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Stader Tageblatt, 18.02.99

Mann muß draußen bleiben
Hospiz-Gruppe informiert exklusiv für Frauen - Besucher sauer

koi. HORNEBURG. Eigentlich scheint alles so richtig gut zusammen zu passen. Dieter Schmidt aus Horneburg hat gerade ein Buch über Sterbebegleitung gelesen - seiner Freundin zuliebe, die sich in der häuslichen Altenpflege oft mit dem Thema konfrontiert sieht.

Gerade frisch für das Problem sensibilisiert, fügt es sich offenbar ideal, daß die Stader Hospiz - Gruppe im Horneburger Gemeindehaus über ihre Arbeit informieren will. Schmidt verabredet sich mit seiner Freundin, gemeinsam hinzugehen.

Der Mann schmeißt seinen Dienstplan um, um das möglich zu machen, beschafft sich Info-Material der Gruppe, weil er überlegt, sich in ihr zu engagieren.

Am Veranstaltungsabend dann die böse Überraschung. Was das gutmeinende Paar nicht bedacht hat: Veranstalter ist nicht die Hospiz-Gruppe selbst, sondern das Horneburger Frauenforum zusammen mit der Frauenbeauftragten der Samtgemeinde, Gisela Punke. Ergo: Männer unerwünscht. Schmidt muß draußen bleiben.

Da hilft es nicht einmal, daß die eine oder andere Besucherin ihm zur Seite springt und die gestrengen Geschlechtsgenossinnen ersucht, doch bitte mal eine Ausnahme zu machen. Eine bietet Schmidt gar ein Kleid an, damit er derart getarnt vielleicht doch noch reinkommen könnte. Doch da winkt er dankend ab, und auch die Hüterinnen der abendlichen Geschlechtertrennung möchten kein Einsehen haben.

Glücklich mit diesem Vorgehen ist Ilse Armonat, eine der beiden Referentinnen der Hospiz-Gruppe, nicht. "Wir hätten unseren Vortrag gerne auch vor Männern gehalten." Männerfeindlichkeit liege ihr absolut fern. Im Gegenteil: "Wir wären froh, wenn mehr Männer unsere Arbeit unterstützen würden."

Laut Gemeindeverordnung hat die Frauenbeauftragte zur Verwirklichung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern beizutragen".

Allerdings sei ja nicht die Hospiz-Gruppe Veranstalterin gewesen, sondern eben das Frauenforum und die Frauenbeauftragte. Damit war's Armonats Ansicht nach allein deren Sache, wen sie reinlassen und wen nicht: "Ich fühlte mich dafür nicht zuständig."

Der abgewiesene Dieter Schmidt sieht das etwas anders: "Die Hospiz-Gruppe sollte bei ihren Einladungen besser darauf achten, daß der Veranstalter Interessenten nicht diskriminiert."

Er malt sein eigenes Horror-Szenario: Die Hospiz-Gruppe gewinnt lauter Frauen aus dem Horneburger Frauenforum für ihre Arbeit - und die weigern sich dann, sterbende Männer zu betreuen.

Grundsatz wird nicht diskutiert

(koi). "Das Frauenforum organisiert seit 10 Jahren Veranstaltungen von Frauen für Frauen' und eben nicht für Männer, stellt Frauenbeauftragte Punke klar. Einmal sei der Grundsatz beschlossen worden, daß Männer bei den Veranstaltungen nichts zu suchen haben. Und das wird nicht jedes Mal neu diskutiert, wenn doch einer rein will.

Hätte es denn wirklich jemandem geschadet, wenn ein Mann bei dem Referat der Hospiz - Gruppe dabei gewesen wäre? Punke findet schon. Grund: "Ich bin mir ganz sicher, daß sich eine Gesprächsebene verändert, sobald ein Mann dazu kommt."

Schließlich gebe es ja auch genug Männer-Bündnisse, zu denen Frauen keinen Zugang hätten: Von den Rotariern über Round Table bis hin zu den Pankratiern. Außerdem glaubt sie nicht, daß dem abgewiesenen Mann wirklich etwas entgangen ist: Die Hospiz-Gruppe halte ja öfter Vorträge in Horneburg, und da durften dann bisweilen auch Männer dran teilnehmen.


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