paPPa.com informiert:
Deutschland am Pranger
(Endlich ...) - Teil 3
Ergebnis (?) des Clinton-Besuchs und weitere Presseberichte
Inhalt dieser Seite:
Den Bock zum Gärter gemacht !
Abwiegeln, vertuschen,
ignorieren, verzögern ...
Verhöhnung der Opfer
Christine Brinck schreibt
Klartext
"Jede Art von Druck ist wichtig"
Der Kampf eines
Amerikaners um seine Kinder vor deutschen Gerichten und
Die deutsche Justiz setzt
sich über internationales Recht hinweg
DER SPIEGEL 23/2000 vom 5. Juni 2000, Seiten 56-59
Vergleiche auch Berichterstattung bei Väter für Kinder: Internationale Kindesentführung und Clinton-Besuch
Arbeitsgruppe als Infostelle für Sorgerechtsfälle
Einigung USA-Deutschland zu Kindesentführungen
(Auszug)
(AP) BERLIN, 2. Juni. Deutsch-amerikanische Streitfälle um Sorgerecht sollen künftig rascher abgeschlossen werden. Wie das Bundesjustizministerium am Freitag in Berlin erklärte, wird eine von Bundeskanzler Gerhard Schröder und US-Präsident Bill Clinton am Vortag angekündigte Arbeitsgruppe unter Leitung der Justizministerien beider Länder baldmöglichst aktiv werden. Es gehe vor allem darum, den Betroffenen bei so genannten Kindesentführungen rasche Informationen über die richtigen Ansprechstellen in den USA und Deutschland zu vermitteln. Die Zahl der derzeit noch umstrittenen Fälle von Sorgerecht wird von Experten mit knapp 60 angegeben. (...)
http://www.usnewswire.com/topnews/Current_Releases/0601-131.html
Following was released by the White House:
REMARKS BY THE PRESIDENT AND GERMAN CHANCELLOR GERHARD SCHROEDER
(Auszüge)
White House Press Office, 202-456-2580 - WASHINGTON, June 1 /U.S. Newswire/
The Chancellery Kanzleramt, Berlin 8:38 P.M. CET
CHANCELLOR SCHROEDER: Ladies and gentlemen, Germany and Berlin have very much been looking forward to this visit of President Clinton. (...) In this discussion that we have had and which has actually taken quite a bit longer than I suppose most of you expected, (...)
(...) We then also addressed the question of custody in cases where international marriages between Germans and U.S. citizens have gone through divorces. In some of those cases we have to say tragic circumstances and tragic situations have arisen, and we are both very much in agreement that help is very much needed in this field. We certainly were very agreed upon the fact, though, that court rulings and court decisions have to be respected and accepted where taken.
But we have said that the best way to go about this will be to put together a U.S.-German group of experts, a working group of experts who could get together and, firstly, see through all of the cases still pending and/or on the table; and they could also think about organizational and institutional consequences to be taken to, above all, speed up those proceedings, make them quicker and to also go in and provide pragmatic help for specific cases affected.
[Anmerkung paPPa.com: Diese Versprechungen werden überprüft werden - auch wenn wir schon jetzt davon ausgehen, dass keinerlei konkrete Schritte ergriffen werden ... Dieser englische Text steht im Gegensatz dazu, was Schröder die deutsche Presse wissen ließ. Siehe im Folgenden:]
PRESIDENT CLINTON: First, let me thank Chancellor Schroeder for making me feel welcome again in Germany, and Berlin. (...) The Chancellor has faithfully reported on our lengthy conversation. (...)
Finally, just one word on a development back in the United States today.
I was very pleased with the decision of the 11th Circuit Court of Appeals
in the Elian Gonzalez case, upholding the decision of the Justice Department
that he should be with his father. We have tried to honor the principles
that the Chancellor and I discussed today in the cases involving our two
countries in that case. I think the Justice Department and the Attorney
General did the right thing, and I'm very pleased that the 11th Circuit
upheld their decision today.
Thank you very much.
