paPPa.com informiert:
Lösung für Lesben mit Kinderwunsch:
"Hamburg gibt der Homo-Ehe das Jawort"
Am 27.8.98 hat paPPa.com auf den Link: Lesben mit Kinderwunsch hingewiesen mit einigen Zitaten: "Wie können lesbische Frauen schwanger werden? Die sicherste Methode: ein sehr guter Freund in Eurer engsten Umgebung ... mit viel "Ur"-Vertrauen ..." - Doch Vorsicht! "... Wenn der Vater plötzlich nach einer unbestimmten Zeit entgegen der Vereinbarung das Kind für sich beanspruchen will, kann er gegen euren Willen einen Vaterschaftstest verlangen" ... + "Vormund/Amtspflegschaft wird zugewiesen" ... "Ich habe bisher jedoch von keinem solchen Terror gehört ..."
Bis jetzt ist das Verfahren "Samenspender gesucht ..." noch mit einem Unsicherheitsfaktor versehen. Aber auch das gehört für Lesben in Hamburg der Vergangenheit an - und das "Hamburger Modell" wird nach Machtergreifung von Rot-Grün Schule machen ...
Die Lösung ist jetzt ganz einfach: Erst heiraten Lili und Lara, dann wird der Samenspender gesucht. Wird der nach der Geburt unbequem, kann er auf die deutsche Rechtslage verwiesen werden: Demnach haben biologische Väter weder Umgangs- noch Sorgerechtsansprüche, wenn das Kind in einer Ehe geboren wird. Hört sich doch plausibel an, oder? Geht bloß noch nicht, weil diese "Zeremonie" zunächst nur symbolischen Charakter hat - Rechtsfolgen gibt es noch nicht, das ist dann Sache der Bundesgesetzgebung ... Bei den Grünen werden schon die ersten Stimmen mit diesen Forderungen laut, siehe unten den Bericht aus der Frankfurter Rundschau.
Daneben gibt es dann noch eine weitere Hürde zu nehmen: Es entstehen dann auch keine Unterhaltsansprüche. Warum aber sollte Frau auf das gute Geld verzichten ... ? Aber da wird die Frauenfront Rot-Grün sich auch noch was einfallen lassen - wetten !? (Siehe neueste Meldung vom Oktober 1998: "Homopaare werden anerkannt")
Jetzt zur Berichterstattung der taz:
Hamburg (taz) - In Hamburg werden sich künftig auch lesbische und schwule Paare auf dem Standesamt ewige Treue schwören können. Gestern beschloß der rot-grüne Senat die "Hamburger Ehe" - eine eingetragene Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften. Damit ist die Hansestadt das erste Bundesland, das Homosexuellen ermöglicht, ihre Beziehung offiziell anerkennen zu lassen.
Der Gesetzentwurf, dem das Landesparlament, die Bürgerschaft, noch zustimmen muß, orientiert sich an Hetero-Eheschließungen. Ein Standesbeamter leitet die Zeremonie, die "in einer der Bedeutung der Partnerschaft angemessenen würdigen Weise vorgenommen werden" soll. "Trau"-ZeugInnen dürfen mitgebracht werden. Die "eingetragenen" Homo-Paare bekommen eine Urkunde und ein "Partnerschaftsbuch" - analog zur Heiratsurkunde und dem Familienbuch.
Zunächst wollte die Grün-Alternative Liste (GAL) durchsetzen, daß Paare aus der ganzen Republik die Neuregelung in Anspruch nehmen dürfen, konnte sich aber beim Koalitionspartner SPD nicht durchsetzen. Nun muß mindestens ein Partner in Hamburg gemeldet sein. Die GAL, allen voran die für Gleichstellung zuständige Zweite Bürgermeisterin Krista Sager, feiert den Beschluß als grünen Erfolg. Denn sie hat die "Hamburger Ehe" im Koalitionsvertrag vor zehn Monaten durchgesetzt. Die eingetragene Partnerschaft habe zwar "keinerlei Rechtsfolgen", weil Erbschafts-, Steuer- und Familienrecht nur auf Bundesebene verändert werden können. Doch Homo-Paare erhielten auf Landesebene durch die standesamtliche Eintragung "einen offiziellen Charakter und werden in der Öffentlichkeit sichtbarer", heißt es in der Senatsdrucksache.
