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Matussek: Die vaterlose Gesellschaft
- Überfällige Anmerkungen zum Geschlechterkampf
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rororo Sachbuch, DM 14,90, ISBN 3-499-60597-X
- Inhalt -
I. Die vaterlose Gesellschaft
Es reicht! 9
Die Reportage: Der entsorgte Vater
31
II. Überfällige Anmerkungen zum Geschlechterkampf
Der Aufstand gegen die Väter 56
Die Rehabilitierung der Väter 68
Männerbilder. Geschlagene Krieger, Clowns 80
Die Medea-Ausrede 91
Das weibliche Selbstgespräch 96
Eine neue Gemeinsamkeit? 107
III. Erkundungen im Dschungel
Familien ohne Väter 111
Die Unterhaltslüge 125
Die Helferlüge 146
Die Gerechtigkeitslüge 157
Die Gewaltlüge 173
Die Mißbrauchslüge 185
Hexenjagden - Geschlechterkampf in Amerika 199
IV. Zwei Fälle
Kohlhaas heute 219
Sofias Welt 238
V. Kampfbrevier
Was tun? 253
Adressen, Literaturliste
266
Vorbemerkung für die politisch korrekte Zensur
Ich bin der Überzeugung, daß es unter Männern genauso viele Böse und Tugendhafte, Schwache und Starke, Dumme und Schlaue gibt wie unter Frauen. Ich bin darüber hinaus der Meinung, daß Menschen anfällig für Dummheiten und Bösartigkeiten sind, daß sie dazu neigen, Gesetzeslücken zu nutzen und Gesetze zu mißbrauchen, wo ihnen die Möglichkeit dazu gegeben wird, und daß Egoismus so alt ist wie die Menschheit selber.
Wenn ich über egoistische oder unverantwortliche Frauen rede, dann rede ich über egoistische und unverantwortliche Frauen und NICHT über die FRAU SCHLECHTHIN. Ich liebe Frauen, besonders die emanzipierten - und ganz besonders meine.
Darüber hinaus bin ich gegen Unterdrückung und Krieg. Und ich finde, daß Hitler und Stalin die furchtbarsten Verbrecher der Menschheitsgeschichte waren. Großes Ehrenwort. Ich bin auch gegen Rassismus und andere Ismen sowie gegen Schlamperei bei Post und Müllabfuhr.
Es reicht!
(Anm. paPPa.com: Der Text ist teilweise identisch mit dem Text in SPIEGEL special 5/98: MANN + FRAU = KRISE: Die Frauen sind schuld - Matthias Matussek über den Männerhaß und die Identitätsprobleme der Frauen.)
"Irgendwann Ende September 1977 fand sich vor dem Familiengericht Kreuzberg-Tempelhof ein paar Tage lang in schöner Regelmäßigkeit ein kleiner Trupp frustrierter Frauen ein. Sie seien in den Hungerstreik getreten, verkündeten die nicht mehr ganz jungen und etwas struppig wirkenden Damen, damit sie endlich ihre Kinder wiedersehen könnten. Die Väter, so greinten die - mit Unterbrechungen - Hungerstreikenden, würden sie, die Mütter, nicht mehr zu dem gemeinsamen Nachwuchs lassen."
Wahrscheinlich kann man über die Notlage von Frauen, die gegen ihren Willen von ihren Kindern getrennt wurden, nicht widerlicher hinwegtrampeln: Die dort leiden, werden verächtlich gemacht als "frustriert", "nicht mehr ganz jung und etwas struppig" und "greinend".
Doch erstaunlich: Hier zürnte kein betrunkener Macho, sondern eine Frau. Und sie schrieb nicht etwa in einem frauenhassenden Pamphlet Fraktur, sondern im linksliberalen Berliner Szene-Magazin tip. Mehr noch: Ihr Amoklauf blieb ohne Beanstandungen durch den Presserat, selbst ohne Proteste durch die Leserschaft. Ein Beitrag, der eher mit müder Routine beim Durchblättern hin zu den Kleinanzeigen wahrgenommen wurde, dorthin, wo eine Lesbierin zwecks Befruchtung einen Samenspender suchte – "darf auch schwul sein".
