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Dortmunder Zeitung vom 1.10.1996
Mutter brachte
Dreijährigen um / Vater will jetzt das Sorgerecht
Erster Sohn tot: Kampf ums
zweite Kind
(be-) Als Detlev W. vor drei Jahren seinen Sohn verlor, dachte er, schlimmer könne es nicht kommen. Seine depressive Frau hatte den damals Dreijährigen getötet, weil sie dem behinderten Jungen ein menschenunwürdiges Leben ersparen wollte.
Für die Justiz ein Grund, keine Anklage gegen die 36jährige zu erheben. Detlev W. kam über das Geschehene allerdings erst nach einer psychosomatischen Behandlung einigermaßen hinweg. Jetzt steht er wieder vor den Trümmern seines Familienlebens.
Das Ehepaar hatte sich nach langem Überlegen entschieden, es noch einmal mit einem Kind zu versuchen. Vor fünf Tagen wurde der Junge ein Jahr alt. Seinen Vater hat er bislang kaum zu Geisicht bekommen. Denn das Ehepaar W. trennte sich noch während der Schwangerschaft. Grund: Die Geschehnisse von 1993 führten immer wieder zu Auseinandersetzungen. Für Detlev W. unfaßbar: Das Jugendamt erteilte nicht etwa ihm das Sorgerecht für den Kleinen, sondern überließ es beiden Elternteilen, für das Kind zu sorgen. Aufwachsen aber sollte es bei den Eltern von Frau W.
Damit sind die Besuche bei seinem Sohn für den Vater eine Qual: "Das hat gar keinen Sinn. In der kleinen Wohnung ist ein persönliches Näherkommen kaum möglich, die Schwiegereltern sind immer dazwischen und beeinflussen den Jungen in ihrem Sinne", sagt der Angestellte. Ein Antrag, ein Treffen auf neutralem Boden stattfinden zu lassen, lehnte das Jugendamt wegen Entführungsgefahr, ausgehend vom Vater, ab. Inzwischen wächst dessen Angst, dem Kind könne wieder etwas passieren. Und das nicht ganz ohne Grund. Zwischenzeitlich hatte sich der psychische Zustand der Mutter, so heißt es in einem Schreiben des Jugendamtes, massiv verschlechtert. Erst nach langer Behandlung konnte sie wieder entlassen werden.
Momentan hat das Dortmunder Jugendamt die Vormundschaft für den Einjährigen. "Wir mußten uns einem Gerichtsentscheid fügen und konnten deshalb dem Vater das Sorgerecht nicht geben", heißt es in einer offiziellen Stellungnahme der Verwaltung. Für etwas Erleichterung in den Amtsstuben sorgt, daß man den Schwarzen Peter jetzt ans Bergkamener Jugendamt weitergeben kann. Denn dorthin ist Detlev W. inzwischen umgezogen. "Die Gefahr für mein Kind ist damit nicht beseitigt", sagt er.
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