Hörfunksendung mit Originalinterviews der Betroffenen amerikanischen Eltern Joseph Cooke und der Großmutter Patricia Cooke, Lady Catherine Meyer und Jim Rinaman
DLF / Studio Washington, Siegfried Buschschlüter, Sendung vom 29.5.2000
Streit um Sorgerecht - "There is no excuse for that."
O-Ton/Joseph Cooke: "Its been positive, people have been supportive, but like I said, its been eight years, nothing has happened, I am not going to get my hopes up too high, just to have them brought down again."
Joseph Cooke, auf die Frage, ob die Reaktionen auf den Artikel in der Washington Post, in dem sein Fall geschildert wurde, ihm neue Hoffnung gegeben hätten. Positiv sei das Echo gewesen, sagt er am Telefon in New York. Aber seit der Entführung seiner Kinder seien acht Jahre vergangen, und nichts sei geschehen, deshalb wolle er sich jetzt keine übertriebenen Hoffnungen machen. Joseph Cooke ist nicht der einzige, dem seine Kinder genommen wurden.
O-Ton/Lady Catherine Meyer: "My children were illegally retained in Germany. I had custody, my ex-husband had visitation rights and I sent the children on holidays to their father and four days before they were due back, I received a letter saying "I am not sending the children back".
Lady Catherine Meyer, die Frau des britischen Botschafters in Washington, deren Kinder aus erster Ehe seit sechs Jahren in Deutschland festgehalten werden, widerrechtlich, sagt sie, denn sie hatte das Sorgerecht, ihr Ex-Ehemann hatte Besuchsrechte, zu ihm hatte sie die Kinder in die Ferien geschickt, doch vier Tage vor ihrer Rückkehr erhielt sie einen Brief, in dem stand: "Ich schicke die Kinder nicht zurück".
In London, wohin sie nach ihrer gescheiterten Ehe mit einem deutschen Arzt - sie hatten in London geheiratet, waren dann nach Deutschland gezogen - zurückgekehrt war. Mit den beiden Kindern, Alexander und Constantin.
O-Ton/Meyer: "And they were seven and nine at the time."
Sieben und neun waren die beiden Jungs zu dem Zeitpunkt, im Juli 1994.
Eine Welt brach für sie zusammen. "Man kommt nach Hause, die Sachen der Kinder, all das Spielzeug der Kinder ist noch da, aber sie kommen nicht zurück."
O-Ton/Fortsetzung: "And I don't know how you can imagine how your whole world simply collapses, coming home and finding all the children's toys and belongings and the children are not coming back."
Sie sind bis heute nicht zurückgekommen, denn obwohl der High Court in London unter Berufung auf das Haager Übereinkommen die sofortige Rückkehr der Kinder nach England anordnete, entschied ein deutsches Gericht in zweiter Instanz, es sei der Wunsch der Kinder, in Deutschland zu bleiben. Als Deutsche hätten die Kinder in England unter einer fremden Umgebung gelitten, weder Zuhause noch in der Schule sei Deutsch gesprochen worden, und sie seien als Nazis gehänselt worden. Das war im Oktober 1994.
O-Ton/Fortsetzung: "And in six years, I have seen Alexander and Constantin 24 hours, and the last time was a year and a quarter ago."
Seitdem hat Catherine Meyer ihre Kinder ganze 24 Stunden gesehen, das letzte Mal vor eineinviertel Jahren, nie bei ihr Zuhause, die Folge: die Kinder, so sagt sie, haben eine schreckliche Vorstellung von ihr. Ihre wiederholten Versuche, ihre Kinder zu besuchen, wurden letztlich mit dem Hinweis abgelehnt, die Kinder wollten sie nicht mehr sehen. Und wie im Falle Cooke werde von den deutschen Gerichten argumentiert, es habe eine Entfremdung zwischen dem Elternteil und den Kindern stattgefunden. Alle Versuche Joseph Cookes, die Kinder zurückzuholen, scheiterten. Cookes Bemühungen um Besuchsrechte wurden immer wieder torpediert, bis er schliesslich, entnervt und mittellos, resignierte.
O-Ton/Joseph Cooke "Rather than ..."
Um die Kinder nicht in ein emotionales Tauziehen zu verwickeln, beschloss er, es seiner Mutter zu überlassen, die Kinder zu besuchen. Er will ihnen, wenn sie größer sind, zu erklären versuchen, dass er alles getan habe, sie zu sich zurückzuholen. Und seine Mutter, Patricia, sagt ihm, wenn sie aus Deutschland zurückkommt, das letzte Mal war es Ende März, nur, dass es den Kindern gutgehe.
O-Ton/Patricia: "I tell him, they are ok."
Wie die deutschen Gerichte im Fall ihrer Enkelkinder entschieden haben, das findet sie schrecklich und ungerecht.
O-Ton/Patricia: "Horrible."
Der Fall Cooke ist genau so wenig ein Einzelfall wie der Catherine Meyers oder Jim Rinamans.
O-Ton/Rinaman: "My daughter was taken from our home in Washington, DC in June 1996."
