paPPa.com informiert: DER NEUE MATUSSEK
| Matthias Matussek (Hg.) Die vaterlose Gesellschaft - Briefe, Berichte, Essays rororo Sachbuch 60816 - 345 Seiten, DM 16,90 (Mai1999) Zu diesem Buch Mit seinem Buch «Die vaterlose Gesellschaft - Überfällige Anmerkungen zum Geschlechterkampf» hatte Matthias Matussek ein Tabu gebrochen: Er schrieb über den Mann als Opfer eines «männerfeindlichen Familienrechts». Entsprechend erbittert war die Kontroverse, die das Buch in den Feuilletons auslöste. Die Welt urteilte: «Matusseks Essay ist eine hochintelligente Provokation und der Startschuß für eine Emanzipationsbewegung der Männer. Kein anderes Buch, das in den letzten Jahren zum Thema veröffentlicht wurde, ist so mutig.» |
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Für die Stuttgarter Zeitung hatte sich der Autor damit zum «Missionar der neuen Männerbewegung gemacht», das DeutschlandRadio dagegen nannte ihn «Rambo». Vor allem aber antwortete das Publikum: in Hunderten von Briefen und Fallerzählungen bestätigten viele - Männer wie Frauen -Matusseks Diagnose. Andere machten ihrer Empörung über den Autor Luft. Im vorliegenden Band sind einige dieser Briefe und Berichte versammelt.
In mehreren Essays beleuchten darüber hinaus Autorinnen und Autoren die Zustände in Frauenhäusern, analysieren die Pathologien in familiären Zerfallssituationen und räumen kritisch auf mit den feministischen Mythen der 68er-Generation. Ein Dokumentationsteil spiegelt die haarsträubende Wirklichkeit unserer Rechtsprechung.
In zwei Beiträgen resümiert Matthias Matussek selber die Debatte und analysiert, nicht ohne Selbstironie, seine Rolle als «Missionar».
Nicht zuletzt aber kommen die wehrlosesten der Opfer zu Wort: die Kinder, die in erschütternden Beiträgen erzählen, wie sie das Scheidungsdrama ihrer Eltern erleben. Das vorliegende Buch ist ein Stimmenkonzert, das den Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft vor allem eines zuruft: «Handelt - denn die Zukunft unserer Gesellschaft steht auf dem Spiel.»
Rezension in der Süddeutschen Zeitung 17. Mai 99 von Dr. Christine Brinck
Vorwort: Das Schweigen brechen ! (Matussek)
I. Briefe von Männern und Frauen (hier: Inhaltskurzangaben)
1. Marek, mein Sohn
2. Abgezockt + Abzocken nach Drehbuch (Auszug
aus Cosmopolitan 10/1998)
3. Wird sie mich erkennen?
4. So läuft´s
5. Raus aus dem Sumpf
6. Drei Briefe an Lauras Mutter
7. Wutbrief an den Neuen
8. Verletzungen
9. Mutter ohne Sohn
10. Wo ist Daddy?
11. Fast eine Familie
12. Wir alternativen Väter
13. Erinnert euch an mich!
14. Was habt ihr aus mir gemacht?
15. Solo mit Kindern
1. Die Probleme bei der Scheidung
2. Mami, ich vermiß dich !
3. Heult, wenn sie streiten !
4. Wie ich unter der Trennung gelitten habe
5. Sie schlug nur noch zu
6. Mein Leben ohne Papa
7. Ich darf nur einmal im Monat zu ihm
8. Wenn wir gefragt würden
9. Das schrecklich Ungewisse
10. Wie kindisch Erwachsene sind
11. Kampf ums Sorgerecht
12. Wir hatten die Wahl
13. Wer bin ich ?
14. Alles ist anders
15. Er lief davon
1. Wera Fischer: Wieviel Vater braucht ein Kind?
2. Günter Franzen: Die Artisten im Frauenzirkus - ratlos
3. Christine Knappert: Aufklärungsnotstand
4. Matthias Matussek: Feminismus
über Amtsnummer
5. Ursel Maurer: Schicksal Jugendamt
6. Fehler im Trennungskonflikt
1. Licht und Schatten -
Erste Urteile nach der Reform
2. Notkasse und Trillerpfeife - Eine Frauenhausmitarbeiterin packt aus
3. Wenn Anwälte mit Benzin
löschen
4. Stimmungsmache
5. Der Illegale - ein
Telefonmitschnitt
6. Die Unterhaltsschraube
7. 1,5 Tage Umgang im Jahr
8. Krieg und Frieden
9. Missbrauch - Protokoll eines
Gerichts-Termins
10. Umgangsrecht für einen Hund
V. Kampflärm: Reaktionen auf die "Vaterlose Gesellschaft"
1. Was Frauen sagen ...
2. Was Männer sagen ...
VII. Nachwort: "Ein Missionar auf Reisen" (Matussek)
VIII. Anhang: Adressenliste
Vorwort: Das Schweigen brechen ! (Matthias Matussek)
Als im Herbst 1997 meine Reportage zur "Vaterlosen Gesellschaft" im SPIEGEL erschien, war schnell zweierlei klar. Erstens: Ich hatte in ein Wespennest gestochen. Zweitens: Es bestand immenser Bedarf, über ein Thema zu reden, das offensichtlich lange, allzulange tabuisiert worden war - über die Ungerechtigkeiten, die Männern im Familienrecht zugemutet werden.
Was passiert, wenn eine Liebesbeziehung zerbricht? Was passiert, wenn die Frau geht? Was passiert mit den Kindern? Das ist kein exotisches Nischenthema für Sozialpädagogen, sondern es berührt den Nerv der bürgerlichen Gesellschaft - grosse Epochen-Romane wie "Anna Karenina" oder "Effie Briest" kreisen nicht nur um das Thema ehelicher Untreue, sondern eben um deren manchmal katastrophale Konsequenzen. In beiden Fällen muss sich die untreue Frau logischerweise nicht nur für die neue Leidenschaft, sondern auch gegen die Familie, gegen die Kinder entscheiden.
Es war der sozialdemokratischen Scheidungsgesetzgebung von 1977 vorbehalten, diese Verhältnisse auf den Kopf zu drehen: Nun sollte die Frau auf jeden Fall belohnt werden, wenn eine Ehe zerbrach, selbst wenn sie die Schuldige war: Sie bekam automatisch Kinder und Geld zugesprochen.
