Missbrauch - Protokoll eines Gerichtstermins


Vorab bemerkt: Frau Richterin L. erwies sich, sicher auch für Carolin und Gunnar, als warmer Mensch, dem sie Vertrauen schenken und ihr Herz ausschütten konnten. Ich erkannte schnell, dass sie für mich nicht nur eine herausragende Richterin, sondern wohl auch eine pädagogisch erfahrene Erzieherin und Mutter ist. Die Anwesenheit von Frau M. - Leiterin des Kindergartens meiner Kinder - war eine glückliche Fügung.

Als ich am Befragungszimmer ankam, war niemand anwesend. Meine Tasche, die ich auch beim Zusammensein mit Gunnar am 28.10.99 im Jugendamt dabei hatte, habe ich im Warteraum abgestellt und aus dem Fenster geschaut, als ich Gunnars Schritte und Stimme aus dem Treppenhaus vernahm.

Ohne mich umzudrehen, hörte ich, wie die Glastür zum Vorraum geöffnet wurde und ihre Mutter Beatrice, als sie mich vernahm, die Gruppe wieder aus den Raum führte.

Nach geraumer Zeit bin ich auch ins Treppenhaus gegangen, wo Gunnar sich oben am Treppengeländer festhielt und seiner Mutter nicht nach unten folgen wollte, Beatrice stand einige Stufen tiefer auf der Steintreppe zu Gunnar umgedreht, und hielt Carolin an ihrer Hand fest. Dazwischen stand Frau M., Gunnar zugewandt, mich durch die Glastür erblickend.

Zunächst sprach ich Gunnar an, "Hallo Gunnar, - erkennst, Du mich?"

Gunnar blieb schüchtern an seinem Platz stehen und nickte mir nur zu.

Ich fragte ihn "Wollen wir uns guten Tag sagen?", ging auf ihn zu und hockte mich am Abgang der Treppe neben ihn. Ich begrüßte auch Carolin sowie Beatrice und Frau M., die ich erst jetzt erkannte, und fragte Carolin "Erkennst Du mich auch wieder? - Wollen wir uns auch guten Tag sagen ?"

Carolin nickte mir schüchtern zu, konnte sich jedoch zunächst nicht von der Hand ihrer Mutter lösen.

Gunnar ergriff die Initiative, er sagte: "Papa, ich weiß, warum Du hier bist, - wir wollen jetzt wieder eine Familie sein." - "Mama", die Hand abwehrend zu Beatrice ausgestreckt -, "aber nicht wieder streiten", - zu mir: "Papa, - keine Briefe mehr schreiben".

Ich sagte zu Gunnar "Wir wollen mal sehen, - ich hoffe, ich werde keine Briefe mehr schreiben müssen."

Gunnar fragte mich "Hast Du Dein altes Auto wieder bekommen ?" - Die Kinder liebten es, in dem alten "Space Waggon" hinten zu sitzen, wo sie viel Platz hatten. Ich tröstete ihn und sagte, "Leider nicht, das alte Auto war kaputt, aber das neue ist auch ganz schön, auch wenn es kleiner ist".

Gunnar zeigte mir seinen Teddy, den er unter seiner Jacke bei sich trug, den ich so manche Nacht suchen musste, weil er ohne ihn nicht schlafen konnte, zeigte auf den Arm des Teddys, der sich löste und dem ein Stück Fell fehlte und fragte mich, "Papa, kannst Du das wieder reparieren ?" Ich tröstete ihn und sagte "Das reparieren wir gemeinsam".

Nach geraumer Zeit löste sich Carolin von der Hand ihrer Mutter, kam zu mir die Treppe hoch und nahm mich in den Arm.

Ich begrüßte sie herzlich, nahm sie auf meinen Arm und sie machte Nasereiben, so wie früher.

Ihr rutschte das Stirnband über ihre Augen und es entwickelte sich daraus ein Spiel, "kannst Du mich noch sehen ?"

In der Zeit war RA E., der Anwalt meiner Frau, die hohe Steintreppe heraufgekommen, dem Beatrice entgegen ging. Die beiden sprachen leise miteinander. Beatrice kam zu mir, nahm Carolin von meinem Arm und entfernte sich mit ihr die Treppe hinunter.

Ich fragte RA E., der zu intervenieren versuchte, was er hier zu suchen hätte. Er erklärte, da? er als Beistand meiner geschiedenen Frau ein Recht hätte, hier anwesend zu sein.

Gunnar sagte jetzt energischer "Aber hier nicht streiten !" Ich beruhigte ihn und sagte "Keine Angst Gunnar, ich streite nicht".

E. bemerkte bissig "Übrigens, Herr M., sollten Sie mir nochmals ein Fax schicken, werde ich das gleich in den Papierkorb schmeißen." - Ich hatte von ihm Schadensersatz wegen vorsätzlicher Anstiftung zur Umgangsvereitelung und zum Rechtsbruch gefordert. Ich sagte zu ihm, "Das dürfen sie gerne machen, aber besser wäre es, sie würden meine Schreiben auch lesen".