Erstaunlich? Vielleicht doch nicht; denn daß die Kolumnistin so drauflos schwadronieren durfte, verdankt sich einer einzigen, winzigen Tatsache: Ich habe in der oben zitierten Kolumne die Geschlechter vertauscht. Es waren nicht Mütter, sondern Väter, die dort vor dem Berliner Familiengericht in den Hungerstreik getreten waren - nicht Frauen, sondern Männer, die " struppig " und " greinend " unter dem Entzug ihrer Kinder litten.
Der kleine Unterschied ist in Wahrheit ein gewaltiger, wenn es um den öffentlichen Diskurs geht. Wenn über Mütter so geschrieben würde, ginge - mit Recht - ein empörter Aufschrei durch die Öffentlichkeit. Doch wenn Väter verhandelt werden, gilt offenbar das Prinzip "Feuer frei!" wie eine Selbstverständlichkeit.
Während für jede nistende Schlupfdohle der Verkehr umgeleitet wird und Bürgerinitiativen aktiv werden, wo immer auch zwischen Papua und Nigeria Unrecht auf der Welt geschieht gelten Väter, sofern sie nicht gerade als Indianer den Regenwald retten, ganz offensichtlich als abgehaktes Kulturgut.
Bei den Berliner Hungerstreikenden handelte es sich um sanfte Männer aus dem Souterrain. Keine, sagen wir, Bauunternehmer, sondern: ein Sozialarbeiter, ein Kellner, kleine Leute. Nicht gerade typische Feindklischees der linken Presse. Doch ein einziges Merkmal genügte, um sie in ihrer Ohnmacht zu verhöhnen: Sie sind Männer.
Man kann die tip-Kolumne nicht mehr als Ausrutscher einer jugendlichen Soziopathin abtun. Ihr rüder Ton blieb einspruchsfrei, weil er zur Routine geworden ist, ganz nach dem Motto des Frauenbuch-Bestsellers "Nur ein toter Mann ist ein guter Mann". Das alles kommt auf Gleisen daher, die bereits eine Generation früher verlegt wurden - willkommen in den territories der Frauenbewegung, wo andere Regeln gelten.
Territorien, in denen Männer Schießbudenfiguren sind und Frauen naturhaft gut. Und wenn sie es nicht sind, dann handeln sie aus Notwehr, weshalb sie wiederum besonders gut sind. Es sind Territorien, in denen die weibliche Ohnmachtsbehauptung das mächtigste Totem ist, ein bemurmeltes und beweihräuchertes weibliches Opfertum, das keine Konkurrenz duldet, das aber jede Beschimpfung, jeden Gewaltakt, jede Erpressung, Jede Kriegslist rechtfertigt.
Territorien, die mittlerweile Justiz, Behörden und Politik fest im Griff haben, die Scheidungsrecht und Kindschaftsrecht usurpiert haben und alle übrigen Bereiche beeinflussen, die für die Familie relevant sind und damit die Zukunft der Gesellschaft. Territorien im übrigen, in denen eine relativ kleine Gruppe von Journalistinnen, Bürokratinnen und Sozialpädagoginnen die Definitionsmacht übernommen haben, weit entfernt von der Mehrheit der Frauen, die in Männern nicht Monster, sondern Partner sehen. Mitmenschen auf Augenhöhe.
Es sind die Territorien einer Frauenbewegung, die einst Gleichheit beschwor, aber zugleich mit Muttermacht und Naturrecht jenen Sonderstatus, mit dem wir es heute zu tun haben. Wo dieser bedroht ist, wo tatsächliche Gleichheit und Fairneß eingeklagt werden - etwa die Gleichstellung von Vätern mit Müttern und ein Einschreiten gegen Frauen, die ihre Kinder daran hindern, die Väter zu sehen -, hilft das Kriegsgeschrei.
Die Territorien sind Ausnahmezonen mitten in der Gesellschaft, rechtsfreie Räume, die bisweilen an die atavistische Unschuld von Kinderparadiesen erinnern - weibliche Reservate, die wie mit Zauberspiegeln umstellt sind und jede Kämpferin mit ausschließlich schmeichelhaften Selbstporträts versorgen.
Es gehört ja nicht besonders viel soziale Intelligenz und menschliches Mitgefühl dazu, festzustellen, daß es in aller Regel ein Skandal ist, wenn Väter daran gehindert werden, ihre Kinder zu sehen. Es wäre eine natürliche Reaktion gewesen: gegen die Gefühlslosigkeit der betreffenden Frauen zu protestieren, zu überlegen ' wie sich der Mißbrauch von Muttermacht gesetzlich abstellen läßt.
