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Express vom 21.10.1997
Wie leicht man reintappt - und wie man wieder rauskommt entfälltDie SchuldenfalleVon THOMAS GODAU exp Düsseldorf - Mit den Kindern kam die Armut. Das mußten auch Uwe und Petra M. aus Düsseldorf erleben. Als sie 1990 zusammenzogen, nahm das Paar einen Kredit von 10.000 Mark für neue Möbel auf. Die Monatsrate von 300 Mark war kein Problem für die Doppelverdiener.
Als das erste Kind geboren wurde, mußte Petra M. ihren Job aufgeben. Ein Einkommen weniger, eine größere und teurere Wohnung. Dann kam das zweite Kind. Die Raten mußten warten. Umschuldung, Aufstockung. Der Kredit wuchs auf 35.000 Mark an. Um nicht auch noch den Dispokredit auszuschöpfen, kauften Uwe und Petra M. vieles bei Versandhäusern - wieder auf Raten. Schuldenstand jetzt: 45.000 Mark. Zwei Millionen Haushalte stehen bundesweit in der Kreide. 18.400 Mark Miese entfallen laut Statistik auf jeden Bürger, auf Haushalte mit Kindern 42.000, auf Alleinerziehende sogar mehr als 45.000 Mark. Und 40 Prozent der Betroffenen tappen nicht durch Autokauf oder Luxusreisen in die Schuldenfalle, so die Verbraucherberatung NRW. Sie brauchen die Kredite, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Arbeitslosigkeit, Scheidung oder auch nur eine unerwartete Autoreparatur können dann zur finanziellen Katastrophe führen. Letzter Ausweg ist die Schuldnerberatung. "Anstatt zu einem Kreditvermittler zu gehen, sollten Sie zu uns kommen", rät Stefanie Laag, Schuldenexpertin der Verbraucherberatung, allen Überschuldeten. Mit einem Budgetplan wird dann ein Ausweg aus der Schuldenfalle
gesucht. Und es gibt Pfändungsgrenzen, abhängig von Einkommen und Haushaltsgröße, die den Betroffenen genug Geld zum Leben garantieren sollen. Beispiel: Einem alleinverdienenden Familienvater mit einem Kind und 2600 Mark Nettoeinkommen dürfen pro Monat nicht mehr als 228,80 Mark gepfändet werden. "Außerdem verhandeln wir mit den Gläubigern über Stundung oder darüber, auf Verzugszinsen zu verzichten", so Stefanie Laag. Wenn die sich kulant verhalten, steigen schließlich die Chancen, daß der Schuldner jemals wieder zahlungsfähig wird. Ein Argument, das zieht. In mehr als 50 Prozent der Fälle seien tragbare Zahlungsvereinbarungen getroffen worden, bei 30 Prozent habe man die Forderungen sogar verringern können, so Stefanie Laag. Einen zusätzlichen Ausweg soll es ab 1999 geben. Genauso wie Firmen sollen dann auch Privathaushalte Konkurs anmelden dürfen. Doch noch stellen sich die Bundesländer quer. Sie befürchten eine Überlastung des Justiz. |