paPPa.com informiert:
Scheidungszahlen + Bevölkerungsentwicklung
2004 für das Jahr 2003:
Wieder Scheidungsrekord ! Scheidungsquote in 2003
bei 56 % ...
[Siehe schon unsere Informationen aus den Jahre 1997
und 1998]
Passend zur Olympiade: 6 neue deutsche Rekorde
Kommentierte (kleine) Presseschau
Diese Zahlen sind alarmierend. Entsprechende Reaktion von Wissenschaft oder Politik gibt es nicht - und hierin liegt neben diesen Zahlen der eigentliche Skandal! Die Presseberichte vom Freitag, den 13. August 2004, bleiben weitgehend unkommentiert ... Zunächst die Fakten:
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts vom 13.8.04 - http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2004/p3370023.htm
Bevölkerungsübersicht des Statistischen Bundesamts vom 13.8.04
http://www.destatis.de/basis/d/bevoe/bevoetab1.php
dpa meldete am 13.8.04 kurz und bündig: Zahl der Scheidungen hat 2003 neuen Rekordwert erreicht Im vergangenen Jahr wurden fast 214.000 Ehen geschieden, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Das waren 4,8 Prozent mehr als 2002. Von tausend bestehenden Ehen wurden elf geschieden. Seit 1993 sei die Zahl der Ehescheidungen mit Ausnahme des Jahres 1999 beständig gestiegen. 2003 waren mehr als 170 000 minderjährige Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen.
In weiteren Meldungen werden allgemeine Einschätzungen mitgeteilt:
Eine Trennung sei für die Partner "nicht unbedingt ein Fiasko" und werfe Kinder nicht zwingend aus der Bahn - heißt es dort. Psychologen, Pädagogen und Therapeuten würden langsam Abschied nehmen von einer ausschließlich negativen Betrachtung. «Die Menschen lassen sich nicht scheiden, weil sie die Ehe als Institution für unwichtig halten», behaupte Berend Groeneveld von der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung, : «Sie lassen sich scheiden, weil sie ihnen so wichtig ist.» Denn sie wollten sich nicht mit ihrer Situation, ihrem Partner, ihrer Ehe zufrieden geben. «Viele Trennungen leben von der Sehnsucht nach einer besseren Partnerschaft». Basis für die steigende Zahl der Scheidungen sei eine Gesellschaft, in der Konsum und Spaß große Bedeutung hätten. «In gewisser Weise werden auch Partnerschaften "konsumiert"», finde der Darmstädter Familienpsychologe Prof. Hans-Georg Voß. «Beziehungen werden schneller geknüpft, aber auch schneller wieder aufgelöst.» Das Scheitern werde von Beginn an einkalkuliert.
Eine Vielzahl von außen kommender Belastungen belastet das Glück zu zweit, finde der Münchner Pädagoge und Familienforscher Martin Textor: Drohende Arbeitslosigkeit, Stress im Beruf, Wochenendbeziehungen nach einem Arbeitsplatzwechsel oder zwei berufstätige Partner. «Da bleibt wenig Zeit füreinander und die Pflege der Paarbeziehung bleibt leicht auf der Strecke.» Ehen seien stabiler, wenn die Partner viel gemeinsam hätten. Die gefährlichste Zeit sei das Jahr nach der Geburt des ersten Kindes: «Da nimmt die Zufriedenheit mit der Ehe in der Regel rapide ab», sagt Textor. Statistisch gesehen ist das fünfte Ehejahr das gefährlichste, denn die meisten Scheidungen werden im sechsten Jahr vollzogen. «Das Hauptproblem ist der mangelnde Austausch. Aber den kann man lernen - sogar aus Büchern.» Man dürfe nur nicht zu lange damit warten: «Wenn nicht mehr geredet wird, sondern nur noch projiziert, gibt es kaum noch Hoffnung.» Auch Paartherapeut Böttger möchte dem Thema Scheidung «den permanenten Unterton des Tragischen» nehmen: »Den «Versorgungs-Ehen» und «stillen Arrangements» früherer Zeiten trauert er jedenfalls nicht nach.