Statt dessen ging ein Aufschrei durchs Land - nicht über die Verhältnisse, sondern über einen Artikel im Spiegel, der den Skandal benannte. Der Artikel, der im nachfolgenden in seiner ausführlichen Version übernommen wurde, hätte von Wortführerinnen der Frauenbewegung dazu genutzt werden können, selbstkritisch Mißbräuche zu diskutieren und eine neue Glaubwürdigkeit zu erreichen, um den Kern der feministischen Errungenschaften nicht zu gefährden.
Doch sie ließen die Chance ungenutzt. Mehr noch: Die Tatsache, daß diese Mißbräuche nicht nur verharmlost, sondern mit Feuereifer verteidigt wurden, läßt nur einen Schluß zu: Sie sind der Kern. Aber Schwestern, wer alles - selbst noch das Sonderrecht auf Mißbrauch - behalten möchte, wird alles verlieren.
Wenn es noch eines Beweises über die Existenz der Territorien bedurft hätte, dann hat ihn diese Reaktion geliefert. Nicht nur der tip antwortete. Emma nannte den Bericht über die hungerstreikenden Väter "Schmiere" und präsentierte den Autor als "Pascha des Monats". FDP-Leutheusser-Schnarrenberger, bezeichnenderweise einst Justizministern, mokierte sich in der Woche über den Autor genauso wie die taz, und sie tat es mit dem gleichen, merkwürdigen Argument: Der Bericht sei wohl von einem Betroffenen geschrieben und daher nicht ernst zu nehmen.
Es dürfte allerdings schwer sein, einen Nichtbetroffenen zu finden, der über Scheidungsfolgen und Familienrecht schreibt in einer Gesellschaft, in der jede zweite Großstadtehe geschieden wird. Das wäre so, als wolle man einem Nichtraucher, der sich über Raucher beschwert, kein Gehör schenken, weil er Betroffener ist. (...)
Daß nun an dem Spiegel-Bericht vorbei so wütend auf den Autor und die von ihm geschilderten rechtlosen Väter eingedroschen wurde, bestätigte doch wohl nur dessen Befund - daß das feministische Meinungskartell läuft wie geschmiert. Ein Kartell, das sich nicht über Absprachen formiert, sondern eher in der Ähnlichkeit ihrer Feindbilder organisiert ist, in Futterneid und Männerhaß. Gleichzeitig aber wurde offenbar, daß sich viele Frauen von diesem Kartell nicht mehr repräsentiert fühlen.
Ich erhielt Hunderte von Briefen, mehr noch: Lebensgeschichten, Tagebüchern, Gerichtsprotokollen. Weniger Briefe als Schreie in der Nacht. Dazu Faxe und Anrufe. Es meldeten sich Männer, aber auch viele Frauen, in enthusiastischen, resignierten, ergreifenden Briefen mit dem Tenor: endlich! Endlich schreibt einer darüber.
Das machte mir zweierlei klar: Es gibt einen gravierenden familienpolitischen Skandal, und er wird selten zur Kenntnis genommen. Obwohl es zur gleichen Sache bereits glänzende Artikel von Christine Brinck im Focus sowie einen Film im WDR gegeben hatte, hatte ich ein Problem berührt, das offenbar immer wieder schnell im Faltenwurf gesellschaftlichen Amnesie verschwindet. Diesmal scheint sich die Verstörung zu halten. Die Zeit ist reif für eine Änderung der Verhältnisse.
Daß die Territorien so aggressiv auf die Bloßlegung eines ihrer Skandale reagieren, muß wohl an die Taktik von Sekten erinnern, einer hermetischen Welt der Ausgrenzungen und Freund/Feind-Schemata. Wie die Scientologen lenken sie ab. Sie vernebeln. Sie verhöhnen die Gegner. Sie machen sie mundtot. jede Kritik an unsauberen Vorgängen wird mit Geschrei beantwortet. jede Kritik an den Scientologen gilt als faschistisch, jede Kritik an Frauen als frauenfeindlich.
