paPPa.com informiert:
Scheidungszahlen 1997: Ein Triumph der EMMAnzipation:
Scheidung PLUS 7 % - betroffene minderjährige Kinder PLUS 9,6 % -
Antrag auf Ehescheidung in 61,3 % durch die
Frau

[Nachtrag: Siehe auch ein Jahr später: Scheidungszahlen 1998: Wieder Scheidungsrekord ! Scheidungsquote jetzt bei 46 % + Die Folgen für die Kinder]
Presseschau (Vorsicht! 90% Femi-Sprech) zu Scheidungszahlen hier im folgenden - siehe aber auch:
Berliner Morgenpost, 1.10.98
Weshalb so viele Ehen in die Brüche gehen
Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und Alkoholprobleme:
Scheidungen in Deutschland auf Rekordhöhe
Von Jan Drager
BM Berlin - Gerhard Schröder, der zukünftige Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, hat schon viermal «ja» gesagt. Nachdem er sich schlagzeilenträchtig von seiner «Hillu» getrennt hatte, traute er sich noch schnell vor dem Wahlkampfgetöse mit Doris Köpf die Ehe zu. Ehe, Scheidung, Wiederheirat - wird das alles immer mehr zur Normalität in Deutschland? Ein Versprechen, das ein Leben lang halten soll, - kann man darauf nicht mehr viel geben?
Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden meldet gerade einen neuen Höchststand an Scheidungen: 187 802 Paare trennten sich im vergangenen Jahr in Deutschland. Das sind sieben Prozent mehr als 1996.
«Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, Alkoholprobleme», macht der Berliner Scheidungsanwalt Walter Bergmann, der seit 15 Jahren in seinem Beruf arbeitet, vor allem als Gründe aus. Die «soziale Großwetterlage» sollte besser werden. Die Familie sollte wieder mehr Geld haben, damit sie gemeinsam in den Urlaub fahren können.
Die Reform des Eherechts, die in diesem Sommer in Kraft getreten ist, sieht Bergmann auch als einen Grund für die horrenden Scheidungszahlen aus dem vergangenen Jahr: «Da haben sich noch einige vorher scheiden lassen, weil sie sich das Sorgerecht nicht teilen wollten.» Mittlerweile liegt das Sorgerecht im Regelfall bei beiden Partnern im Fall einer Trennung. Väter können sich nicht mehr aus der Verantwortung stehlen.
Vor allem Frauen sind es, die den Weg zum Scheidungsrichter gehen. Hauptgrund ist nach wie vor ein Seitensprung des männlichen Ehepartners. «Viele Frauen machen das nicht mehr mit», sagt Almut Drück, Diplom-Psychologin und Paartherapeutin bei der Caritas. «Männer handeln unbewußter. Die finden nichts dabei, wenn sie mal einen Seitensprung machen. Die Frauen fühlen sich gekränkt und degradiert.»
Aber auch immer mehr Kinder müssen unter der Trennung ihrer Eltern leiden. Waren es 1996 noch 148 782 minderjährige Kinder, so wuchs die Zahl der Betroffenen im vergangen Jahr auf 163 112, das sind 9,6 Prozent mehr. «Kinder sind eine starke Belastung für eine Partnerschaft», betont Almut Drück. So seien die Scheidungszahlen bei kinderlosen Paaren wesentlich niedriger.
Mit der richtigen Einstellung lasse sich das Partnerglück ein Leben lang erhalten, glaubt der Hamburger Psychologie-Professor Erich Witte. Er befragte in einer Studie 500 Männer und Frauen zwischen 18 und 80 Jahren bundesweit über ihre Partnerschaften. Erster Auslöser für eine Krise in der Beziehung ist danach Streit: 38 Prozent der Paare krachen sich über Berufsprobleme. In jeder vierten Partnerschaft sind danach neben den Geldsorgen auch die Schwiegereltern oder schlechte Wohnverhältnisse Ursache des Zwistes.
Die meisten Beziehungen scheitern im dritten oder vierten Jahr. «Nach dieser Phase endet die Phase großer Verliebtheit, danach muß an der Beziehung gearbeitet werden», sagt Witte.
Wege aus der Krise? Das Geheimnis des Partnerglücks besteht laut Witte darin, das Gefühl füreinander zu erhalten. Der Psychologe baut auf «fünf Säulen der Liebe»: Toleranz, Rücksicht, Sensibilität, offene Gespräche und Liebesgesten im Umgang miteinander.
Ob es ein wirkliches Scheidungs-Vermeidungsprogramm gibt, mag dahingestellt sein. Aber für manche Ehepaare kann eine Krise auch eine Chance sein, eine Chance für einen Neuanfang unter anderen Bedingungen.
So viele Scheidungen wie noch nie
Mehr als 180 000 Ehen wurden 1997 getrennt. Immer mehr Kinder
betroffen
BM Berlin - Noch nie wurden so viele Ehen in Deutschland geschieden wie 1997. 187 802 Partnerschaften gingen im vergangenen Jahr in die Brüche - sieben Prozent mehr als 1996. Das zeigen die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Etwa jeder dritte Bund fürs Leben, der in den vergangenen 25 Jahren geschlossen wurde, ging auseinander.
Betroffen sind auch immer mehr Kinder von der Scheidung ihrer Eltern. 163 112 Minderjährige mußten erleben, daß Vater oder Mutter zu Hause auszogen. Im Vergleich zu 1996 sind das 9,6 Prozent mehr.
