Unterhaltsboykott aufgerufen, was auch ich nicht akzeptieren könnte. Er betonte sein deutliches Verständnis für Väter, die in ihrer Ohnmacht zu solche einem letzten Mittel greifen. Dieses Verständnis teile ich allerdings auch.
Christopf Koch, Stuttgart
Kinder als "Waffe"
Der Artikel von Ludwig Labacher spiegelt lediglich die persönlichen Ressentiments gegenüber dem Autor Matthias Matussek wider. Anders ist es nicht zu verstehen, daß die Aussagen von Herrn Matussek und der Diskussion so plump und differenziert dargestellt werden. Bei der Lektüre kam mir der Verdacht, daß ich bei einer völlig anderen Veranstaltung war.
Das eigentliche Thema, daß Kinder von ihren Müttern als "Waffe" in einer Auseinandersetzung um das Sorge- und Umgangsrecht mißbraucht werden können und dies von der Gesellschaft hingenommen wird, hat Herr Labacher wohl nicht begriffen.
Dr. Johann Reichsthaler
25.9.98: Als Mann ein Opfer
"Ich kann es nur begrüßen, daß sich auch ein Mann gegen diese feministische Apartheidpolitik auflehnt; ich muß am eigenen Leib spüren, daß ich als Mann nur ein Opfer bin. Ich habe dabei nur noch das Recht, Unterhalt zu zahlen, alles andere wurde mir abgesprochen. Die Justiz hat Narrenfreiheit und somit werden die Männer in einer Scheidung zu Opfern gemacht."
Gerhard Bühler, Steinheim-Söhnstetten
Nachspiel II zu Labachers Femi-Fantasmen: Väteraufbruch Stuttgart kuschelt ...
Am Abend des 24.9.98 um 19:30 h trafen sich konspirativ die beiden Vorstandsmitglieder vom Väteraufbruch Stuttgart, Annette Schäfer und Hennig Schläger im Jugendhaus Mitte, um mit dem Journalisten Ludwig Labacher zu sprechen. Georg Nassos hat einen Hinweis hierauf bekommen und sich eingebracht.
Frau Schäfer vertrat Positionen des Alleinerziehenden-Verbandes VAMV [nicht verwunderlich, denn sie selber hat ihr Kind dem Vater bereits - erfolglos - zu entziehen versucht]. Gleichzeitig wurde Herr Labacher in seiner Polemik gegen die Matussek-Lesung bestärkt - obwohl weder Frau Schäfer noch Herr Schläger dort anwesend waren. Es wurde kräftig gegen die "Radikalinskis" im Väteraufbruch geholzt.
Näherer Informationen erteilt Georges Nassos, Tel+Fax 0711-636 55 26
"Matthias Matussek prophezeit das Ende der Bilderbuch-Familie. Das Buch von Matthias Matussek regt zu Diskussionen an" (Begleittext zum ZDF-Beitrag in "Kulturzeit", 3Sat, vom 20.7.98, das ZDF verweist in seinen Links auf paPPa.com)
"Die Väter werden abgezockt" Interview mit Matthias Matussek in "Schweizer Familie" (Ausgabe 26/98)
Rezension bei "Väter für Kinder", Juni 98
Berliner Zeitung vom 30./31.5.98 - Charlotte Worgitzky
Saison
der Marktschreier
Matthias Matussek und "Die vaterlose Gesellschaft"
- eine Erwiderung
"Rambo Matussek" - Deutschlandradio Berlin vom 22.5.98 - Florian Felix Weyh
Rezension von Dr. Günter Tews (Österreich) " ... Kein anderes Buch, das in den letzten Jahren zum Thema veröffentlicht wurde, ist so mutig. Sein Autor wird Spott ohneEnde ertragen müssen, aber auch viel Beifall ernten."
Stuttgarter Zeitung vom 23. Mai 98
Gegen die Macht der Frauen
Matthias Matussek hat "Die vaterlose Gesellschaft"
entdeckt
Dieses Buch ist brillant geschrieben, böse, gallebitter, giftig. Und, wie so oft, wenn einem Autor Ressentiments die Feder führen, über weite Strecken leider grunddumm.
