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2 Fälle aus der laufenden Jugendamtspraxis ... Völlig überfordert - oder?
PAZ - Peiner Allg. Zeitung 4.4.98
"Wenn ein Kind zum Spielball der Gefühle
wird"
"Er wird zum seelischen Krüppel, und das Jugendamt
schaut zu"
Scheidungswaisen haben es nicht einfach, besonders, wenn die Erwachsenen sich nicht darüber einigen können, was mit dem Kind geschehen soll. Dann muß das Jugendamt eingreifen. - zum Wohl des Kindes. Die Schuldigen sind meistens die Eltern. Viele haben den Instinkt dafür verloren, was für ihr Kind gut ist. 700 Akten türmen sich bei den Sachbearbeitern des Jugendamtes. Ihre Entscheidungen treffen nicht immer auf Zustimmung. Deshalb kommen immer wieder Beschwerden. Oft geht es um unabänderliche Dinge wie Gesetze. Daran können auch die Sozialarbeiter nicht drehen, selbst wenn es im Einzelfall vielleicht zum Wohl des Kindes wäre. Wenn Menschen, die sich um ihr Kind sorgen, nicht mehr weiter wissen, wenden sie sich häufig an die Presse. Von einer Veröffentlichung versprechen sie sich Aufmerksamkeit und auch Hilfe. Stellvertretend für mehrere Personen, die sich an die PAZ gewendet haben mit der Bitte um Hilfe, veröffentlichen wir den Fall der Susanne Petri, die um die Vormundschaft für ihren Enkel kämpft. Sie hat sich so sehr engagiert - zu sehr, sagt der Rest der Familie - daß sie fast alle gegen sich hat. Dem Peiner Jugendamt wirft sie vor, nicht zum Wohle des Kindes zu handeln.
VON BÄRBEL BURK-SCHAPPER
Susanne Petri hat einen Enkel, an dem sie sehr hängt. Thorsten ist neun Jahre alt und der Sohn ihrer Tochter, die zur Zeit nicht in der Lage ist, ihr Kind zu erziehen. Sie versucht, nach Drogenproblemen ihr Leben wieder in Ordnung zu bringen und macht in der Nähe von Bremen eine Therapie. Sie hat kein Sorgerecht mehr für ihren Sohn.
Vier Jahre hatte die Ehe ihrer Tochter Claudia mit Schwiegersohn H. (die Familie möchte nicht namentlich genannt werden) gehalten. Nach der Scheidung blieb Thorsten bei seiner Mutter, er war viel bei seiner Oma. Als die Tochter Drogenprobleme bekam, kriselte es in der Beziehung zwischen Tochter und Mutter. Claudia gab Thorsten zum Vater. Da dieser berufstätig war, hatte der Kleine nach Ansicht seiner Oma nicht die nötige Pflege. Er sei aggressiv und unglücklich gewesen, habe oft bei seiner Oma angerufen und gebeten, sie solle ihn holen.
Petri wollte die Vormundschaft. Es kam zu Anschuldigungen gegen den Vater, die aber beigelegt wurden. Trotzdem verlor der Vater das Sorgerecht. Alles schien danach so logisch: Der KIeine war bei der Oma, das Jugendamt ließ sein Einverständnis damit durchblicken, die Welt schien in Ordnung. Das dauerte vier Wochen, dann kam Thorsten eines Tages nach der Schule nicht nach Hause. Oma und Opa waren in Panik. Thorsten war ohne sich abzumelden zu seinem Vater gefahren. Das Jugendamt griff ein und bat alle zum Gespräch: Der Junge kam ins Waldorfinternat. Die Vormundschaft bekam nicht Petri, sondern die andere Großmutter.
Hier beginnt die Reihe der Vorwürfe, die Petri dem Jugendamt macht. Sie fragt, wieso ist ein Kind in einem Internat besser aufgehoben als in einer Familie, die sich um alles kümmern kann und will? Vor allen Dingen, wenn es sich um ein Kind handelt, das eine regelrechte Odyssee hinter sich hat, auch gefühlsmäßig.