Ehen mit Kindern wurden häufiger geschieden als kinderlose. Während dort die Trennungsrate um 4,8 Prozent auf 82 000 stieg, brachen 105 000 Familien mit Kindern auseinander. Das sind 8,7 Prozent mehr als 1996.
Vor allem Frauen (61,3 Prozent) entschieden sich für den Gang zum Scheidungsrichter. Die Ehemänner stimmten zum größten Teil (87,5 Prozent) einer Trennung zu. Gründe sind Seitensprünge des Partners, Alkoholprobleme, Gewalt in der Ehe und Arbeitslosigkeit.
Die Psychologin Doris Wolf sieht allerdings auch in der weitgehenden finanziellen Unabhängigkeit beider Partner einen Grund, daß eine Scheidung vielen leichter fällt. «Außerdem sind soziale Klammern wie Druck von Eltern, Freunden und Kirche heute lockerer», sagt die Psychologin, «eine Scheidung ist nicht mehr mit Schimpf und Schande verbunden, sondern wird gesellschaftlich akzeptiert.» Mehr als die Hälfte der im vergangenen Jahr aufgelösten Ehen hatte länger als neun Jahre bestanden.
Im internationalen Vergleich stand Deutschland mit dieser traurigen Bilanz allerdings bisher noch gut da. Die höchste Scheidungsrate gibt es in den Vereinigten Staaten, wo fast jede zweite Ehe geschieden wird. In Europa liegen Großbritannien und Belgien vorn, Deutschland rangiert auf dem neunten Platz.
Aber auch die Ehe als Institution wird immer mehr in Frage gestellt: Trauten sich 1990 noch 516 000 Paare, vor Standesamt oder Altar «Ja» zu sagen, entschieden sich 1997 nur knapp 423 000 Paare dazu.
Bis daß der Tod euch scheidet? Mein Gott, wie unmodern. Frisch geschieden, ist halb gewonnen. Die Deutschen, die einst sogar in der Nationalhymne ihre Treue besangen, sind ein Volk von Liebhabern geworden - Scheidungs-Liebhabern vor allem.
187 802 Paare haben 1997 ihre Ehe gelöst, an deren Anfang das Versprechen stand, eine Lebensgemeinschaft einzugehen. Die meisten wegen Untreue des Partners. Das entspricht in etwa der Einwohnerzahl von Wuppertal und Bochum. Das eine Jahr hat mehr Geschiedene erlebt, als ganz Neukölln Einwohner hat.
So viele waren es noch nie. Gut die Hälfte der Paare war länger als neun Jahre miteinander verheiratet. Und die stärkste Steigerungsrate gab es bei Scheidungen, von denen Kinder betroffen waren: Plus 9,6 Prozent.
Eine Gesellschaft von Selbstverwirklichern sieht solche Dinge lockerer. Klappt's beim erstenmal nicht, machen wir eben noch einen Versuch: Fünf Jahre nach der Scheidung sind 60 Prozent der Frauen und 55 Prozent der Männer in einer neuen Lebensgemeinschaft - besser: Lebensabschnittsgemeinschaft?
Bei der Trennung haben so hilfreiche Vereine wie «Humane Trennungen und Scheidungen» geholfen (neben den daran gutverdienenden Anwälten). Und die wissenschaftliche Begründung ist auch schon da:
Die amerikanische Soziologin Helen Fisher sieht die Dauer einer Ehe «genetisch programmiert». Denn Männer und Frauen könnten eben nur vier Jahre treu sein, danach müßten sie hinaus in die Welt zu einem neuen Partner. Das sei seit der Frühzeit der Menschheit eben so.
Die Aphorismen über die Ehe füllen Bände. Aber wenn Oscar Wilde formuliert: «Die Ehe ist gegenseitige Freiheitsberaubung in beiderseitigem Einvernehmen», muß zumindest (nachdem man sich am Stammtisch über die geistreiche Formulierung glänzend amüsiert hat) die Frage erlaubt sein: Wie sollte der das eigentlich beurteilen?
Bindung, Treue, Verläßlichkeit - das sind zwar keine modernen Begriffe, aber durchaus Werte, die von Jüngeren geschätzt werden. Vielleicht auch deshalb, weil zu viele Eltern sie nicht vorleben.
Ehen werden im Himmel geschlossen, aber auf der Erde gelebt. Und deshalb funktionieren sie auch (fast nie) von selbst. Glück ist in diesem Fall weniger ein Geschenk als das Ergebnis gemeinsamer Anstrengung.
Es geht nicht darum, das Lied auf jene bigotten Zeiten zu singen, als der Allgemeinheit das funktionierende Familienleben vorgespielt wurde und die Geliebte für die schönen Stunden reserviert war; als die Ehen nur deshalb länger hielten, weil die Kirche deren Unauflösbarkeit nicht nur verkünden, sondern auch durchsetzen konnte; als die Frauen keine Chancen hatten, außerhalb ihrer gescheiterten Ehe zu überleben.
Aber wer Ehe und Familie in die gleiche Kategorie wie Mietverträge und Ratenkredit einordnet, hat etwas mißverstanden von der Freiheit eines Christenmenschen. Auch und vor allem, wenn Kinder mitbetroffen sind.
Das Grundgesetz stellt, in christlicher Tradition, Ehe und Familie unter seinen besonderen Schutz. Doch die Gesellschaft hat sich längst auf den Weg gemacht, dies zu einer leeren Hülse zu machen. Die Elite - von der Politik über die Wirtschaft bis zur Kultur - , führt in aller Öffentlichkeit vor, wie fröhlich das Dasein in Promiskuität ist. Wir streiten lieber für gleichgeschlechtlicher Partnerschaften als um die Senkung der Scheidungsrate.