Natürlich ein perverser Zustand. Natürlich explodieren seither die Scheidungszahlen, natürlich sind es überwiegend Frauen, die die Scheidung einreichen. Noch perverser aber war es, jeden als "Frauenfeind" zu verleumden, der Kritik an diesem Zustand übte. Hier war ein zentraler Bereich des Gesellschaftsvertrages in die Fänge feministischer Lobbyisten geraten, hier, im neuen Scheidungsrecht, tobte ein sozialer Vernichtungskrieg gegen Männer und Väter - doch in Frage stellen durfte man das alles lange nicht.
Über Frauenfeindlichkeit zu klagen war man gewohnt. Aber Männerfeindlichkeit? Schon den Terminus schien es im öffentlichen Gerede gar nicht zu geben. Doch eine Flut von zustimmenden Leserbriefen machte mir klar, wie satt es viele - Männer wie Frauen - hatten, dass die Frau von vornherein stets als Opfer und der Mann stets als Täter verhandelt wurde. Der "Spiegel"-Titel war wie ein Dammbruch.
Was als Reportage über zwei Männer begann, die in den Hungerstreik getreten waren, weitete sich bald zu einem Buch, das im Mai 1998 unter dem Titel "Die Vaterlose Gesellschaft - Überfällige Anmerkungen zum Geschlechterkampf" (rororo 60597) erschien. Darin versuchte ich eine Bestandsaufnahme. Ich beschrieb die Architekturen eines männerfeindlichen und familienfeindlichen Systems - die Justiz, den Sozialstaat, die Trägheit der Behörden und Ämter.
Es war auch die Selbstauseinandersetzung eines Linken mit linker Theorie, mit den Emanzipations- und Befreiungsmythen, mit dem ganzen familienzerstörenden Zauber, der in den sechziger Jahre begann. Eine Beschreibung, wie Geschlechterkampf und männliche Schuldzerknirschung die Vaterrolle zersetzt und heute, in einer Gesellschaft von Alleinerziehenden, praktisch ausgelöscht haben.
Ich schrieb darüber wie ich es auch mit anderen Themen halte, ganz nach Alfred Döblins Motto "Ein Kerl muss eine Meinung haben". Der Leser soll wissen, wo ich stehe. Sicher: Je präziser Missstände formuliert werden, desto ungemütlicher ist die Lektüre, und in manchen Fällen muss man so weit zuspitzen bis es weh tut, sonst hört keiner hin.
In den oralen Erzähltraditionen Afrikas spielen Schrei- und Schimpfspiele eine wichtige Rolle. Sie sind äusserst gemeinschafts-stiftend. Mit ihren simulierten Attacken und Drohungen, den Überzeichnungen und Spottgesängen auf dem Dorfplatz lösen sie Spannungen dadurch, dass sie Konflikte benennen - Rap und Hiphop leben bis heute davon. Mein Buch ist in Teilen auch ein solches Schimpf-Spiel.
Dennoch: es war meine Spiegelung, meine Interpretation des Problems, meine Strategie, wie mit den geschilderten Missständen umzugehen sei. Da ich nun aber schnell von mir erschöpft bin, freute ich mich regelmässig besonders auf die Debatten, die sich an meine Lesungen anschlossen.
Manche dieser Diskussionen endeten als Saalschlacht, andere als stille Seance - im Nachwort "Ein Missionar auf Reisen" schildere ich die bewegenden, die haarsträubenden, manchmal auch haarsträubend komischen Verläufe dieser Abende.
Vor allem aber begegnete ich völlig anderen Strategien, anderen Lebensläufen, anderen Leidensgeschichten, anderen Triumphen, die das Thema in unendlich vielen Facetten illustrierten. Ich lernte viel während diese Abende. Und da ich finde, dass auch andere die Möglichkeit dazu haben sollten, forderte ich die Teilnehmer auf, mir ihre Fälle in Briefen zu schildern.
So kam dieses Buch zustande.
Diese Briefe von Männern und Frauen sprechen für sich. Sie belegen, jeder auf seine Weise, wie verheerend der Geschlechterkampf in den letzten Jahrzehnten gewütet hat, wie er Familien und Biographien zerstört hat und vor allem Kinder und Jugendliche als ratlose Opfer zurückgelassen hat.
Ich glaube, dass die Männerbewegung, wenn es denn eine gibt, sich der gleichen Mittel bedienen muss, die einst die Frauenbewegung mit grossem Erfolg eingesetzt hat. Dazu gehört die sogenannte Erfahrungs- und Protokoll-Literatur, die in den lila Buchläden der 70er Jahre das Standard-Sortiment bildete. Damals redeten Frauen mit enormer öffentlicher Wirkung über sich und über sich und über sich, und weil die Plattennadel nie über den Sprung hinweg kam, dauert der Monolog an.
Teil dieses Monolges ist, dass Männer emotionale Analphabeten seien, dass sie ihre Gefühle nicht artikulieren könnten, und dass viele Beziehungen genau daran zerbrächen. Wenn Männer endlich verrieten, was sie im Innersten bewegt, so hiess es und so heisst es bis heute, wären wir einen grossen Schritt weiter.
Nehmen wir nur einen Moment lang an, der weibliche Teil der Menschheit ist tatsächlich so neugierig darauf zu erfahren, was Männer erleben und wie sie darüber reden, etwa wenn die Familie zerbricht - dann müsste dieses Buch ein Bestseller werden.
Denn hier legen ausnahmsweise einmal Männer los. Manche sprechen über ihre Fälle wie durch zusammengepresste Lippen. andere "hinterfragen ihre Rolle" in dem eigentümlich umständlichen Jargon der Alternativszene. Einige beschränken sich auf Fakten. Andere schreiben sich ihren Frust mit Stossseufzern, in Songtexten, in Gedichten von der Seele.
Wieder andere zeichnen behutsam ihre familiäre Agonie nach, den Zerfall, die Krise, die Kämpfe. Sie berichten darüber, was sie empfanden, als sie von der Arbeit nach Hause kamen und eine leergeräumte Wohnung vorfanden. Sie berichten von ihrer Odyssee durch Gerichtssäle und Instanzen, von anschwellenden Aktenbergen und absurden Begutachtungen, nur weil sie mit ihren Kindern zusammensein wollten.
Sie beschreiben den Kampf um ihre Vaterschaft auch als Kampf um männliche Identität - ein enteierter Mann ist kein Rollenmodell. Bernhard M. ("Marek, mein Sohn") formuliert es für viele: "Ein Kind hat ein Recht darauf, dass der eigene Vater so mächtig ist, dass nichts gegen seinen Willen mit diesem Kind geschehen kann, so mächtig, dass er sein Kind nie im Stich lassen muss, wie es mir und unzähligen anderen Vätern ergeht. Jede Erniedrigung des Vaters bedeutet eine Demütigung des Kindes."
