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Inhaltsverzeichnis
| Zur Einführung | Seite | |
| Dierk Schäfer, Ev. Akademie Bad Boll | Einführung in die Tagung | 1 |
| Tagungsprogramm | Auszüge | 5 |
| Dorle Marx, MdB, Kommission zur Wahrnehmung der Belange der Kinder (Kinderkommission), Bonn | Grußwort | 7 |
| Referate und andere Beiträge der Tagung (z.T. in Form von Exposés) |
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| Prof. em. Heinrich Kupffer, Berlin | Wenn Kinder zum Zankapfel werden | 8 |
| Prof. Dr. Uwe Jopt, Bielefeld | Zur Diskrepanz zwischen staatlichem Kinderschutz und behördlichen Kinderschützern | 15 |
| Dierk Schäfer | "Der kleine Prinz" - eine Andacht | 38 |
| Ergebnisse der Arbeitsgemeinschaften der Tagung | 42 | |
| Christine Knappert, Jugendamt Bad Salzuflen | Schwierigkeiten in der Kommunikation von Jugendämtern und Familiengerichten mit den streitenden Parteien | 44 |
| Dr. Wolfgang Raack, Vormundschaftsrichter, Kerpen | Zu der derzeitigen Kritik an den Jugendämtern aus gerichtlicher Sicht ! | 50 |
| Ernst Elmar Bergmann, Richter am AG Mönchengladbach-Rheydt | Auswahl und Rolle des Gutachters im familiengerichtlichen Verfahren | 56 |
| Wolfram Schrag | Protokoll der Podiumsdiskussion | 63 |
| Helga Biermann-Himmel, Dipl.-Psych., Münster | Gibt es Chancen einer Verständigung zwischen Betroffeneninitiativen und Jugendamt? | 66 |
| Ursula Münz, Flexible Erziehungshilfe f. Mädchen, FEM, Waiblingen | Wieweit können Modelle der Erziehungshilfe ... pädagogischen Widerstand gegen unheilvolle Entwicklungen Jugendlicher leisten? Und wie könnte eine Wiederannäherung an das Elternhaus erreicht werden? | 67 |
| Ursula Körber, TU Berlin | Zu einem Froschungsprojekt über Verfahren zur Sicherung des Kindeswohls | 68 |
| Ministerialrat Dr. Reinhard Wiesner, Bonn | Problemaufriß zum Thema "Kontrolle / Arbeit der Jugendämter" | 70 |
"In den letzten Jahren häufen sich die Eingaben von einzelnen Bürgern, aber auch von Initiativen und Personengruppen, die über die Arbeit einzelner Jugendämter Klage führen. ... Ein großer Teil geht auf die Initiative "Jugendamtsgeschädigte" zurück ... ."
Diesen Tatbestand registrierte man im Bonner Jugend- und Familienministerium. Wer da warum aufbegehrt und kritisiert, und was die Kritisierten, aber auch Vormundschaftsrichter und andere für das Rechtsgut "Kindeswohl" Verantwortliche, dazu sagen - darum ging es Anfang November bei einer Tagung der Ev. Akademie Bad Boll.
In den hier wiedergegebenen Beiträgen wird deutlich, wie tief alle offiziellen Maßnahmen in den emotional höchst empfindlichen Bereich Familie bzw. Eltern - Kinder ohnehin einschneiden; kommt dann noch Fehlverhalten und/oder Überreaktion hinzu, beginnen erbitterte Auseinandersetzungen. Tagungsleiter Dierk Schäfer, Psychologe und Theologe, hat das Thema nicht zuletzt aufgrund der Erfahrungen bei einer Veranstaltung über Folgen des Vorwurfs "Kindesmißbrauch" gewählt (epd-Dok. 40/95)
Dierk Schäfer: Einführung in die Tagung (Auszüge, Hervorhebungen durch paPPa.com)
... "Familienfragen, insbesondere Familienstreitigkeiten und Eingriffe von außen in die Familie gehörten gehörten schon immer zu den sensibelsten Erlebnisbereichen. Kein Wunder, daß die Emotionen hochgehen, kein Wunder, daß Jugendamtsmitarbeiter, Richter und andere Fachleute hier ein äußerst diffiziles Arbeitsfeld haben, kein Wunder, daß Mißverständnisse entstehen und tiefsitzenden Verletzungen zugefügt werden, meist ohne böse Absicht, kein Wunder, daß sich Betroffene in ihrer Not an jeden wenden, der sie anhört, ihre Geschichte in den Medien aufgreift oder eine Tagung dazu macht. Denn sie erleben diese Vorgänge als Eingriff in ihren Lebensablauf, es geht um ihr Leben. Bei den professionell Beteiligten auf der anderen Seite geht es um die fast übermenschliche Anforderung, in diesem Umfeld Verständnis aufzubringen, Angriffe nicht persönlich zu nehmen, Argumente und Entscheidungen abzuwägen und dabei einen kühlen Kopf zu behalten, ohne herzlos zu sein.. Sicherlich darf man von Profis mehr erwarten als von nichtprofessionellen Betroffenen, aber auch ihnen wird man Grenzen der Belastbarkeit zubilligen müssen.