Moralische Institutionen? Fehlanzeige, wenn selbst Pastoren inzwischen die Scheidung einreichen oder notfalls die störende Ehefrau erschlagen.
Das Problem sind weniger die kinderlosen Paare, die sich der gemeinsamen Arbeit an der Partnerschaft nicht unterziehen, sondern sich die Trennung allzu leicht machen. Es geht um die Kinder, in deren Leben so tief eingegriffen wird, daß die Zäsur nicht folgenlos bleiben kann. Es gibt genügend Untersuchungen, die das belegen.
Selbstverwirklichung hat ihre Grenzen in der Verantwortung. Aber Verantwortung ist ja auch so ein Begriff aus der Mottenkiste der Sekundärtugenden.
Der Tagesspiegel (Berlin), 1.10.98
VON ANJE SCHWARTZ (AP)
WIESBADEN. In Deutschland ist die Zahl der Ehescheidungen im vergangenen Jahr auf einen neuen Höchststand geklettert. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch berichtete, ließen 187 802 Paare den Bund fürs Leben wieder auflösen. Das waren sieben Prozent mehr als 1996. Am häufigsten gingen die Paare im siebten Jahr auseinander. Noch kräftiger als im Bundesdurchschnitt stieg die Zahl der Scheidungen in den neuen Bundesländern: Sie nahm um 16,6 Prozent auf 26 537 zu. (...)
"Unglück in Beziehungen hat es früher genauso gegeben wie heute. Allerdings wurden daraus keine Konsequenzen gezogen." Hans-Werner Bierhoff, Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum, glaubt nicht, daß die Zahl der unbefriedigenden Bindungen heute größer ist als vor 40 Jahren.
Die deutschen Scheidungszahlen lägen international gesehen im mittleren Bereich - jedoch mit bemerkenswertem Trend nach oben. Den absoluten Spitzenplatz nehmen die USA ein, wo "jede zweite Ehe die Chance hat, geschieden zu werden". Es sehe so aus, als ob auch Deutschland diesem Trend folge.
Viele gesellschaftliche, persönliche und soziale Entwicklungen in den USA seien mit etwa zehnjähriger Verzögerung auch in Deutschland auszumachen. Ein Beispiel sei die hohe Berufsmobilität, die belastend auf viele Beziehungen wirke. Dazu komme ein steigender Anteil berufstätiger Frauen, die, akademisch vorgebildet, eine anspruchsvolle Tätigkeit ausübten.
Die Bereitschaft, die eigene Tätigkeit aufzugeben, sinke, wenn beide eine anspruchsvolle Arbeit hätten. "Nur weil Du dich verbesserst, soll ich mitgehen?" - das sei dann die Frage, wenn der jeweils andere Partner selbst attraktive berufliche Möglichkeiten für sich sehe. Viel eher als früher werde heute gefragt: "Was bringt mir eine Beziehung?" Nach Ansicht Bierhoffs ist "die Sensibilität für positive Erfahrungen größer". Frauen wie Männer warteten auf diese positiven Gefühle. Träten sie nicht ein, sei die Schlußfolgerung, daß die Bindung schlecht sei. Die Ansprüche an eine Beziehung seien auf beiden Seiten deutlich gestiegen.
Zugleich seien die "Kosten" einer Trennung gesunken: "Wir sind heute eine sehr individualistische Gesellschaft, die darauf setzt, daß jeder sich seine Wünsche erfüllt und sich selbst verwirklicht." Daraus wiederum entstehe die Frage: "Ist die Beziehung Teil dieser Selbstverwirklichung oder sollte ich eine Alternative wählen?"
Hinzu komme die größere Bedeutung der "romantischen Liebe". Je länger ein Paar zusammen sei, desto wahrscheinlicher, daß diese Empfindungen nachlassen. "Das kann Fragen in Gang setzen wie: Will ich nicht lieber eine neue romantische Beziehung anfangen?" In der heutigen Gesellschaft gibt es diese Möglichkeit: "Die Alternativen sind da."
Passauer Neue Presse, 1.10.98
"Die Männer sehen die Probleme oft zu spät"
München. Immer mehr Ehen scheitern. Die PNP sprach mit Familienforscher Prof. Wassilios E. Fthenakis, Direktor des Instituts für Frühpädagogik in München, über die Gründe.
Wo sehen Sie die Ursache für die wachsende Zahl von Scheidungen?
Fthenakis: Die Gründe sind vielfältig. Zum einen sind immer
weniger Menschen bereit, eine nicht funktionierende Beziehung hinzunehmen.
Wenn sie unzufrieden sind, geben sie die Partnerschaft auf. Ein zweiter
Grund ist die ökonomische Unabhängigkeit vieler Frauen durch
eigene Berufstätigkeit - aber auch die Belastung, die dadurch auf
die Familien zukommt. Noch immer sind sehr viele Männer nicht bereit,
dabei ihren Anteil zu übernehmen.
Ist das der Grund, warum Scheidungen überwiegend von Frauen
eingereicht werden?
Fthenakis: Ja, aber es bedeutet nicht, daß die Frauen die Scheidung
verursachen. Sie ertragen nur die Belastung nicht mehr. Männer dagegen
nehmen Probleme in der Familie oft erst sehr spät wahr.