Die Männer in diesem Buch berichten davon, wie sie als sexuelle Missbrauchstäter durch den Schmutz gezogen wurden. Wie sie wirtschaftlich ruiniert wurden. Wie sie sich als ausgebrannte Arbeitsdrohnen fühlen, an denen nur der Alimente-Scheck interessant ist. Einige meldeten sich aus dem Untergrund, aus dem Ausland, wohin sie sich - mit oder ohne ihre Kinder - abgesetzt haben.
In diesem Buch also brechen Männer ihr Schweigen. Doch auch Frauen tun es. Viele Frauen nämlich fühlen sich entsetzlich genervt von den feministischen Bevormundungen und Kampfparolen. Sie fühlen sich gedemütigt dadurch, dass ihnen eine kleine Clique von Geschlechterkämpferinnen in Politik und Medien ständig vorturnt, wie grossartig es ist, als kinderlose und unverheiratete Quotenfrau Karriere zu machen. Und wie rückständig und dumm jene Frauen seien, die sich gemeinsam mit ihren Männern nicht für Karriere, sondern für Familie entschieden haben.
Wie jeder weiss, sind es die Frauen, die die meisten Bücher kaufen, und Frauen stellten demzufolge bei meinen Lesungen in den Buchhandlungen oft die Mehrheit. Ich bin zum Teil erheblich attackiert worden. Der Zuspruch jedoch - und das hat mich selber zunächst überrascht - überwog. Viele Leserinnen haben verstanden, dass ich nicht gegen Frau schlechthin polemisiere, sondern gegen jene kleinen feministischen Cliquen, die den öffentlichen Raum beherrschen und aus männerfeindlichen Allüren Kapital schlagen.
Der Zuspruch von Frauen auf meinen Lesungen hat mich auch deshalb besonders bewegt, weil sie immer auch riskierten, von ihren Geschlechtsgenossinnen als Verräterinnen denunziert zu werden. Das hat sie nicht beirrt, aus einem guten Grunde: Auch sie sind bisweilen Opfer der vaterlosen Gesellschaft.
Es sind Mütter, die miterleben, wie ihre Söhne betrogen werden. Es sind Grossmütter, die plötzlich ihre Enkelkinder verlieren. Es sind Schwestern, die erleben, wie ihre Brüder suizidal werden, wenn sie als rechtlose Alimente-Zahler ausgebeutet werden.
Nicht zuletzt aber sind es auch Frauen, denen ignorante Jugend-Behörden die Kinder wegnehmen, auch Frauen, denen manche dämliche Männer den Umgang mit ihren Kindern nach einer Trennung verweigern in den seltenen Fällen, in denen ihnen das Sorgerecht zugesprochen wird. Es gibt also durchaus auch Frauen, die den kürzeren ziehen können - auch sie kommen hier zu Wort.
Frauen wie Monika V. (Beitrag "Mutter ohne Sohn"), deren Mann mit dem Sohn weggegangen ist. Sie muss Unterhalt für diesen Sohn bezahlen, doch sie hat keinen Kontakt zu ihm. Der Vater verweigert ihr den Umgang nicht einmal aktiv - es genügt schon, dass er ihn nicht ermuntert, zu seiner Mutter Kontakt zu halten. Und nun macht Monika V. genau die Hölle durch, die normalerweise Männern nach einer Trennung vorbehalten ist.
"Was mich von den anderen Menschen massiv unterscheidet", schreibt sie, " das ist der unglaublicher Schmerz, der mich ab und zu überfällt." Und sie schliesst ihren Bericht mit dem Satz: "Man kommt nie über den Verlust eines Kindes hinweg." Und diesen Satz leben in der Regel Männer, jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde.
Die vaterlose Gesellschaft ist ein Skandal, der im Grunde nur Verlierer kennt. Männer sind die Verlierer, weil sie zu resignierten oder zynischen Zahleseln gemacht werden, die irgendwann beginnen, diese Rolle zu bestreiken. Da kann noch so oft zur Jagd auf unterhaltssäumige Väter geblasen werden - wer will es einem Mann verübeln, der sich weigert, für eine Frau zu zahlen, die zu ihrem Liebhaber gezogen ist und ihm den Umgang mit den Kindern höchstenfalls als 14-tägigem Besuchsonkel gestattet?
Frauen sind die Verlierer, weil in der Regel sie es sind, die vom falschen Anreizsystem der Scheidungsindustrie zum Ausbruch aus Familie und Ehe ermuntert werden. Ein fader Triumph. Sie leben nicht ihr Leben, sondern exekutieren feministische Dogmen und nehmen Rache am Mann. Trotz aller flotten Szene-Mutti-Schwüre - es ist nicht toll, alleinerziehende Mutter zu sein. Auch sie also sind Opfer. Sie werden von einem ideologischen Krieg zur Geisel genommen, der sie im Grunde hilflos zurücklässt.
Verlierer ist auch die Volkswirtschaft. Jemand, der gezwungen ist, die Hälfte seines Einkommens an Menschen abzuführen, die ihn hassen, wird sich weniger anstrengen, Geld zu verdienen. Deshalb übrigens treffen sich oft beide Geschiedene nach einer Trennung oft auf dem Sozialamt wieder.
Besonders aber sind die Kinder die Verlierer. Unsere Gesellschaft produziert Scheidungswaisen, mit ständig steigender Tendenz. Für Kinder, das ist mittlerweile erwiesen, wird die Scheidung der Eltern als fast genauso traumatisch erlebt wie der Tod eines der beiden Elternteile. Manchmal ist es noch schlimmer. Der Tod schliesslich ist unfreiwillig, und im Gedenken an den oder die Verstorbene wird die Beziehung erhalten.
Bei einer Scheidung dagegen erlebt das Kind, dass es verlassen wird. Es ist ein Tod auf symbolischer Ebene - eines der beiden Elternteile wird vernichtet, annulliert.
In den überwiegenden Fällen ist es der Vater, der ausgegrenzt wird. Das Kind denkt, er sei gegangen. Die Mutter spricht schlecht über ihn. Das Kind denkt: Was habe ich getan, dass er geht? Der Vater verschwindet aus dem Leben des Kindes auf Nimmerwiedersehen. Die Scheidungsgesellschaft ist eine Vaterlose Gesellschaft und die produziert seelische Verkrüppelungen am Fliessband.
Wie verzweifelt Kinder um den Zusammenhalt von Familien bemüht sind, ja, wie sie als kleine überforderte Ersatztherapeuten für die Eltern aktiv werden wollen, dokumentiert die 14-jährige Arlette aus Voerden in dem Kapitel "Briefe von Kindern": Sie wendet sich an andere Kinder in ähnlicher Situation. Sie ruft ihnen zu: "Verhindert, dass sie sich streiten! Heult los, wenn sie es tun." Und dann gibt sie Eheberatung.