-0- /U.S. Newswire 202-347-2770/ 06/01 15:54
taz 3.6.2000
Dass das Gespräch statt der veranschlagten 20 Minuten zwei Stunden dauerte hatte allerdings mit einer weiteren Wandlung im Verhältnis von Deutschland und den USA zu tun: (...) Auf Wunsch des Präsidenten wurde fast die Hälfte der Gesprächszeit auf die Fälle amerikanischer Scheidungswaisen verwandt. (...) An bestehenden Gerichtsurteilen könne Herta Däubler-Gmelin freilich auch nichts ändern, warnt die deutsche Seite bereits. So hartnäckig Clinton in den Gesprächen mit Schröder war, so konziliant gab er sich in seiner Karlspreis-Rede.
http://www.BerlinOnline.de/aktuelles/berliner_zeitung/politik/.html/02artik047484.html Berliner Zeitung 2.6.2000
"Wir kämpfen für das Wohl der Kinder" (Auszug)
(...) Werden Sie, Herr Schröder, wie gefordert an die Gerichte appellieren, die Rechtsprechung zu ändern?
Der Kanzler: Die Zeiten, in denen in Deutschland per ordre de mufti Gerichtsentscheidungen korrigiert wurden, sind Gott sei Dank vorbei. Jeder, der die Unabhängigkeit der Gerichte antastet, würde einen verhängnisvollen politischen Fehler machen. (...) Im Übrigen haben wir immer dafür gekämpft, dass bei Trennungen und Sorgerechtsprozessen das Wohl des Kindes im Mittelpunkt steht. [paPPa.com: Brüll!] Das ist der alleinige Maßstab.
(Angesprochen auf den Cooke-Fall)
Der Kanzler: Wer die Akten zu diesem Fall liest, kann tatsächlich zu dem Urteil kommen, dass von deutschen Behörden am Anfang - also zu Beginn der 90er-Jahre - Fehler gemacht wurden. (...) Später hatten die Gerichte wohl kaum eine andere Wahl, als einen Verbleib der Kinder in Deutschland zu beschließen. (...)
Präsident Clinton wurde trotzdem von Zeitungen aufgefordert, die Kinder aus Deutschland zu holen.
Es ist abenteuerlich, was da teilweise geschrieben wurde. Es gibt in diesem Fall keine einfache Lösung. Wenn man die Kinder jetzt aus ihrer Pflegefamilie reißt, sie ohne Sprachkenntnisse in eine völlig neue Umgebung schickt, dann würde man nur einen eventuell früher gemachten Fehler durch einen noch schwereren Fehler korrigieren. Das kann kein Richter, das kann auch kein Politiker verantworten.
Auf Deutsch: Sie können nichts tun?
Doch. Ich denke, der Vater sollte zunächst ein Besuchsrecht und dann auch die Abänderung der Gerichtsentscheidung beantragen. Ich kann den Wunsch des Vaters, seine Kinder kennen zu lernen, sehr gut verstehen. Und es wird einen Zeitpunkt geben, an dem die Kinder auch ihren Vater kennen lernen wollen. Da bin ich mir ganz sicher.
[paPPa.com: Gerade die letzte Antwort muss mann sich auf der Zunge zergehen lassen ... Wir müssen uns der Ex-Stieftochter des Kanzlers mindestens anschließen: Höchstens eine Drei Minus ..., siehe "GERHARD SCHRÖDER Ex-Stieftochter hätte gern eine Kanzlerin Merkel" Der Bundeskanzler hat für seine Regierungsarbeit schlechte Noten von seiner früheren Stieftochter bekommen. "Drei minus" lautet das Urteil von Franka Hampel, der Tochter von Hiltrud Schröder. Am liebsten sähe sie eine schwarz-grüne Koalition an der Macht. DER SPIEGEL 24.5.2000]
http://www.abendblatt.de/bin/ha/set_frame/set_frame.cgi?seiten_url=/contents/ha/news/politik/html/030600/403HERTA30.HTM
Hamburger Abendblatt 3.6.2000:
Däubler-Gmelin weist US-Vorwürfe zurück
(...) Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin wies im WDR Vorwürfe aus den USA zurück, deutsche Behörden hielten Kinder aus gescheiterten deutsch-amerikanischen Ehen widerrechtlich in der Bundesrepublik fest. (...)