Immer mehr Kinder stammen aus Scheidungsfamilien. Wächst eine
bindungsunfähige Generation heran?
Fthenakis: Wir wissen, daß das Scheidungsrisiko weitergegeben
wird - vor allem dann, wenn die Kinder von den Eltern bei einer Scheidung
keine ausreichenden Antworten auf ihre Fragen bekommen. Ein Viertel aller
Scheidungskinder benötigt professionelle Hilfe, um die Folgen zu bewältigen.
Hier ist bislang in Deutschland in Theorie und Praxis zu wenig getan worden.
Wie läßt sich vermeiden, daß eine Scheidung zum
Kampf ums Kind wird?
Fthenakis: Ich hoffe, daß sich die Situation durch das neue
Kindschaftsrecht entspannt. Wichtig ist, daß beide Elternteile die
Chance bekommen, ihre Verantwortung für das Kind wahrzunehmen.
Kann man einer Scheidung "vorbeugen"?
Fthenakis: Ich empfehle jedem Paar - auch dann, wenn die Partnerschaft
als unproblematisch empfunden wird -, professionelle Beratung in Anspruch
zu nehmen, wenn das erste Kind kommt, denn das ist ein kritischer Zeitpunkt.
Schon in drei bis vier Stunden Beratung können Paare sehr viel lernen
und mit diesem Wissen möglichen späteren Problemen präventiv
begegnen.
Sehen Sie die Familie als "Keimzelle der Gesellschaft" in Gefahr? Oder entstehen neue Formen des Zusammenlebens?
Fthenakis: "Die" Familie hat es nie gegeben, gibt es nicht und wird es auch nie geben. Viel entscheidender ist die Frage, ob die vielfältigen Formen des Zusammenlebens, die wir beobachten, den Bedürfnissen von Kindern und Erwachsenen gerecht werden. Derzeit jedoch tragen bei uns Frauen und Kinder die größte Last."
Das Gespräch führte Eva Schwartze
Anmerkung paPPa.com: Wir werden bei Prof. Dr. Dr. Dr. Fthenakis mal nachfragen, wie er das meint.
Hamburger Abendblatt, 1.10.98
Jede dritte Ehe wird
geschieden
. . . doch es gibt ein Geheimnis des Glücks
Wiesbaden - Die
Zahl der Scheidungen in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht.
(...)
Hans-Werner Bierhoff, Wissenschaftler der Ruhr-Universität
in Bochum, sieht die niedrigeren Hürden als Hauptgrund für den
Trend zur Scheidung. "Vor 30, 40 Jahren waren die Barrieren gegen
eine Trennung sehr hoch. Die Religion stellte für christlich orientierte
Menschen klar, eine Ehe dauert lebenslang." Dazu seien soziale
Sanktionen, hauptsächlich für Frauen, gekommen. Beide Gründe
würden heute in vielen Fällen wegfallen.
Dabei kann die richtige Einstellung eine Ehe durchaus
retten. Psychologieprofessor Erich Witte von der Universität Hamburg
hat bundesweit 500 Männer und Frauen zwischen 18 und 80 Jahren
befragt. "Die meisten Menschen verlassen sich in der Liebe zu sehr
auf ihr Gefühl und machen so verhängnisvolle Fehler", sagt
Witte. Erster Auslöser für eine kriselnde Beziehung ist Streit.
Hauptpunkte sind Berufsprobleme, die Schwiegereltern, Geld oder die Wohnverhältnisse.
Die meisten Beziehungen scheitern im dritten oder
vierten Jahr. Dann verblaßt die rosarote Brille. Das Geheimnis
des Glücks besteht laut Witte darin, das einmal entstandene Gefühl
füreinander zu erhalten. Das sei mit Toleranz, Rücksicht, Sensibilität,
offenen Gesprächen und Gleichberechtigung möglich. (ap/afp)
Kommentar
Scheidungsrekord in
Deutschland
Abschied von alten Werten
Von KATHRINA GESLER
Jede 100. Ehe wurde
1997 geschieden: Scheidungsrekord in Deutschland. Schuld daran ist
die Liebe. Zwar spielte sie auch in früheren Zeiten oft eine Rolle,
wenn zwei heirateten. Doch sie war stets eingebunden in ein System aus
Koordinaten, die Paaren auf ihrem Weg durchs Leben als Kompaß dienten.
Richtungsweisend waren andere Navigationspunkte: materielle Absicherung,
gleicher Glaube, soziale Zugehörigkeit.Doch die alten Gleise sind
abgefahren. Entstanden ist ein Netz mit neuen Weichen, in dem der Mythos
von der klassischen Familie auf der Strecke bleibt. Neue Lebensformen
sind entstanden. Aufschlußreicher als das Stammbuch ist deshalb manchmal
ein Blick in die Küche: Die Runde am Frühstückstisch
belegt oft zuverlässiger, wer zur jeweiligen Familie gehört.
[Anmerkung paPPa.com: Die SPD-Frau Ulla Schmidt formuliert das so:
"Familie ist, wer aus dem gleichen Kühlschrank ißt ..."]
Bezeichnend ist, daß es meist die Frauen sind,
die die Scheidung wollen. Höheres Ausbildungsniveau und wachsende
Unabhängigkeit haben ihr Selbstbewußtsein
gestärkt. Mit der alten Rollenzuweisung lassen sie sich immer
seltener abspeisen. Von den Männern fordern sie eine gleichwertige
Partnerschaft. Ein Anspruch, dem viele nach wie vor nicht gewachsen sind.