Eine "echte" Homo-Ehe durchzusetzen, hat Hamburg zusammen mit den Nordländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen bereits über den Bundesrat versucht. Dort ging der Antrag auf Gleichberechtigung auch durch, scheiterte dann aber an der christliberalen Koalition im Bundestag. Das Hamburger Senatsamt für Gleichstellung argumentiert, daß das Europäische Parlament dazu aufgefordert habe, "die Nichtzulassung von homosexuellen Paaren zur Eheschließung" zu beseitigen. In einigen Mitgliedsstaaten wie Dänemark und den Niederlanden wurde die Entschließung längst umgesetzt. Auch das Bundesverfassungsgericht merkte anläßlich einer Einzelfallklage 1993 an, daß die jetzige Gesetzeslage die Frage aufwerfe, ob sie mit den Grundrechten vereinbar ist.
Der vorwiegend symbolischen Bedeutung der "Hamburger Ehe" stellt der rot- grüne Senat entscheidende Erleichterungen zur Seite. So wurde im Koalitionsvertrag vereinbart, daß binationale Homo- Paare ausländerrechtlich nicht mehr wie Fremde behandelt werden sollen. Per Weisung ordnete die Innenbehörde an, dem nichtdeutschen Partner im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten einen gesicherten Aufenthalt zuzubilligen. Mit anderen Worten: Die Sachbearbeiter sollen ihren Entscheidungsspielraum voll und zugunsten der Homo-Paare ausnutzen.
Darüber hinaus haben gleichgeschlechtliche PartnerInnen in Behörden und landeseigenen Krankenhäusern ein Auskunftsrecht. Verunglückt ein Partner oder ist er schwer erkrankt, wird der oder die Liebste wie ein Angehöriger behandelt. Auch billiges Wohnen soll finanzschwachen lesbischen und schwulen Paaren nicht länger verweigert werden. Sie können künftig ihre Berechtigungsscheine für Sozialwohnungen zusammenlegen.
Kommentar Seite 12
Als Umkipper und Partei, die sich von der dauerregierenden Hamburger SPD über den Tisch ziehen läßt, wurde die Grün-Alternative Liste (GAL) schon gescholten, als der Koalitionsvertrag noch gar nicht unterschrieben war. Bei den Großprojekten, die den Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie widerspiegelten, konnten sich die Grünen im wesentlichen tatsächlich nicht durchsetzen. Die nun so überraschend zügig umgesetzte "Hamburger Ehe" - die eingetragene Homo-Partnerschaft - zeigt aber, daß Rot- Grün in bisher tabuisierten Politikfeldern durchaus Strahlkraft entwickeln kann.
Natürlich ist die große Eile, mit der der Senat die Homo-Ehe auf Landesebene in Gesetzesform goß, kein Zufall. So kurz vor der Bundestagswahl kann es gerade den Grünen nicht schaden, sich als moderne und liberale Bürgerrechtspartei zu profilieren.
Seitens der SPD fordert es hingegen etwas mehr Mut. Schließlich gehören zur potentiellen Wählerschaft auch Stammtische, Spießer und Kleingeister. Ein mögliches grünes Kalkül in der Wahl des Zeitpunktes ändert aber nichts daran, daß mit der "Hamburger Ehe" politisch ein wichtiger und richtiger Schritt gemacht wurde. Auch in Großstädten wie Hamburg wird es lieber gesehen, daß Lesben und Schwule sich unauffällig unters Volks mischen. Mit allem Pomp zum Standesamt zu ziehen und sich offiziell und öffentlich zu einer Lebensgemeinschaft zu bekennen, ist Neuland. Die staatliche Anerkennung hat deshalb nicht nur symbolische, sondern auch politische Bedeutung.
Die erste Hürde auf dem Weg zu einer mit allen Rechten versehenen Homo-Ehe ist genommen. Nun kann man über Sinn und Unsinn einer Ehe höchst unterschiedlicher Meinung sein. Doch ob die staatliche Anerkennung für das eigene Leben gewünscht wird oder nicht, ist nicht die entscheidende Frage. Es geht einzig um gleiche Rechte. All das, was Heteros dürfen - Heirat, Adoption, Steuererleichterungen usw. -, steht Lesben und Schwulen gleichfalls zu. Und eben genauso die Möglichkeit, die vom Staat kontrollierte Institution Ehe vehement abzulehnen. Der Durchbruch in Hamburg wird auch in anderen rot-grünen Landesregierungen Begehrlichkeiten wecken, die über ein Schwulesben-Referat oder eine Gleichstellungsstelle hinausgehen. Sie erhöht darüber hinaus den Druck, Homo-Rechte nicht unter ferner liefen zu fordern - zum Beispiel bei rot-grünen Koalitionsverhandlungen nach den Bundestagswahlen.