[Es folgen noch folgende Falschangaben ...] Nach Angaben des Bundesjustizministeriums gab es in der Zeit von 1995 bis 1999 in Deutschland insgesamt 165 Verfahren, in denen in den USA lebende Elternteile ihre in Deutschland lebenden Kinder zurückholen wollten. In 33 Fällen hätten deutsche Gerichte die Rückführung untersagt. Die übrigen Fälle seien gerichtlich oder einvernehmlich gelöst worden. In dem Zeitraum gab es 116 Fälle, in denen in Deutschland lebende Mütter oder Väter ihre in die USA verbrachten Kinder wiederhaben wollten. Davon seien 17 Fälle noch nicht gelöst worden. In vier Fällen hätten US-Gerichte die Rückführung abgelehnt, in 28 Fällen angeordnet. (ap)
http://www.rundschau-online.de/politik/477803.html Kölnische Rundschau 3.6.2000
Clinton-Besuch - Sorgerecht: Schröder will Wogen glätten (Auszug)
Berlin/Washington. (dpa) Im Sorgerechtsstreit um deutsch-amerikanische Kinder will Gerhard Schröder beim anstehenden Besuch von US-Präsident Bill Clinton die Wogen glätten. Der Kanzler werde einen Vorschlag zur Lösung machen, sagte Regierungssprecherin Charima Reinhardt. Sie verwies aber erneut auf die Unabhängigkeit der deutschen Gerichte.
Es dürfe keine Einmischung in die Rechtsprechung geben. Frau Reinhardt bezeichnete den Streit als "schwierigen Fall". Konkrete Angaben zu einem Lösungsvorschlag wollte sie nicht machen. "Das wird der Kanzler gegenüber dem Präsidenten tun", sagte sie.
(...) In US-Medienberichten hatte es geheißen, Schröder wolle Clinton versprechen, dass amerikanische Eltern ein Besuchsrecht bei ihren in Deutschland lebenden Kinder erhalten, auch wenn deutsche Gerichte dies anders entschieden hätten. In Berlin wurden diese Meldungen als "Gerücht" bezeichnet. (...)
http://www.tagesspiegel.de/archiv/2000/06/01/ak-po-we-14639.html Der Tagesspiegel 1.6.2000
Eltern als Täter - In den meisten Fällen entscheidet Deutschland unspektakulär - US-Präsident Clinton will das Thema während seiner Visite bei Gerhard Schröder zur Sprache bringen. Der Kanzler bemüht sich um einen Kompromiss
http://www.tagesspiegel.de/archiv/2000/06/01/ak-po-we-14940.html Der Tagesspiegel 1.6.2000
Aus Verzweiflung ein Kampf mit Leib und Leben - Warum ein französischer Vater im Hungerstreik ist (Auszüge)
Xavier Tinel ist verzweifelt. Seit über vier Wochen schon ist der 32-Jährige Franzose im Hungerstreik. Bis zum vergangenen Sonntag harrte er Tag und Nacht vor der Kirche von Sannois bei Paris aus, mittlerweile führt er seine Aktion zu Hause fort. Der Körper ist zu schwach geworden für die Anstrengung im Freien. Der städtische Angestellte protestiert mit dieser Aktion gegen die "Entführung" seiner beiden Töchter Tiffany (8 Jahre) und Vanessa (6) nach Deutschland. Doch keiner kümmert sich um seinen verzweifelten Protest. Die französischen Medien schweigen, die Politiker schauen am liebsten weg.
"Niemand rührt sich", klagt Tinel. "Die Justizministerin legt die Hände in den Schoß, und der Außenminister tut auch nichts." Selbst eine deutsch-französische Schlichtungsstelle, die sich um Streitfälle im Sorgerecht kümmern soll, sei untätig geblieben.
Tinel ist kein Einzelfall
Doch statt die Rückgabe der Kinder an den Vater anzuordnen, bleibe die deutsche Justiz untätig, so Tinels Kritik. Und Tinel ist kein Einzelfall. 150 Kinder würden derzeit illegal in Deutschland zurückgehalten, schätzt die französische Selbsthilfegruppe "SOS internationale Kindesentführung". Immer wieder, sagt die Gruppe, würden deutsche Gerichte zugunsten der "Entführer" entscheiden. Eine Besserung sei nicht in Sicht, meint der Präsident der Selbsthilfegruppe, Denis Supersac. (...)