Am Thema liegt das nicht: Matussek, 44, "Spiegel"-Kolumnist in Berlin, verheiratet und Vater eines vierjährigen Jungen, zieht im wesentlichen die Bilanz eines sozialliberalen Projekts, des Ehe- und Scheidungsrechts der Regierung Helmut Schmidt von 1978 . Es ersetzte das bis dahin geltende Verschuldens- durch das Zerrüttungsprinzip und trennte, anders als früher, Unterhalts- und Sorgerechtsfragen von der Frage, wer denn Schuld sei am Scheitern der Ehe. Daß das Jahrhundertwerk kein reiner Segen war, bewiesen seine Erfinder selbst, die über die Jahre immer wieder daran herumbastelten und etwa Unterhaltsansprüche aus besonders kurzen Ehen begrenzten. Alles nicht genug, findet Matussek, Damals, so der Autor der "Vaterlosen Gesellschaft", sei eine "Höllenmaschine" in Gang gesetzt, die "Scheidung zur weiblichen Erwerbsquelle" machte, Frauen ein neues "Karriereziel Alleinerziehende" eröffnete und - vor allem dies ist sein Thema - Zigtausende von Scheidungswaisen zurückließ, die ihren meist nichtsorgeberechtigten Vätern böswillig entfremdet und zum Kanonenfutter im Scheidungskrieg der Frauen gegen die Ex-Männer wurden.
Wer nur ein paar Seiten lang durchhält, den hat Matussek schon auf einen fernen, gruseligen Planeten katapultiert, den er als das wirkliche Leben ausgibt: in die "Territories" der Frauenbewegung der vergangenen etwa dreißig Jahre, dahin, "wo Tabus und Neurosen, Kontrolle, Konkurrenz und Anpassungsdruck herrschen" und wo eine "feministische Meinungsnomenklatura" das öffentliche Gespräch beherrscht. Überhaupt die Frauen: Sie sind offensichtlich Matusseks eigentlich böser Feind, nicht jenes Ehe- und Familienrecht, das, unvollkommen wie auch immer, doch offen für Verbesserungen ist und deshalb seiner Wut und Wortgewalt keinen rechten Widerstand bietet. Das ewige Weib ist es, das hinter beinahe allem Übel der Welt steckt, das nicht nur den Vater seiner Kinder gnadenlos "entsorgt", sondern inzwischen auch inzwischen auch Karrieren in Politik und Beruf hinlegt, die es nur der Frauenquote verdankt, also eigentlich nicht machen dürfte. Die Grünen sind für Matussek "die Partei, zu deren vorrangigen Qualifikationskriterien für Spitzenjobs es gehört, Frau zu sein".
Es sind solche Falschaussagen, die das
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Angst vor der Quote |
Buch so unerträglich machen. Matussek, der der Frauenbewegung immer wieder "Es reicht" entgegenbrüllt und "Dreißig Jahre Feminismus sind genug" - an ihm ist all das offensichtlich spurlos vorübergezogen. So alt wie die Angst vor der Quote ist auch das Argument, daß sie kein Reservat für geistig Mittellose sein darf, sonder für gut ausgebildete und tatkräftige Frauen Platz schafft, die sonst keine Chance hätten, nur weil sie keine Männer sind. Matussek streift das mit keinem Wort und schlägt lieber wieder die alte Leier "Leistung gegen Quote". Hat er nichts gelesen und gehört?
Ein Ärgernis auch, daß einer, der stolz auf sein "politisches Buch" ist, selbst so schrecklich unpolitisch ist: Daß das sozialliberale Scheidungsrecht ein Geschenk altmodisch galanter, vielleicht auch ein wenig trotteliger Bonner Männer an die Frauen gewesen sei –wer soll Matussek das abnehmen? In den 60er, 70er Jahren, als der Bildungsnotstand ausgerufen und Frauen gebraucht wurden wie selten zuvor, da konnten sie auch etwas für sich fordern, politisch und juristisch. Ein ganz normales Geschäft auf Gegenseitigkeit also, kein Stück aus dem Benimmkurs.
Aufschlußreich auch Matusseks Aufschrei: "Nie in der Geschichte haben Männer um das Recht betteln müssen, Vater ihrer Kinder zu bleiben. Nie gab es eine Zeit, in denen sie Bürokratien anflehen mußten, ihre Kinder zu sehen." In der Tat: Das war zuvor stets das Problem der Frauen - ist es diese Zumutung, die Matussek umtreibt?
