paPPa.com informiert: Der Fall Elián
«Keine Angst, wir bringen dich zu deinem
Papa»
«Gib mir den Jungen oder ich erschieße dich.»

Als ginge es gegen Terroristen ...
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Berliner Morgenpost 23.4.00:
«Keine
Angst, wir bringen dich zu deinem Papa»
Der Fall Elián: Der Sturm auf das Haus - Warum der Junge
noch nicht nach Kuba zurück darf - Chronik einer Tragödie
Der
kleine Elián - mit Gewalt befreit
Flüchtlingsjunge wurde seinem Vater übergeben - Präsident
Clinton lobte Aktion
Kommentar
von Sorgerecht.de: Elian wieder bei seinem Vater
Der kubanische Junge Elian wurde durch US-Bundespolizei unter
Mitführung von Waffen aus dem Hause seiner Verwandten geholt. Das
war ohne Zweifel und ohne Einschränkung richtig. Allenfalls bleibt
die Kritik, dass dieser Schritt erst so spät geschah ...
dpa 17.4.00
Nervenkrieg um Flüchtlingsjungen aus Kuba
Vater wirft Elians US-Verwandten "Kindesmisshandlung"
vor
Im Nervenkrieg um die Zukunft des kubanischen Flüchtlingsjungen Elian Gonzalez hat der Vater den US-Verwandten Kindesmisshandlung vorgeworfen. Sie sprächen schlecht über den Vater, lockten mit Bergen von Spielzeug und redeten ihm sogar ein, dass seine tote Mutter irgendwann wieder in den USA erscheinen könnte. "Das ist Kindesmisshandlung," sagte Juan Miguel Gonzalez am Sonntagabend in einem Fernsehinterview der Gesellschaft CBS.
Unterdessen warteten die streitenden Parteien am Montag gespannt darauf, ob ein Gericht auf Antrag der amerikanischen Regierung eine einstweilige Verfügung gegen die Übergabe des Jungen an den Vater wieder aufheben wird. Elians Mutter war im November auf der Flucht aus Kuba ertrunken. Der Junge wurde gerettet und lebt seitdem bei den Verwandten in Miami (Florida).
Der Vater hatte am Wochenende 20 Minuten lang mit Elian telefoniert. Anfangs habe Elian gezögert, als er von dem Anruf erfuhr, berichtete die Zeitung "Miami Herald". Am Ende der Unterhaltung habe er seinem Vater aber über das Telefon Kusshände zugeworfen. Ein Reporter des Blattes konnte das Gespräch am Samstag mitverfolgen. Es war offenbar die Reaktion der Verwandten auf Vorwürfe, dass sein Vater nicht mit seinem Sohn sprechen könne. Der Junge habe nach der Unterhaltung geweint, sagten die Verwandten.
Sie hatten den Vater zuvor beschuldigt, er habe Elians Mutter so misshandelt, dass sie ins Krankenhaus musste. Dafür führten sie die eidesstattliche Erklärung eines Mannes ins Feld, der wie Elian im November vergangenen Jahres einen Schiffbruch auf der Flucht aus Kuba überlebt hatte, während Elians Mutter und Stiefvater ertranken. Der Vater wies die Anschuldigung am Sonntag zurück. Seine Gegenspieler wollten ihn mit allen Mitteln als "eine aggressive Person" abstempeln.
Nach Auffassung des US-Justizministeriums haben die Verwandten "keine rechtliche Basis" mehr dafür, den Jungen festzuhalten. Es bot aber an, dass der Vater so lange in den USA bleiben könne, bis das Tauziehen um Elian gerichtlich geklärt ist. Voraussetzung dafür sei seine sofortige Übergabe an den Vater, der sich in Washington aufhält.
Gießener Anzeiger 14.4.00
Elian wird Schuldgefühle verspüren
Gießener Psychoanalytiker Hans-Peter Wirteh nimmt Stellung
zu Erlebnissen des sechjährigen kubanischen Flüchtlingsjungen
Von Franz Maiwald
GIESSEN. Im Mittelpunkt des weltweit für Aufsehen sorgenden Gezerres zwischen Castro-Gegnern und dem Vater Juan Miguel Gonzalez von der Karibik-Insel Kuba steht der sechsjährige Flüchtlingsjunge Elián, dessen Mutter und Stiefvater auf der Flucht beim Schiffbruch ums Leben gekommen waren.
Über die psychischen Folgeschäden dieses traumatischen Verlustes und die Auswirkungen des wochenlangen Medienrummels auf die Entwicklung des Jungen sprach der Anzeiger mit dem Gießener Psychoanalytiker Privatdozent Hans-Jürgen Wirth, Mitglied und Dozent des Instituts für Psychoanalyse und Psychotherapie Gießen und langjähriger Mitarbeiter am Zentrum für Psychosomatische Medizin der Justus-Liebig-Universität.
Wie beurteilen Sie den augenblicklichen Konflikt um das Kind vor dem Hintergrund Ihrer Erfahrungen als Paar- und Familientherapeut?