Petri ist noch jung, betreibt mit ihrem Mann ein eigenes Geschäft in dem Haus, in dem auch die Wohnung ist. Der Junge hätte immer einen Ansprechpartner. Von anderen Personen wird sie als jemand bezeichnet, der mit beiden Beinen im Leben steht. Die andere Großmutter habe die Vormundschaft nie wirklich gewollt, habe auch keine Zeit, sich um das Kind zu kümmern. Petri fühlt sich von ihrer Tochter verraten, die ihr nach ihrer Ansicht das Kind bewußt entzieht, um sie zu bestrafen und zu erpressen. Petri kann nicht verstehen, daß das Jugendamt auf die dauernd wechselnde Meinung ihrer Tochter reagiert.
Außerdem hält sie den Beamten vor, sich nicht davon überzeugt zu haben, daß es dem Kind im Internat gut geht. Denn schon bald kamen von dort Horrornachrichten: Die Mutter eines anderen Kindes unterrichtete Petri von schlimmen Zuständen dort, körperliche Züchtigungen. Thorsten habe sie, die fremde Frau, gebeten, seine Oma davon zu unterrichten.
Petri überzeugte sich von den Mißständen im Internat, schaltete das Landesjugendamt ein, das nach Besichtigung und Besprechung die Stufe des Internats, in der Thorsten untergebracht war, tatsächlich schloß. Der Grund: Es hatte Übergriffe gegeben, Kinder wurden geschlagen, mußten zur Strafe barfuß im Flur stehen.
"Der Junge ist von allen ungewollt, niemand will ihn", sagt die Oma, die sich gern um ihren Enkel kümmern möchte und nicht darf. "Jetzt könnte ich noch ein paar Jahre helfen, der Junge hat doch nichts von der Kindheit gehabt. Er kann nur zum seelischen Krüppel werden, und das Peiner Jugendamt schaut zu."
Daß der Junge zum Vater zurückkommt, hält Petri für nicht gut. Der habe inzwischen eine andere Partnerin mit Tochter. Wahrscheinlich fühle sich Thorsten dort zurückgesetzt. "Sie schläft in meinem Zimmer" habe Thorsten sich beklagt.
Petri hat eine Rechtsanwältin eingeschaltet, will gegen das Jugendamt klagen. Ihr Vorwurf: Das Peiner Jugendamt handele nicht zum Wohle des Kindes. Im Amt werde der bequemste Weg beschritten, die Sachbearbeiter machten sich keine Mühe, ihre Entscheidungen auf Richtigkeit zu überprüfen.
Vater und Vormünderin
"Ich kannte die Vorwürfe gegen das Internat
nicht"
Für den Vater und die Vormünderin ist es unbegreiflich, daß sie sich "gegenüber der Presse verantworten" müssen. "Susanne Petri ist die Oma" sagt der Vater, "und niemand anderes. Sie ist nicht Mutter. Sie hat ausgeholfen, als Not am Mann war. Und das war in Ordnung." Was jetzt laufe, sei nicht normal. Es gebe Gründe für das Internat. Der Junge werde beeinflußt von der Oma. Sie habe sich selbst ins Abseits gedrängt, habe Unwahrheiten erzählt und den Jungen mit ins Boot gezogen. Daraufhin habe seine Mutter die Vormundschaft beantragt und auch bekommen. Der Grund: "Ich wollte nicht, daß mein Enkel in ein Heim muß oder zu Pflegeeltern kommt", sagt sie. "Thorsten fühlt sich durch diese Aktion wichtig. Ich halte das alles für bedenklich," sagt der Vater.
Er hat das alleinige Sorgerecht für seinen Sohn wieder beantragt. Die Vormünderin ist damit einverstanden. Er sagt, er wolle, das Kind nach Hause holen, sobald in der Braunschweiger Waldorfschule ein Platz frei wird. Wohnen soll der Kleine dann zu Hause, bei ihm und seiner neuen Partnerin.