Obwohl er nämlich im Buch immer wieder betont, es gehe ihm vor allem um das Wohl jener Kinder, denen das geltende Recht und eine feministisch beherrschte öffentliche Meinung die Väter entzieht und sie zu Zahlvätern herabwürdigt. Ein wenig kurios ist es schon, daß Matussek seine Gardinenpredigt gegen die Allmacht der Weiber und Mütter zu einem Zeitpunkt auf den Medienmarkt wirft, da diese schon erhebliche Risse hat: Im September letzten Jahres verabschiedete der Bundestag das neue Kindschaftsrecht, das erstmals das Kind rechtlich in den Mittelpunkt der Elternbeziehung rückt und ihm ein Recht auf den Umgang mit beiden Eltern ausdrücklich garantiert. Matusseks erster Aufruf gegen die "vaterlose Gesellschaft", Grundmaterial zum Buch, erschien als Titelgeschichte des "Spiegels" im November. Die epochale Entscheidung des Bundestags erwähnte Matussek als unbedeutend nur am Rande. Im Buch ist sie ein wenig aufgewer-
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Das Weib ist böse |
tet, aber Matussek bleibt skeptisch. Das Ding paßt einfach nicht in sein Bild der bösen Welt. Da das Weib unveränderlich ist, nutzt auch etwas Bonner Kosmetik nichts.
Warum so viel Holzschnitt, Herr Matussek? "Weil Journalisten zuspitzen müssen", sagt der, ein jungenhafter Temperamentsbolzen, der wortreich und wortgewaltig im Gespräch ahnen läßt, daß in seinem Struwwelkopf doch einige klügere Gedanken stecken als die, die er unglücklicherweise in Druck gegeben hat. Er sei schließlich "kein grimmiger Väter-Ayatollah mit Tunnelblick auf den Geschlechterkampf", sagt er, auch keiner, der behaupten würde, selbst Höllenehen müßten um jeden Preis aufrechterhalten werden. Ja, und naiv sei er auch, sonst hätte er das Buch gar nicht schreiben können. Nur habe in den letzten dreißig Jahren eine Flut von Frauenliteratur die Männer als verantwortungslose Unterdrücker hingestellt und damit eine "Desensibilsierung erreicht, der nur mit ebenso überzogener Gegenrede noch beizukommen" sei. Da habe er von der Frauenbewegung gelernt: "Die haben die Torte damals doch auch nicht gegessen, sondern schmissen." Tatsächlich: Die starken Stellen von Matusseks Buch sind da, wo er die These zerpflückt, Frauen seien immer Opfer, Männer immer Täter. Wo er die Verzweiflung geschiedener Väter schildert, die ihre Kinder nicht mehr sehen dürfen. Wo er die Frauenbewegung an ihre Wurzeln erinnert, an den Kampf für die Befreiung von Küche und Kindern, für Beruf und Unabhängigkeit vom Ehemann. Da, wo er einigen Frauen vorhält, ihnen seien Karrieren nicht von Männern versperrt, sondern schlicht zu anstrengend. Und wo er sich – unzeitgemäß, aber vielleicht zukunftsfähig – als Anhänger der lebenslangen Einehe zu erkennen gibt: "Wie wäre es denn, wenn man sich zusammennimmt" und sich bemüht "in Würde zusammen alt zu werden?"
Leider sind die starken Stellen in Matusseks Buch ein bißchen kurz geraten. Solange er darüber kein neues geschrieben hat, ist vom Kauf abzuraten. Eltern tun gegen die vaterlose Gesellschaft sicher mehr, wenn sie die 14,90 Mark in zwei gemeinsam zu schlotzende Viertele investieren. Gelegenheit, den Autor dennoch zu genießen, gibt es im Herbst. Dann will er auf seiner Lesereise wieder nach Stuttgart kommen. Und wenn er im Buch ein großes Thema auch gründlich vergeigt hat: Als Polemiker im Gespräch ist Matussek eine Idealbesetzung. Also: Hingehen und mit ihm streiten!