Wirth: Aus familientherapeutischer Sicht wird hier ein Konflikt, der zwischen Erwachsenen besteht – auf der einen Seite der leibliche Vater und die Regierung Kubas, auf der anderen Seite der Großonkel und die Exil-Kubaner – auf dem Rücken des Jungen ausgetragen. Die politischen Interessen der Beteiligten und die Sensationsgier der Medien sorgen dafür, dass der ganze Konflikt gigantisch aufgeladen wird. Was für den Jungen gut oder schlecht ist, gerät völlig aus dm Blickfeld, auch wenn die Beteiligten das Gegenteil beteuern. Der ganze Vorgang erinnert mich stark an Brechts Stück „Der kaukasische Kreidekreis", das auf ein altchinesisches Singspiel vom Kreidekreis zurückgeht, wo ein Richter den Streit zweier Frauen um ein Kind dadurch entscheidet, dass er das Kind in einen Kreidekreis zwischen die Frauen stellt und es der zusagt, die es auf ihre Seite zu ziehen vermag. Er erkennt die leibliche Mutter in der, die verliert, weil sie dem Kind nicht weh tun will.
Welche Auswirkungen dieses Streits auf die Psyche Eliáns sind zu befürchten?
Wirth: In Wahrheit handelt es sich hier um den narzisstischen Missbrauch eines Kindes zum Zwecke der Selbstdarstellung, man kann auch von einer Funktionalisierung des Kindes für die eigenen Interessen der Erwachsenen sprechen. Viele Fälle aus der familientherapeutischen Praxis belegen, dass es immer dann zu einer erheblichen psychischen Schädigung des Kindes kommt, wenn die in einer Trennungssituation befindlichen Eltern versuchen, das Kind auf die jeweils eigene Seite zu ziehen und es sozusagen als Bundesgenossen oder als Pfand zu missbrauchen.
Wie reagieren Kinder, die sich plötzlich einem so schlimmen Zwiespalt ausgesetzt sehen?
Wirth: Das Kind denkt ständig daran, wie es dem jeweiligen Elternteil am ehesten entsprechen kann. Es fühlt sich nur geliebt, wenn es tatsächlich zu dessen Bundesgenossen wird, vor allem wenn der Druck durch Bemerkungen wie „Ich lieb dich nur, wenn du nicht zum Papa/zur Mama gehst" noch besonders groß wird. Solche Kinder entwickeln enorme Unsicherheiten, reden den Eltern nach dem Munde und neigen zur Überanpassung. Häufig sind das sehr sensible Kinder, die schon vorwegnehmend das spüren, was man von ihnen erwartet und die versuchen, solche Erwartungen auch zu erfüllen. Dabei vernachlässigen sie dann ganz ihre eigenen Bedürfnisse und Gedanken.
Wenn so ein Prozess jahrelang anhält, ist dann nicht mit bleibenden Veränderungen oder Störungen zu rechnen?
Wirth: Natürlich. In solchen Fällen tritt immer die Symptomatik des Lügens auf. Das heißt, solche Kinder erfahren und lernen, dass es gar nicht auf die Wahrheit ankommt, am Ende wissen sie gar nicht, was das ist. Diese Haltung praktizieren sie beispielsweise auch in der Schule, indem sie Freunden, den Lehrern, einer anderen Clique nach dem Mund reden und so in ein heilloses Chaos geraten. Oft heißt es dann: „Aha, der lügt ja schon wieder." Auch Elián hat schon einige dieser Symptome entwickelt und scheint bereits Geschichten zu erfinden. Man muss sich aber im klaren darüber sein, dass es sich um Krankheitssymptome handelt. Daran lässt sich auch ablesen, wie stark der Druck ist, der auf dem Jungen lastet.
Welche Auswirkungen wird der gleichzeitige Verlust von Mutter und Stiefvater auf den Jungen haben?
Wirth: Ich denke, dass Elián eine mehrfache Traumatisierung erlitten hat. Dass der Junge Mutter und Stiefvater gleichzeitig verloren hat und selbst als einziger gerettet wurde, wird für ihn die Grundlage einer „Überlebensschuld" sein. Um dieses Gefühl möglichst gering zu halten, wären Ruhe und Zurückgezogenheit für die Trauerarbeit erforderlich. Stattdessen findet sich der Junge schon seit Wochen in einer ungeheuer aufgeputschten Atmosphäre wieder, wird mit Geschenken überhäuft, erlebt so etwas wie Starkult und Größen- und Allmachtsphantasien. Da ihm aber vor lauter Rummel zur Zeit keine Trauer möglich ist, wird er später um so größere Schuldgefühle verspüren.
Was ist das Beste für Elián? Der kubanische Junge gehört zu seinem Vater - die Entfremdung von ihm ist manipuliert - Debatte Von Christine Brinck - Die Welt 15.4.00
Das Vaterrecht hat Vorrang vor der Freiheit. Das Schicksal des sechsjährigen Kubaners Elian Gonzales wird instrumentalisiert. Essay von Christine Brinck. Die Welt vom 13.1.00
Elián ist überall. Deutschland, ein Entführungsparadies: Viele Eltern kämpfen mit dubiosen Mitteln um ihre Kinder. Essay von Christine Brinck. Die Welt 29.1.00
Kommentar von "Väter für Kinder e.V." 17.4.00
Siehe ergänzend auch:
PAS - eine Krankheit aus USA? Der Fall Elian - Streit um Exilkubaner - Grenzerfahrung eines kleinen Jungen
Stand dieser Seite: 30.04.2000 - Fundstelle: http://www.paPPa.com/kinder/elian.htm
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