Oft ist es die Geburt eines Kindes, die das Beziehungsgefüge
ins Wanken bringt. Probleme, die sich bis dahin leicht umsegeln ließen,
führen in dieser neuen Lebenssituation häufig zum Schiffbruch.
Denn dann sind sie wieder da, die alten Rollenerwartungen. So stecken meistens
die Frauen zurück, weil Haushalt und Kinderbetreuung auf einmal in
den Vordergrund treten. Bis heute sind es nur vier Prozent aller Väter,
die sich auf gerechte Arbeitsteilung einlassen.
Der kulturelle Umbruch, in dem wir stecken, verlangt
aber nicht nur den Männern viel ab. Alle müssen begreifen, daß
dieser Wandel mehr ist als der Abschied von alten Werten. Er bietet auch
Chancen: Scheiden tut nicht immer nur weh. Manchmal lindert es auch Schmerz.
BILD-Zeitung, 1.10.98
Scheidungs-Rekord!
Warum sich immer mehr Frauen von ihren Männern trennen
Der deutsche Scheidungsboom - vor allem Frauen schmeißen immer eher hin.
187.802 Ehen wurden im letzten Jahr geschieden - in 61,3 Prozent der Fälle von Frauen beantragt. Sie tragen heute selbstbewußter die Konsequenzen, wenn eine Ehe nicht mehr funktioniert. Psychologen und Anwälte wissen: Wenn Frauen sich trennen, haben sie sich diesen Schritt sehr gründlich überlegt. Sie sehnen sich nach einer erfüllteren Beziehung, mehr Zuneigung und Geborgenheit.
Jüngster prominenter Fall: Corinna Drews, Scheidung Nr. 3. Sie und fünf weitere Frauen erzählen uns ihre Scheidungsgeschichte.
Chefsekretärin Dorit M. (41) aus München: "Mein Mann, mauserte sich immer mehr zum Geizhals. Obwohl ich auch arbeite, mußte ich allein den Haushalt bewältigen, abends für ihn kochen. Stand das Essen nicht pünktlich auf dem Tisch, hat er drei Tage nicht mit mir geredet. Mein Gehalt mußte ich ihm abliefern. Dafür kaufte er sich teure Designer-Anzüge - und mir eine Nähmaschine." Scheidung jetzt, nach zehn Jahren.
Ex-Stewardeß Beate W. (33) aus Düsseldorf: "Mein Mann verdient super, 200.000 Mark im Jahr. Aber er arbeitet jeden Tag bis 16 Stunden. Danach geht er oft mit Kollegen in die Kneipe. Ich hatte meinen Job aufgegeben, saß immer allein zu Hause - wir haben keine Kinder. Beschwerte ich mich, schimpfte er nur. Ich war sogar acht Monate in Behandlung, weil ich depressiv wurde. Gestern, nach drei Jahren Ehe, habe ich die Scheidung eingereicht."
"Nur noch ein Küßchen zur Begrüßung - Restzärtlichkeit nach acht Jahren Ehe." Roswitha T. (44, Umschülerin) läßt sich gerade von ihrem Mann scheiden. "Das Ende begann schon kurz nach der Hochzeit. Er hatte auf einmal kein Interesse mehr an mir. Er kümmerte sich nur noch um seinen Computer. Als ich mit Scheidung drohte, zuckte er mit den Schultern. Ich denke manchmal, er hat überhaupt keine Gefühle."
OP-Schwester Barbara R. (31): "Der Anfang war romantisch. Er kam als Vertreter einer Haftpflichtversicherung zu mir. Wir verliebten uns sofort, Hochzeit schon nach einem Jahr. Aber dann trank er immer mehr Alkohol, wir stritten immer öfter. Auch mein Vater war Alkoholiker, ich sah als Kind, wie meine Mutter darunter litt. Das wollte ich mir und meiner Tochter nicht antun." Scheidung, sie bekam das Sorgerecht - dagegen klagt jetzt der Ex-Mann.
Werbekauffrau Lieselotte K. (43): "Wir waren 41/2 Jahre verheiratet, lebten und arbeiteten in unserem Einfamilienhaus, mein Ex-Mann ist auch Werber. Dann bekamen wir unseren Sohn, ein Wunschkind. Doch da zog sich mein Mann immer mehr zurück - das Babygeschrei würde ihn in seiner Kreativität stören, sagte er. Er blieb lange im Büro, trank dort abends allein. Schließlich dachte ich: Allein leben kann ich auch ohne ihn..."
Waltroper Zeitung, Anfang Okt. 98
SCHEIDUNG: Auch in Waltrop trennt sich jedes dritte Paar
Weniger Menschen heiraten, dafür lassen sich mehr Ehepaare scheiden.
(...)
"Paare sind heutzutage schneller bereit, sich zu trennen", sagt
auch Sozialarbeiterin Angelika Walter-Schüßlervom Sozialdienst
katholischer Frauen (SkF). Der Verband bietet auch Partnerschaftsberatungen
an. Dabei sind es vor allem Frauen, die Rat beim SkF suchen: "Männer
wollen meistens nach außen ihr Gesicht waren, haben Hemmungen, ihre
Probleme vor anderen offenzulegen."
Dabei werden vielen Paaren schon beim Gespräch mit einer neutralen
Person die eigenen Fehler deutlich. "Da wird den Partnern oft schon
einiges klar", weiß Angelika Walter-Schüßler aus
fast 20jähriger Erfahrung.