Andrea Drenbach
Lollipop-Mütter
Matthias Matussek, Autor von "Die
vaterlose Gesellschaft"
"Schluß jetzt, wir reden darüber, nur darüber, über nichts anderes!" Matthias Matussek auf offener Straße laut gestikulierend, demonstriert gerade, was er zu Richtern sagt (und anderen Agenten der "Scheidungsindustrie"), die versuchen, mit ihm über die positiven Seiten des 1977 beschlossenen Familienrechts zu sprechen. Er rede von den grausamen, den schrecklichen Seiten, von der Entrechtung der Väter, "nur darüber, über nichts anderes". In seinem neuen Buch "Die vaterlose Gesellschaft" macht der "Spiegel"-Kolumnist und Autor das genauso. Wir stehen vor dem Charlottenburger Kinderladen "Purzelbaum". "Suchen noch neue Kinder" steht groß am Fenster. Markus wartet. Markus ist Matusseks Sohn, Matussek holt ihn jeden Tag um halb vier ab. Und plötzlich spricht der Mann leise, wie man bei Verhandlungen spricht. Erst Eis essen oder erst Spielplatz? Mit dem großen gelben Plastikauto oder ohne? Markus ist für das Auto, Matussek dagegen. Erstens, weil es dem Kinderladen gehört und zweitens weil es nicht durch die Tür der Eisdiele paßt. Markus sieht das ein. Die Wirkung des besseren Arguments. Warum funktioniert das bei Erwachsenen nicht?
Weil die Weichen völlig falsch gestellt sind, meint Matussek. Wir gehen zum Eiscafe. Weil der Kern der Reform 1977 der problemfreie Ausstieg aus der Familie gewesen sei, was keine Gesellschaft aushält. Weil Scheidung zu einer weiblichen Erwerbsquelle geworden sei. Weil Trennung heute für viele Frauen nicht mehr sei als eine lässige Life-Style-Option. Weil 30 Jahre Feminismus zu einer lnfantilisierung der Gesellschaft geführt hätten. Kurz, weil alles so furchtbar falsch laufe. Und den Vorwurf des Zynismus fürchte er nicht? Der Mann redet jetzt wieder sehr laut: "Und wenn ich dir sage, ich ziehe jetzt zu Susi Sonntag, mich selbst verwirklichen, die Kinder nehme ich mit, und wehe mein Unterhalt kommt nicht pünktlich - klingt das dann nicht komisch?"
Sehr komisch, nach den Gesichtern der Vorübergehenden zu urteilen, und warum klingt das nur bei Männern so, bei Frauen aber nach Emanzipation? Ist das etwa kein gefährlicher Schwachsinn? Junge Alleinerziehende nennt Matussek in seinem Buch manchmal "Lollipop-Mütter". Er hat noch mehr solche Worte, schneidend kalt.
Gibt es "Lollipop-Mütter"? Drei Viertel aller Scheidungen in Deutschland werden von Frauen eingereicht sagt Matussek, und hält das für Unreife, weibliche Unreife. Weglaufen, wenn's schwer wird! Da ist sie wieder, die Weisheit aller vorherigen Jahrhunderte: daß Frauen nie richtig erwachsen werden. Auf die verschiedenen Lebenssituationen der Geschlechter läßt sich Matussek nicht ein. "Wenn die Frau des Schichtarbeiters nach der Schicht zum Schichtarbeiter sagt, ich will mich jetzt drei Stunden mit dir aussprechen und Hagebuttentee trinken - muß er?" Wir reden über das Verschwinden der Väter und die Verrohung der Jugend. Daß da ein Zusammenhang ist, weiß man längst. Daß rechte Ersatzväter-Ideologien vornehmlich in vaterlosen jungen Hirnen wachsen. Daß Jungen Grenzen brauchen, väterlich gesetzte Grenzen. Daß jugendliche Gewalttäter meist ohne Vater aufwuchsen. Es gibt konservative Bestände, mit denen die Linke so nicht gerechnet hat. Die Familie als Schutzraum, nicht nur Ort der Repression. Heute, in dieser überprofessionalisierten Gesellschaft, wichtiger dann je. Die Bedürfnisse von Kindern selbst sind konservativ. Sie brauchen einen Vater, nicht viele.
Matusseks Kapitel heißen "Die Unterhaltslüge", "Die Mißbrauchslüge", ."Die Gewaltlüge". Lüge - so einfach? Vielleicht ist Matusseks Buch in seiner verständlichen Wut, seiner Trauer, seiner Parteinahme nur einfach genauso ungerecht wie mancher feministischer Traktat. "Die vaterlose Gesellschaft" ist die Rückseite des Spiegels, in dem der feministische Diskurs immer nur sich selbst erblickt. Darum muß man hinterher sofort Matusseks Geschichte "Rupert oder die Kunst des Verlierens" lesen - über die Frage, ob Manhattan aus dem Panzer der Schildkröte Sputnik gewachsen ist, die Ruperts Nachbar gehört und bald gekocht werden soll. So wunderbar leicht, so ironisch, so einfühlsam kann Matussek sein. Ach, hätten die Feministinnen doch ihr Leben lang nur surrealistische Kurzgeschichten geschrieben, wir hätten uns den ganzen Ärger sparen können.