Silke Martins
Jawort ohne Folgen
Grüne begrüßen Zeremonie für Homosexuelle im Standesamt
Als "Schritt in die richtige Richtung" bezeichnete Sarah Sorge, Frankfurter Grünen-Sprecherin, den Beschluß des Hamburger Senats, eine symbolische "Ehe" für homosexuelle Paare zu ermöglichen. Den Paaren werde es künftig erlaubt sein, sich beim Standesamt Eimsbüttel symbolisch das Jawort zu geben, hatte gestern die Pressesprecherin der Hamburger Grün-Alternativen Liste (GAL), Tina Fritsche mitgeteilt. Ein Standesbeamter leite die Zeremonie, auch Trauzeugen dürften mitgebracht werden. Das Paar bekomme eine Urkunde und ein "Partnerschaftsbuch". Rechtsfolgen habe die eingetragene Partnerschaft jedoch keine, weil über Erbschafts-, Steuer-, und Familienrecht auf Bundesebene entschieden werde. Zudem müsse ein Partner in Hamburg wohnen. Wie lange, sei "nicht klar", man könne auch nur für die "Hochzeit" gemeldet sein.
"Das Eintragen reicht nicht", sagte Sarah Sorge, "es müssen auch Rechte und Pflichten damit einhergehen." Zwar sei es denkbar, auch in Frankfurt ein "Partnerschaftsbuch" einzurichten, doch gehe diese rein symbolische Maßnahme nicht weit genug. "Wir fordern die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Lebensweisen in allen Rechtsbereichen", sagte Sorge. Dies müsse auf Bundesebene entschieden werden, da sonst die rechtliche Grundlage fehle.
Zur politischen Willensbildung trügen allerdings auch symbolische Aktionen bei. "Wir werden in Frankfurt sicher einen Antrag stellen - einfach wegen des Symbolgehalts", sagte Sorge. Allein die Auseinandersetzung um das Anbringen einer Fahne an öffentlichen Gebäuden am Christopher Street Day habe gezeigt, "daß auch in politischen Kreisen ein Nachholbedarf besteht."
"Bei uns gibt es zu dem Thema keine Beschlußlage", sagte Henning Beppler, SPD-Fraktionsassistent im Römer, "die Kommune hat hierzu keine Kompetenz."
Für das Standesamt gelte nach wie vor die Entscheidung des Verfassungsgerichts vom Oktober 1993, wonach "Geschlechtsverschiedenheit" zu den "prägenden Merkmalen" einer Ehe gehöre, sagte Amtsleiterin Gabriele Horeth-Marquardt. Der Entscheidung zufolge könne ein Recht auf eine gleichgeschlechtliche Ehe aus keinem Grundgesetzartikel hergeleitet werden. Falls dies politisch gewünscht sei, könne man prüfen, ob eventuell "Ehrenurkunden" ausgestellt werden könnten.
"Das ist eine politische Frage", sagte Kerstin Sipke, Referentin der Rechtsdezernentin Sylvia Schenk. "Wir nehmen das als Anregung." Bei der Wohnraumvermittlung versuche man bereits, gleichgeschlechtliche Paare nicht zu benachteiligen, indem man sie als Wohngemeinschaften anerkenne. "Aber gezielt aufs Standesamt - diese Diskussion gab es hier noch nicht", so Sipke. thie
Berliner Morgenpost, 27.9.98 - Zur Diskussion
Unterstützt Berlin die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der traditionellen Ehe, oder will die CDU einen Rückzieher versuchen? Nachdem der Antrag von Bündnis 90/Die Grünen auf Unterstützung einer Angleichungs-Bundesratsinitiative längst im Abgeordnetenhaus eine Mehrheit gefunden hatte und von allen Staatssekretären Zustimmung empfohlen wurde, stoppte der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen am 15. September eine entsprechende Senatsvorlage: Bei einer Gleichstellung habe er Bedenken. Heute äußert sich zum Thema Ida Schillen, Abgeordnete von B 90/Grüne.
Von Ida Schilen
In den letzten Jahren hat sich die öffentliche Meinung gegenüber Homosexualität rasant gewandelt. Noch in den spätern 80ern führte ein Kuß von Mann zu Mann in der «Lindenstraße» fast zum Ende der beliebten Serie. Inzwischen präsentieren auch andere Programme lesbische und schwule Lebensverhältnisse zur besten Sendezeit. Nach einer Emnid-Umfrage Mitte 1997 sprechen sich 48 Prozent der Deutschen, unter den 19- bis 20jährigen sogar 68 Prozent für die Anerkennung der Homoehe aus.
Dieser aktuellen Tendenz steht ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus 1993 gegenüber. Damals erkannte das Gericht als Reaktion auf 250 Heiratsanträge homosexueller Paare noch keine «hinreichenden Anhaltspunkte für den Wandel des Eheverständnisses». Heute wäre diese Argumentation schwieriger. Rechtliche und politische Entwicklungen zugunsten von Lesben und Schwulen sind hinzugekommen. 1994 wurde § 175 StGB abgeschafft. Im selben Jahr forderte das Europäische Parlament die Mitgliedstaaten auf, die rechtliche Diskriminierung von Homosexuellen, insbesondere bei der Ehe, zu beseitigen.