In den Finanzen liegen nicht selten die Gründe für Eheprobleme:
"Wenn das Geld knapp wird, man sich ständig Sorgen um den Lebensunterhalt
macht, kommt es oft zu Streitigkeiten." Ein anderer Partner oder andere
tiefliegende Beziehungsprobleme sind weitere Gründe für eine
Trennung.
Dabei versucht die Beraterin zu Beginn zunächst klarzustellen, ob
überhaupt die Bereitschaft besteht, die Partnerschaft aufrecht zu
erhalten. Im Laufe der Gespräche stellt sich dann heraus, ob auch
die Basis vorhanden ist, um eine Ehe zu kitten: "Denn manchmal ist
es wirklich besser, auch im Sinne der Kinder, wenn Paare sich trennen."
Die steigende Scheidungsrate ist dabei nicht grundsätzlich negativ
zu sehen, denn sie ist auch ein Zeichen der Emanzipation von Frauen. "Früher
waren die meisten Frauen finanziell von ihren Männern abhängig,
außerdem haftete einer geschiedenen Frau immer ein Makel an",
so Walter-Schüßler: "Heute sind die Frauen einfach selbstbewußter."
-metz
Bis daß der Frust euch scheidet
Gestiegene emotionale Ansprüche gefährden
die Ehe Wertewandel ändert die Erwartungshaltung
Von ROLF DAGEN
Bonn Die Ehe als Form des Zusammenlebens wird immer brüchiger. Zwar streben die meisten Frauen und Männer weiterhin mit dem Jawort den Himmel auf Erden an, aber immer mehr brechen am Ende enttäuscht mit ihrem „Lebensabschnittspartner". In der Zahl der Ehescheidungen, die 1997 in Deutschland mit 187 802 ihren vorläufigen Höchststand erreichte, wird ein fundamentaler Wandel der sozialen und geistigen Grundlagen offenbar.
In den östlichen Bundesländern scheint sich dies allerdings erst in den letzten beiden Jahren zu manifestieren. Viele Bürger geben dort an, daß die Ehe in einer Periode der Unsicherheit vor und nach der Vereinigung das einzig Verläßliche war. Darüber hinaus könnte eine niedrigere Geburtenrate Beziehungen stabilisieren (das Scheidungsrisiko steigt mit der Kinderzahl). Außerdem ist eine Abschirmung vor den Ideen der sechziger Jahre denkbar.
Denn seit dieser Zeit endeten die Ehen in allen westlichen Industrienationen immer häufiger vor dem Scheidungsrichter. Parallel zu diesem Trend hatte sich ein Wandel der Werte und Lebensvorstellungen vollzogen, der alle Traditionen und Konventionen in ihren Grundfesten erschütterte.
Einen wichtigen Aspekt dieser Veränderungen, die „psychologische Revolution", hebt die amerikanische Historikerin Barbara Dafoe Whitehead in ihrem Buch „The Divorce Culture" hervor: „Die Menschen begannen, Glück nicht mehr nur in wirtschaftlichen Kategorien zu definieren. Die Ehe wurde plötzlich als ein Lebensbereich angesehen, von dem man ein hohes Maß an Befriedigung erwartete." Dem pflichtet die Bremer Soziologin Gitta Scheller bei: „Die rein ,instrumentellen Funktionen' der Ehe, etwa die Altersversorgung, Krankenbehandlung oder materielle Absicherung, wurden zunehmend vom Staat übernommen." Statt dessen hätten die „expressiven Funktionen" der Wunsch nach Leidenschaft, Romantik und Befriedigung emotionaler Ansprüche überhand genommen.
Weil aber die Betonung immer stärker auf dem Ideal der Liebesehe lag, wurde die Ehe als Institution zunehmend instabil. Enttäuschungen traten sehr viel häufiger ein, weil der Partner den hohen Glückserwartungen nicht gerecht werden konnte. Außerdem wurde die Kluft nicht mehr durch instrumentelle Funktionen gekittet.
Manche Autoren vermuten auch, daß man [Anmerkung paPPa.com: hier sollte es tatsächlich mal "frau" heißen ...] heute viel bereitwilliger „kurzen Prozeß" macht, wenn Liebe in Leid umschlägt. „Außerdem sind die sozialen Klammern wie Druck von Eltern, Freunden und Kirchen heute lockerer", fügt die Berliner Psychologin Doris Wolf hinzu. „Eine Scheidung ist heute nicht mehr mit Schimpf und Schande verbunden, sondern wird gesellschaftlich akzeptiert."
Wie die romantische Liebe erstickt, hat der Kieler Bevölkerungswissenschaftler Hans W. Jürgen mit einem statistischen Profil erfaßt: Nach drei bis fünf Jahren Zweisamkeit sind bereits 50 Prozent der Frauen ihrer Männer überdrüssig. Von den Männern haben indes nur 20 Prozent von ihre besseren Hälfte genug. Bemerkenswerterweise sind es in den gescheiterten Ehen fast ausschließlich die Frauen, die ihrem Partner Schuld, schlechte Absichten und die Ursache von Konflikten zuschreiben. Diese Asymmetrie wird oft damit erklärt, daß Männer die durch die Frauenbewegung veränderten Lebensansprüche des weiblichen Geschlechts nicht richtig verstehen auch in sozial höheren und liberaleren Schichten.
Eine empirische Studie läßt allerdings Zweifel an dieser Interpretation aufkommen: In der Untersuchung diskutierten Partner aus gesunden und gestörten Ehen ihre Probleme. Nach dem Gespräch mußten sie selbst und eine Gruppe von Juroren das Verhalten der beiden Parteien benoten.