Kirstin Decker
Nachlese zu der Matussek-Lesung am 19.8.98 in Mülheim von LR
Die Werbung für die Lesung war umfassend: alle Zeitungen, Lokalradio und -fernsehen hatten berichtet; in allen Buchläden, an verschiedenen öffentlichen Treffpunkten hingen Plakate, selbst am Jugendamt und vor der Gleichstellungsstelle. Im Verteiler der direkt Eingeladenen waren alle politischen Parteien, Jugend/Familienbehörden und -verbände, der VAMV und andere Elternverbände, Frauenverbände usw.. In Jugend- und Kommunikationszentren, in Kneipen, in der VHS usw. lagen Flugblätter aus. Eine Reihe Menschen haben mich angesprochen auf die Lesung und die Problematik, was zeigt, daß die Information angekommen war, und daß das überfällige Buch von Matussek auch in unserer Stadt endlich bekannt wird. (In den Monaten vorher war das Buch bei Nachfrage in keiner der von mir aufgesuchten Buchläden vorrätig im Gegensatz zu der stapelhaft ausgelegten "Frauenliteratur".)
Dennoch kam niemand (bzw. im feministisch korrekten UnDeutsch niemandIn) aus der Politik, niemand aus der "Scheidungsindustrie" und niemand von den anderen Verbänden. Das war enttäuschend und bezeichnend zugleich. Glaubt die Politik ernsthaft, Väter- und Kinderprobleme ignorieren zu können? Wenn ja, so mag sie das tun, auch wenn es jeglichem demokratischen Selbstverständnis widerspricht. Vielleicht ist es aber in Wirklichkeit reine Feigheit der Dämlichkeiten und Herrlichkeiten aller sog. demokratischen Parteien, wenn sie Probleme aus dem Kern der Gesellschaft nicht sehen wollen. Das wird sich aber bald ändern, da der Problemdruck groß ist. Wenn Sozialarbeiter/innen, Rechtsanwält/innen, Richter/innen, Frauenbeauftragtinnen, Psycholog/innen, angebl. Kinderschützler/innen, Mütter/innen und weitere staatlich finanzierte Väterausgrenzer/innen die Diskussion verweigern, so zeigt das meiner Ansicht nach, daß sie sich viel zu sicher fühlen und glauben, es ginge alles so weiter wie gehabt.
Ich glaube, wir ausgegrenzten Väter müssen viel mehr auf die Pauke hauen, damit die Menschen, die von dem Väter- und Kinderelend auch noch profitieren, endlich aufwachen. Ansonsten waren dennoch eine Reihe Leute zu der Lesung gekommen, bestimmt die Hälfte davon Frauen. Matussek las vornehmlich aus dem Kapitel "Der Aufstand gegen die Väter" und man konnte ein Stecknadel fallen hören, so gespannt hörten die Leute zu. Die nachfolgende Diskussion war recht angeregt und spannend, doch fehlte etwas - das Gegenüber (s.o.), weil auch die anwesenden Frauen Matussek`s Thesen im Kern bestätigten, obwohl einige von ihnen aus dem aktiven Stamm der ehemaligen Frauenbewegung kamen. Einige Teilnehmer meldeten sich auch später noch bei mir und ich kann nur berichten, daß die Lesung sie ins Nachdenken gebracht hat.
Dennoch: der Durchbruch kommt erst dann näher, wenn die "Gegenseite" sich genötigt sieht, an solchen Lesungen/Diskussionen teilzunehmen. Erst dann können wir die ganze Scheinheiligkeit und Verlogenheit des destruktiven feministischen Diskurses entlarven und ändern. Erst dann wird die Rolle der GRÜNEN, der Einfluß um ein Vielfaches höher ist als ihre Stimmanteile, deutlich werden, nämlich, daß eine Clique von macht- und karrierebesessenen Frauen im Einklang mit einigen überopportunistischen Männern die Ziele dieser Partei über die Frauenfrage vollends umgedreht haben, aber für die eigene Karriere leider immer noch davon profitieren können. Eine grüne Familien- oder Frauenministerin in Bonn wäre eine Kriegserklärung an die Gleichberechtigung von Vätern! Nur ist das bisher öffentlich noch nicht diskutierbar! Schade.