Ich hatte mich etwas von der Treppe entfernt und Gunnar kam schutzsuchend zu mir. Auch Carolin harte sich wieder frei gemacht, von ihrer Mutter und kam zu mir. Ich habe mich zu ihnen gehockt.

RA E. intervenierte. "Herr M., Sie haben hier überhaupt kein Umgangsrecht!" Ich antwortete, "Her E., das liegt nicht in Ihrem Ermessen".

In aller Ruhe habe ich weiter mit Carolin und Gunnar gesprochen, über Carolins hübschen Schal und was alles darauf zu sehen war, Lama, Kakteen, ein kleiner Indio usw. - Frau M. hat mit etwas Distanz die Situation verfolgt. -

Als Frau Richterin L. durch die Tür trat, nahm Beatrice unsere Kinder an die Hand, ging von mir weg, zu RA E. zur Treppe hin. - Ich richtete mich aus der Hocke auf.

Frau L. begrüßte uns und bat Gunnar und Carolin "Na ihr zwei, kommt ihr mit ?" Gunnar und Carolin wurden jedoch von ihrer Mutter festgehalten.

Ich fragte Gunnar "Kennt Ihr Frau L. ?" Frau L. wandte sich jetzt den Kindern zu und sagte vertrauensvoll "Wir kennen uns, - nicht Gunnar, wir haben uns doch verabredet". Gunnar und Carolin lösten sich von ihrer Mutter, fassten Frau L. an die Hand und folgten ihr.

Beatrice, RA E. und Frau M. wollten der Richterin durch die Glastür folgen, ich blieb an der Treppe stehen.

Beatrice sagte zur Richterin "Ich möchte aber mitkommen". RA E. intervenierte, er hätte das Recht seiner Mandantin beizustehen.

Richterin L. erklärte "Ich habe die Kinder geladen. Sie nicht."

Beatrice intervenierte "... aber Frau F. durfte auch bei Richter C. dabei sein." Richterin L. "... bei mir nicht, - ich möchte die Kinder sprechen, - Sie können hier warten." - Frau L. ging zügig mit den ihr bereitwillig folgenden Kindern durch die Glastür in das Besprechungszimmer.

RA E. und Beatrice zogen sich daraufhin in den hinteren Bereich des Treppenhauses zurück, während Frau M. an der Treppe stehen blieb. Ich habe mich in den Warteraum neben meine Tasche gesetzt.

Die Gerichtsräume haben, für mich überraschend, eine gute Akustik und schalldurchlässige Bereiche, so dass ich im Warteraum sitzend, RA E.s und Beatrices Stimmen aus dem Treppenhaus und Geräusche von den Kindern aus dem Besprechungszimmer vernehmen konnte.

Bereits nach kurzer Zeit konnte ich Gunnars Stimme wiederholt laut und empört vernehmen: "Das hat Mama gesagt". - Bei leiserer Unterhaltung, waren die Fragen, die Worte, zumindest von meinem Stuhl aus, nicht zu verstehen. -

Für mich erkennbar konnten die Kinder sehr schnell Vertrauen in die Situation finden und der Richterin ihr Herz ausschütten. Es waren auch Geräusche von Hämmern, Stühlerücken u.a. zu vernehmen, fröhliche Stimmen, die darauf hindeuteten, dass sich die Kinder wohl fühlten.

Nach einer guten halben Stunde kamen Frau M. und Beatrice in den Warteraum. Beatrice stellte sich vor die Tür des Besprechungsraumes und Frau M. lehnte sich an die Wand, mir gegenüber. Ich bot beiden einen Sitzplatz auf den Stühlen neben mir an, was Frau M. dankend ablehnte, sie hätte bereits so lange gesessen.

Frau M. meinte, die Befragung der Kinder würde bereits über eine halbe Stunde andauern, so lange könnten sich Kinder gar nicht konzentrieren. Ich sagte ihr, dass ich keine Bedenken hätte, weil ich Frau L. als erfahrene Mutter erkenne und konnte ihr die auf die Bedürfnisse von Kindern abgestimmt Einrichtung des Zimmers beschreiben.

Frau M. meinte, dass nicht automatisch eine Mutter mit Kindern umgehen könne, sie sei auch keine Mutter. Ich zeigte Verständnis für Ihre Arbeit als Leiterin der kirchlichen Kindertagesstätte, woraus sich ein sehr interessantes Gespräch entwickelte.

Wir sprachen auch über die Situation unserer Kinder, den suggestiven Einfluss von Medien, Vereinen und Anwälten, von Zeitgeisterscheinungen, die zum Missbrauch der Kinder und zu der erleben Art und Weise der Familienzerschlagung führten.