Sie schlägt vor, dass man sein Taschengeld zusammenkratzen solle, um den Eltern mal ein schönes Abendessen zu spendieren. "Wenn ihr nicht so viel Taschengeld habt, dann könnt ihr ihnen auch so einen gemütlichen Abend machen z.B. mit Kerzenlicht und Musik. Vielleicht bringt es eure Eltern wieder etwas näher zusammen." Soweit hat es die hedonistische Elterngeneration getrieben - Kinder kratzen ihr Taschengeld zusammen, damit sie sich nicht von ihr im Stich gelassen werden!
Auch eine neue Patchwork-Familie ersetzt den Verlust der leiblichen Eltern nicht. Der Ersatzpapa, die Ersatzmama werden oft genau als das erlebt: als Ersatz. Nach Tod und Scheidung ist es interessanterweise die Wiederheirat eines Elternteils, die den grössten seelischen Stress für Kinder verursacht - sie wollen einfach nicht glauben, dass Menschen ersetzbar sind, besonders nicht solche, zu denen sie eine Liebesbeziehung haben.
Ich glaube, dass Kinder die positive Identifikation und Auseinandersetzung mit beiden brauchen, mit Mutter und Vater. Vor allem brauchen sie Kontinuität. Sie brauchen das Vertrauen darauf, dass sie nicht verlassen werden.
In unserer Scheidungsgesellschaft erleben sie das Gegenteil: Dass Loyalität und Vertrauen nicht viel zählen, und dass im Grunde jeder ersetzbar ist. Dass die Isolationsängste und die Bereitschaft zu Gewalt und Kriminalität unter Jugendlichen so explosionsartig gestiegen sind, hängt ursächlich mit diesen Verlusten an Geborgenheit und Sicherheit zusammen - nur keiner will es sehen, wie die aktuelle Diskussion zeigt.
Besonders diese These, nämlich dass die vaterlose Gesellschaft auch dem rechtsradikalen Rand jugendlichen Nachschub zutreibt, stiess auf heftigen Widerspruch. Sie ist wohl die politisch ungemütlichste in meinem Buch, denn sie entzaubert die vermeintlich sanfte feministische Erziehung, die Väter als Altlast ausbooten möchte, als Humbug.
Ich möchte meine These noch einmal bekräftigen, und zwar mit einem Zitat des Therapeuten Bert Hellinger: "Die Rechtsradikalen rächen ihre verachteten Väter. Da kommt das Männliche in seinem Zerrbild hoch, weil das Männliche im Vater verachtet worden ist. Und zwar von den Müttern. Die Rechtsradikalen sind eigentlich vaterlose Gesellen."
Das Thema wird bleiben, und es wird an Brisanz zunehmen. Wir beginnen zu begreifen, dass die Vaterlose Gesellschaft in die Katastrophe führt. Das vorliegende Buch sollte helfen, die Diskussion weiterzuführen.
Das neue Kindschaftsrecht, das seit 1. Juli 1998 Geltung hat, ist ein erster Schritt. Es stärkt die Rolle der Kinder, die Anspruch auf beide Elternteile haben. Und es stärkt die Rolle der Väter nach einer Trennung. Sie, so will es der Gesetzgeber, sollen nicht einfach aus dem Leben ihrer Kinder gestrichen werden können. Ihnen soll, in der "Nachscheidungsfamilie", die Mitwirkung an der Erziehung ihrer Kinder garantiert werden. Zumindest auf dem Papier.
Natürlich laufen die feministischen Interessenverbände dagegen Sturm. Und auch Richterinnen und Richter haben oft noch nicht begriffen, was der Gesetzgeber eigentlich will. Noch immer genügt ihnen das Kopfschütteln einer streitbaren Mutter, um den Vater nach einer Trennung auf Dauer auszugrenzen.
In meinem letzten Buch hatte ich bereits über die untergründig wirkenden Vorurteile und männerfeindlichen Reflexe der Justiz geschrieben, die es Vätern auch nach dem neuen Kindschaftsrecht schwer machen wird, zu ihrem Recht zu kommen. In diesem Buch soll ein neues Beispiel nachgereicht werden. Da sitzt eine Feministin und erklärte Gegnerin des neuen Kindschaftsrechts sozusagen im Zentrum der Rechtsprechung, nämlich im Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, und nutzt die Diensttelefone, um eine feministische Zeitschrift zu betreiben (siehe Beitrag "Feminismus über Amtsnummer").
Im letzten Buch hatte ich den Fall des Künstlers Orfeu Adler beschrieben, der seit Jahren daran gehindert wird, seine Tochter zu sehen. Nun ist es, unter der Geltung des neuen Kindschaftsrechts, zu einer erneuten Verhandlung gekommen. Und erneut wurde der Vater ausgegrenzt. Selbst die Annahme der Geburtstagsgeschenke, die er seiner Tochter im Gerichtssaal übergeben wollte, wurde verweigert.
Der Richter stützte sich mit seiner Entscheidung auf ein Gutachten, das starke Spannungen zwischen den Eltern attestierte. Diese Spannungen zwischen den Eltern wären dem Kindeswohl abträglich. Nun: Ich - und wohl jeder andere auch - würde wohl besonders starke "Spannungen" zeigen, wenn mir mein Kind genommen würde. Und das soll zum Ausschlussgrund werden?
In dem Kapitel "Dokumente" werden dieses und andere haarsträubenden Urteile vorgestellt. Die Namen der Beteiligten sind anonymisiert, hier genauso wie in den Fallgeschichten. Besonders in ihnen, in den Erzählungen aus der nachehelichen Feuerzone, riskieren Männer, die Klartext reden, die totale Ausgrenzung. Ihre Frauen sitzen am längeren Hebel. Sie bestrafen mit dem Entzug der Kinder. Wer sich hier Luft macht, kann es nur anonym, aus dem rhetorischen Untergrund heraus tun. Vielleicht ist dieser Zwang zur Identitätslöschung die grösste Kränkung: Der Diskurs ist unfrei geworden.
Sicher, in vielen Fällen kommt es nicht auf Namen an, sondern auf Strukturen. Manchem jedoch kommt es gerade auf Namen an. Oft drängt es einen, der Unrecht erleidet, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Es ist ein natürlicher Reflex. Er will, wo er auf dem Instanzenweg unterliegt, an das gesamtgesellschaftliche Gewissen appellieren können, um wenigsten dort symbolisch Genugtuung zu erfahren. Er will Ross und Reiter nennen. Wer nicht über sein Unrecht sprechen darf, erstickt daran. Doch die, die es tun, werden zusätzlich bestraft. Urteile, in denen Vätern Strafen von 500.000 Mark angedroht werden für den Fall, dass sie sich an die Öffentlichkeit wenden, sind mittlerweile keine Seltenheit mehr.