DIE WELT vom 2. Mai 1998
Macht es wie die Frauen, Väter, emanzipiert Euch !
Von Mathias Nolt
Ein Mann wie Matthias Matussek hat im Podewil eigentlich nichts zu suchen. Das Kulturhaus in Berlin-Mitte ist normalerweise kein Ort der scharfen Töne. Hier finden Ausstellungen statt und manchmal Konzerte, hier lesen Dichter aus ihren Werken, hier betrachten Zuschauer und Akteure die Welt gewöhnlich durch dieselbe Brille. Zu DDR-Zeiten hieß das Podewil noch "Haus der jungen Talente", die heutigen Betreiber verkaufen es im Internet als "Unsere Begegnungsstätte".
Matthias Matussek aber, der hier Dienstag letzter Woche aus seinen Büchern las, ist mit seinen 44 Jahren erstens kein junges Talent mehr, und zweitens begegnet man ihm nicht. Matussek trifft einen - wie der Schlag mit nassem Handtuch mitten ins Gesicht.
Der hinreißende Held seines Romans "Rupert oder die Kunst des Verlierens" (Diogenes, Zürich) paßt schon eher ins Ambiente des Podewil. Diesen Versager der Extraklasse, der eine Niederlage nach der anderen einsteckt und immer wieder aufsteht, haben die Zuschauer im ausverkauften literarischen Salon dann auch herzhaft umarmt und beklatscht. Aber was passiert, wenn die Realität die Fiktion überholt? Dann ist Schluß mit lustig, dann wird es ernst.
Und so kühlte die Atmosphäre spürbar ab, als Matussek aus seinem jüngsten Werk "Die vaterlose Gesellschaft - Überfällige Anmerkungen zum Geschlechterkampf" vorzulesen begann, das gerade bei Rowohlt erschienen ist (Reinbek, 269 S., 14,90 Mark). Obwohl auch in diesem Buch ein Verlierer der Protagonist ist, schien das Mitleid bei vielen im Publikum wie weggeblasen. Matussek hat sich den Mann vorgeknöpft, nicht einen fiktiven, sondern einen ganz realen: den deutschen Mann im allgemeinen und den Vater im besonderen. Für ihn hat Matussek ein politisches Manifest verfaßt, für ihn läßt er es donnern.
Eine Breitseite nach der anderen schießt der Autor in die Matrix feministischer Hypokrisie. Und dabei ist er sich bewußt, daß er mit starker Gegenwehr rechnen muß. "Natürlich", schreibt er, "wird sich der Geschlechterdiskurs weiter radikalisieren. Männer werden die Bandagen ablegen und sich - ohne Hemmung von Tradition und Galanterie - zur Wehr setzten. Sie haben mächtige Gegner."
Ein paar von denen hat Matussek schon Ende 1997 kennengelernt, nachdem der "Spiegel" seine Polemik "Der entsorgte Vater. Über feministische Muttermacht und Kinder als Trümpfe im Geschlechterkampf" gedruckt hatte. "Emma" krönte den Autor zum "Pascha des Monats", und die "taz" titelte hintersinnig platt "Polemik im Männermagazin".
Dabei hatte Matussek nichts anderes gemacht, als sich auf die Seite der Männer zu schlagen, die zu den underdogs unserer Gesellschaft gehören. Er hatte sich nicht den Männermagazin lesenden Macho vorgeknöpft, der sich nach Scheidung oder Trennung von der Partnerin vor Unterhalt und Erziehung drückt, sondern jene weinenden Väter, die ihre Kinder sehen und umarmen wollen, aber "als ausgemusterter Beziehungs-Restmüll allenfalls alimentieren dürfen und ansonsten aus dem Leben ihrer Kinder gelöscht werden".
Für diese Position erhielt Matussek dann die Quittung. Er wurde vom Gegner als larmoyanter Schwächling verhöhnt, der "ganze Theken vollzuheulen pflegt" ("Emma"). Ähnlich ging es den Opfern, die er beschrieben hat - einen Kellner und einen Sozialarbeiter.