Er habe den Kontakt zur Oma normal aufrechterhalten wollen. Aber die Oma habe sich in alles eingemischt. Irgendwann sei ein normaler Kontakt zwischen den Erwachsenen nicht mehr möglich gewesen. Er räumt ein, daß die Erwachsenen auch oft aneinander vorbeigeredet hätten. Daraus sei dann der Schluß gezogen worden, er, der Vater, sei nicht interessiert an dem Kind.
"Ich kannte die Anschuldigungen gegen das Internat nicht. Meine Schwiegermutter hätte mich anrufen müssen", beklagt er sich. Er hätte Thorsten bislang auf dessen Wunsch regelmäßig zur Oma gebracht, aber in jüngster Zeit sei der Wunsch seitens des Kindes immer seltener gekommen. "Wie auch immer die Fronten jetzt verhärtet sind, gut ist, daß sie die Sache mit dem Internat aufgedeckt hat", räumt er ein.
Peiner Jugendamt
"Junge wird in der Situation zerrissen"
Normalerweise sind Kinder in Familien am besten aufgehobene aber nicht immer, sagt das Peiner Jugendamt. Im Vorfeld hätten in dem vorliegenden Fall beide Elternteile um eine Beratung gebeten, das Vormundschaftsgericht habe entschieden. "Das Kind kann nicht in der Familie aufwachsen, so wurde von allen Beteiligten beschlossen. Die Eltern reißen das Kind hin und her. Es ist vollkommen orientierungslos." Sicher sei es besser, in einer Familie aufzuwachsen, aber man müsse es einer Familie auch zutrauen. Hier werde ein Kind in der Situation zerrissen. Keiner sehe, daß der ganze Streit zu Lasten des Jungen gehe. Das Internat sei der letzte Ausweg gewesen, sonst wäre nur noch ein Heim in Frage gekommen. "Wäre sich die Familie einig, gäbe es keine Einwände, das Kind bei der Oma aufwachsen zu lassen."
Das Landesjugendamt
"Vorwürfe gegen das Internat waren gerechtfertigt"
Rainer Kröger ist Leiter des Landesjugendamts, Dezernat Hilfe zur Erziehung. "Es gab konkrete Vorfälle im Internat, zurückzuführen auf das Fehlverhalten einer Mitarbeiterin", sagt Kröger. "Diese Mitarbeiterin arbeitet dort nicht mehr, die Vorwürfe waren berechtigt." Die Unterstufe sei auf Druck des Landesjugendamtes geschlossen worden. Im Internat werde zur Zeit überlegt, wie die Arbeit dort weitergehen soll. "Noch kann niemand sagen, wo der Zug hingeht", sagt Kröger. Von der Philosophie her hätten Einrichtungen oft gute Absichten, aber die Ausführung hänge immer mit Menschen zusammen. Schnell sei das Personal überfordert. Wenn die Ideen und die Jugend nicht mehr übereinstimmten. Der Träger habe das Problem durchaus erkannt. Es gebe Überlegungen, ob grundsätzlich etwas geändert werden müsse. "Das bewerten wir als positiv", sagt Kröger. Wenn die Unterstufe wieder geöffnet werden soll, müsse das dem Landesjugendamt mitgeteilt werden. "Die Betreiber benötigen eine neue Betriebserlaubnis, das setzt bei uns eine neue Prüfung in Gang."
Die Lehrerin
"Das war ein ganz anderes Kind"
Doris Bertold war Thorsten Lehrerin an der Grundschule. Für sie ist es unverständlich, daß der Junge von der Oma wieder fortkam: "Er hatte sich zum Positiven verändert, war motiviert und aufgeschlossen, als er dort war. Die positive Entwicklung hielt an, bis sich die Eltern wieder einschalteten. Ich kann nicht verstehen, daß der Junge da wieder herausgenommen wurde." Während er, als er bei den Eltern war, schon mal einen ungepflegten Eindruck gemacht habe, sei danach die Wandlung richtig aufgefallen: "Das war ein ganz anderes Kind."
