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Berliner Morgenpost v. 17.6.98
Lektüre: Von Zicken und Ziegen, Girlies und Supermüttern
Gehen Ihnen Superweiber auch auf den Keks? Solche, die lässig
Karriere und Kinder unter einen Hut kriegen, die immer sexy aussehen, dabei
aber ganz natürlich sind und die nie einfach nur schlaff in der Ecke
hängen? Kommen Ihnen innige Kolleginnen-Freundschaften häufig
suspekt vor? Nervt Sie das stete Opferlamento vieler Frauenrunden?
Ja?! Dann sind Sie wohl eine Zicke. Wohlgemerkt keine Zimtziege, denn das sind eher die oben genannten Damen mit ihren der Emanzipation keineswegs dienenden, sondern die Unterdrückung geradezu fördernden Verhaltensweisen. Sagt Sabine Werz.
Was genau eine Zicke von einer dummen Ziege unterscheidet, kann man in ihrem gut geschriebenen Buch "Beste Freundin, beste Feindin" nachlesen. Darin räumt die Kölner Journalistin mit dem Mythos der großherzigen Frauensolidarität auf. Genüßlich seziert sie die weiblichen Idealbilder und prangert verdeckt ausgetragene Rivalitäten, Intrigen und Bosheiten an.
Neben Superweibern bekommen auch Supermütter, Girlies und barmherzige Schwestern ihr Fett weg - und natürlich Werbung, Medien und Trendforscher. Denn die arbeiten immer fleißig mit am pseudo-emanzipierten Weibsbild à la Superwoman, das für Sabine Werz "keine Herausforderung, sondern eine Überforderung für alle weiblichen Menschen" darstellt.
Die Autorin, die auch unter den Namen Leoni Bach und Nina Gold schreibt, hat sich mit "Beste Freundin, beste Feindin" offenbar einen Herzenswunsch erfüllt. Mit vielen, auch aktuellen Beispielen (TicTacToe, Lady Diana, Hillu Schröder), lustvollen Übertreibungen und einer Reihe interessanter Statistiken hält sie ihr Plädoyer für einen zickigeren, dafür aber ehrlicheren Umgang von Frauen miteinander. Das Ganze liest sich ein bißchen wie eine populärwissenschaftliche Materialsammlung und ist nicht bahnbrechend neu. Dennoch: So viele Bücher gibt es nicht, die auf so gut recherchierte Art zur Selbstreflexion anregen. Annette Speck
Sabine Werz: "Beste Freundin, beste Feindin", Sachbuch. Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 1998. 278 S., 24 DM.