Unbeeindruckt davon suchen Väter weiterhin die Gegenöffentlichkeit. Sie zeigen zivilen Ungehorsam. Sie wissen: Es geht ja nie nur um ihren Einzelfall, nie nur um das juristische Detail - es geht immer ums grosse Ganze, um Rechtsprechungstrends und politische Diskurse. Es gilt, jene Terrains zurückzuerobern, die die feministischen Wortführerinnen in den letzten Jahren mit ihren männerfeindlichen Kampagnen besetzt haben.
Auch im umkämpften neuen Kindschaftsrechts geht es nie nur um die Kinder. Feministinnen boykottieren das Recht, um Männer schlechthin zu erledigen. Die meisten dieser Kämpferinnen sind selber ohne Kinder. Ihnen geht es nicht um Kinder. Ihnen geht es um die Chance, Familienväter zu schikanieren und in den Familienvätern den Mann.
Umgekehrt also dürfen Männer, die um ihre Kinder kämpfen, nie nur darum kämpfen. Sie müssen um ihre Rechte als Männer kämpfen, um Rechte, die ihnen genommen wurden. Es geht hier um männliche Identität, die man sich nicht von einem summenden, zeternden, kreischenden Feminat rauben lassen sollte. Immer wieder wies ich auf meinen Lesungen darauf hin: Ihr habt das verdammte Recht, empört zu sein - nicht nur um der Kinder, sondern um eurer selbst willen.
Beide Lager ahnten, dass bereits in meiner Spiegel-Reportage über den "entsorgten Vater" Grundsätzlicheres verhandelt wurde. Auch deshalb waren die Reaktionen so grell. Sie addierten sich, sowohl in Zustimmung wie in empörter Ablehnung, zu einem drastischen Kaleidoskop des Geschlechterkampfes - in dem Kapitel "Kampflärm" sind sie in Auszügen noch einmal nachzulesen.
In diesem Buch melden sich Männer und Frauen unerschrocken gegen die feministischen Sprechverbote zu Wort. Sie werden weiter sprechen. Sie werden sich nicht mehr unterbrechen lassen. Und sie werden die Lautstärke erhöhen - bis sich die Verhältnisse ändern.
I. Briefe von Männern und Frauen
Bernhard M., Ergotherapeut, und Hannelore, damals schon alleinerziehende Mutter, wünschen sich ein gemeinsames Kind. Noch vor der Geburt leben sie sich auseinander. Zeugung und Geburt (April 1994) von Sohn Marek sind für Bernhard M. ein sehr bewegendes Ereignis. Die ersten sechs Monate mit dem Kind zählt er zur schönsten Zeit seines Lebens. Ein halbes Jahr nach der Geburt muss er die gemeinsame Wohnung verlassen - damit beginnt sein zäher Kampf um die Aufrechterhaltung des Kontaktes mit seinem Sohn.
Jugendhilfe und Gericht sehen sich ausserstande, Kind und Vater zu helfen. Seit März 1995 hat Bernhard M. seinen Marek 4,5 Stunden gesehen.
Sein Bericht zeigt darüber hinaus, wie er die Verbindung zu seinem Sohn auch auf andere Art zu halten versucht.
Anton G., freischaffender Musiker, hat 1978 eine Affäre mit Frau S. Diese dauert eine Woche. Er fragt nach der Verhütung - sie antwortet, er solle sich keine Sorgen machen.
13 Jahre später erhält Herr G. einen Brief vom Jugendamt: Er soll für seine Tochter L., geboren 1979, Kindesunterhalt für Vergangenheit und Zukunft zahlen - was ihm äußerst schwer fällt.
Herr G. zahlt, so gut es eben geht. Anfangs noch voller Hoffnung, einen Kontakt zu Tochter herstellen zu können, muss er erkennen, dass er als Samenspender und Zahlesel missbraucht worden ist.
Die Mutter fördert den Kontakt nicht, die Tochter lehnt ihn ab, verachtet ihn - und seine bis dahin gut funktionierende Ehe mit Frau U. scheitert nach 10 Jahren.
Am Ende: "Abzocken nach Drehbuch" - Zitiert aus der Zeitschrift "Cosmopolitan", 10/1998 - dies ist keine Satire: "So werden Sie Singlemutter"
Horst S. wird mit der "Atombombe im Scheidungskrieg" konfrontiert: Er soll sich an seiner 3jährigen Tochter Karin vergangen haben, so lautet der Befund eines nach feministischen Glaubenssätzen arbeitenden Instituts. Für S. beginnt ein zähes Ringen nicht nur vor Gericht. Er wehrt sich in aller Öffentlichkeit und stellt sich den Vorwürfen. Gleichzeitig gelingt es ihm aber, besonnen und authentisch zu bleiben. Er vermeidet jede Eskalation und verzweifelt auch nicht, als seine Ex-Frau sich über Gerichtsbeschlüsse hinwegsetzt und seinen Umgang mit dem Kind boykottiert.
Nach drei Jahren und drei Monaten ist das Verfahren beendet: Der Vater erhält das Sorgerecht für Karin. Sie zieht zu ihrem Papa. Begründung des weisen Richters: Auch nach Ausräumung des Missbrauchsverdachts hatte die Mutter den Vater-Tochter-Kontakt verhindert. Wegen dieser fehlenden "Bindungsakzeptanz" sei der Vater wesentlich geeigneter für das Sorgerecht. Der Bericht von Horst S. enthält Empfehlungen für vergleichbare Fälle.
Nach zehnjähriger Ehe zieht Paul K. aus der gemeinsamen Wohnung aus. Heute hat er den Eindruck, dass seiner Frau "der Freizeitwert nicht mehr hoch genug war - da hat sie eines Tages ihre Freizeit mit jemandem aus dem Bekanntenkreis gestaltet und sich wohl in ihn verliebt."
Bei der Mutter bleiben Klara (10) und Martin (7). Gerichtlich und dann auch gutachterlich wird der Wille der Kinder geprüft - sie wollen nämlich zum Vater, der dann auch das Sorgerecht beantragt. Zwar wird auch in einem psychologischen Gutachten belegt, dass die Kinder gute Gründe dafür haben, aber schlussendlich bleiben sie bei Muttern.
Paul K. muss warten. Seine Kinder auch.