Beim informellen deutsch-französischen Gipfel Mitte Juni in Rambouillet waren die gestohlenen Kinder kein Thema. Auch beim nächsten bilateralen Treffen am 9. Juni in Mainz steht die kritisierte deutsche Rechtspraxis bisher nicht auf der Tagesordnung. Offenbar ist es nicht "politisch korrekt", Unrecht zu einer Zeit anzuprangern, da sich Berlin und Paris wieder ihrer Freundschaft versichern. Selbst Präsident Jacques Chirac, der sich schon mehrfach gegen das "Gesetz des Dschungels" in deutsch-französischen Sorgerechts-Streits ausgesprochen hat, hält sich dezent zurück.
Letzte Hoffnung Clinton
Xavier Tinel ist immer noch fest entschlossen, seinen Hungerstreik fortzusetzen. Seit knapp einer Woche zwingen ihn die gesundheitlichen Folgen seines Tuns allerdings, zu Hause zu bleiben. Am Montag musste er in der Notaufnahme behandelt werden. Dennoch will er weitermachen. Tinel bleibt daher nur eine Hoffnung: Dass US-Präsident Clinton die Rückkehr deutsch-amerikanischer Kinder in die USA durchsetzt. Denn dann müssten die deutschen Behörden wohl auch die umstrittene Rechtspraxis in den französischen Streitfällen revidieren - und Tinel könnte seine Töchter Tiffany und Vanessa schließlich doch noch in die Arme schließen.
[Anmerkung paPPa.com: ... So schließt sich der Kreis - getan wird nichts ... Die betroffenen Eltern sind gezwungen, die Sache weiter voran zu treiben - Packen wir es an !]
http://www.szarchiv.de/REGIS_A10577024 Süddeutsche Zeitung 2.6.2000 - Deutschland Seite 12
Verhöhnung der Opfer
Wie die deutsche Justiz ausländische Elternteile ausgrenzt
- Von Christine Brink (Auszüge)
Hinweis von Väter für
Kinder 3.6.2000: Ein sehr kritischer Leitartikel in der Washington
Post:
And All the Others Too. http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/articles/A48872-2000Jun2.html
PRESIDENT CLINTON and German Chancellor Gerhard Schroeder emerged from their meeting yesterday with welcome promises to fix Germany's terrible record on international child custody cases. Dozens of Americans whose children have been abducted by their German parents have charged that German courts have unfairly kept them from regaining custody or even visitation rights, in defiance of the 1980 Hague treaty that Germany signed. The prime minister said the two governments would form a working group to examine pending cases and also "think about organizational and institutional consequences to be taken" to speed up the notoriously slow German courts. This burst of top-level attention follows years in which such cases languished well below the public radar. Most challenges failed to get the support they needed even from State Department and consular officials charged with protecting U.S. citizens abroad. ...
Siehe auch http://www.washingtontimes.com/op-ed/ed-house-2000531182327.htm Kidnapped in Germany German Chancellor Gerhard Schroeder has just taken a step toward helping his country rejoin the civilized world: (...)
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/articles/A34234-2000May30.html German Promise of Visitation Applauded
DER
SPIEGEL 23/2000 vom 5. Juni 2000, Seiten 56, 58, 59
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,80103,00.html
SORGERECHT
"Jede Art von
Druck ist wichtig"
Bill Clinton wollte bei seinem Berlin-Besuch
Kanzler Schröder auf Ungerechtigkeiten hinweisen, die amerikanischen
Vätern und Müttern vor deutschen Gerichten widerfahren
- zum Beispiel Glenn G., der seine Zwillinge seit 1994 nicht mehr sehen
durfte.
[Die Links wurden nachträglich von paPPa.com eingefügt.]
| SPIEGEL: Mr. G., zu Ihren Zwillingskindern Glenn
und Shannon, die in Deutschland leben, haben Sie seit fast sechs Jahren
keinen Kontakt mehr, weil Ihre geschiedene Ehefrau das nicht will. Fälle
wie Ihrer haben sogar beim Deutschlandbesuch Präsident Clintons eine
Rolle gespielt. Welche Erfahrungen haben Sie mit der deutschen Justiz gemacht?