Inzwischen hat sich der Bundestag mehrmals mit Gesetzesentwürfen zur Gleichstellung beschäftigt. Im Sommer hat er die Regierung aufgefordert, ein Gesetz vorzulegen, wonach homosexuelle Paare Rechte und Pflichten wie Eheleute erhalten sollen.
Das faktische Eheverbot für Homosexuelle wirkt sich menschlich am gravierendsten im Krankheits- und Todesfalle aus. Es gibt keinen rechtlichen Anspruch, ärztliche Auskünfte über den geliebten Menschen zu erhalten und einander beizustehen. Es besteht kein Erbrecht. Wachsen Kinder in der Lebensgemeinschaft auf, was häufig bei Frauenpaaren der Fall ist, wird das gemeinsame Sorgerecht verwehrt. Das führt im Alltag zu erheblichen Problemen, vom fehlenden Vertretungs- und Mitbestimmungsrecht in der Schule und bei Krankheit der Kinder bis hin zu finanziellen Nachteilen.
Gegner der Homoehe verweisen irreführend auf das Grundgesetz Artikel 5 Ehe und Familie. Sie verschweigen, daß es keine allgemeingültige rechtliche Definition der Ehe gibt. Kein Gesetz schreibt Mann und Frau zwingend als Eheleute vor oder schließt Frauen- und Männerpaare aus. Ehe und Familie sind im Wandel. Dank der Frauenbewegung sind Rollenklischees zwischen Männern und Frauen aufgebrochen. Die Ehe hat sich zunehmend zu einer gleichberechtigten Gemeinschaft entwickelt, die genauso für zwei Frauen oder zwei Männer vorstellbar ist. Die Gegner der Homoehe bemühen zuweilen die Fortpflanzungsfähigkeit als Argument - angesicht der vielen kinderlosen Ehen absurd.
Es gibt keine rationalen Gründe, die Homoehe zu verweigern. Die Mehrheit der Bevölkerung ist dafür, daß homosexuelle Paare, die füreinander und für Kinder Verantwortung übernehmen, heiraten dürfen. Jetzt ist der neue Bundestag gefordert.
Hinweis paPPa.com: Zum Trend "Kinder für Lesben" und "Kind ja - Vater nein!" siehe schon:
Berlin (taz) - Gerade in dieser speziellen Frage kam es den Koalitionsverhandlern auf feines Sprachgefühl an. Auf eine staatliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften hatten sich vor der Wahl zwar sowohl die SPD als auch die Grünen festgelegt. Doch die Beschlüsse stammten aus der Zeit der Opposition. Nun sollte es nach dem Willen der Sozialdemokraten darum gehen, landesweit nicht allzusehr als Homofreunde vereinnahmt zu werden - vor allem nicht von klerikalen und konservativen Kritikern.
Am Ende der Beratungen - die von zahlreichen Faxen schwuler und lesbischer Grüner und Sozialdemokraten aufgemuntert wurden - gab die grüne Fraktionschefin Kerstin Müller bekannt, daß die neue Regierung Schwulen und Lesben "eingetragene Partnerschaften mit gleichen Rechten und Pflichten" ermöglichen werde. SPD-Justizpolitikerin Hertha Däubler-Gmelin widersprach nicht, fügte aber an, daß ein Ehegattensplitting für nichteheliche, aber eingetragene Lebensgemeinschaften nicht in Frage komme.
Details der jetzt folgenden Gesetzgebung wurden nicht weiter formuliert - auch, um sich der Frage zu entziehen, ob Homopaare gleich- oder lediglich bessergestellt werden. Beide Seiten, hieß es aus rot-grünen Kreisen, können mit dem Kompromiß leben. Geklärt werden muß nun noch, ob der oder die nichtdeutsche PartnerIn ein Aufenthaltsrecht in der Bundesrepublik erhält. Gewiß sei nur, daß Diskriminierungen im Wohn- und Mietrecht, aber auch in der Frage der Betreuung von verunglückten homosexuellen Partnern in Krankenhäusern abgeschafft werden. Bislang konnten die Eltern von schwulen Männern oder lesbischen Frauen deren PartnerInnen die Pflege untersagen - was gerade während der letzten Jahre bei vielen Aidskranken Konflikte verursachte.
Aus SPD-Verhandlungszirkeln hieß es darüber hinaus, daß ein Adoptionsrecht für Homopaare ganz gewiß nicht in Frage komme. Diskriminierungen im Familienrecht - kann etwa ein homosexueller Mensch nach einer Scheidung das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder beanspruchen? - sollen ausgeschlossen werden.