Richard G. ist Fernseh-Techniker. Ein halbes Jahr nach der Geburt seiner Tochter verschwand die Kindesmutter mit ihr. Er schildert, wie er um seine Tochter kämpfte, wie der Zufall ihm zu Hilfe kam und wie das Jugendamt bis fast zuletzt versuchte, ihm die Vaterrechte streitig zu machen.
6.) Drei Briefe an Lauras Mutter
Herbert K. ist der nichteheliche Vater von Laura M., geboren 1988. Die Eltern trennen sich, als Laura vier Jahre alt ist. Im Oktober 1993 stellt Herbert K. den ersten gerichtlichen Umgangsantrag, der im März 1994 positiv beschieden wird. Ab Dezember 1994 beginnt ein zähes Ringen darum, dass der beschlossene Umgang auch stattfindet - ohne jeglichen Erfolg: Bis 1998 werden alle festgelegten Besuchstage durch die Mutter verhindert, alle Amts- und Landgerichtsbeschlüsse, Beschwerderückweisungen und Gutachten bis hin zu Zwangsgeldandrohungen werden missachtet.
Drei Briefe von Herbert K. an die Mutter begleiten diesen Verlauf.
Oft gebe ich der Fiktion den Vorzug vor der Wirklichkeit. Deshalb phantasiere ich folgende Situation:
- Ich bin der Vater eines kleinen Jungen, dem seit Jahren der Kontakt
zu mir verweigert wird.
- Dieser Junge heisst Jack Deepfreeze (nach dem Mutternamen), seine Mutter
heißt Pussy Deepfreeze, seine ältere (Halb-)Schwester Ann Deepfreeze
und sein Nennpapa Cut Loser.
- Ich liebe diesen Jungen sehr und würde deshalb häufig darüber
nachdenken, was ich Gutes für ihn tun könnte.
- Ich würde einsehen, dass ich unter den geltenden rechtlichen Bedingungen
und angesichts der Dummheit von Richtern und Jugendamtsbütteln, die
mehrheitlich nach dem "kranken Menschenverstand" handeln, keine
Chance hätte, für meinen Sohn so dazusein, wie ein Sohn das braucht
(das weiss ich, weil ich ja selbst ein Sohn bin).
- Ich würde verzweifelt darüber nachdenken, wer an meiner Stelle
diese Rolle im Leben meines Sohnes übernehmen könnte, wenigstens
annähernd.
Und so würde ich im schmerzlichen Bewusstsein, mein Liebstes für immer zu verlieren, folgenden Brief an Cut Loser schreiben.
Peter L. ist ehemaliger Polizist und Reitlehrer. Er war fünf Jahre verheiratet, bis ihn seine Frau mit den beiden zwei- und vierjährigen Töchtern verließ. Er zahlt Unterhalt und darf nun, nach anfänglichen Widerständen der Ex-Frau, seine Töchter alle 14 Tage sehen. Zur Zeit klagt er auf eine Erweiterung seines Umgangsrechtes.
Monika V. ist Mutter von drei Kindern, zwei Töchter aus erster Ehe, inzwischen erwachsen - und ein Sohn, Matthias, heute 14 Jahre. Nach langjähriger Ehehölle mit H. - zuletzt lebt die 5-köpfige Familie in Italien - geht Monika V. mit ihren beiden Töchtern zurück nach Deutschland, den Sohn lässt sie beim Vater. Ohne Unterstützung durch ihren Ex-Mann baut sie sich und den beiden Kindern mühsam eine neue Existenz auf.
Der Kontakt mit Sohn Matthias läuft schleppend. Dann darf er doch besuchsweise zur Mutter - und entschliesst sich zunächst zu bleiben. Der Vater reist an - und Matthias will doch wieder mit ihm gehen. Seitdem hat Monika V. keinen Kontakt mehr zu ihrem Sohn. Jetzt hat auch sie ein Kind, dass sie "nicht mehr sehen will".
Oskar L., selbst Vater von vier Kindern aus zwei Ehen, berichtet von seiner vaterlosen Kindheit und seiner Verwirrung, weil ihm nach der Trennung niemand die Frage beantworten konnte: "Wo ist Daddy ?"
Als auch seine zweite Ehe in die Krise kommt, entscheidet sich Oskar L. für eine Psychotherapie. Die Diagnose: "Traumatisches Kindheitserlebnis, genauer: Verlust der Liebe zu dem Vater."
Oskar L. findet seinen Vater wieder. Es bleibt die grosse Sehnsucht nach Wiedervereinigung - mit beiden Eltern.
Lothar G. ist nichtehelicher und ein sozialer Vater - und damit selbst nach der Kindschaftsrechtsreform ohne jedes Recht auf Sorge oder Umgang.
Seinen Sohn kennt er seit der Geburt und hat ihn seit dem fest in sein Herz geschlossen.
Die Eltern haben es von Anfang an nicht leicht miteinander. Auch Lothar G. erlebt, wie es einem gehen kann, wenn die Mutter das Kind in die Auseinandersetzungen hineinzieht - und leidet.
Nach einer Phase der Neuorientierung - und diverser Umgangsboykotte - findet er Wege, nicht nur den Kontakt zu seinem Sohn dauerhaft sicherzustellen, sondern auch mit der Mutter wieder auf gleiche Augenhöhe zu kommen.
Und er macht sich nicht zuletzt Gedanken darüber, wie das Kind mit möglichst wenig Schäden den Krieg der Eltern überlebt. Eine Erfolgsgeschichte - für den Vater, für den heute 8-jährigen Sohn und eigentlich auch für die Mutter.
Gerald S. war Ende der 70er Jahre einer der ersten "neuen Väter" - er kümmerte sich zumindest genauso wie die Mutter um die gemeinsame, nichteheliche Tochter Anna. Als Anna 3 Jahre alt ist, packt die Mutter das Kind ein und zieht zurück zu ihren Eltern - 500 km entfernt vom Vater, der ohnmächtig zurückbleibt.
Seine profeministische Einstellung von damals ließ weder ein selbstbewusstes Auftreten noch ein entsprechendes Anspruchsbewusstsein zu. So steht er an einem Novembertag in der verlassenen Wohnung und denkt über einen Neuanfang - ohne Tochter - nach ...
Erst acht Jahre später ist er in der Lage, seine Position - und die der Tochter - gegenüber der Mutter deutlich und klar darzustellen, wenn auch zunächst nur in einem Brief.
Zunehmend wird das Internet von Verzweifelten genutzt, um Gegen-Öffentlichkeit herzustellen. Die nachfolgenden Zeilen aus dem Oktober 1998 - eine Art Abschiedsbrief - standen im Diskussionsforum der deutschen Väter-Newsgroup (de.soc.familie.vaeter).
14.) Was habt ihr aus mir gemacht?