G.: Der Gang zu deutschen Gerichten hat sich für mich bisher als Falle erwiesen, Als meine Ex-Frau mir nach unserer Trennung 1994 den Umgang mit den Zwillingen verweigert hat, dachte ich, die Richter hier würden mir helfen und mir wenigstens Besuchsrecht geben. SPIEGEL: Haben sie nicht? G.: Anfangs ja, aber als meine geschiedene Frau sich nicht an die Vereinbarungen hielt, hat das Oberlandesgericht Frankfurt entschieden, okay, das funktioniert nicht, also gibt es kein Besuchsrecht mehr. Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz in Deutschland zu sein, dass derjenige vor Gericht gewinnt, der sich am meisten gegen die. Rechte der Kinder stellt. SPIEGEL: Hat Ihre Ex-Frau die Kinder gegen Ihren Willen nach Deutschland gebracht? G.: Nein, ich war damit einverstanden. Meine Ex-Frau ist Mexikanerin,
die durch eine vorherige Ehe mit einem Deutschen Aufenthaltsrecht in Deutschland
hat. Ich habe sie während eines Deutschlandbesuchs 1989 kennen
gelernt. Wir haben geheiratet, als die Zwillinge schon unterwegs waren.
Unsere Ehe war von Anfang schwierig. In den USA haben wir nur kurz zusammengelebt.
Dann führten wir etwa zwei Jahre lang eine Art transatlantischer
Beziehung. Sie lebte mit den Kindern in Deutschland, ich blieb in den USA. |
SPIEGEL: Haben Sie Ihre Frau und die Zwillinge damals in Deutschland besucht? G.: Ja. Es geht bei mir nicht um einen klassischen Entführungsfall. Aber die Erfahrungen, die ich mit Ämtern und Gerichten in der Bundesrepublik machen musste, nachdem die Ehe gescheitert war und meine Ex-Frau mir den Umgang mit den Kindern verweigerte sind genauso wie bei Catherine Meyer oder Joseph Cooke, deren Kinder gegen ihren Willen in Deutschland blieben. Wir alle mussten feststellen, dass wir verloren sind, wenn wir auf die Hilfe deutscher Gerichte vertrauen, um den Kontakt zu unseren Kindern aufrechtzuerhalten. SPIEGEL: Konnten Sie denn das Besuchs recht, das Ihnen das Amtsgericht Frankfurt zunächst. zugestanden hatte, von den USA aus überhaupt wahrnehmen? G.: Ich kam mindestens fünfmal pro Jahr, um mit meinen Kindern
zusammen zu sein. Ich bin nicht. reich, all mein Geld gebe ich
für diese Auseinandersetzung aus. Meistens flog ich damals wieder
weg, ohne meine Kinder auch nur gesehen zu haben. Die Richter, die
mir das Besuchsrecht zugestanden haben, taten nichts, um ihren eigenen
Beschluss umzusetzen. |
| SPIEGEL: Im Januar 1996, als Ihre
Ex-Frau mit den Kindern nicht zu einem vereinbarten Termin erschien, wurde
sie nach Ihren Angaben zu drei Tagen Haft verurteilt ...
G.: ... aber als die Polizei kam, um sie abzuholen, und sie die Tür nicht öffnete, war die Sache für die Behörden erledigt. Es passierte nichts mehr, und drei Monate später hat meine Ex-Frau sogar das alleinige Sorgerecht für die Kinder bekommen. SPIEGEL: Für Polizei und Justiz ist so eine Situation nicht leicht zu bewältigen. Ein Gefängnisaufenthalt der Mutter wäre ein Schock für die Kinder gewesen. G.: Das ist sicher richtig. Andererseits: Man muss keine Gesetze machen, wenn man sie nicht einhalten will. Die deutschen Behörden hatten meiner Ex-Frau von Anfang an mit allem Nachdruck klarmachen müssen, dass sie das Recht der Kinder verletzt, wenn sie mir Shannon und Glenn systematisch vorenthält. Das ist über all die Jahre nur unzureichend geschehen, zuletzt überhaupt nicht mehr. Die Kinder brauchen mich, alle Kinder brauchen Vater und Mutter. In einem ersten Beschluss hat das Frankfurter Amtsgericht auch von einem "schwerwiegenden Erziehungsfehler" meiner Frau gesprochen. SPIEGEL: Ihre geschiedene Frau argumentiert, der Umgang mit Ihnen
sei für Shannon und Glenn schädlich. |
Demonstrant G. (3. v. l. *): G.: Meine Ex-Frau hat mich verschiedentlich beschuldigt,
ich sei homosexuell, ich nähme Drogen. In den jahrelangen Gerichtsverfahren
haben diese absurden Vorwürfe aber nie eine Rolle gespielt. Ich möchte
auch nicht über meine geschiedene Frau sprechen. Für mich ist
entscheidend, wie deutsche Gerichte mit deren Verhalten umgehen. In einem
der vielen Prozessgutachten heißt es beispielsweise, eine "Umgangsregelung
des Kindesvaters" sei für eine "positive Entwicklung der
Kinder unbedingt erforderlich". Man solle Shannon und Glenn aber dennoch
"wider besseres Rechtsempfinden" bei der Mutter belassen, um
dem Geschwisterpaar "mütterliche Panik"' zu ersparen. Es
ist unfassbar, was hier passiert. |
| SPIEGEL: Können
Sie sich noch mit Ihren Kindern verständigen?
