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Baseler Zeitung, 1.7.98
Begleitete Besuchstage haben sich bewährt
Paare trennen sich nicht immer in Minne: Oft wird um die Besuchsregelung gestritten. Begleitete Besuchstage ermöglichen es aber auch in schwierigen Situationen, dass Väter und Kinder sich sehen können. Das Baselbieter Angebot stösst auf eine rege Nachfrage.
Binningen. Einen Dauerzustand bilden diese Besuchstage freilich nicht. «Begleitete Besuchstage sind in der Regel eine Übergangslösung, bis sich die Situation zwischen den Partnern entspannt hat», sagt Barbara Gürler. Die Erwachsenenbildnerin aus Binningen leitet die begleiteten Besuchstage im Kanton Baselland. Der Erfolg dieser Institution, die der Baselbieter Frauenzentrale untersteht und im März 97 eröffnet wurde, ist erstaunlich.
Jeannette Stadler, Präsidentin der Frauenzentrale, zitiert aus der Statistik. Innerhalb eines Jahres nutzten 71 Väter, vier Mütter und 109 Kinder das Angebot. Unter den Besuchern finden sich natürlich viele «Stammgäste», die vorübergehend immer wieder kommen. An einem Spitzentag wollten zehn Väter, zwei Mütter und sechzehn Kinder betreut sein. Dabei ist das Angebot laut Stadler in den Gemeinden im oberen Baselbiet noch gar nicht so bekannt.
Wegen des Ansturms musste in Binningen sogar das Personal aufgestockt werden. Zu Beginn arbeitete ein Zweierteam; Barbara Gürler wurde jeweils unterstützt von einem Sozialarbeiter oder einer Sozialarbeiterin. Dann wurde ein dritter ehrenamtlicher Helfer nötig. Bezugsperson bleibt aber Barbara Gürler: «Wir haben gemerkt, dass eine gewisse personelle Konstanz für den Aufbau des Vertrauens und das Wohlbefinden unserer Gäste sehr wichtig ist.»
Die Besuchstage finden im Baselbiet monatlich einmal statt, und zwar idealerweise im Tagesheim in Binningen. Auch andernorts in der Schweiz hat sich der monatliche Turnus eingebürgert. Überall wurden Horte und Krippen zu Stätten der Begegnung zwischen Vater und Kind. «Bei uns gibt es viele Spielmöglichkeiten und einen Garten, der schön und gross ist wie ein Park», streicht Gürler die Vorteile des Treffpunktes heraus.
Für sie ist der Besuchstag anspruchsvolle Sonntagsarbeit. Ein Besuchstag dauert von zehn Uhr morgens bis 17 Uhr abends. Der Ablauf gestaltet sich so: Ein Elternteil bringt die Kinder frühzeitig. Später trifft dann der getrennt lebende Partner ein. Und das ist gerade einer der Hauptzwecke des begleiteten Besuchstages. Die oft erbittert verfeindeten Elternteile sollen sich bei der Übergabe nicht von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen müssen.
Freude statt Stress
Für die Kinder, die dadurch den Spannungen ihrer Eltern entgehen, ist das nur positiv. Gürler: «Manchmal sind die Kinder zuerst scheu, wenn die Mutter gegangen ist und nach einer Weile plötzlich der Vater in der Türe steht. Meistens löst sich diese Schüchternheit aber schnell, so dass es für das Kind und den Vater einen vergnüglichen Tag gibt.» Der Besuch des Vaters soll eben Freudentag und nicht Stresstag sein.
Die Leiterin muss während des Besuchstages unentwegt präsent sein. Die Verantwortung ist gross. Der kontrollierten Situation dürfen sich die Väter nicht entziehen, auch wenn es Rückzugsmöglichkeiten gibt, die eine Privatsphäre gewähren. Die Väter helfen beim Auftischen und Abräumen, und es geht sehr lebhaft zu und her. Das Klappern des Geschirrs ermöglicht schnell eine familiäre Atmosphäre. Zwischenfälle, Übergriffe gar sind noch nie vorgekommen.
Von Ausnahmen abgesehen, kommen nur Väter. Das Bedürfnis, sich auszusprechen, ist gross. «Bei spezifischen Problemen verweise ich die Väter an Fachstellen», sagt Gürler. Die Institution der Besuchstage soll ein neutraler Ort der Geborgenheit und des Vertrauens sein, nicht aber Therapiestation. Informationen über die familiären Verhältnisse, oft von den Behörden verlangt, werden nur mit dem Einverständnis der Eltern weitergegeben.
Neue Finanzierung nötig
Die begleiteten Besuchstage im Baselbiet befinden sich noch in der Pilotphase. Die zwei Jahre dauernde Frist läuft im Februar 1999 ab. Die Bewährungsprobe ist bestanden. Doch wie sich zeigt, ist der administrative Aufwand, der insbesondere für die zuweisenden Stellen und für die Erledigung vieler Anfragen geleistet wird, wesentlich grösser als erwartet.
Finanzierte man sich bisher durch einmalige Spenden, muss nun die Finanzierung dauerhaft geregelt werden. Die Besucher zahlen nur einen Beitrag an die Verpflegung. Zur Deckung der Betriebskosten müssen jährlich 10 000 Franken aufgebracht werden. Wie das geschehen soll, wird derzeit abgeklärt. Erwünscht wäre eine Unterstützung durch eine Institution oder die öffentliche Hand.
Tagungen zum Thema
Die begleiteten Besuchstage haben sich in der Schweiz mittlerweile etabliert. Es gibt rund ein Dutzend solcher Institutionen, vor allem im Raum Bern und Zürich. Das Jugendamt der Stadt Bern stellte im Dezember 1984 erstmals ein solches Angebot bereit. Noch nicht versorgt ist Basel (siehe Kasten). Bereits gab es eine nationale Tagung in Luzern, an der die verschiedenen Institutionen über ihre Erfahrungen berichteten. Im Herbst wird gar eine internationale Tagung in Paris durchgeführt. Frankreich war eines der ersten Länder, das die Institution der begleiteten Besuchstage einführte.
Manfred Heulle