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Zur Feminisierung einer Regierungspartei:
Erfahrungen mit dem Vorwahlkampf der Grünen
Auf die sicheren Plätze - Fertig - Los !
Wahl der KandidatInnen Bündnis 90/Grüne für die
Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Wilmersdorf
Als es am 27.April 1999 um die ihre Listenplätze in Wilmersdorf für die Wahl im Oktober ging, erschienen diesmal die bezirklichen Mitglieder von Bündnis 90/Grüne nahezu vollständig. In einer Tischvorlage wird noch einmal unmißverständlich auf die Wahlmodalitäten hingewiesen. "Auf den ungeraden Plätzen sind nur Kandiaturen von Frauen möglich. Auf den Plätzen mit den geraden Ziffern können Frauen und Männer kandidieren."
Im Wettlauf um die beliebten vorderen Plätze erhalten die Frauen also mehrere Runden Vorsprung. Schließlich soll das weibliche Geschlecht sicher ins Ziel gelangen. Der demokratische Kampf um die Gunst des Wählers bleibt den Männern überlassen.
Die weiblichen Listenplätze 1,3,5,7,9 sind folglich schnell vergeben. Über sie hatten sich die Frauen wenige Tage vorher schon verständigt. Ein sicherer Platz für jede Kandidatin.
Nahezu alle erschienenen Frauen, so sie denn wollen, sind schnell versorgt.
Dennoch, der Form halber noch eine kurze Vorstellung und dann kann die unhinterfragte Bestätigung erfolgen. Kaum eine Kandidatin, die nicht nahezu 100% der Stimmen auf sich vereinigt. Gefühle aus den Zeiten des Realsozialismus kommen auf. Alles geht seinen sozialistischen bzw. hier eben seinen feministischen Gang. "Turbulent" wird die Wahl erst, als die Stimmzettel für die geraden Listenplätze zwischen den Ziffern zwei und acht ausgezählt werden.
Männer in den Ring
Bis zu 6 Männer kämpfen gegeneinander um ein Listenplatz. Klare Ergebnisse kommen nicht zustande - immer wieder werden erneute Wahlgänge nötig. Lächelnd lehnen sich die Frauen auf ihren sicheren Plätzen zurück und sehen dem peinlich zurückhaltenden Disput der Männer zu. Anders als in Vorregierungszeiten sind jetzt Parteitreue, Bündnistreue und Bekenntnis zur NATO gefragt. Insbesondere gepflegte, seriöse, konsensfähige Politik und leise Töne kommen an. Keine Rüpeleien mehr, keine offene Konfrontation. Wenn sie nicht an ihrer Kleidung zu erkennen gewesen wären, von ihren Worten her fällt es schwer, sie noch zu unterscheiden.
Für ein verändertes Wahlgesetz
Nach vier Stunden ist der Zirkus überstanden. Ich frage mich, warum hat die Grüne Partei nicht gleich eine Frauenliste aufgemacht, die Mann per Akklamation nur zu bestätigen braucht? Wozu in unserem heutigen modernen Emanzipations-Zeitalter noch solche überholten ritualisierten Formalien? Soll etwa die Form eines demokratischen Scheins gewahrt bleiben? Der Realfeminismus der Grünen Realos hat uns doch sowieso schon eingeholt. Vielleicht sollte man das Wahlrecht zu Gunsten der Frau generell ändern? Alle vorderen Plätze sollten den Frauen rechtlich zugesichert werden. Sollen sich doch die Männer um die hinteren Ränge streiten. Wäre das nicht die wirkliche Gleichberechtigung der Zukunft, wie wir sie uns immer gewünscht haben?
Armin Emrich
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Siehe auch: Lothar Reinhard, Gründungsmitglied der Grünen, zum heutigen Zustand seiner Partei: Die offene Männerdiskriminierung bzw. die übersteigerte Frauenförderei bei der Partei Bündnis 90/Grüne ist grundgesetzwidrig und demokratiezerstörend.