So schaffen die Wortführerinnen des Feminats eine fiktive geschlechtsspezifische Geschlossenheit. Sie beanspruchen, im Namen "der Frauen" zu reden wie die tip-Kolumnistin. Natürlich würde sich die Mehrzahl der Frauen dagegen verwahren, für eine derartige Polemik an "den Männern" haftbar gemacht zu werden. Natürlich lehnt es die Mehrzahl der Frauen ab, Männer aus der Erziehung auszugrenzen, sie zu beschimpfen, zu verhöhnen. Doch für das Feminat gilt: Angriff ist die beste Verteidigung. (...)
Grotesk etwa der Kult um die sogenannte "Alleinerziehende ", der die staatlichen Helferschwadronen mittlerweile zur Seite springen wie einer Schwerverletzten, als sei das Kinderkriegen allein eine nobelpreisreife Leistung und als stünde fortan jeder bindungsschwachen Bafög-Empfängerin, die ihren Freund nicht halten konnte oder wollte, eine Kriegerwitwenrente in Form von Unterhalt und staatlichen Vergünstigungen als eine lebenslange Selbstverständlichkeit zu. (...)
Man sollte immer bedenken, daß die meisten Scheidungen von Frauen eingereicht werden, daß also mittlerweile die "Alleinerziehende" unter Frauen ein durchaus angestrebtes Karriereziel sein kann - kein Wunder bei all den Vergünstigungen.
Aufwendig forschen diese Frauen, offenbar in Ermangelung anderer wichtigerer Probleme, unter Anleitung der Frauenmagazine in ihren Seelen nach "Frustrationen" in einer Beziehung. Hat er Zeit genug? Verehrt er mich genug? Ist er wirklich Supermann? Warum raucht er auf dem Klo? Die moderne Frau, die sich der "alten" so überlegen fühlt, ist eine Karikatur, die postfeministische Ratgeberbücher und Modejournale im Wechsel verschlingt und stets genau weiß, wer schuld an ihrer Malaise ist: der Mann.
Auf vertrackte Art hat sie sogar recht. Es waren Männer, die weitgehend jene Gesetze verabschiedet und Strukturen geschaffen haben, in denen Frauen auf abenteuerliche Art bevorzugt werden - und manche unter ihnen über kurz oder lang zu greinenden Wohlstandsnuckelchen verkommen ließen.
Es waren jene altmodischen, verhöhnten Beschützer-Männer, die tatsächlich meinten, mit der Privilegierung von Frauen Unrecht abzuschaffen.
Womöglich waren auch einfach Männer darunter, die ihren Muttis gefallen wollten. Und andere, die gelegentlich die eigene Frau schlecht behandelten und nun Abbuße taten. Warum aber büßten sie nicht privat, sondern machten ihr eigenes Versagen zur Kollektivschuld, die nun von allen Männern abgetragen werden muß?
Die Leier über weibliche Benachteiligung ist mittlerweile eine Lachnummer. (...)
Daß derart reflexartig das Messer in der Handtasche aufschnappt, sobald von drangsalierten Vätern die Rede ist, muß mißtrauisch machen. Warum läßt sich der Blick auf den Skandal nicht aushalten? Vielleicht, weil die Notwendigkeit anderer Gesetze klar würde - Gesetze, die eine zunehmend mißbrauchte Frauenallmacht beschneiden, Erpressungsmöglichkeiten reduzieren würden?
Tatsächlich gibt es bei Fachleuten und Betroffenen kaum noch Zweifel an der Reformnotwendigkeit des Familienrechts dessen Lügenarchltekturen (Justiz, jugendämter, Mißbrauchspropaganda, Unterhaltsrecht) in Teil III dieses Buches beschrieben werden.
Doch im öffentlichen Gerede wird dieser Makel mit den immergleichen Varianten überlagert: Angriff und Verdrängung. Meistens kommen sie als Zwillingspaar, wie im Fall der zitierten Kolumnistin. Ganze Waggons von Klischees werden in Bewegung gesetzt, um von dem Anlaß - der Rechtlosigkeit hungerstreikender Väter - wegzuführen. (...)
Doch während sich dieses leere Karussell feministischer Sottisen immer schneller dreht, brechen die Fundamente weg. Denn wirklich ernst zu nehmen ist die heimliche Stoßrichtung dieser Attacke: die Familie.