Jan L. hatte von meinem Buch gehört und meldete sich mit einem nicht gekennzeichneten Fax. Kurz darauf rief er an. Er verriet mir nicht, wo er steckt - die Gründe dafür lassen sich in dem nachfolgenden Brief nachlesen.
Aus der Ehe von Thomas R. und seiner Frau gehen drei Kinder hervor. Eines Tages kracht es - es folgt die unmittelbare Trennung, die Mutter verlässt das Haus. Vater kümmert sich um die beiden Töchter und den Sohn. Nach gerichtlichen Auseinandersetzungen werden die Kinder aufgeteilt. Mittlerweile sind die Kinder wieder zusammen und leben bei ihrem Vater, einem Alleinerziehenden, der Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen hat.
II. Briefe von Kindern
III. Essays
1. Wera Fischer: Wieviel Vater braucht ein Kind? 13 Fragen - 13 Antworten
2. Günter Franzen: Die Artisten im Frauenzirkus
- ratlos
- 30 Jahre deutsche Männerbewegung -
3. Christine Knappert: Aufklärungsnotstand - Entscheiden professionelle Scheidungsbegleiter ahnungslos falsch?
Der Scheidungsprozess wird von Familienrichtern, Jugendamtsmitarbeitern und Psychologen begleitet. Sie entscheiden über den schwierigsten Streitpunkt: die Kinder - oft für einen der Betroffenen falsch. Proteste hageln. Nehmen diese Profis die Entwicklung nicht wahr, sind sie zu wenig über den Forschungsstand informiert? Welche Anforderungen werden an sie gestellt und warum werden sie diesen oft nicht gerecht?
4. Matthias
Matussek: Feminismus über Amtsnummer
- Der Fall Sabine Heinke und das
Bundesverfassungsgericht -
5. Ursel Maurer: Schicksal Jugendamt
Ursel Maurer, Mutter von zwei leiblichen Kindern, wird Mutter der Pflegetochter Tanja, ein Problemkind. Später bescheinigt man ihr, wie gut sie für das Kind war.
Mit 14 Jahren (sie war 13 Jahre in der Familie von Ursel Maurer) soll es für Tanja einen neue Wege geben. Das Jugendamt entscheidet - gegen den Willen der Pflegefamilie - ein "betreutes Wohnen" für Tanja. Das ist der Beginn eines neuen Leidensweges für das Kind. Ihre Pflegemutter nimmt es nicht hin, dass das Jugendamt unkontrolliert Schicksal spielt. Mittlerweile hat sie die Stuttgarter "Initiative Jugendamtsgeschädigte" gegründet, für die sie über 500 Fälle dokumentiert hat. Ein Buch ist in Vorbereitung.
6. Fehler im Trennungskonflikt
Bei der Arbeit mit Trennungsvätern (bisweilen auch -müttern) in der Selbsthilfe haben wir folgende Erfahrungen mit den Betroffenen gemacht, die ich weitergeben möchte.
IV.) Dokumentationen
1. Licht und Schatten - Erste Urteile nach der Reform
Seit dem 1. Juli 1998 gibt es ein neues Kindschaftsrecht. Viele Hoffnungen von Vätern und Müttern sind damit verbunden: Das Umgangsrecht mit beiden Eltern wurde vom Gesetzgeber deutlich aufgewertet - vor allem für die nichtehelichen Väter -, das gemeinsame Sorgerecht wird zum Regelfall. Wir dokumentieren und kommentieren im folgenden die ersten Urteile zu Umgang und Sorge.
2. Notkasse und Trillerpfeife - Eine Frauenhausmitarbeiterin packt aus
3. Wenn Anwälte mit Benzin löschen
Dieter M. lebt zehn 10 Jahre mit Beate unter einem Dach. Sie haben einen gemeinsamen Sohn von sechs Jahren. Da die Mutter studiert, kümmert sich der Vater überwiegend um den Sohn. Anfang 1998 knallt es. Dieter M. gibt der Mutter während einer Auseinandersetzung eine Ohrfeige. Die Mutter zieht mit ihrem Kind zu ihren Eltern, die fortan die Betreuung des Kindes übernehmen. Das Kind darf den Vater seit dem nicht mehr sehen.
Dieter M. bittet das Jugendamt um Vermittlung. Die Mutter ist allenfalls zu einem betreuten Umgang einmal im Monat bereit, was dem Vater bei weitem nicht reicht. Es kommt zum gerichtlichen Umgangsantrag, das Jugendamt unterstützt das Umgangsbegehren des Vaters.
Im folgenden zunächst die Stellungnahme des Jugendamtes vom Oktober 1998. Danach das Schreiben, vier Wochen später, in dem der Anwalt der Kindesmutter die Vater-Sohn-Beziehung zerlegt.
Im ersten Teil dieses Buches schilderte Horst S. seinen Kampf gegen die Verleumdung, er habe seine Tochter missbraucht ("Wird sie mich erkennen?"). Doch die Mutter und die Gutachter standen in dem zermürbenden Krieg gegen den Vater nicht alleine. Ein Zeitungsmann griff die Sache auf und machte gegen den Vater Stimmung - und lässt sich von "Emma" dafür feiern. Horst S. konfrontiert die überhitzten Fantasien und Verzerrungen eines selbsternannten Kreuzzüglers mit den Fakten seines Falles: Wer schützt mein Kind vor Detlef Drewes?
5. Der Illegale - ein Telefonmitschnitt
Herbert A. ist nichtehelicher Vater von Feli. Ab ihrem ersten Jahr kümmern er und seine Familie sich nahezu alleine um das Kind, denn die chinesische Mutter ist in Sachen "Heilpraktiken" weltweit gefordert. Sie gerät in den Bannkreis einer fernöstlichen Sekte und deren "Meister". Feli wird krank, darf aber Medikamente wie Penicillin nicht bekommen, da sie den "Heil"-Grundsätzen der Sekte widersprechen.
Als Feli 4 Jahre alt ist, trennt sich die Mutter endgültig von A., ist aber bereit, ihm das Kind gegen einen höheren Geldbetrag zu überlassen. A. verweigert die Zahlung. Die Mutter nimmt Feli mit - ohne Bekanntmachung des Aufenthaltsorts.
Herbert A. recherchiert und findet die Mutter samt Feli in Berlin wieder. Er erfährt über Dritte über seltsame Vorgänge innerhalb der Sekte - auch seine Tochter betreffend.
Erneut beginnen Verhandlungen - ohne Ergebnis. Herbert A. darf seine Tochter nicht sehen - Gericht und Jugendamt stützen die Haltung der Mutter. Herbert "entführt" seine Tochter zum ersten Mal - und wird geschnappt. Er hat sich ins Unrecht gesetzt.