Die Reaktionen auf die Vereinbarungen fielen gemischt aus. Lore Maria Peschel-Gutzeit, Hamburgs Justizsenatorin, sprach von einem "guten Anfang", der "überfällig" gewesen sei. Daß es eine volle Gleichstellung nicht geben wird, müsse als "Kompromiß" in Kauf genommen werden: "Die SPD ist eine Volkspartei, in der Beschlüsse alle mitnehmen müssen." Soll heißen: Konservativen Sozialdemokraten soll die Chance genommen werden, mit der Union gemeinsam gegen entsprechende Gesetze zu stimmen. Generell gelte, daß die Gesellschaft sich an die neue Rechtslage gewöhnen müsse. Zur tabuisierten Adoptionsfrage meinte sie: "Momentan bin ich dagegen. Diese Frage kann man weiter klären, wenn die neuen Formen sich bewährt haben."
Manfred Bruns, Sprecher des Schwulenverband Deutschlands, sprach von einem "großen Sprung nach vorn für Schwule und Lesben in Richtung Gleichberechtigung". Der ehemalige Karlsruher Bundesrichter erinnerte die SPD zugleich an ihr Wahlversprechen, auch Homosexuellen "im wesentlichen gleiche Rechte und Pflichten wie in der Ehe" einzuräumen. Halina Bendkowski, Sprecherin des Berliner Christopher Street Day (politische schwulesbische Aktionswoche im Frühsommer), sagte: "Den Fortschritt sehe ich wohl, aber ein klein wenig bin ich enttäuscht. Eine echte Gleichheit steht weiter aus."
Jan Federsen
(Vergleiche hierzu auch: "Durchbruch für die Homo-Ehe?")
Die Antwort der Kirche in FNP 5.12.98: Die Bischöfe warnen: Familie baut auf der Ehe auf
München (AP) Schwulen- und Lesbenehen wird es auch in Zukunft in Deutschland nicht geben. Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin sagte der Münchener «Abendzeitung» (Dienstagausgabe), in einem derzeit vorbereiteten Gesetzentwurf sollten zwar gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften bessergestellt werden. Mit der vom Grundgesetz geschützten Institution der Ehe habe dies «aber nichts zu tun». Vielmehr sollten bisher offene Rechtsfragen geregelt werden, die das Erbschafts-, Wohn- und Rentenrecht beträfen. «Es ist eine Aufgabe der Gemeinschaft, langfristige Bindungen zu fördern», sagte die SPD-Politikerin.
Stuttgarter Zeitung 29.1.99
Bundesgierung will die Diskriminierung homosexueller Lebensgemeinschaften beenden - Adoptionsrecht wird nicht geändert
In dem 64seitigen Koalitionsvertrag wird das Thema auf ganzen acht Zeilen abgehandelt, doch es dürfte noch für emotionsgeladene Debatten sorgen: Die rot-grüne Bundesregierung will homosexuelle Lebensgemeinschaften heterosexuellen Partnerschaften gleichstellen.
Von Barbara Thurner-Fromm
Die Verhandlungspartner geben sich zugeknöpft. "Keine Details'', heißt es freundlich, aber bestimmt im Bundesjustizministerium. Die Gespräche mit den Selbsthilfeorganisationen hätten diese Woche erst begonnen, und es gehe vor allem darum, menschliche Schicksale zu erleichtern. Einen Pflock aber hat Justizministerin Herta Däubler-Gmelin bereits eingeschlagen: Auch künftig werde es keine gleichgeschlechtlichen Ehen geben. "Unter den gegebenen verfassungsrechtlichen Bedingungen'' sei der Heiratswunsch vieler homosexueller Paare "unerfüllbar'', erklärt Justizsprecher Bernhard Böhm. Noch in diesem Jahr sollen Schwule und Lesben allerdings die Möglichkeit erhalten, ihre Partnerschaft amtlich eintragen zu lassen.
Auch Volker Beck, Mitglied des Fraktionsvorstands der Grünen und Obmann im Rechtsausschuß des Bundestags, schlägt pragmatische Töne an. "Ein großes Problem, auch wegen Aids, ist der Bereich Krankheit und Tod'', sagt er. Schon das Besuchsrecht im Krankenhaus könne Probleme bereiten, noch mehr Erbschaftsangelegenheiten, wenn es Konflikte mit den Herkunftsfamilien gebe. Das geplante "Rechtsinstitut der eingetragenen Partnerschaft'' soll deshalb vor allem erb-, miet- und steuerrechtliche Diskriminierungen gegenüber Heterosexuellen beenden.