Die Mutter
"Besser, wenn Familientroß nicht wäre"
Die Mutter Claudia möchte sich am Telefon nicht äußern, redet dann aber doch: "Ich als Mutter wäre sicherlich die letzte, die nicht möchte, daß es meinem Kind gutgeht", sagt sie empört. Jedes Kind wolle aus einem Internat heraus. Ihre Mutter versuche, gegen alles anzukämpfen, schließlich wäre der Kleine von ihr, der Oma, auch weggelaufen. "'Diesem Kind würde es besser gehen, wenn der ganze Familientroß nicht wäre. Und ich als Tochter würde nicht so reagieren, wenn in der Familie alles stimmen würde."
Die Rechtsanwältin
"Niemand hört das Kind richtig an"
Die RechtsanwäItin sagt, daß sich die Vormundschaftssache zur Zeit beim Landgericht Braunschweig befinde. "Es hat keine Anhörung des Kindes gegeben, auf die Belange des Kleinen wird auch nicht eingegangen. Das Kind befindet sich in einer sehr problematischen Familiensituation." Bei der gerichtlichen Anhörung sei nur über die Schulform gestritten worden. Außer der Großmutter beschäftige sich niemand so richtig mit dem Kind. "Das Kind sagt immer, ich will zu meiner Großmutter, und keiner hört das Kind richtig an."
Die Waldorfschule
Erzieherin vom Dienst suspendiert
Ralf Leiders ruft im Auftrag der Waldorfschule an. Er bestätigt, daß die Unterstufe im Internat inzwischen geschlossen wurde, aber: "Ganz so einfach wie Petri das sagt, ist das nicht. In der Familie des Jungen herrscht ein Vormundschaftskrieg. Wir haben Angst, daß diese Situation die Arbeit, die wir hier leisten, wieder kaputt macht." Er räumt auf Befragen ein, daß eine Erzieherin inzwischen vom Dienst suspendiert wurde. Ansonsten sei aber von den gemachten Vorwürfen nicht viel übriggeblieben.
Die Frau, die zur Hilfe kam
"Das Kind muß dringend zurück"
Ingrid Röder ist die Frau, die Thorsten um Hilfe bat. "Er hat gesagt: bitte, bitte helfen Sie mir", sagt Röder, und daß er zu seiner Oma wolle. Röders Tochter Laura und Thorsten kennen sich aus der Schule, er ging manchmal mit zu ihr nach Hause. "Das Kind muß dringend zurück", sagt Röder, "dem hat man schon zuviel angetan." Manchmal sei der Junge traurig gewesen. Dann habe er gesagt, er habe zu Hause Probleme. "Was hier läuft. spottet jeder Beschreibung." Die Oma stehe mit beiden Beinen auf der Erde. Außerdem sei es Petri gewesen, die das Landesjugendamt eingeschaltet habe.
Thorsten
"Wenn Fremde zuschlagen, das tut viel doller weh"
Thorsten hat gerade eine Arbeitsstunde im Internat, als das Telefon für ihn klingelt. Er macht einen aufgeweckten, lebhaften Eindruck, redet erwachsener, als es in seinem Alter üblich ist: "Ich bin jetzt praktisch genommen in der Oberstufe untergebracht", sagt er, "und ich muß wohl bis zum Ende der vierten Klasse hierbleiben." Früher seien im Internat viel mehr Kinder gewesen, aber die anderen seien alle heruntergenommen worden von ihren Eltern. Auf die Frage, ob er geschlagen worden sei, antwortet er: "Natürlich bin ich geschlagen worden, und die anderen auch, das habe ich ja selbst gesehen." Aber das kann in einer Familie auch passieren, den Eltern kann schon einmal die Hand ausrutschen, oder? Thorsten denkt einen Moment nach: "Ja, aber das wäre nicht so schlimm. Schlimm ist, wenn man von fremden Menschen geschlagen wird, das tut viel doller weh." Auf die Schule bezogen sagt er: "Das ist nicht der Unterricht, den ich gerne hätte." Aber er räumt auch ein, daß es eine Lehrerin dort gibt, "die ist am besten und am allerbesten. Die hat echt Ahnung."