G.: Ich spreche Spanisch, und das ist die Muttersprache der Kinder. SPIEGEL Wie verhalten sich Ihre Tochter und Ihr Sohn, wenn sie Ihnen begegnen? G.: Ich sah sie 1997 im Frankfurter Oberlandesgericht, da waren
die Zwillinge fünf Jahre alt. Sie hatten Angst vor mir. Sie leben
so lange von mir getrennt, dass sie mich nicht mehr kennen. Als die
vom Gericht eingesetzte Psychologin sie fragte: "Habt ihr einen Vater?",
haben sie geantwortet: "Nein," Nach einigem Nachfragen haben
sie gesagt, ja, sie hätten doch einen, aber der sei ein ganz schlechter
Mensch. Da ist etwas grundsätzlich falsch gelaufen. |
SPIEGEL: Schreiben
Sie Ihren Kindern?
G.: Weil meine Ex-Frau die Briefe nicht an die Kinder weitergeben will, wurde per Gerichtsbeschluss vereinbart, dass ich meine Post an die Verfahrenspflegerin schicke. Vor einem Monat wollte diese ihnen einen Brief von mir vorlesen. Mein Sohn fuchtelte mit den Armen und rief aufgeregt: "Lesen Sie den Brief nicht, ich will das nicht" Das Ganze ist ein Alptraum. SPIEGEL: Sie fürchten einen psychischen Schaden bei dem Geschwisterpaar? G.: Es ist doch nicht normal, dass Kinder so auf einen Elternteil
reagieren. Mein Sohn und meine Tochter sind derart gegen mich beeinflusst,
dass sie bald nicht mehr zurückzugewinnen sind, wenn die Gerichte
nicht schnell etwas unternehmen. Eine Psychologin, die mein Anwalt eingeschaltet
und die sich die Gerichtsakten angesehen hat, spricht von "emotionaler
Kindesmisshandlung". Darunter werden Shannon und Glenn ihr Leben
lang leiden. |
| SPIEGEL: Sie haben seit
September eine Gastprofessur an der Hochschule für Film und Fernsehen
in Potsdam-Babelsberg. Konnten Sie Ihre Kinder seither sehen?
G.: Nein. Ich bekomme nicht einmal Fotos von ihnen. Das wurde sogar gerichtlich so beschlossen. Aber ich werde weiter vor Gericht kämpfen. In Kalifornien hätte ich schon vor fünf Jahren das Sorgerecht bekommen. SPIEGEL: Was erhoffen Sie sich von der Intervention Bill Clintons? G.: Solange deutsche Behörden und Politiker sagen, für
sie gebe es überhaupt kein Problem, ist jede Art von Druck
ungeheuer wichtig. |
SPIEGEL: Aber befürchten Sie nicht, dass
eine Politisierung der privaten Konflikte - hier die bösen Deutschen,
dort die wackeren Amerikaner - die Auseinandersetzungen nur noch komplizierter
macht?
G.: Bisher wurde das alles verschwiegen. Jetzt ist es zumindest ein Thema. Ich bin kein Held, ich bin nur ein Vater, der um die Rechte seiner Kinder kämpft, so wie ich das auch von einem deutschen Elternteil erwarten würde, dem in den USA so etwas passiert wie mir hier. Ich habe meine Kinder, die Amerikaner sind, durch das deutsche Rechtssystem verloren - und Tatsache ist auch, es geht nicht nur mir so. Amerikanische Eltern der Organisation "Parents of Abducted Children Together" planen für die nächsten Monate zusammen mit Selbsthilfegruppen aus anderen europäischen Ländern eine Demonstration in Berlin. Auch deutsche Mütter und Väter werden sich beteiligen. Die haben dieselben Schwierigkeiten mit dem deutschen Rechtssystem wie wir. Interview: Karen Andresen |
DER SPIEGEL 23/2000 vom 5. Juni 2000, Seiten 58
Verloren vor Gericht
Für entführte Kinder aus binationalen
Ehen gibt es das Haager Abkommen -
über das sich die deutsche Justiz oft hinwegsetzt.
| Glenn G,
so fand die Prozessgutachterin, sei ein "stabiler, verlässlicher
Vater", der auf die Bedürfnisse seiner beiden Kinder eingehe.
