OFFENER BRIEF
an Frau ULLA SCHMIDT, Vorsitzende der Querschnittsgruppe
Gleichberechtigung des Deutschen Bundestages, Görres Str. 15,
52113 Bonn
Sehr geehrte Frau Schmidt,
nach der Veranstaltung in Wuppertal (Väteraufbruch)
am 13.8.98 darf ich mir erlauben, Ihnen noch einige Überlegungen
betr. Gleichberechtigung mitzuteilen, welche in der Diskussion zu kurz
kamen und auch allgemein noch kaum Beachtung finden:
- Es wäre u.E. aus psychologischer Sicht und aus Humanitätsüberlegungen
einmal die Frage zu stellen und empirisch zu untersuchen, ob nicht generell
die Doppelrolle in Beruf und für ein Kind für eine Frau
eine generelle Überforderung darstellt, die zu Lasten unserer
Kinder und - eine Generation weitergedacht - der ganzen Gesellschaft geht.
Weltweit sind Frauen in allen Kulturen bisher mit Kindern assoziiert gewesen
und das aus gutem Grund. Die "Gleichheitsforderung" wird staatlich
und wirtschaftlich ja nur deshalb gefördert, da die totale Freisetzung
der Frau für den Arbeitsmarkt und das resultierende Überangebot
im Sinne von Lohnsenkung im Interesse der Kapitalverwertung liegt.
- Human ist daran gar nichts und ich bin der Meinung, dass man überhaupt
erst einmal in die Tiefe forschen sollte, was Frauen wirklich wollen,
bevor sie feministisch bevormundet werden. Warum sollte eine beziehungsfähige
Frau, die nicht gegen den Mann aufgehetzt ist, ein Interesse haben, ihre
Tage ebenso sinnlos und fremdbestimmt in irgendeinem Betrieb an einer Schreibmaschine,
an Fliessbändern oder emotional verkümmert und mit Aussicht auf
Infarkt in einer Chefetage des ganzen Irrsinns zu verbringen? Ich bin der
Meinung, dass es einen höheren Wert darstellt, sich dem Leben und
Familie verpflichtet zu wissen als sich in den Produktion einzugliedern
und dort dasselbe Elend zu erfahren, das heute die Männer kaputt macht.
Daran ist wirklich nichts Emanzipatorisches. Die Frauenbewegung ist sich
.m.E. nicht bewusst, vor welchen Karren sie sich hat spannen lassen. Interesse
können an alledem nur emotional gestörte Frauen haben, die mit
sich, ihrer Sexualität und dem Leben allgemein nichts anzufangen wissen
(weil sie selbst keine Beziehungen und Interesse erfahren haben, sondern
so schnell wie möglich in Krippen, Horte, Kindergärten abgeschoben
wurden).
- Die Idee der Gleichberechtigung als Gleichheitsforderung
scheint insoweit verfehlt, als biologische und psychologische Unterschiedlichkeiten
beider Geschlechter für ein reiches und gesundes Aufwachsen der nächsten
Generation geleugnet werden. Die wirtschaftliche "Unabhängigkeit"
fördert bislang lediglich raschen Beziehungsabbruch bei kleinsten
Frustrationen und Missbrauch der Kinder als Wärmflaschen und Partnerersatz
- glücklicher ist dadurch sicher noch keine Frau geworden. Betrachten
Sie einmal eine Minute lang die Gesichter von Frauen auf der Strasse, was
Ihnen da entgegenstrahlt, noch schlimmer bei Kindern: diese sehen bei uns
mit 3 aus wie tot, in armen Ländern haben sie Ausstrahlung, warum
wohl?
Ganz konkret zur Glaubhaftigkeit von Gleichberechtigungsforderungen
(momentan Monopol von Frauen und damit bereits paradox):
Bereits die Bezeichnung des Ministeriums dokumentiert das Gegenteil,
Männer kommen darin nicht vor.
- Wie ist der Personalschlüssel in diesen "Gleichstellungs-Ministerien",
Männerquote?
- Wann werden auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene Männerbeauftragte
eingesetzt?
- Erst dann könnte sinnvoll von gleichen Chancen zur Realisierung
von Gleichberechtigung gesprochen werden. Es gibt ja überhaupt keine
Männerbeauftragten, welche deren Interessen in der Politik
vertreten könnten! Als erstes wäre also auf dieser Ebene Gleichstellung
zu fordern.