Die Grünen wollen zudem erreichen, daß bei binationalen Lebensgemeinschaften auch Partnern aus anderen als den EU-Ländern ein Aufenthaltsrecht gewährt wird. Die alte Regierung verfocht hier eine harte Linie; Hessen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Berlin verfahren schon liberal. Große Nachzugszahlen seien nicht zu erwarten. Auch die Gefahr von "Scheinehen'' sieht der Grüne nicht. "Wer so etwas machen will, für den ist eine traditionelle Ehe viel attraktiver.''
Im Koalitionsvertrag vereinbart wurde auch ein Antidiskriminierungsgesetz, das nach den Vorstellungen der Grünen zivilrechtlich wirksam werden soll. "Der strafrechtliche Weg bringt nichts'', sagt Beck. "Wir wollen nicht das Denken und Sprechen verbieten. Wenn jemand Probleme mit Schwulen und Lesben hat, soll er es sagen, dann kann man darüber reden.'' Ein Antidiskriminierungsgesetz solle aber "nicht rational begründbare Benachteiligungen'' beenden - etwa schlechtere Versicherungstarife für Schwule. Holland habe vorgemacht, daß man so erfolgreich ein Umdenken erreiche.
Nicht geändert wird vorerst das Adoptionsrecht. Homosexuelle Paare können auch in absehbarer Zukunft nicht gemeinsam Kinder adoptieren. Die SPD wehrt sich gegen eine Änderung, weil "das zu sehr in Richtung Ehe geht'', wie es im Justizministerium heißt. Und die Grünen wollen vorerst keinen Streit provozieren. Beck ist zwar überzeugt, "unter dem Gesichtspunkt des Kindeswohls gibt es keine sachlichen Gründe gegen das Adoptionsrecht.'' Er räumt aber ein, daß "hier in Politik und Gesellschaft noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten ist.'' Auch vier der fünf europäischen Länder, in denen sich homosexuelle Lebensgemeinschaften bereits amtlich registrieren lassen können, seien in diesem Punkt sehr zurückhaltend gewesen. Nur Island habe das Adoptionsrecht zugleich liberalisiert; in Dänemark, wo schwule Paare sich schon seit 1989 registrieren lassen können, soll das Adoptionsrecht jetzt geändert werden. Beck: "Bei derartigen Projekten muß man die Bevölkerung mitnehmen. Aber unser Ziel ist klar: gleiche Rechte.''
BM/AP/af Berlin - In Frankreich sollen unverheieratete und homosexuelle Paare schon bald dieselben Rechte haben wie Ehepaare. Die französische Nationalversammlung verabschiedete in zweiter Lesung den Zivilpakt für Solidarität. Danach haben Paare ohne Trauschein mehr soziale und finanzielle Rechte als bisher. Sie profitieren wie Ehepaare von steuerlichen Vorteilen, können einander beerben und von der Renten-, Kranken- und Sterbeversicherung des Lebensgefährten profitieren.
Der Gesetzentwurf geht jetzt zurück an den Senat, anschließend muß vom Verfassungsrat geprüft werden, ob er der französischen Verfassung entspricht. Im konservativen Lager stößt der Plan auf scharfe Kritik. So gab es Anfang Februar in Paris einen großen Protestmarsch mit rund 100 000 Teilnehmern.
Die Bonner Regierung hat ebenfalls mehr Rechte für andere Formen des Zusammenlebens angekündigt. Im Koalitionsvertrag heißt es: «Familie wird heute in vielfältiger Form gelebt. Familie ist, wo Kinder sind. Wir respektieren dies und werden für die Gleichstellung der Familienformen sorgen. (...) Für uns haben alle Formen von aus Dauer angelegten Lebensgemeinschaften Anspruch auf Schutz und Rechtssicherheit.»
Umgesetzt allerdings sind die Pläne noch nicht. Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) will voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte einen Gesetzentwurf vorlegen, der die Rechtslage für homosexuelle Paare regelt. Sie hatte bemängelt, daß es keinen gesetzlichen Unterhaltsanspruch und kein gesetzliches Erbrecht für gleichgeschlechtliche Partner gebe. Auch für sie müsse das Recht gelten, nach dem Tod des Lebensgefährten die gemeinsame Wohnung zu übernehmen.
Für unverheiratete Paare sind nach Angaben einer Sprecherin des Justizministeriums derzeit keine derartigen Neuregelungen geplant. Wer heiraten könne, aber nicht wolle, werde sich auch nicht den Regelungen einer «Ehe light» unterwerfen, sagte die Sprecherin.
Schon weiter ist man in Hamburg: Dort sollen sich nach einem Gesetzentwurf, den das Landesparlament gestern verabschiedet hat, gleichgeschlechtliche Paare auf dem Standesamt als Paar eintragen lassen können. Die «Hamburger Ehe» hat allerdings nur symbolischen Charakter, Rechte und Pflichten bringt der alternative Trauschein nicht mit. So kann ein Partner nach einer Trennung beispielsweise keinen Unterhalt von seinem Ex-Lebensgefährten fordern.