Er würde lieber bei der Oma wohnen, dort habe er Spielkameraden, könne Fußball spielen. "Das hier ist gar, nicht mein Leben." Warum er bei der Oma weggelaufen ist? "Die vom Jugendamt haben gesagt, daß ich meine Eltern nicht mehr sehen darf. Das wollte ich nicht, darüber war ich traurig."
Vormundschaft
Zum Wohle des Kindes?
Ein Kommentar von Bärbel Burk-Schapper
Jugendämter sind dazu da, zum Wohl des Kindes einzugreifen, wenn die Erwachsenen dazu nicht mehr in der Lage sind. Die Heimerziehung ist der letzte Ausweg. Im Fall Thorstens wäre das die Alternative zum Waldorfinternat gewesen. Warum mußte es in diesem Fall soweit kommen? Die Großeltern hängen an ihrem Enkel, kennen ihn ganz genau und möchten sich um ihn kümmern. Sie würden ihm auch seine Hobbys, wie zum Beispiel Fußballspielen, ermöglichen. Fußball gibt es im Benefelder Internat nicht.
Das Jugendamt entschuldigt sich, genau nach den Gesetzen gehandelt zu haben und mit Bergen von Akten, die zu bearbeiten sind. 700 an der Zahl. Aber es handelt sich nicht um Akten, es handelt sich um 700 Einzelschicksale, Schicksale wie das von Thorsten. Zuviel Arbeit ist keine Entschuldigung. Wenn Angehörige zum Wohl des Kindes nerven, kann man sie nicht dafür mit Mißachtung und Vormundschaftsentzug bestrafen: Als Susanne Petri das Jugendamt darauf aufmerksam machte, dem Jungen gehe es im Internat nicht gut, machten die Beamten dicht. Die Oma mußte sich Sprüche anhören wie "Sie können mir auch sagen, ich habe eine Leiche im Keller" und "Das Kind bleibt dort, ich habe das Aufenthaltsbestimmungsrecht".
Wenn dann das Peiner Amt übergangen und die übergeordnete Stelle eingeschaltet wird, sind die Peiner Beamten sauer darüber, daß sie nicht informiert wurden. Logisch, daß jemand, der immer wieder mit Sprüchen abgewiesen wird, jegliches Vertrauen verliert.
Der Vater hat sicherlich gute Absichten, wenn er sagt, der Kleine kommt nach Hause, sobald ein Platz in der Waldorfschule in Braunschweig frei wird (bisher nur Worte, denn auf der Warteliste steht Thorsten noch nicht). Er hat eine neue Lebensgefährtin, die hat eine Tochter.
Es ist absehbar, wie sich die Situation entwickelt: Thorsten wird eifersüchtig sein auf die Nebenbuhlerin in der Gunst des Vaters. Sie durfte schon dort wohnen, als er noch im Internat sein mußte. Und wenn dann die Reibereien losgehen, dann kommt das Problem: Meine Kinder - deine Kinder. Im Normalfall geht das so aus, daß die neue Lebensgefährtin sagt: Entweder geht der Junge oder ich. Die Folge für Thorsten wäre das nächste Internat.
Waldorf-Internate kosten viel Geld. Schickt man sein Kind dorthin, hat man ein gutes Gewissen. Was teuer ist, ist gut. Einmal ankuscheln, wenn man traurig ist, oder mal gekrault werden, das gibt es in diesem Internat nicht. "Oma, ich kraul mich selbst", hat Thorsten zur Oma am Telefon gesagt, und daß die auf die Barrikaden geht, wenn sie so etwas hört, spricht nur für ihren Charakter. Dem Jugendamt ist das offenbar egal: Dem Gesetz nach haben sich dessen Mitarbeiter nichts vorzuwerfen. Sie haben aber eins vergessen: das Wohl des Kindes. Doch diesen Vorwurf muß sich die gesamte Familie machen. Sie hat sich der Verantwortung gegenüber dem Kleinen schon lange entzogen.
Mutter und Sohn fast ein halbes Jahr getrennt
Weiterer Text des Beitrags wurde nachträglich auf Verlangen des Autors am 30.9.02 entfernt.