Im Juni 1996 nahm seine deutsche Frau seine Tochter, sie war 15 Monate alt, aus Washington mit auf einen für zwei Wochen geplanten Heimaturlaub in Düsseldorf. Als die zwei Wochen um waren, teilte ihm seine Frau per Fax mit, dass sie nicht zurückkomme und die Scheidung wolle. Und damit begann auch für Jim Rineman ein langer, dorniger Weg, eine vier Jahre dauernde Trennung von seiner Tochter, die er in der vergangenen Woche zum ersten Mal wiedersah.
O-Ton/Rinaman: "But I can tell you that my daughter does not speak English, she did not know that I was her father, and I was very disappointed that she had been alienated in that way."
Da konnte er ihr endlich sagen, dass er ihr Vater sei, denn davon hatte seine Ex-Frau, die inzwischen wieder geheiratet hat, dem Kind nichts erzählt.
Jim Rinaman, Catherine Meyer, Joseph Cook, drei Fälle, die Aufsehen erregt haben, drei von vielen. Jedes Jahr werden nach Schätzungen des State Department rund 1.000 Kinder aus den USA entführt. In den meisten Fällen von ausländischen Elternteilen. Um zu verhindern, dass die Gerichte der Entführer über das Sorgerecht entscheiden, gibt es das Haager Übereinkommen vom 25. Oktober 1980 über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung. Es ist seit 1990 auch in Deutschland gültig. Dieses Übereinkommen sieht eine schnelle Rückführung der entführten Kinder in das Land ihres gewöhnlichen Aufenthalts vor.
O-Ton/Rosenlehner: "Dieses Übereinkommen wird leider gerade von deutschen Gerichten nicht so angewendet, wie man das meinen sollte."
Marcus Rosenlehner, Mitarbeiter der angesehenen Washingtoner Anwaltsfirma Patton Boggs und einer der Anwälte von Joseph Cooke und Lady Meyer.
O-Ton/Rosenlehner: "Insbesondere haben wir Artikel 13, der die Möglichkeit den Gerichten eröffnet, die Kinder nicht zurück zu schicken, wenn die Kinder sich gegen eine Rückkehr aussprechen, eine Reife und ein Alter erreicht haben, in dem man eine solche Entscheidung respektieren muss, bzw. wenn die schwerwiegende Gefahr besteht, dass die Kinder, wenn sie zurückgeführt worden sind, seelischen oder psychischen Schaden erleiden. Dies ist so die Einbruchsstelle in dem Haager Übereinkommen, das muss restriktiv ausgelegt werden, und das müssen die deutschen Gerichte jetzt auch erkennen."
Als am 23. März Repräsentantenhaus und Senat in Washington eine Resolution zur Einhaltung des Haager Übereinkommens verabschiedeten, warfen sie Deutschland, Österreich und Schweden vor, das Übereinkommen konsequent zu verletzen. Deutschland so heisst es da, verweise regelmäßig auf Artikel 13 als Rechtfertigung für die Nichtrückführung der entführten Kinder, anstatt nur in wenigen Ausnahmefällen von ihm Gebrauch zu machen. Die Entschließung wurde von beiden Parteien unterstützt. Angesichts des Abstimmungsergebnisses von 416:0 von Stimmungsmache im amerikanischen Vorwahlkampf zu reden, wie es die Bundesjustizministerin im deutschen Fernsehen getan hat, löst in Washington nur Kopfschütteln aus.
O-Ton/Cindy Loose: "This story was brought to the attention of the media not by politicians of either side but by parents who were grieving for their children."
Nicht Politiker hätten diese Geschichte in die Medien gebracht, sondern Eltern, die sich um ihre Kinder sorgen, sagt Cindy Loose, Autorin des Washington-Post-Artikels über Joseph Cooke. Erst im Zusammenhang mit Elian, dem Fall des kubanischen Jungen, hätten sich die amerikanischen Medien mit Fragen des Sorgerechts und dem Haager Übereinkommen beschäftigt.
O-Ton/Cindy: "So, neither side in an election campaign has promoted it or brought it up and probably would touch it with a ten-foot pole."
Mit dem Wahlkampf habe das nichts zu tun, und am liebsten würden die Parteien einen grossen Bogen um das Thema machen. Jim Rinaman fühlt sich durch die Behauptung der deutschen Ministerin persönlich verletzt.
O-Ton/Rinaman: "I think that that is a very ignorant stance to take for a lawyer; she should first investigate this and determine what the facts are; I can tell you that these case are rife with improper decisions; they do not comply with the spirit or the intent of the Hague treaty."
Um die Fakten sollte sie sich kümmern, sagt Rinaman, Anwalt und Gründer der Vereinigung PACT, "Eltern entführter Kinder". Dann würde sie feststellen, dass hier häufig gegen den Geist des Haager Übereinkommens verstoßen wurde. Dass Eltern wie ihm und Catherine Meyer der Zugang zu ihren Kindern dermaßen erschwert werde, sei unverzeihlich.
O-Ton: "There is no excuse for that. It is inexcusable."