In Berlin stoppte der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) im vergangenen September einen Senatsbeschluß zur Gleichstellung homosexueller Paare mit Ehepaaren. Die Berliner Bündnisgrünen wollen hingegen Rechte für schwule und lesbische Paare, die über das Hamburger Modell hinausgehen. Nach ihren Vorstellungen soll es nicht nur eine standesamtliche Urkunde geben, sondern auch materielle Rechte und Pflichten.
Via Internet hatte Gay Martin sich erkundigt, welche Frau ihm für eine Leihmutterschaft zur Verfügung stehen könnte - und entsprechende Honorierung angeboten. Er erhielt Antwort von der erzürnten Kunigunde, die er gleich beantwortet hat:
| Thema: Schwuler mit Kinderwunsch From: gaymartin@homo.com To: Kunixxx@xxx.de hey kunigunde, nun, da ich weiß, daß du keine anonyme adresse gewählt hast denn davon habe ich häufig mails ähnlichen inhalts der deinen ... und ich finde es jedesmal schade, daß ich keinen raum zu diskussionen bekomme !! (find's einfach feige vom absender .. warum bleiben solche leute in der anonymität - ich tu's doch auch nicht !!)
Re: deine worte "...mit Vorenthaltung der Mutter als notwendige und existente Geschlechterform..." lassen mich tief durchatmen .. kannst du denn diese formulierung etwas konkretisieren ..?? welche eigenschaften in bezug auf die erziehung eines kindes besitzt eine frau - die ein mann nicht hat ?? der geschlechtlich/körperliche unterschied - okay - der hat aber wohl so überhaupt keinen einfluß auf die entwicklung des kindes - wir leben auf keiner insel hier – der kleine wird nackte frauen ebenso sehen wie nackte männer .. auch haben wir im bekanntenkreis viele frauen - hetero wie auch lesbisch. (wir sind im übrigen etwas toleranter allen lebensformen gegenüber - aber das nur am rande !) bei "existente" geschlechterform gebe ich dir recht - beziehe das dann aber klar auf die gebärmutter, was wirklich notwendig ist - auch wenn in einigen utopischen romanen und bei ersten Beispielen bereits andere gebärformen gefordert und praktiziert werden ! aber darauf beschränke ich die unbedingte notwendigkeit einer frau auch schon !! kein deut mehr !!
Re: und du wirst auf meiner seite ganz sicher keinen hinweis finden, WIE wir es erreicht haben, auch als schwule ein biologisch eigenes kind zu bekommen .. weil das in meinen wirklich ureigensten privat-bereich gehört. aber angenommen - ich hätte mir eine Leihmutter geleast ... kann ich deine traumatischen prophezeihungen nicht teilen .. ich bin ohne Mutter groß geworden - die notwendigkeit der existenz einer solchen kann ich aus eigener erfahrung also negieren !! ich bin erwachsen geworden - im deutschen sinne ist aus mir auch was geworden (leitender mitarbeiter einer großen auto-firma) – in Chicago studiert - so ganz ohne "notwendige und existente Geschlechterform", um deine worte zu benutzen !!
Re: hast du mal über die vielen traumismen nachgedacht, die mütter ihren kindern antun, wenn sie sie sexuell und emotional mißbrauchen (weißt du eigentlich, WIE HOCH dieser anteil ist ??) aber ich weiß, daß nicht alle frauen eben dieses tun - und das war auch ganz sicher nicht mein beweggrund, mit einem mann zusammen zu leben und gleichzeitig ein eigenes kind zu haben!
Re:
Re: und meine selbstverwirklichung erreiche ich in erster linie dadurch, daß ich eine stabile lebensbeziehung im hintergrund weiß! ich finde sie in erster linie eben dadurch .. also ist das vielleicht eher an die anderen email-teilnehmer deiner mail gemeint ???
Re: ich kann nur immer wieder über so oft übersteigertes selbstbewußtsein von euch frauen staunen .. und bedaure so manche von euch .. gottseidank gibt es auch andere aus eurer sparte !! ich bin ganz und gar kein frauenhasser .. aber sich mit meinungen wie der deinen "auseinander-zu-setzen" .. bereue ich die zeit, die ich nun schon für die antwort verloren habe ??
