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Heroin statt Hilfe
Die Zerstörung eines jungen Lebens

Bernd Wassermann im Eigenverlag 2002, 134 Seiten - DinA 5

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Inhaltsangabe - Anmerkung paPPa.com - Zu diesem Buch

Inhaltsverzeichnis - Leseproben

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Inhaltsangabe des Autoren

Dieses Buch beschreibt unsere verzweifelten Bemühungen, Hilfe für unsere Tochter Nicole zu finden, eine erfolglose Suche und ist gleichzeitig die Geschichte ihres kurzen Lebens:

Im Frühjahr 1995 (Nicole war damals 13 Jahre alt) "offenbarte" sie ihrer Lehrerin, ich, ihr Stiefvater, würde sie ständig misshandeln. Die Lehrerin "glaubte" ihr diese Lüge. Wir wandten uns an das Jugendamt, die Schule und an Psychologen in der Hoffnung, diese Fachleute könnten das Verhalten des Kindes erklären und ihr helfen. Die Lehrer verweigerten jede Hilfe, das Jugendamt wiegelte nur ab, lediglich eine Psychologin bemühte sich, die Ursachen zu ergründen. Sie ließ Nicole in einer psychiatrischen Klinik untersuchen, wo tatsächlich leichte hirnorganische Defekte diagnostiziert wurden.

Ende 1995 wurde Nicole auf Betreiben des Jugendamts in einem Mädchenheim untergebracht. Dort wurde sie drogenabhängig, hielt sich immer häufiger am Bahnhof Zoo auf. Im Frühjahr 1996 "deckte" der Heimleiter "auf", dass ich Nicole jahrelang sexuell missbraucht hätte! Das Jugendamt kündigte wegen des Drogenkonsums im April 1996 den Heimplatz, wohl wissend, dass Nicole nicht nach Hause kommen würde.

Die folgenden Monate lebte Nicole als Straßenkind am Bahnhof Zoo, wurde immer tiefer in den Drogensumpf herabgezogen. Sie begann, Heroin zu spritzen, erkrankte schließlich auch noch an Hepatitis C.

Alle unsere Bemühungen, Nicole von der Straße wegzubekommen scheiterten am Jugendamt. Hilfeersuchen an die Leitung des Amts und dann an zuständige Bezirkspolitiker blieben ohne Erfolg. Schließlich ersuchten wir das Familiengericht, Nicole zwangsweise in einem geschlossenen Heim unterzubringen, um sie zunächst einmal aus der Szene herauszuholen und ihr nach Möglichkeit weitere Hilfe angedeihen zu lassen. Dies erreichten wir zwar nicht ganz, immerhin machte der Richter Druck auf das Jugendamt.

Im Herbst 1996 kam Nicole schließlich in verschiedenen "betreuten" Wohneinrichtungen unter, gleichzeitig wurde sie von einer Ärztin gegen unseren Willen (aber mit ausdrücklicher Zustimmung des Jugendamts) ins Polamidon-Programm aufgenommen. Die Ärztin verweigerte jeglichen Kontakt mit uns.

Im Spätsommer 1997 wurde Nicole trotz Polamidon rückfällig und kam zum Entzug ins Krankenhaus. Der Platz in der "betreuten" Wohneinrichtung" wurde wieder gekündigt. Endlich kam Nicole wider nach Hause, krank, ohne Schulausbildung, ein Schatten ihrer selbst.

Nun folgten in steter Reihenfolge Polamidonprogramm - Rückfall - Krankenhaus. Mehrere Therapieversuche wurden abgebrochen, sie schaffte es jedoch immer wieder, einen Arzt zu finden, der ihr Polamidon gab.

Sommer 1998 zogen wir aus Berlin weg aufs Land. Nicoles Verhältnis zu uns hatte sich wesentlich verbessert, sie war auch von dem Umzug begeistert. Leider zog es sie bald wieder häufig nach Berlin in die Szene. Sie kam aus diesem Kreislauf Drogenkonsum - Entzug nicht heraus, bis sie schließlich am 4.4.2001 im Alter von 19 Jahren an einer Überdosis verstarb.

Anmerkung paPPa.com:

Die Geschichte von Nicole ist leider exemplarisch. Sie ist ein anschauliches Beispiel für das vollständige Versagen der sogenannten "Kinderschützer" und die Unfähigkeit, einmal begangene Fehler einzugestehen oder auch nur aus ihnen zu lernen. Der Leser bekommt anschaulich mitgeteilt, wie seitens des an sich verantwortlichen Jugendamts (aber auch anderer Institutionen) über Jahre immer genau das Falsche getan wird, notwendige und fachlich qualifizierte Hilfe für Kind und Eltern kontinuierlich verweigert werden.

Wer im Rahmen von auftretenden Problemen beim eigenen Kind - insbesondere auch im Rahmen von Trennungs- und Scheidungsauseinandersetzungen, nicht nur bei den sogenannten "Nestflüchtern) - mit dem Jugendamt in Kontakt kommt, sollte diese Geschichte als warnendes Beispiel kennen. Denn jedem kann es passieren, Opfer dieser Institution und der dort vorherrschenden mangelnden Qualifikation und der menschlichen Trägheit zu werden.

Der Autor überzeugt aber vor allem mit der zwar sachlichen aber auch durchaus emotionalen Darstellung der Charaktere. Die Einsamkeit der jungen Nicole und die Verzweiflung ihrer Eltern wird hautnah und der Leser leidet mit ihnen. Das ganze Elend der Tochter lässt sich aber gleichwohl nur erahnen.

