paPPa.com trauert: Frank ist tot [Juni 2001]

Frank Dachtler, August 1999

Liebe Familiengerichte, Verfahrenspfleger, Jugendämter, Gesetzgeber etc.

Dieser Aufruf und Hilfeschrei richtet sich an Euch, aber auch an die ganze Gesellschaft.

Was hätte ich denn tun sollen (--> die Geschichte) ? Mich damit abfinden und die Kinder in dieser Situation leiden lassen, bis die Mutter und ihre Familie oder Ihr irgendwann vielleicht doch den Vater als gleichberechtigtes Elternteil akzeptiert und respektiert? Oder mit meiner ganzen Kraft für die Kinder kämpfen, auch illegal ?

Wie hättet Ihr denn gerne deutsche Väter?
Auf der einen Seite jammert Ihr, wie wenig bis gar nicht sich (leider viele) Väter um die Kinder kümmern (Stichworte z.B. Erziehungsurlaub, Haushaltsgesetz),
auf der anderen Seite  muß ein Vater bei Euch mit illegalen Methoden nachweisen, daß er Verantwortung für die Kinder (in meinem Falle m.E.n.: besser) übernehmen kann und auch will.

Mir ist bewußt, es sind in erster Linie und hauptsächlich erst einmal die Eltern an der schlimmen Situation insbesondere für die Kinder schuld. Hierbei ist es egal, wer oder was mehr schuld am Zerbrechen einer Partnerschaft hat.

Eltern-Kind-Beziehungen und das Wohl der Kinder stehen aber auf einem anderen Blatt!

Ist das Euch wirklich auch bewußt? Stellt Ihr nicht nach wie vor bei Euren Sorgerechts- und Umgangsrechtsentscheidungen das Wohl der in Euren Augen grundsätzlich "schutzbedürftigen Frauen" über das Wohl der Kinder und der Männer? Urteilt ihr nicht pauschaliert: gehts der Mutter gut, gehts den Kindern gut? Lebt in Euch nicht das Vorurteil, erstmal alle Schuld bei den "stärkeren Männern" zu suchen?

Wenn eine Frau Emotionen zeigt, ist sie bei Euch schutzbedürftig.
Zeigt sie keine, ist sie für Euch stark und stabil, und somit ideal für die Kinder.

Zeigt ein Mann Emotionen indem er z.B. weint,  ist er in Euren Augen nicht stabil genug, unstrukturiert, selbstmordgefährdet, neigt zu Kurzschlußreaktionen und ist somit eine Gefahr für die Kinder.
Zeigt er keine, hat er in Euren Köpfen kein Interesse an den Kindern.

Schaut tief in Euch, und ändert endlich diesen Rechtsstaat und die Rechtssprechung zum Wohl unserer Kinder und ihrer Eltern. Es wird dringendst Zeit: s.a. --> Zitat von Herrn OLG Richter Schütz.

Es muß in Zukunft so sein, daß Frauen bei Familiengerichtsentscheidungen eben nicht 100%, sondern nur noch 50% der Rechte haben, - und zwar auch in der Praxis und nicht nur in den leeren Buchstaben des Gesetzes.
Gleichzeitig müssen dazu natürlich als Voraussetzungen auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (z.B. Gleichberechtigung für Frauen in der Berufswelt) hergestellt werden.

In unserem Fall ist dies übrigens gegeben, beide im öffentlichen Dienst, beide Diplom - Verwaltungswirte (FH), beide mit entsprechendem Verdienstmöglichkeiten bzw. Rechtsansprüchen. Aber das hat Euch alles nicht interessiert.

Immer mehr Väter wie ich wollen nicht länger nur Geldgeber, sondern wollen gleichberechtigte Elternteile mit allen Rechten und mit allen Pflichten sein. 

Das erfordert v.a. ein Umdenken in Euren Köpfen und Entscheidungen, dann ändert sich auch das Verhalten in dieser Gesellschaft insgesamt.

Es darf nicht mehr sein, daß Frauen Kinder als ihr Eigentum ("Kinder 'gehören' zur Mutter") betrachten. Es darf nicht mehr sein, daß Frauen, sobald sie Kinder haben, einfach gehen und die Väter zum "Erzeuger" und "Geldgeber" zurückstufen können, weil sie in der Praxis quasi alle Rechte haben.

Es geht nicht darum, daß Ehen für die Kinder um jeden Preis zusammengehalten werden müssen. Es geht darum, daß wir Väter gleichberechtigte Papas sind und bleiben dürfen, v.a. auch zum Wohl unserer Kinder.

Haltet unsere Frauen auch nicht für blöd und schutzlos. Unsere Frauen wissen ob ihrer vermeintlichen und leider von Euch fast immer "bestätigten Rechte" und drohen uns bei Streitigkeiten auch schon während der Ehe z.B. mit Gefängnis wegen Unterhaltspflichtverletzung. Wie oft mußte ich mir anhören "als Frau habe ich eh alle Rechte".

Sorgt endlich für Gerechtigkeit, dann gehen mit Sicherheit die unsäglichen Leiden der armen Scheidungskinder als auch die der Elternteile zurück. Das sollte doch auch (und vor allem) Euer Ziel sein!

Genauso wird auch die Zahl von Kindesentziehungen und von erschütternden tödlichen Familientragödien, die uns tagtäglich aus diesen Gründen immer häufiger überschwemmen, zurückgehen. Zwingt uns in diesem Sinne fast rechtlosen Väter nicht an die Randbereiche unserer Psyche und unserer Existenz, zwingt uns nicht in die Illegalität oder in den Tod. Laßt Euch nicht (von meist Frauen) instrumentalisieren.

Gebt den "neuen, emanzipierten Vätern" endlich auch in Euren Köpfen und Herzen, Euren Urteilen und Beschlüssen wirklich Gleichberechtigung. Schafft dafür auch (insbesondere den Müttern) die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Ihr helft damit vor allem unseren Kindern.

Ansonsten ist jeder einzelne von Euch an jeder Tragödie genau wie wir Eltern mitschuldig, und jeder einzelne von Euch versündigt sich an unseren Kindern.

Auch Ihr seid mitschuldig daran, daß man mir den Sinn meines Lebens nehmen konnte. Ich wollte doch nur aktiver, liebevoller und gleichberechtigter Vater (und nicht nur "Umgangspapi") für meine über alles geliebten Kinder sein.

Frank-Alexander Dachtler
Papa von Ann-Kathrin und Sarah-Victoria