Re:
Re: salut gaymartin |
Wem dieser Dialog seltsam vorkommt ... der hat ganz recht: Man vertausche einfach Männlein mit Weiblein, Schwulen mit Lesbe und Mutter mit Vater. Dann hat dieser Dialog auch tatsächlich so stattgefunden ... Hier das Original:
| Datum: 06.09.98 19:04:42 From: manno@xxx.net To: Lorelein@aol.com hey lothar, Im folgenden habe ich die Zitate aus meiner mail, auf die die Dame sich bezieht, eingerahmt. Lothar
stop mal hier : ich bin lesbisch - das ist richtig .. deswegen betreibe ich noch kein lesbianertum .. ein wort, dass ich im uebrigen so ueberhaupt nicht kenne !! deine worte "...mit Vorenthaltung des Vaters als notwendige und existente Geschlechterform..." lassen mich tief durchatmen ... kannst du denn diese formulierung etwas konkretisieren ... ?? welche eigenschaften in bezug auf die erziehung eines kindes besitzt ein mann - die eine frau nicht hat ?? der geschlechtlich/koerperliche unterschied - okay - der hat aber wohl so ueberhaupt keinen einfluss auf die entwicklung des kindes - wir leben auf keiner insel hier - die kleine wird nackte maenner ebenso sehen wie nackte frauen .. auch haben wir im bekanntenkreis viele maenner - hetero wie auch schwul ..(wir sind im uebrigen etwas toleranter allen lebensformen gegenueber - aber dass nur am rande !) bei "existente" geschlechterform gebe ich dir recht - beziehe das dann aber klar auf das sperma, was wirklich notwendig ist - auch wenn in einigen utopischen romanen bereits von anderen zeugungsformen die rede ist ! aber darauf beschraenke ich die unbedingte notwendigkeit des mannes auch schon !! kein deut mehr !!
du stammst nicht zufaellig aus dem auto-gewerbe ?? als erstes moechte ich dich noch einmal auf meine seite einladen - liess es doch einfach mit etwas mehr ruhe .. dann findest du auch andere moeglichkeiten des schwanger-werdens, als die kuenstliche insemination .. das zum ersten .. und du wirst auf meiner seite ganz sicher keinen hinweis finden, WIE wir es erreicht haben, schwanger zu werden .. weil das in meinen wirklich ureigensten privat-bereich gehoert. aber angenommen - ich haette kuenstliche inseminiert ... kann ich deine traumatischen prophezeihungen nicht teilen .. ich bin ohne vater gross geworden - die notwendigkeit der existenz eines solchen kann ich aus eigner erfahrung also negieren !! ich bin erwachsen geworden - im deutschen sinne ist aus mir auch was geworden (leitende mitarbeiterin einer grossen chemiefirma) - in moskau studiert - so ganz ohne "notwendige und existente Geschlechterform" um deine worte zu benutzen !!
mein vaterlos+technisch gezeugtes kind wird eine sehr tolerante erziehung gegenueber den verschiedensten lebensformen geniessen .. und eben mit dieser offenheit gross werden - und ganz sicher keine traumatismen entwickeln ... hast du mal ueber die vielen traumismen nachgedacht, die vaeter ihren kindern antun, wenn sie sexuell missbrauchen (weisst du eigentlich, WIE HOCH dieser anteil ist ??) aber ich weiss, dass nicht alle maenner eben dieses tun - und das war auch ganz sicher nicht mein bewegrund, mit einer frau zu leben und ein kind zu zeugen !
haelst du mich fuer "spaetlesbisch ??"
kann ich mich nicht mit identifizieren - ich lebe in einer aeusserst gluecklichen lebensgemeinschaft - und dazu brauche ich ganz sicher keinen mann .. ganz im gegenteil !! und meine selbstverwirklichung erreiche in erster linie dadurch, dass ich eine stabile lebensbeziehung im hintergrund weiss ! ich finde sie in erster linie eben dadurch .. also ist das vielleicht eher an die anderen email-teilnehmer deiner mail gemeint ???
mir steigen die traenen in die augen ... ich zittere vor angst ... ich kann nur immer wieder ueber so oft uebersteigertes selbstbewusstsein von euch maennern staunen .. und bedaure so manchen von euch .. gottseidank gibt es auch andere aus eurer sparte !! ich bin ganz und gar keine maennerhasserin .. aber sich mit meinungen wie der deinen "auseinander-zu-setzen" ... bereue ich die tzeit, die ich nun schon fuer die antwort verloren habe ??
das finde ich schaebisch .. ich trete auf meiner seite sehr offen mit name auf .. soviel anstand kann ich dann wohl erwarten, auch mit diesem angeredet zu werden und nicht als xy.de ... soviel muehe solltest du dir dann schon bei deinen beschimpfungen nehmen !!
nenn mir einen wirklich notwendigen grund !! denk nach - du wirst keinen finden ! (ausser den der samenspende !) salut s. |
Eine Idee von Lorelein@aol.com