Zu diesem Buch

Die Idee, diese haarsträubenden Ereignisse um unsere Tochter zu einem Buch zu verarbeiten, kam mir schon in der Zeit, als sie von Amts wegen auf die Straße geschickt wurde, um ihre Tage am Bahnhof Zoo als Junkie und Straßenkind zu verbringen, also im Frühjahr 1996. Ich hatte mir bald angewöhnt, sorgsam Buch zu führen über alles, was sich um Nicole herum ereignete.

Nach dem wir Berlin verlassen hatten, begann ich mit den ersten Kapiteln. Doch dann kamen mir Bedenken, ob ich mit einer Veröffentlichung nicht eventuell Nicole schaden würde. Immerhin schien sie in dieser Zeit erfolgreich gegen die Drogensucht anzukämpfen und ich hatte Sorge, dass ihr künftig ihre Vergangenheit vorgehalten werden könnte. Also ließ ich diese Arbeit erst einmal ruhen.

Nach Nicoles Tod brauchte ich wieder ein Ventil, meine Trauer und meine Wut herauszulassen, zumal ich auch von Freunden und Kollegen bedrängt wurde, das Buch zu vollenden. Ich wende mich hiermit insbesondere an Eltern, die in einer ähnlichen Lage sind und die ich auffordere, gegen alle Widrigkeiten um ihre Kinder zu kämpfen. Es lohnt sich immer! Uns wurden in diesen Jahren etliche Fälle bekannt, in denen dieser Kampf tatsächlich zum Erfolg führte, ein Kampf, den Eltern und Abhängige gemeinsam führen müssen; ein Kampf, den wir leider verloren haben. Auch für Eltern, die noch nicht mit diesem Problem konfrontiert wurden, dürfte von Interesse sein, wie leicht man in die Mühlen der Ämter geraten kann und von der Ignoranz und Unfähigkeit der ,Helfer" zerrieben wird.

In der ersten Fassung meines Berichts hatte ich alle beteiligten Personen und Institutionen namentlich genannt, doch ich wurde dringend aufgefordert, diese vor einer Veröffentlichung zu anonymisieren, um eventuelle Prozesse, Klagen wegen Verleumdung oder Beleidigung zu vermeiden. Ich habe dies getan, indem ich die Namen der wichtigsten und meistgenannten Personen geändert habe, da es sich besser liest als ein ständiges Herr X. oder Frau Z.; bei einigen Randpersonen habe ich diese Schreibweise verwendet. Ebenso geändert wurde die Namen der beteiligten Hilfsvereine und Unterkünfte. Das Jugendamt wurde insofern anonymisiert, als daß ich auf die Nennung der Berliner Stadtbezirke verzichtete, von denen es ja einige in Berlin gibt.

Gelegentlich habe ich auch eine ,Geschlechtsumwandlung" vollzogen und aus einem Herrn eine Dame (oder umgekehrt) geschaffen. Sollten dennoch Ähnlichkeiten auftreten, so sind diese zufällig und mit Sicherheit nicht beabsichtigt.

An dieser Stelle soll noch betont werden, daß meine Vorwürfe sich nicht grundsätzlich gegen alle Hilfsvereine und gegen die Jugendämter an sich richten. Es gibt dort überall viele Mitarbeiter, die sich mit gewaltigem Engagement für ihre Schützlingen einsetzen und hervorragende Arbeit leisten. Leider hatten wir das Pech, zu allem Unglück an die falschen Personen zu geraten, von einigen wohltuenden Ausnahmen abgesehen.

Allen Menschen, die uns in der schweren Zeit mit Rat und auch mit Tat zur Seite standen, die sich nicht von uns abwandten, sei hier unser aufrichtiger Dank ausgesprochen!

Bernd Wassermann

Inhaltsverzeichnis

1. Nicoles Kindheit 3
2. Die Katastrophe beginnt 7
3. Warum? 11
4. Erste Kontakte mit Frau Hartig 16
5. Nicole kehrt zurück 20
6. Hilfesuche in der Schule 22
7. Sinnloses Gespräch mit den Tutoren 24
8. Wird der Rektor helfen? 27
9. Unsere Suche nach ärztlicher Hilfe für Nicole 31
10. Nicoles Trip nach Bremen 36
11. Wieder im Eichenhain 39
12. Das Mädchenheim - trotz aller Bedenken eine neue Hoffnung 42
13. Das Mädchenheim - eine Hoffnung zerrinnt 46
14. Ein letzter Rettungsversuch 52
15. Nach der Niederlage - tiefe Niedergeschlagenheit 56
16. Nicole wird Straßenkind vom Bahnhof Zoo 60
17. Zweite Drogenvergiftung - eine Chance? 63
18. Nicole vor der Kamera - macht das Druck aufs Jugendamt? 70
19. Richterliche Entscheidung - Druck auf's Jugendamt 73
20. Frau Hartig lässt sich Zeit 77
21. Eine Helferkonferenz ohne Helfer 81
22. Zweite richterliche Anhörung 85
23. Nächste Helferkonferenz - wieder ohne Helfer 89
24. Monika 92
25. Haus der Hoffnung 99
26. Chaos 102
27. Nicole ist wieder zu Hause 108
28. Endlich - ein glückliches Jahr 113
29. Nicole kämpft gegen die Sucht 116
30. Eine kurze Liebe 119
31. Die letzte Prophezeiung erfüllt sich 123
32. Zu diesem Buch 130
33. Chronologische Übersicht 132



Bezugsbedingungen

Heroin statt Hilfe - Die Zerstörung eines jungen Lebens Eigenverlag 2002, 134 Seiten - DinA 5, € 8,00 (Dateiversion PDF) oder € 11,90 (Printversion inklusive Versandkosten € 1,90)

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