- Es gibt Anzeichen, dass bei immer mehr Straftaten von Frauen
bis hin zu Mord (Kindestötung war der Testfall!) von den Staatsanwaltschaften
keine Anklage mehr erhoben wird, wenn männerfeindliche Verleumdungen
zur "Rechtfertigung" gemacht werden ("er hat mich jahrelang
gedemütigt" etc.) Ich möchte Sie bitten, hierzu eine Untersuchung
der entsprechenden Fälle einzuleiten. Gewalt und Körperverletzung
gehen in der Familie zu 70% von Frauen aus. Aus "Peinlichkeit"
und Machorolle sprechen Männer nicht darüber. Wie Sie bei kurzer
Beobachtung einer Interaktion Mutter-Kind feststellen können, gehören
Psychoterror und nackte Gewalt heute zur ganz "normalen" Erziehung
des Kleinkindes. Jugendkriminalität ist die natürlichste Folge
davon. So wie das misshandelte Kind an seiner Mutter klebt, um vielleicht
doch noch einmal Zuwendung bekommen, so verharrt die Mehrheit der Männer
und Politiker in diesem Lande in kindlichem Idealisieren der Frau und der
Hoffnung darüber ein bißchen Belohnung zu bekommen (z.B. Wählerstimmen!).
- Vordringlich erscheint für die Gleichberechtigung die ja von Ihnen
auch geforderte Gleichstellung in der Familie: 1. Abschaffung der
automatischen Alleinsorge für die uneheliche Mutter (grund- und menschenrechtswidrig)
2. Verbot für die uneheliche Mutter, ein Kind aus seiner Lebensgemeinschaft
mit seinem Vater zu verschleppen. 3. Gleiche Kontaktzeit des Vaters und
der Mutter mit dem Kind 4. Sofortige Sanktionen bei Boykottversuchen
des Umgangs mit dem anderen Elternteil, rascher Sorgerechtsentzug bei Wiederholung.
- Bei Realisierung der letztgenannten vier Punkte wären wenigstens
50% des "Beratungsbedarfes" hinfällig, da dieser durch die
Rechtslage überhaupt erst erzeugt wird (kann alles wissenschaftlich
belegt werden durch Ländervergleiche).
Ich und die Vertreter vieler Vätervereine und Männergruppen
wären Ihnen verbunden, wenn Sie diese Punkte in Ihre Politik, Tätigkeit,
Programme, Forschungskataloge etc. aufnehmen und möglichst rasch Gesetzgebungsinitiativen
anregen möchten.
Dieses Schreiben geht informationshalber an die deutsche
Presse und TV-Anstalten. "Gleichberechtigung" betrifft auch Männerinteressen.
Über eine Antwort würde ich mich freuen.
Mit freundlichen Grüssen
Aktion Menschenrechte für Kinder, Düsseldorf
Matthias Mattusek: Nachtrag
zum 13.8.98: Väterwiderstand zu zersplittert
Danke vor allem für den Jäckel-Bericht
aus Wuppertal. Diese Frau ist in jeder Hinsicht ein Geschenk für
die Väterbewegung, für die deutsche Publizistik.
Zu Wuppertal: die Ulla Schmidts dieser Welt können nicht überzeugt,
sondern nur gestellt werden.
Die Argumente liegen ja alle auf dem Tisch und Ulla Schmidt ist ja nicht
erst gestern aus dem Busch getrommelt worden als daß sie sagen könnte
"Huch, wie furchtbar" - sie kennt die Lage. Es geht bei ihr ausschließlich
um Macht. Und das müssen Männer, Väter kapieren. Alles was
man erreichen kann auf solchen Veranstaltungen ist: den Widerstand spürbar
machen. Die Wut. Die Ulla Schmidts müssen wissen: bis hierhin und
nicht weiter !
Sie spüren, daß ihnen die Felle wegschwimmen. Sie spüren,
daß Feminismus mittlerweile ein Schimpfwort ist. Sie spüren,
daß der Widerstand (auch über
Unterhaltsboykott) wächst und daß die Pyramide zusammenkrachen
wird - die Zahl der Sozialhilfempfängerinnen unter den Alleinerziehenden
wird weitersteigen, der Staat ist bankrott und wird allmählich ungeduldig,
das System bricht zusammen - in England kürzt Tony Blair den Alleinerziehenden
das Geld, in Amerika müssen sie nach eine Schamfrist arbeiten gehen.
Scheidung wird immer weniger lukrativ, immer weniger bequem.
Es geht für Väter nun darum, Scheidung und Trennung noch unbequemer
zu machen. Irgendwann wird die Alleinerziehende nicht mehr als Emanzipationsheldin
gefeiert, sondern als Versagerin stigmatisiert - und das hat sie dem massenhaften
Mißbrauch aus den eigenen Reihen zu verdanken.
Aber Frau Jäckel hat recht: Noch immer ist der Väterwiderstand
zu zersplittert, ist nicht geballt genug. Woran liegt es, daß in
Berlin bei meinen Lesungen die Säle rappelvoll sind, in Wupppertal
aber (und in Mühlheim und in Gelsenkirchen) gerade mal der Kern der
ohnehin Überzeugten erscheint?