In den ungestörten Ehen gaben sich beide Partner gleich gute Noten. Aber in gestörten Ehen werteten die Frauen ihre Männer einseitig ab. Im Gegensatz dazu schätzten jedoch die Juroren gerade das Verhalten der unzufriedenen Frauen als der Partnerschaft abträglicher und negativer ein.
Nach wie vor gehört ein Seitensprung zu den wichtigen Anlässen für eine Scheidung. „Und die Lebensumstände haben sich in den vergangenen Jahrzehnten nun einmal so gewandelt, daß Fremdgehen den Männern und Frauen immer leichter fällt", hebt der amerikanische Evolutionspsychologe Robert Wright hervor. Denn in der anonymen Großstadt ruft eine Affäre weniger logistische Schwierigkeiten hervor als in der Dorfgemeinschaft. Außerdem werden in den Medien große Begierden geweckt, die die eigene Beziehung in einem trüben Licht erscheinen lassen.
Saarbrücker Zeitung, 1.10.98
(...) Wen wundert´s da, daß die Zahl der Ehe-Schließungen zurückgeht. Buchstäblich "trauen" sich die Deutschen immer weniger. 1996 wagten sich bundesweit 427 297 Paare zum Standesamt, ein Jahr darauf gingen 4521 weniger diesen Weg. Auch die Saarländer werden vorsichtiger in Sachen Ehe: 1997 gaben sich zwischen Saar und Blies 5829 das Ja-Wort, ein davor Jahr 6181. Schlechte Zeiten für den Liebesgott Amor. Er muß seine Pfeile künftig gezielter abfeuern.

LINZ. Die Lebensformen der Familien werden sich weiter rapid wandeln. Nur noch in jedem vierten Haushalt werden künftig Kinder leben. Und jedes vierte Kind wird in Oberösterreich von Scheidung betroffen sein.
Bereits 38 Prozent der Ehen in Österreich (1986 betrug die Scheidungsrate 29,5 Prozent) werden geschieden. Dazu kommt eine erhebliche Zahl nichtehelicher Lebensgemeinschaften, die auseinandergehen. Scheidungen und Trennungen sind eine der drei wesentlichen Ursachen für die starke Zunahme der Ein-Personen-Haushalte. Und die Zahl der Single-Haushalte wird weiter steigen, bis zum Jahr 2021 um 38 Prozent, prognostiziert Ewald Kutzenberger, der Chefstatistiker des Landes Oberösterreich.
Derzeit lebt in 26,2 Prozent der 512.800 oberösterreichischen Haushalten lediglich eine Person, 1987 betrug der Anteil der Single-Haushalte 23,1 Prozent. In 40 Prozent dieser Haushalte leben Pensionisten.
Noch stärker wachsen wird der Anteil der Zwei-Personen-Haushalte. Der Zuwachs werde hier in den kommenden zwei Jahrzehnten 65 Prozent betragen, so die Prognose.
Hauptursachen für diese Entwicklung sind neben den Scheidungen die bewußte Wahl dieser Lebensformen sowie die steigende Lebenserwartung und der dadurch steigende Anteil betagter (kinderloser) Paare und von Witwen.
Familien wandeln sich stark: Jedes dritte Kind wird unehelich geboren
LINZ. Die Zahl der Geburten in Oberösterreich ist seit 1997 rapid gesunken. Gestiegen ist jedoch der Anteil unehelich geborener Kinder. Jedes dritte Neugeborene hat unverheiratete Eltern, bald wird es es jedes zweite Kind sein.
Die Zahl der Geburten wird, wie von den OÖN exklusiv berichtet, heuer auf ein Rekordtief sinken. Die "Gebärwilligkeit" ist aber nicht bei allen sozialen Schichten gleich. Während Landwirte mit durchschnittlich 2,3 Kindern Spitzenreiter sind, bilden Angestellte und Beamte mit mittlerer Schulbildung die Schlußlichter.
Die Rolle der Ehe als Faktor zur Gründung einer Familie ist weiter im Schwinden. Auch der Kinderwunsch ist immer weniger mit Eheschließung gekoppelt. Und diese Entwicklung werde sich weiter verstärken prognostiziert Ewald Kutzenberger, der Leiter des statistischen Dienstes des Landes.
Mit diesem Wandel wird auch der Anteil der nichtehelich geborenen Kinder weiter wachsen. 1977 waren 15 Prozent aller in Oberösterreich geborenen Kinder unehelich, 1986 betrug der Anteil 25,1 Prozent und 1997 30,8 Prozent. In den nächsten Jahrzehnten wird der Anteil der unehelich Geborenen auf 50 Prozent steigen, prognostiziert Ewald Kutzenberger.
Familien, so das Zukunftsszenario, werden künftig noch weniger als derzeit von dauerndem Bestand sein. 25 Prozent der Kinder werden demnach künftig von Scheidung betroffen sein, insgesamt wird jedes zweite Kind von der Auflösung der Lebensgemeinschaft (ehelich oder unehelich) seiner Eltern betroffen sein.
Das Alter der Eltern bei der Geburt ihrer Kinder wird indes steigen, fast alle Mütter werden künftig berufstätig sein, so das Zukunfstbild. Damit einher geht, daß Familienarbeit und vor allem die Kindererziehung weiter aus den Familien ausgelagert wird. Derzeit ist das bereits für nahezu alle Drei- bis Sechsjährige in Form von Kindergärten der Fall, Hortplätze für Schulkinder sind jedoch noch absolute Mangelware.