Die schönen Komplimente haben dem Amerikaner, der an einer Hochschule
in Los Angeles Filmproduktion unterrichtet, nicht geholfen. Seit rund sechs
Jahren kämpft G., 59, vor deutschen Gerichten vergebens darum, seine
in Deutschland lebenden Kinder besuchen zu dürfen.
Die Erfahrungen des kalifornischen Professors mit der deutschen Justiz gehören zu den deutsch-amerikanischen Streitfällen, die zwischen Washington und Berlin für Irritationen sorgen. US-Präsident Bill Clinton reiste vergangene Woche mit einer Liste deutsch-amerikanischer Familientragödien in Berlin an, auf die er Gerhard Schröder ansprechen wollte. |
Etwa auf den Fall von Edwin Troxel. Mehr als
100.000 Dollar, klagt der Amerikaner, hätten ihn seine vergeblichen
Versuche bisher gekostet, seine beiden nach Deutschland entführten
Töchter zurückzubekommen.
Strittig ist vor allem der Umgang der deutschen Gerichte mit dem Haager Abkommen, das bei Kindesentführungen in binationalen Ehen eine prompte Rückkehr der Kinder an deren ursprünglichen Wohnort vorschreibt. Deutsche Gerichte jedoch, so der Vorwurf, gäben die Kleinen oft nicht zurück. Selbst um regelmäßige Besuche bei ihren Kindern durchzusetzen, könnten sich die ausländischen Eltern auf die deutsche Justiz nicht verlassen. |
Fotos entführter Kinder im Internet:
"Unfassbar, was hier geschieht"
Catherine Meyer mit Fotos ihrer Söhne - Edwin Troxel mit
Bildern seiner Tochter - Josephe Cooke, Kinder
Betroffene Mutter, Väter: "Meistens flog ich weg, ohne
meine Kinder auch nur gesehen zu haben"
| Aufsehen erregte besonders der Fall
Cooke: Ämter und Gerichte in Baden-Württemberg hatten Sohn
und Tochter des Amerikaners zu Pflegeeltern gegeben, weil die mit ihnen
nach Deutschland gereiste Mutter sich mit Depressionen in Behandlung begeben
wollte. Der ahnungslose Vater in den USA wurde nicht eingeschaltet. Erfolglos
klagte Joseph Cooke anschließend, um Sohn und Tochter von den Pflegeeltern
zurückzubekommen. US-Außenministerin Madeleine Albright machte
ihren deutschen Kollegen Joschka Fischer Mitte Mai auf diesen Fall aufmerksam.
In der amerikanischen Hauptstadt ist es vor allem Catherine Meyer, die Frau des britischen Botschafters, die das Establishment gegen die deutsche Rechtspraxis mobilisiert. |
Meyer ist selbst Opfer eines umstrittenen deutschen Gerichtsurteils.
Die zwei Söhne der gebürtigen Französin wurden Mitte der
neunziger Jahre vom Vater in Deutschland zurückbehalten.
Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) versuchte letzte Woche, die Aufregung in Washington als "Stimmungsmache im amerikanischen Vorwahlkampf" abzutun. Doch so einfach wird die Bundesregierung den Konflikt nicht los. In Frankreich machen Vater und Mütter ebenfalls politischen Druck. Seit einem halben Jahr sucht eine deutsch-französische Parlamentariergruppe nach einvernehmlichen Lösungen bei Kindesentführungen. Während seines Deutschlandbesuchs im Juni will auch Präsident Jacques Chirac Kanzler Schröder auf das Thema ansprechen. |
Was in Deutschland wirklich wichtig ist ...
Schwuler, schärfer, härter - und
immer gegen Familie und Männer ...
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Fundstelle: http://www.paPPa.com/kinder/US-Clinton2000_3.htm
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