Und hier hört der Spaß auf. Hier geht es um die Zukunft jeder Gesellschaft. Die Vernichtungswut der Autorin richtet sich schließlich nicht nur gegen Männer, sondern logischerweise gegen Väter und damit gegen die Institution Familie schlechthin.
Aufgemacht ist ihr Artikel mit dem Foto einer Kleinfamilie, aus der der Mann entfernt wurde - ein Riß verläuft zwischen dem Vater auf der einen sowie Mutter und Tochter auf der anderen Seite. Überschrift: "Verpiß dich!"
Welch ein Aufschrei würde durch den Blätterwald gehen, wenn der Riß anders verlaufen würde. Wenn die Mutter als Restschnipsel in den Papierkorb wandern würde mit dem Ruf: "Verpiß dich!" Doch die Abdankung der Männer scheint als dumpf hingenommene Gegebenheit festzustehen.
Das Erlösungsziel: die vaterlose Gesellschaft. Das Erlösungsziel: die zertrümmerte Restfamilie, in der der Staat als ideeller Gesamtehemann für Versorgung, Begünstigung und Hilfe sorgt - in Amerika ist dieser Weg längst als Sackgasse erkannt (siehe Kapitel: "Familien ohne Väter").
Es ist ein Mythos, daß es die Männer sind, die den Familien den Rücken kehren - heute sind es meistens die Frauen der progressiven Selbstfindungsindustrie, die die Familien auflösen, sodann verdrossen zu Hause oder in Büros herumsitzen, das alles für Emanzipation halten und für ihre innere Unzufriedenheit wiederum Männer verantwortlich machen.
Die Katastrophe ist doch, daß die feministische Raserei der Kolumnistin nicht nur Routinerhetorik, sondern längst institutionell erstarrt ist - sozusagen Beton geworden, zur materiellen Gewalt geworden. Längst sind Gesetze geschaffen und Institutionen etabliert, Behörden ausgestattet und Büros eingerichtet, die mit Hilfe der genannten Klischees Väter entrechten, Familien zerstören, Biographien vernichten.
Ziel dieses Buches ist zu sagen: Es reicht.
Der Feminismus, dem großer Kredit eingeräumt wurde, hat diesen überzogen und verspielt. Es reicht wirklich.
Jahrzehntelang haben Männer (und Frauen) zugesehen, wie aus der in einigen Ansätzen wichtigen Frauenbewegung ein Punk-Zirkus von Girlies und verbiesterten Männerhasserinnen wurden. Es reicht!
Jahrzehnte haben sie zugesehen, wie hart arbeitende Männer und liebende Familienväter als Gewalttäter oder Sexprotze im öffentlichen Diskurs verhandelt wurden und werden. Es reicht.
Sie haben geduldet, daß Männer mit Falschbeschuldigungen wegen sexueller Belästigung oder Mißbrauchs besudelt, als Vergewaltiger oder eheliche Gewalttäter vor Gericht gezogen und sozial ruiniert wurden. Trotz Freispruch wie im Fall des Pädagogen Herbort wurden diese Männer vernichtet - doch die Urheberinnen dieser zynischen Hexenjagden sind nie zur Verantwortung gezogen worden. Es reicht.
Jahrzehnte haben Männer Gesetze verabschiedet, die Frauen förderten und bevorzugten und ihnen im Familienbereich eine schier grenzenlose Macht über Kind und Geld einräumten - und erleben nun ihren Mißbrauch. Es reicht.
Sie haben einer radikalisierten Minderheit die Hoheit über die Familie eingeräumt und erleben nun deren Zerfall. Es reicht.
Männer haben in Selbsterfahrungsgruppen herumgesessen und schuldhaft ihr männliches Selbst bejammert, während Frauen Politik gemacht und Tatsachen geschaffen haben. Es ist Zeit, in die Arena zurückzusteigen, denn: es reicht.
Männer haben in Kauf genommen, daß unter den Feministinen eine orientierungslose, vaterlose, gewalttätige Generation heranwuchs. Sie haben durch ihre Untätigkeit deren Chancen verdüstert.