Landesrat Franz Hiesl (VP) präsentierte gestern bei der Vorstellung dieses Zukunftsszenarios auch eine Berechnung, wonach das Einkommen von kinderreichen Familien (drei und mehr Kinder) seit Mitte der achtziger Jahre am meisten gestiegen ist: "Die Transferzahlungen wurden offenbar richtig verteilt." Da aber weiter stärkere Bemühungen für die Familien nötig seien, müßten das Karenzgeld für alle und der Kinderbetreuungsscheck eingeführt werden, so Hiesl. (gsto)
London (Reuters) - Ein Professor der britischen Universität Oxford hat in elfjähriger Forschungsarbeit nach eigenen Angaben herausgefunden, worin das menschliche Glück besteht. Dem "Sunday Telegraph" verriet der Professor das Geheimnis: Eine Ehe ohne Seitensprünge und viele Freunde. Inbesondere für Männer sei das Verheiratetsein eine sichere Garantie fürs Glücklichsein, sagte Professor Michael Argyle, der während seiner Glücksforschung Tausende von Fragebögen ausgewertet hat. Denn als die unglücklichsten Menschen seien ihm diejenigen vorgekommen, die eine Scheidung oder auch eine Trennung durchleben mußten.
Auch habe das Glück nichts - oder jedenfalls nicht viel - mit dem jeweiligen Einkommen zu tun. Nur die Allerärmsten seien etwas weniger glücklich, sagte der Professor. Das Glückserlebnis der Menschen mit mittlerem Einkommen unterscheide sich jedoch nicht von dem der Superreichen. "Befriedigung und Glück wachsen nicht mit dem Einkommen, außer man bekommt mehr als man erwarten kann aufgrund seiner Erziehung und seiner beruflichen Tätigkeit."
Das, was Glück bedeutet, habe sich in den vergangenen 50 Jahren kaum verändert, stellte der Professor fest. Allerdings habe er einen besonderen Glücksgrad bei den Liebhabern moderner TV-Soap-Operas festgestellt. Das sei recht überraschend. Offenbar bezögen die Zuschauer aus den TV-Serien einen Großteil ihres privaten Glücksgefühls, so als ob sie beim Zuschauen gewissermaßen imaginäre Freundschaften gefunden hätten.
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Mehr Singles, weniger Kinder
Nur noch in jedem dritten NRW-Haushalt leben Kinder, so das Statische Landesamt. 1980 gab es noch in jedem zweiten Haushalt Nachwuchs. Noch deutlicher ging die Bedeutung der Großfamilie zurück. In nicht einmal jedem 20. Haushalt spielen heute noch drei oder mehr Kinder - ein Rückgang um fast die Hälfte seit 1980. Singles führen bei den insgesamt 8,1 Millionen Haushalten die Rangfolge mit 35 Prozent an, es folgen Pärchen mit 30%. Die Zahl der Alleinerziehenden stieg zwischen 1980 und 1996 von 225000 auf 303 000 an. Frauen sind dabei mit 79 Prozent deutlich in der Überzahl.
Tötungsdelikte um 375 Prozent gestiegen
Die Zahlen sind schwindelerregend:
Die Jugendkriminalität ist in den ersten sechs Monaten dieses Jahres
wieder stark gestiegen. Um 26,9 Prozent wuchs die Zahl der Straftaten,
die von 14- bis16jährigen verübt wurden, gegenüber 1997. Noch
drastischer stieg die Kriminalitätsrate bei den Heranwachsenden (18 bis
21 Jahre): 37 Prozent mehr Straftataten als im Vorjahr. Das geht
aus der Anwort auf eine kleine Anfrage an den Senat des Bürgerschaftsabgeordneten
Klaus-Peter Hesse (CDU) hervor.
Die "Straftaten gegen das Leben", versuchte
und vollendete Tötungsdelikte, nahmen um 350 Prozent zu - die
absolute Zahl kletterte von zwei auf neun. Vergewaltigungen und sexuelle
Nötigungen nahmen bei Jugendlichen von 14 bis 18 Jahren
um 80 Prozent zu, die Zahl stieg von 20 auf 36. In der Altersstufe
bis 14 Jahre nahmen die Wohnungseinbrüche um mehr als 114 Prozent
zu, die Handtaschenraube um 33 Prozent. Bei den Heranwachsenden stiegen
die "Straftaten gegen das Leben" um 375 Prozent. Ein Phänomen:
In der Hansestadt werden Straftäter unter 21 Jahren häufiger
nach dem Jugendstrafrecht verurteilt als im Bundesdurchschitt. Die letzten
Zahlen stammten von 1990: Im Bundesdurchschnitt wurde in 60 Prozent
der Fälle das Jugendstrafrecht angewendet, in Hamburg in 93 Prozent
der Fälle. (kj)
Fränkischer Tag, 1.10.98
MÜNCHEN. Immer mehr Väter in Bayern versuchen offenbar, sich vor ihrer Verantwortung zu drücken. Nach Angaben des Landesamtes für Statistik in München mußten die Jugendämter im Freistaat im vergangenen Jahr fast 18 300 Fälle zum Nachweis der Vaterschaft bearbeiten. Das waren zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Siehe auch: Macht Scheidung krank ?
Stand dieser Seite: 16.08.1999 - Fundstelle: http://www.paPPa.com/familie/scheidung97.htm
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