Für Kinder sei eine Trennung der Eltern umso tragischer, je jünger sie sind, sagt Diplom-Psychologin Rotraut Oberndorfer vom Bamberger Staatsinstitut für Familienforschung. Natürlich sei jede Scheidung für Kinder schwierig, aber sie könnten dabei auch etwas lernen: «Man kann eine Trennung so gestalten, dass die Kinder neue Kompetenzen erwerben, zum Beispiel, wie man Konflikte austrägt.» Ob das gelingt, liegt am Konflikt-Typ des sich trennenden Paares. Eine Kölner Studie unterscheidet drei Gruppen: 44 Prozent der Geschiedenen verhalten sich nach der Trennung «kompetent-unabhängig», sie haben sich von der alten Beziehung gelöst. 19 Prozent sind «resigniert-unfrei» und damit noch immer im Gestern verhaftet. Am gefährlichsten für Kinder sind «distanziert-verfeindeten» Paare. Und das sind der Studie zufolge immerhin 32 Prozent der Geschiedenen.
Zum fehlenden Kinderwunsch fällt allgemein nicht sehr viel ein:
Schuld am Geburtenrückgang ist nach Meinung der Geschäftsführerin von pro familia in Baden-Würtemberg, Manuela Rettig, auch die wirtschaftlich schlechte Lage. Die Berufsaussichten seien unsicherer geworden - auch für Männer. «Das lässt wohl die Männer an ihrer Ernährerrolle zweifeln.» Zugleich seien die Ansprüche von Familien gewachsen. «Da muss der Familienkombi her und die schöne Wohnung mit Garten.» - Ohne Kinderwunsch sehen aber nach Rettigs Ansicht viele Paare keinen Grund zur Heirat. - «Der Kinderwunsch ist nicht mehr einfach gegeben», sagte Rettig. Ein Grund sei das Problem der Kinderbetreuung. Es gebe zu wenig Krippenplätze für die Kleinen. «Ganz schlimm wird es aber, wenn die Kinder in die Schule kommen», sagte Rettig und forderte mehr Ganztagsschulen. [Klassisches Argument von Rot-Grün, die kennen leider nichts anderes ...]
Die Perspektive der Frauen wird dann auch thematisiert:
Der Hauptgrund für den anhaltenden «Scheidungsboom» sei neben der besseren finanziellen Situation geschiedener Frauen und der Vereinfachung der rechtlichen Prozedur in der gestiegenen sozialen und gesellschaftliche Akzeptanz. «Es ist nichts so besonderes mehr.» Auch der Rechtfertigungsdruck, unter dem die Frauen noch vor Jahren gestanden hätten, und die Schuldzuweisungen seien weniger geworden. Eine zweite Scheidungswelle stehe typischerweise nach der Geburt eines Kindes an, «wenn sich die Ehe neu organisiert». Viele Frauen, die davor berufstätig waren, tun sich mit den neuen Lebensumständen schwer. Und auch für den Mann ist mit einem Kind oft eine massiven Umstellung verbunden. Da sich sich nach der Geburt zunächst fast alles nur noch ums Kind drehe, fühlten sich viele vernachlässigt.
Und: Nach Auffassung des baden-württembergischen Sozialministeriums habe der Anstieg der Scheidungszahlen «vielschichtige» Ursachen. Es sei zwar «einerseits besorgniserregend, wenn Lebensgemeinschaften, die auf Dauer angelegt sind, auseinanderbrechen», sagte Ministeriumssprecher Karl Franz in Stuttgart auf ddp-Anfrage. Da andererseits aber Scheidungen heute meist von den Frauen ausgingen, spreche dies dafür, dass diese selbstständiger und selbstbewusster geworden seien und eher «einen Schnitt wagen» (!!!).
Die Berliner Morgenpost titelt: "Meist gehen Frauen zum Scheidungsrichter" - "Die Welt" berichtet ähnlich, aber etwas ausführlicher unter der gleichen Überschrift.
Dass Männer aufgrund des bestehenden Macht-Ungleichgewichts zugunsten der Frauen und Mütter immer weniger bereit sind, das unkalkulierbare Risiko von Ehe und Familie auf sich zu nehmen, dieser Umstand findet keinerlei Beachtung.