Wir haben auf dieser Tagung Betroffene und Professionelle zusammengeführt, damit sie miteinander ins Gespräch kommen, die einen mit ihrer Lebensnot, die anderen mit ihrem beruflichen Dilemma.
"... Die Fälle dieser Tagung sind in keiner Weise hochzurechnen, weder für die Betroffenen noch für die Jugendämter und die anderen beteiligten Institutionen. Wir können bestenfalls Typen mißlungener Kommunikation aufzeigen, daß ist das Manko dieser Tagung, aber auch ihre Chance. Die sollten wir gemeinsam nutzen." (S. 2)
"... Das Problem ist, daß in vielen Fällen, in denen ich neben der Darstellung der Betroffenen auch eine des Jugendamtes bekam, beide Seiten, Jugendamt wie Betroffene, sehr gut und plausibel jeweils ihre Sicht der Dinge begründen konnten. Niemand hat irgendeinen Fehler gemacht, beide Seiten haben ausschließlich Recht - gegeneinander. Gemessen an der Lebenserfahrung wie auch an Grundsätzen der Aussagepsychologie macht das beide Seiten verdächtig. Wie soll man zu halbwegs tragfähiger Kooperation zum Wohle des Kindes kommen, wenn man nicht in der Lage ist, auch über eigene gemachte Fehler, Fehleinschätzungen, Ungeschicklichkeiten oder nicht ganz gerechtfertigte Teilentscheidungen und voreilige Schuldzuschreibungen zu sprechen? Andererseits, wie soll man Fehler zugeben können, wenn man zu wissen meint, der der andere nur nachstößt? ..." (S. 3)
"... Aber lassen Sie mich noch einige Worte zur Konzeption der Tagung sagen: Sie haben bereits gehört, daß hier persönlich Betroffene mit in ähnlichen Fällen fachlich zuständigen Personen zusammen sind. Wir freuen uns, daß wir beide Gruppen, wenn ich das so nennen darf, zu dieser Tagung gewinnen konnten, und hoffen, daß wir keine unkontrollierte Kettenreaktion auslösen."
"... Einige Jugendämter haben das als Chance verstanden und danbar davon Gebrauch gemacht, andere nicht, wie immer man das auch bewerten mag. Die Medienvertreter und -vertreterinnen ... haben so die Möglichkeit einer fallangemessenen Berichterstattung - dies ist bitter nötig." (S. 4)
Dorle Marx, MdB, Bonn: Grußwort
Abschrift, Deutscher Bundestag, Kommission zur Wahrnehmung der Belange der Kinder (Kinderkommission), Tagung "Kindeswohl - Dilemma und Praxis der Jugendämter", Ev. Akademie Bad Boll, 4. bis 6. November 1996
"Die Kinderkommission des Deutschen Bundestages befaßt sich aufgrund einer Reihe von Eingaben von Betroffenen seit längerem mit dem Thema "Arbeit und Kontrolle der Jugendämter". Die Kritik in den Eingaben richtet sich vor allem auf folgende Bereiche:
Die Kinderkommission befaßte sich schon in der vergangenen Wahlperiode mit der hier bestehenden Problematik. Hierzu wurden Gespräche mit den zuständigen Bundesministerien, obersten Jugendbehörden von Bundesländern sowie Kinderärzten und -psychologen geführt und die Bundesregierung gebeten, Möglichkeiten einer Verbesserung der Arbeit und Kontrolle der Jugendämter im Rahmen der Kindschaftsrechtsreform ind im Bereich des Kinder- und Jugendhilfegesetzes zu prüfen.
In dieser Wahlperiode wurder der Dialog mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fortgesetzt und im Februar d.J. ein Gespräch mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter geführt. Da die Jugendhilfe zu den klassischen Aufgaben der kommunalen Selbstverwaltung gehört, werden wir die Problematik in naher Zukunft auch mit den kommunalen Spitzenverbänden erörtern.
Im Rahmen der Kindschaftsrechtsreform stehen u.a. folgdende Vorschläge des Regierungsentwurfs derzeit zur parlamentarischen Beratung an:
Folgende Verbesserungsmöglichkeiten sind - auch nach einer von der Bundesministerin für Familie, Senioren und Jugend gegenüber der Kinderkommission abgegebenen Stellungnahme [paPPa.com hat dreifach um Übersendung dieser Stellungnahme und Informationen über den weiteren Fortgang der Gespräche gebeten - es erfolgte dreifach keine Antwort] - erwägenswert:
Die Landesjugendämter haben gegenüber der Kinderkommission ihre Bereitschaft erklärt, problemspezifische Fortbildungen und Beratungen für die Jugendämter anzubieten.
In diesem Zusammenhang werden wir auch diskutieren, ob es zweckmäßig ist, die Rechtsaufsicht über die Jugendämter auf Fachbehörden der Jugendhilfe zu übertragen (statt bisher meist Behörden der allgemeinen inneren Verwaltung).
Die Kinderkommission ist an der Ergebnissen der Tagung in Bad Boll interessiert und wird diese in ihre weiteren Beratungen einbeziehen. Ich wünsche der Tagung eine guten Verlauf und Erfolg."