Teenager, die mit alleinerziehenden Müttern aufwachsen, sind 5mal mehr suizidgefährdet, 14mal mehr potentielle Vergewaltiger, 10mal mehr drogensüchtig, 20mal mehr gefährdet, im Gefängnis zu landen. [Anmerkung paPPa.com: siehe Nachweise ...] Das Gerede über die angeblich sanftere Frauenmacht hat sich katastrophal widerlegt, auch politisch: Wie viele im rechtsradikalen Jugendmilleu sind auch die Lübecker Synagogen-Brandstifter vaterlos groß geworden, und diese Generation, allein gelassen, wird sich gefährliche politische Ersatzväter suchen. ES REICHT!
Ein Abgrund trennt die feministische Meinungsnomenklatura in den Redaktionshäusern von der großen schweigenden Mehrheit. Diese Art der Frauenbewegung - eine kleine, aber marktbeherrschende Clique - verflucht den Mann in immer neuen Variationen und träumt mal von seiner Entsorgung, mal von seiner Haltung als Haustier.
Ein Partyspiel, ein Tratschthema unter der Trockenhaube: Wie soll er sein, hart oder weich? Die einen beklagen, daß Männer Triebtäter seien; die anderen, daß sie Oberhaupt keine Lust mehr hätten. Für die einen haben sie zuviel, für die anderen zuwenig Testosteron. All das Projektionen weiblicher Identitätskrisen, die an Tanzstundenprobleme von Mädchen erinnern, die sich ihrer Attraktivität nicht sicher sind. Mit Männern hat das nichts zu tun (wie im Kapitel "Das weibliche Selbstgespräch" ausführlicher dargelegt wird), aber mit diesem Kram werden Magazine vollgeschrieben. (...)
Es geht darum, Grenzen zu ziehen. Frauen wie die tip-Kolumnistin "beanspruchen einen Sonderstatus als Frau und verewigen damit das Klischee von der Frau als Kind", wie Camilla Paglia, eine der scharfsinnigsten Feminismus-Kritikerinnen, schrieb. Sie rechnen mit dem Mann als dummen August, der alles wegsteckt, und natürlich ist darin der infantile Wunsch von tobenden Kindern nach einem endlos strapazierfähigen Daddy enthalten. Sie werden sich darauf einstellen müssen, daß diese Rechnung nicht länger aufgeht.
Wie es unter den Bedingungen des narrenfreien feministischen Diskurses um das reale Machtgefüge in vielen Beziehungen heute bestellt ist, illustriert eine aktuelle Reuters-Meldung: "Der Frau gehorchen, hilft die Ehe sichern." Das ist der Befund, den John Gottman und andere Psychologen der Universität Washington als Ergebnis einer Langzeitstudie präsentierten. Das "aktive Zuhören", das Partnertherapeuten früher empfahlen, wird als "völlig unnatürliche emotionale Gymnastik" und obendrein als erfolglos erkannt. Widerspruchsfreie Gefolgschaft auch der launischsten Frau gegenüber, darauf käme es an.
So ist die Lage: Der "herrschaftsfreie Diskurs", den die Linke einst propagierte - in vielen Beziehungen ist er nicht mehr erwünscht, seit "Gleichstellungsbeauftragte" absolutistische Vollmachten in Frauenhand gegeben haben. Frauen können bei der geringsten Frustration ungefährdet Ehen preisgeben, Familien zerstören, Männer als Sexualstraftäter diffamieren, ihnen die Kinder rauben und sie zu rechtlosen Arbeitsdrohnen machen. Und sie tun es, denn Gesetze und Ämter helfen ihnen dabei. "Die Dimension solchen staatlich verordneten Leidens erreicht tragisches Ausmaß", resümiert kritisch Familienrichter Harald Schütz.
Natürlich wird diese Machtfülle immer aufwendiger mit Ohnmachtspropaganda vernebelt. jedes neue Frauenparkhaus ist eine monumentale Behauptung über den "Mann als Bestie" und wenn die Argumentationsnot zu groß wird, hilft immer noch der Verweis auf Klitoris-Beschneidungen im Süd-Sudan. So rotiert die Propaganda (siehe Kapitel: "Die Gewaltlüge") immer wirklichkeitsfremder um sich selber.