Eine Reaktion der Politik wurde dann schlussendlich doch vermerkt:
Bundesfamilienministerin Renate Schmidt bedauerte die steigende Zahl von Scheidungen. "Eine Trennung ist in den allermeisten Fällen schmerzlich für alle Beteiligten, besonders wenn Kinder betroffen sind." Gerade die Kinder leiden unter den Scheidungsfolgen, wie den wirtschaftlichen Bedingungen, der Frage des Sorgerechts oder den psychologischen Problemen. - Eine Pressemeldung war es dem Ministerium allerdings nicht wert ...
Und damit ist die Berichterstattung beendet und paPPa.com fällt auf, dass trotz sechsfacher deutscher Rekordleistung die Resonanz auf die aktuellen Scheidungszahlen noch nie so gering ausgefallen ist (siehe vergleichsweise unsere Berichterstattung z.B. für die Jahr 1997 und 1998), gerade so, als ob es sich hier gerade nicht um ein riesiges gesellschaftliches Problem handeln würde ... Insofern handelt es sich um einen "siebten Rekord" ...
Allein das Heidelberger Büro für Familienfragen (HBF) geht diesem Problem weiter nach unter der Überschrift vom 27.8.04: "Neue deutsche Rekorde: Exportweltmeister und anhaltende Geburtentalfahrt – Der grassierende Ökonomismus siegt sich zu Tode" und vermeldet eine weitere Talfahrt der Geburtenzahlen für das erste Halbjahr 2004. Nach Mitteilung einer größeren Krankenkasse sei für dieses Jahr ein weiterer Geburtenrückgang von 10 Prozent zu erwarten (!). Ein Kommentar hierzu von HBF: "Die Größenordnung erinnert an die Einbrüche in den Geburtenzahlen der neuen Bundesländer in den neunziger Jahren. Die damals ausgemachte Depression der Ostdeutschen hat nun auch Westdeutschland erfaßt. Die Sorge um die materielle persönliche Sicherheit, in erster Linie um den Arbeitsplatz, entzieht in den Augen vieler junger Leute der sogenannten Familienplanung den Boden. Verfestigt sich der Trend, dann steht ganz Deutschland am Beginn einer Abwärtsbewegung - denn weniger Kinder sind noch einmal weniger Investitionen und Arbeitsplätze. Eine kurzsichtige Politik und eine unsensible Sprache zeitigen ihre Folgen." Weiteren Gründen für die "Kinderarmut" geht HBF in der Pressemeldung vom 1.7.04 nach: "Die deutschen Kinderbremsen: "Statistisches Landesamt Baden-Württemberg benennt Ursachenbündel des Kindermangels".
Eine wirkliche Analyse dieses Problems (und der mehr als besorgniserregenden Folgen) liefern aber alle Stellen nicht. U.a. stellt niemand die Frage, ob diese Entwicklung nicht vielleicht poltisch gewollt und einkalkuliert ist (siehe hierzu zuletzt Beitrag im paPPa.com-Forum "68er und der Angriff auf Autorität und Familie"). ... Insofern fehlt es gänzlich an einem Problembewusstsein und entsprechend an jeglichem Anzeichen für eine Bewältigung der sich seit langem abzielenden Katastrophe. Hier wäre viel zu tun.
Die Zeche zahlen - mal wieder - unsere Kinder ... HURRA DEUTSCHLAND !!!
Nur ein weiterer Hinweis: Deutsches Kinderhilfswerk:
Dramatischer Anstieg von Kinderarmut -
Ende 2003 bezogen 2,81 Millionen Menschen Sozialhilfe, also zwei Prozent
mehr als 2002. Dramatischer stieg die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen
unter 18 Jahren – um 6,2 Prozent auf 1,08 Millionen. Damit waren im vergangenen
Jahr 7,2 Prozent aller Kinder und Jugendlichen auf Sozialhilfe angewiesen.
[Auch das nicht zuletzt eine Folge von Trennung und Scheidung, die politisch
seit Jahrzehnten hofiert wird ...]
© paPPa.com e.V. - Stand dieser Seite:
8.12.06 - eingestellt am 28.8.04
Fundstelle: http://www.paPPa.com/familie/Scheidung2004.htm
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