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Erneute Kindesentführung durch Vater - April 99
Südwestdeutsche Zeitung 14.4.99
ULM (agk). Weil er seine beiden Töchter nicht rechtzeitig bei der getrennt lebenden Mutter in Mannheim abgeliefert hat, ist der 29jährige Ortsvorsteher des Ulmer Teilorts Jungingen in die Schlagzeilen geraten. Wie die Mannheimer Polizei gestern bestätigte, hat die Ehefrau Anzeige erstattet. Wegen möglicher Kindesentziehung steht der Mann deshalb auf der Fahndungsliste. Erst in knapp zwei Wochen muß er den Dienst im Junginger Rathaus wieder antreten. Seine Töchter, beides noch Kleinkinder, sollte er aber gleich nach den Osterfeiertagen zur Mutter zurückbringen. Seit November lebt die Frau wieder bei ihren Eltern in Mannheim. Das Gericht hat ihr das Sorgerecht für die Kinder zugesprochen. Von einer "Entführung'', wie in der Boulevardpresse behauptet, könne aber keine Rede sein, betont der Pressesprecher der Mannheimer Polizei. Auch die Ulmer Polizei hält sich mit Auskünften sehr zurück.
Mannheimer Morgen 15.4.99
Der 30jährige Frank Dachtler, der mit seinen beiden bei ihrer Mutter in Mannheim lebenden Töchtern seit dem 4. April verschwunden ist, hat sich gemeldet. Dem Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner teilte Dachtler schriftlich mit, daß er von seinem Posten als Ortsvorsteher in Ulm-Jungingen zurückgetreten sei. Zum Wohle seiner Kinder habe er "die schwierigste Entscheidung seines Lebens getroffen", heißt es in dem Schreiben. Er wolle nicht, daß die Kinder sich weiter in der Obhut seiner Frau und der Schwiegereltern aufhielten. Wie berichtet hatte Dachtler, der von seiner Frau getrennt lebt, seine Töchter Ann-Kathrin (2) und Sarah-Victoria (1) nicht wie vereinbart am Ostersonntag zur Mutter zurückgebracht. Seither sind die drei verschwunden; die Kriminalpolizei fahndet bundesweit nach ihnen. Das Familiengericht in Ulm hat der Mutter mittlerweile das alleinige Sorgerecht zugesprochen. Wie der Vater die Dinge sieht, schilderte gestern dessen Ulmer Anwalt: Die Kinder seien jedesmal, wenn Dachtler sie abgeholt habe, "total verstört und krank" gewesen. Der 30jährige sei "immer noch zu einer Regelung zum Wohl der Kinder bereit".red/dpa
Mannheimer Morgen 16.4.99
Auch nachdem sich der 30jährige Frank Dachtler bei der Ulmer Stadtverwaltung gemeldet hat, fehlt von dem Mann, der seine beiden Töchtern entführt haben soll, jede Spur. Unterdessen wächst die Sorge der Mutter weiter. Sie befürchtet: Je länger die ein und zwei Jahre alten Kinder von ihr getrennt sind, desto mehr verblaßt ihre Erinnerung an die Mutter. "Das zerreißt mir schier das Herz", klagt die 29jährige Frau in der Wohnung ihrer Mutter in der Neckarstadt.
Wie berichtet lebt das Ehepaar seit November vergangenen Jahres getrennt. Die Familie wohnte in Ulm-Jungingen, wo Dachtler Ortsvorsteher war. Nach der Trennung siedelte die Frau zu ihrer Mutter nach Mannheim um. Das Familiengericht Ulm hatte ihr zunächst nach dem Aufenthaltsbestimmungsrecht die Kinder zugesprochen und vor wenigen Tagen auch das vorläufige Sorgerecht.
Vor Ostern holte der Vater die Kinder ab, um mit ihnen einige Tage zu verbringen. Am 4. April sollte er sie wieder abliefern. Stattdessen ließ er über seinen Anwalt mitteilen, daß es den Kindern gut gehe und er nie mehr zurückkomme. Wie gestern berichtet, informierte er inzwischen auch den Ulmer Oberbürgermeister, daß er den Posten des Ortsvorstehers in Jungingen aufgebe.
Auch dieses Schreiben brachte die Mannheimer Kriminalpolizei nicht auf die Spur des Mannes, der sich möglicherweise mit den Kindern ins Ausland abgesetzt hat. Ursula Dachtler vermutet, daß er mit einer Frau unterwegs ist, die ihm bei der Pflege der kleinen Mädchen hilft. Das will auch der Ulmer Anwalt des Mannes, Bernd Strohm, nicht ausschließen. Auf Anfrage versichert er, daß er nicht wisse, wo sich sein Mandant aufhält. Frank Dachtler habe, so der Anwalt, eine "starke emotionale Bindung" an die Kindern und glaube, daß sie bei ihm besser betreut würden als bei der Mutter.
Dem widerspricht Ursula Dachtler. Sie verweist auf regelmäßige ärztliche Untersuchungen der Kinder und auf das Jugendamt, das sich in der Mannheimer Wohnung von dem Wohlergehen der beiden Mädchen überzeugt habe. jan