Dazu habe ich Frau M. das "Handbuch gegen sexuelle Gewalt" des Vereins "Zartbitter" überlassen und auf die verallgemeinerten diskreditierenden Behauptungen zum religiösen Bereich und zum Missbrauch in der Familie verwiesen, die realistische menschliche Empfindungen und Erfahrungen im erheblichen Maß verfehlen, jedoch als Beratungsgrundlage von ideologisch fehlgeleiteten Vereinigungen zu erkennen sind.

Beatrice musste unser Gespräch mithören, soweit sie nicht, wie bisher, einfach ihre Sinne selbstsuggestiv abgeschaltet hatte.

Ich bat Frau M., mir zu verzeihen, wenn ich ihr gegenüber einfach "in den Wind" sprechen würde, weil ich bisher keine Gelegenheit hatte, in den Wind zu sprechen.

Frau M. meinte zu erkennen, dass ich nicht einfach in den Wind sprechen würde. Ich sagte ihr, dass es mir um das christliche Verzeihen ginge, um das "sich versagen, Wut und Hass auszuüben", welches helfen würde, auch diese schwierige Situation im Interesse der Bedürfnisse unserer Kinder zu bewältigen.

Nach einer guten Stunde kamen Gunnar und Carolin aus dem Besprechungszimmer, gefolgt von Frau L. und riefen, als sie ihre Mutter sahen, mit hochgereckten, jubelnden Armen "Wir wollen zu Papa, - wir wollen zu Papa ..." und Gunnar fügte zu mir gesprochen hinzu:" ... und wir fahren auch nach S. und schlafen können wir auch bei Dir, Papa, und Weihnachten sind wir auch bei Papa und auch bei Mama und wir wollen gleich mit Dir mitfahren".

Obschon ich stets von der positiven Haltung meiner Kinder zu mir überzeugt war, überraschte auch mich die Situation. Ich musste mich gewollt bemühen, meine Gefühle des Schmerzes über die erlittenen Diskreditierungen und der Freude über die Rehabilitierung durch die Kinder zu überwinden, um nicht Gunnars und Carolins euphorischer Begeisterung und Freude unter Tränen zu folgen.

So versuchte ich ruhig zu Gunnar zu sagen "Das müssen wir erst noch mit der Mama besprechen".

Richterin L. fragte Beatrice: "Was sagen Sie dazu, Frau M.?" Die sagte zunächst nichts, stammelte dann etwas von "... mit Anwalt besprechen", worauf Richterin L. sagte "Das müssen Sie mit ihren Kindern besprechen!"

Gunnar und Carolin waren nun zu mir gekommen und versuchten mich zu bewegen, dass sie gleich mit mir mitfahren durften, das ich sie zumindest nach W. bringen und mit ihnen spazieren gehen würde!

Beatrice sagte "Wir sind doch heute zu S. zum Kaffeetrinken eingeladen", worauf Gunnar sagte "Ihr müsst immer nur Kaffeetrinken, was sollen wir bei S. und ein neues Spiel hat die auch nicht."

Da keine Einigung auf ein Zusammensein mit den Kindern möglich erschien und Frau M. auch drängte, dass sie wieder nach W. müsste, versuchte ich die Kinder damit zu trösten, dass ich sie noch zum Auto von Frau M. begleiten würde. Frau Richterin L. ordnete an, dass sie uns am kommenden Mittwoch um 10 Uhr im Gerichtssaal erwarten würde, um mit den Eltern die Situation zu besprechen. Sie betonte ausdrücklich, dass sie keine weitere schriftliche Einladung schicken würde. "Frau M., Sie können Ihren Anwalt selbst benachrichtigen", und sagte zu Gunnar und Carolin "Eine Woche müsst ihr noch warten".

Als Gunnar und Carolin zu Frau L. "Tschüs" sagten, merkte ich an ihrer Haltung und ihrem breiten Lächeln, dass sie wirklich ein natürliches Selbstverständnis für Kinder hat, sie sich als echter "Anwalt des Kindes" bezeichnen könnte.

Carolin hat mir geholfen, meine Tasche zu tragen und Gunnar hat uns den Weg zum Auto gezeigt. So haben wir gemeinsam mit Frau M. das Gericht verlassen und sind in die Parkgarage gegangen.

Unterwegs haben wir noch einen Apfel gegessen, den ich in, vier Spalten geteilt hatte. Gunnar versuchte sich nochmals zu wehren, wieder in das Auto von Frau M. einzusteigen. Er wollte gern mit mir fahren. Als Frau M. sagte "Ich mu? noch zu einer Sitzung", fragte er keck "Sitzt man da, bei der Sitzung ?"

Als wir uns nochmals an der Ampel begegneten und Gunnar mein Auto erkannte, winkten beide Kinder fröhlich.

Mit welcher Beklemmung sie vor dem Gespräch mit Richterin L., durch die Gedanken ihrer Mutter und Interventionsversuche des RA E., sich gegen die Befangenheit wehrten, so wirkten sie danach fröhlich und ungezwungen, als sie in der Erwartung, bald wieder mit mir zusammen sein zu können, mir erwartungsvoll zuwinkten und ich zurück winkte.


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