Aus vielen der schrillen, männerfeindlichen Attacken läßt sich unschwer mangelndes Selbstwertgefühl der Autorinnen herauslesen, nach dem Motto: Nimm du mich ernst, ich selber schaff es nicht mehr. Es ist die Ratlosigkeit der totalen Mediengesellschaft, in der sich das männerfeindliche Wüten überdreht und nur noch auf Achselzucken stößt, weshalb das Geschrei in der nächsten Runde noch schriller, noch unlogischer wird. Erweisen wir diesen Frauen immerhin dadurch Respekt, daß wir auf ihre Beleidigungen reagieren.
Die Territories und ihre Politik verletzen nicht nur das Gerechtigkeitsgefühl, sondern sie kränken auch die Intelligenz. Nehmen wir den Diskurs der sexuellen Belästigung. Da folgt die sich unabhängig nennende Frau von heute dem Modediktat der sexuellen Anmache und ruft "huch", sobald diese Anmache erwidert wird. Da stöckelt sie, ganz Frauenpower, hinternschwenkend an der Bauarbeiterkolonne vorbei - und stöhnt über sexuelle Belästigung, sobald gepfiffen wird. Sollten die Pfiffe allerdings ausbleiben, schimpft sie über den "schlaffen Mann". (...)
Neben all den beklemmenden Fallbeispielen aus dem sozialen Dschungelkampf wird es in diesem Buch auch um Dummheiten gehen. Um das Erfrieren des gesellschaftlichen Dialogs in Doppelmoral und politisch korrekten Schablonen; um den neuen Puritanismus und die neuen Hexenjagden.
Immer wieder zeigt sich eines. Ob es sich um den Mißbrauch mit den Mißbrauchsvorwürfen handelt, ob es um die feministisehe Beratungsindustrie oder den weiblichen Parlamentslobbyismus geht, stets bezieht Frauenmacht ihre Stärke aus dem Monopolanspruch auf weibliche Ohnmacht. Auch deshalb waren die Reaktionen auf den Spiegel-Artikel so wütend. Ich hatte ein Tabu verletzt. Ich hatte männliche Ohnmacht gezeigt - und damit paradoxerweise feministische Macht erschüttert.
Selbst die Gemäßigten verfuhren nach dem Motto: Es gibt aber auch andere Fälle - und bitte, bitte laß uns ganz schnell über diese anderen Fälle reden, wo die Welt wieder in Ordnung ist und der Mann ein Schwein und die Frau das Opfer.
Zunächst gibt es da ein offenkundiges logisches Problem. Wie kann die Frauenbewegung glaubwürdig Väter verfluchen, die den Nachwuchs vernachlässigen - und auf jene eindreschen, die sich kümmern wollen? Wie kann sie Beteiligung bei der Erziehung fordern und gleichzeitig die Ausgrenzung propagieren? Wer sich einbildet, Wölfe damit zu bekämpfen, daß er die Schafe schlachtet, ist entweder töricht - oder heimlich verliebt in die Wölfe. (...)
Ein letzter Hinweis: Dieses Buch ist eine Paradoxie. Es ist parteiisch und genau darin ein Beitrag zur Überparteilichkeit. Es ergreift Partei für Männer als Versuch, Ausgewogenheit herzustellen in einem Geschlechterdiskurs, der bisher fast ausschließlich von Frauen für Frauen dominiert wird.
Vielleicht können diese Frauen, die ihre Fönwellen in Lokstedter Fernsehstudios oder Kreuzberger Feuilletons schwenken und über die mangelnde Beteiligung von Männern an der Hausarbeit klugreden - vielleicht können sie tatsächlich nicht begreifen, was hier verhandelt wird. Vielleicht müssen sie es erst erleben.
Vielleicht müßten sie einmal traumatisiert werden durch den Verlust ihrer Kinder und durch die Demütigung, ihre Partner um Umgang mit diesen Kindern anzuflehen und ihnen für diese Gnade auch noch monatlich Geld zu überweisen.
Vielleicht müssen sie selber erleben, was es bedeutet, wenn sich graue Bürokraten zwischen sie und ihre Kinder stellen, wenn sie als Kinderschänderinnen denunziert werden und wenn sie überlegen müssen, ob es sich lohnt, diese Qual noch einen einzigen Tag fortzusetzen. Vielleicht werden sie dann erkennen, daß es wichtigere Probleme gibt als das, ob ihr Männe mal den Mülleimer runtergetragen hat.
Dann, vielleicht, wird sich auch bei ihnen der Mund öffnen zu einem großen Schrei: ES REICHT.