Die harmloseste Kritik war noch, daß sich der Autor einer Minderheit angenommen habe und selbst Betroffener sei. Als ob das Gründe sind, sich eines Themas nicht anzunehmen. "Emma" würde es ohne -diese beiden Motive - überhaupt nicht geben, der ganze Feminismus wäre ohne sie obsolet.
Ein bißchen saftiger, aber kein Jota intelligenter war die Beschimpfung im Berliner Maazin "tip": "Verpiß dich!" hieß dort der Titel zur Geschichte. Wer sich verpissen sollte, war dem Bericht nicht zu entnehmen. Im Untertitel erfuhr man dann: "Tränenreich wird neuerdings die vaterlose Gesellschaft beklagt." Die Verfasserin beschrieb ein paar, "frustrierte Männer" im Hungerstreik vor einem Berliner Familiengericht, die ihre Kinder nicht mehr sehen durften. Die Männer waren "nicht mehr ganz junge, etwas struppig wirkende Herren", die greinten".
Matussek hat sich den Spaß erlaubt, im ersten Kapitel seines Buches diesen Absatz zu zitieren. Nur hat er Frauen statt Männer in den Hungerstreik treten lassen, um dann die Frage zu stellen, wie man im Land auf diese Art von Berichterstattung reagiert hätte. Die Antwort: "Wenn über Mütter so geschrieben würde, ginge - mit Recht - ein empörter Aufschrei durch die Öffentlichkeit. Doch wenn Väter verhandelt werden, gilt offenbar das Prinzip `Feuer frei!´ wie eine Selbstverständlichkeit."
Für den "Spiegel"-Kolumnisten war der dummdreiste "tip"-Aufsatz anscheinend die Initialzündung, das Feuer erneut zu eröffnen. Diesmal hat er noch schärfer durchgeladen als in seiner Reportage. "Die Vaterlose Gesellschaft" ist die bitterböse Anklage gegen die Familienpolitik der letzten Jahrzehnte. Das Buch räumt mit verlogenen radikalfeministischen Dogmen auf und mit deren "biologischem Rassismus". Und es legt sich standfest mit der herrschenden Klasse an, die die schrankenlose Muttermacht institutionalisiert hat und den Vater dabei über die Klinge springen ließ.
Matussek macht vor allem den deutschen Wohlfahrtsstaat, seine Auffangbehörden - die Gerichte, Erziehungs- und Sozialdienste - für den Kult um Alleinerziehende verantwortlich. Dieser Staat habe den Anschein erweckt, "er könne, sozusagen als überparteilicher, weiser Gesamtvater, die Emanzipation des einzelnen besser betreiben als dieser selbst."
"Die vaterlose Gesellschaft" ist kein Ratgeberbuch für verzweifelte Väter. Matusseks Essay ist eine hochintelligente Provokation und der Startschuß für eine Emanzipationsbewegung der Männer. Kein anderes Buch, das in den letzten Jahren zum Thema veröffentlicht wurde, ist so mutig. Und sein Autor wird bis zur Katharsis für diesen Mut Spott ertragen müssen.
Rowohlt-Boß Nikolaus Hansen, der Matusseks "Spiegel"-Polemik in einem Leserbrief als fulminant gefeiert hatte und dafür von "Emma" als Unterpascha ausgezeichnet wurde, bekam es schon nach Lektüre des Manuskripts mit der Angst zu tun. Hansens LektorInnen forderten den Autor auf, die unnötigen Invektiven "gegen links" zu unterlassen. Matussek weigerte sich, die inkriminierten Passagen zu verändern.
Das Buch wurde jetzt ausgeliefert, wie er es geschrieben hatte. Mit Werbung dürfe er aber nicht rechnen, teilte ihm Rowohlt mit, allein das uneingeschränkte Leichtgewicht des Verlegers stehe hinter seinem Buch.
Einer Presseaussendung legte der Verlag einen Artikel Matusseks über das Schwergewicht Muhammad Ali bei. Das verblüffte den Rezensenten. Zu unrecht: Auch Matussek schlägt hart zu und trifft ins Ziel. Auch er ist kein Mann der sanften Töne. Nur wenn bei ihm der Haussegen schiefhängt, dann macht er mal eine Ausnahme. Dann schiebt er für seine Ehefrau den Klassiker der Country-Sängerin Tammy Wynette in den CD-Spieler: "Stand By Your Man!"
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