Auch seine weiteren Anträge auf Umgang bleiben unbearbeitet. Nach einem Jahr "entführt" er seine Tochter zum zweiten Mal, diesmal "erfolgreich" - bis heute hat niemand "Zugriff" auf ihn und Feli, sie sind untergetaucht.
Aber er will eine - auch juristische - Lösung. Immer wieder spricht er verschiedene Institution mit der Bitte um Vermittlung an. Auch die Anwältin seiner Frau, eine bekennende Feministin, wird kontaktiert - von seiner neuen Lebenspartnerin T. Hier das Gesprächsprotokoll.
Hartmut V., unterhaltspflichtig für seine drei bei der Mutter lebenden Kinder, hat seinen Einkommenssteuerbescheid erhalten. Mit Hilfe seines Taschenrechners kommt er zu dem eindeutigen Ergebnis: Fast ein Viertel Mehrbelastungen für ihn, ca. ein Fünftel mehr Geld für die Mutter ergibt der Vergleich von 1995 zu 1997.
Neben der daraus resultierenden Belastung des Elternverhältnisses reißen die Tageszeitungsmeldungen über die unterhaltsflüchtigen Väter nicht ab, die Leistungen der Unterhaltsvorschusskassen haben sich innerhalb von fünf Jahren verzehnfacht. Wundern tut sich niemand ...
Silke hat ihren Vater seit Juni 1993 kaum und seit Juni 1994 gar nicht mehr gesehen - fünf Jahre sind vergangen. Vor den Gerichten - bis hin zum Bundesverfassungsgericht - stritt ihr Vater , Dr. Bertold S., für das Umgangsrecht mit der Tochter, das ihm von der Mutter und Ex-Frau beständig erst beschnitten, dann faktisch verweigert wurde - trotz entgegenstehender gerichtlicher Beschlüsse. Inzwischen macht er vorrangig die Verzögerungstaktik der Gerichte für die Distanz zwischen Vater und Tochter verantwortlich.
Den Trennungs-Unterhalt hatte er gekürzt, weil ihm seine Ex-Frau den Umgang mit der Tochter verweigerte. Diese Kürzung wurde inzwischen vom Oberlandesgericht als nicht rechtmäßig bewertet: Er musste nachzahlen. Und die Mutter, so das Gericht, sollte Vater und Tochter wieder zusammenkommen lassen.
Nach vier Jahren Kampf und Umgangsboykott erreicht der Vater einen Umgangsbeschluss über "1,5 Tag im Jahr". Bundesverfassungs- und Oberlandesgericht halten das für mit dem "Kindeswohl" vereinbar. Gleichzeitig ignorieren sie den Umstand, dass der gerichtlich zugestandene Umgang tatsächlich nicht stattfindet ...
Die einzige Hoffnung, die man Dr. Bertold S. in einem Gespräch mit dem Jugendamt machen konnte, war die, dass Silke selbst irgendwann einmal - mit 14, 15 oder 16 Jahren vielleicht - mehr über ihren Vater wissen wolle und dann den Kontakt zu ihm suchen würde.
Dr. Berthold S. fasst das Ergebnis von vier Jahren Kampf durch alle deutschen Instanzen zusammen. Es bleibt die Frage: "Was ist eigentlich Umgang?"
Ibrahim B. ist deutscher Staatsbürger algerischer Herkunft und lebt Berlin. Sein Fall illustriert die Paradoxien des Geschlechterkampfes: Seine Frau wurde dem Kind gegenüber gewalttätig, aber ihm wurde der Umgang verweigert. Sie verschwand im Frauenhaus, und tauchte ebenso unvermutet wieder in der Wohnung auf. Offiziell behauptete die Frau, sie habe Angst vor ihm. Doch heimlich traf sie sich. Hinter den offiziellen Schlachtreihen setzten sie ihre Liebesbeziehung fort und leben heute wieder zusammen.
9. Missbrauch - Protokoll eines Gerichts-Termins
Betriebswirt Hans M., 50, lernte seine Frau Beate Anfang der neunziger Jahre kennen. Der gemeinsame Sohn Anton kam 1992 zur Welt, ein Jahr später folgte Tochter Claudia. Ende 1996 trennte sich seine Frau von ihm und zog ins Frauenhaus. Er durfte seine Kinder in unregelmäßigen Abständen sehen. Im Sommer 97 waren die Kinder drei Monate lang bei ihm, weil die Mutter in die Nervenheilanstalt eingeliefert wurde.
Ab Mai 1998 verweigerte die Mutter M. die Umgangsrechte und erhob gleichzeitig, mit Unterstützung des Jugendamtes, Anschuldigungen wegen sexuellen Mißbrauchs. Der Wortlaut der Beschuldigungen lehnt sich stark an Passagen des "Handbuch gegen sexuelle Gewalt" des Vereins "Zartbitter" an.
Haltlose Vorwürfe. Ominöse Rötungen im Genitalbereich der Tochter etwa waren simpel auf ein von der Mutter verabreichtes Medikament zurückzuführen, das Juckreiz auslöste - die Kleine hatte sich gekratzt. Dennoch muß M. seither um seinen Ruf kämpfen und das Recht, seine Kinder zu sehen. Die Kommune, Dienstherrin des Jugendamtes, hat er auf Schadensersatz verklagt.
Da die Anschuldigungen nie untermauert werden konnten, ordnete die Richterin begleiteten Umgang an (Siehe Kapitel "Licht und Schatten - Urteile"). Als auch dieses Urteil ignoriert wurde berief die Richterin die Streitparteien und die Kinder zu sich.
M. schildert den Verlauf dieses Termins, die Feindseligkeiten und vorsichtigen Annäherungen, das komplexe Verhalten der Kinder und das einer sehr umsichtigen Richterin.
M.’s Zeilen sind an den Leiter des Jugendamtes gerichtet, mit der Aufforderung, seine übereifrigen Mitarbeiterinnen endlich daran zu hindern, seine Familiensache negativ zu beeinflussen.
10. Umgangsrecht für einen Hund
Ende 1997 machte eine Gerichtsentscheidung die Runde in Väterkreisen, die einem geschiedenen Mann ein Umgangsrecht mit dem ehemals gemeinsamen Hund einräumte. Das Urteil, das in der nächsten Instanz wieder aufgehoben wurde, liest sich wie die ultimative Satire auf unsere Scheidungsgesellschaft. Ein übrigens fortschrittliches Urteil: Immerhin wurde in ihm auf ein Umgangsrecht erkannt - manche Väter streiten jahrelang erfolglos um den Umgang mit den eigenen Kindern.