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Scheidungs-/Trennungsfolgen für die Kinder
- Presseberichte 1999/2000 -
Aktuell:
Studie zeigt: Wer ohne
Vater aufwächst, wird eher krank
Hannoversche Allgemeine 21.9.2000
Dass es nicht gut für ein Kind sein kann, ohne Vater aufzuwachsen, ahnte man schon. Inzwischen gibt es dafür auch wissenschaftliche Belege. "Wer ohne regelmäßigen Kontakt zu seinem Vater aufwächst, trägt ein verdoppeltes Risiko, später an einer psychischen oder psychosomatischen Störung zu erkranken", sagt Matthias Franz, Psychiater an der Universität Düsseldorf.
Der Forscher stützt sich auf umfangreiches Datenmaterial: Über
20 Jahre hinweg hat er je 600 vaterlos aufgewachsene Männer und Frauen
der Geburtsjahrgänge 1935, 1945 und 1955 befragt.
Gesamter Artikel
in Hannoversche Allgemeine 21.9.2000
Gerhard Amendt, Vatersehnsucht - Annäherung in elf Essays
Kinder ohne Vater haben es schwerer
Neurosen, Störung der Persönlichkeit
und psychosomatische Erkrankungen sind bei vaterloser Erziehung häufiger
zu finden.
Kinder, die ohne Vater aufwachsen, haben nach einer Studie als Erwachsene ein höheres Risiko für psychische Probleme. "Es war ein signifikanter Zusammenhang zwischen späteren psychischen Beeinträchtigungen und einer defizitären Vaterbeziehung nachweisbar", sagte Professor Matthias Franz von der Universität Düsseldorf.
1,2 Mill. Kinder leben nur bei der Mutter
Die "Vaterlosigkeit" wirke besonders stark, weil Kinder auch außerhalb der Familie schwerlich Ersatz-Väter fänden. In Deutschland leben laut Statistischem Bundesamt 1,2 Millionen Kinder unter zehn Jahren nur bei der Mutter.
Grundlage der These ist eine elf Jahre dauernde Studie, bei der je 100 Männer und 100 Frauen der Jahrgänge 1935, 1945 und 1955 aus Mannheim zu ihrer seelischen Verfassung befragt wurden. Ergebnis: Neurosen, Persönlichkeitsstörungen und psychosomatische Erkrankungen waren bei Menschen, die ohne Vater aufgewachsen waren, deutlich häufiger zu finden als bei solchen aus einer Zwei-Eltern-Familie.
Ein vorhandenes Risiko wird noch verstärkt
Das Fehlen des Vaters sei dabei natürlich nicht der direkte, alleinige Grund, schränkt Franz ein, sondern verstärke ein vorhandenes Risiko. "Ein prägender männlicher Partner ist heute über weite Bereiche der frühkindlichen Entwicklung - auch zum Beispiel in Kindergärten und Grundschulen - nur wenig präsent", sagte Franz. Viele Kinder könnten heute wenig direkte Erfahrung mit männlichen Vorbildern machen, was beispielsweise auch die Medien nicht ersetzen könnten.
Franz präsentiert seine Ergebnisse am Wochenende auf dem Frankfurter Professorenforum "Programmierung des kindlichen und jugendlichen Gehirns".
(Hinweis paPPa.com: Siehe auch "Wenn der Vater fehlt. Epidemiologische Befunde zur Bedeutung früher Abwesenheit desVaters für die psychische Gesundheit im späteren Leben" - Zsch. psychosom. Med. 45, 260-278, 1999. Von Matthias Franz, Klaus Lieberz, Norbert Schmitz (Klinisches Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) und Heinz Schepank (Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim) - (Auszüge und Kommentar bei "Väter für Kinder")
http://www.newsclick.de 23.3.00
Typisch Junge? Mehr als 100 Zuhörer wollten wissen,
wo die Gewalt herkommt
"Es fehlt einfach das männliche Vorbild"
CALBERLAH (av) Jungen sind zu Hause anders, als in der Schule. Jungen haben eine geringe soziale Kompetenz. Solche und ähnliche Aussagen standen im Vordergrund der Veranstaltung "Typisch Junge ... und täglich bebt das Klassenzimmer", die am Dienstagabend in der kleinen Sporthalle der Haupt- und Realschule Calberlah stattfand.
In Zusammenarbeit mit dem Präventionsrat der Samtgemeinde Isenbüttel und der Gifhorner Kreisvolkshochschule referierten Dietrich Seifert und Gert Sender vom Wolfsburger Verein "Männer gegen Männergewalt" über Jungensozialisation und Handlungsmöglichkeiten für Lehrer, Eltern und Erzieher.
"Agressives Verhalten tritt in der Regel bei Jungen auf", so Dietrich Seiffert, selbst Vater eines achtjährigen Jungen und Vorsitzender des Wolfsburger Vereins. "Wenn Erwachsene dann nicht nachfragen, sich nicht interessieren, kommt es zu Spannungen." Der Grund für Missverständnisse sei aber auch im unterschiedlichen Verständnis von Eltern, Schülern und Lehrern zu suchen. So bedeute "Erfolg" für Eltern, dass ihre Kinder regelmäßig gute Zensuren mit nach Hause bringen. Für Schüler seien solche Forderungen jedoch "Erfolgsdruck". Ein Problem sei überdies, dass sich Erzieher und Eltern die Verantwortung zuschieben. "Dabei sollte sich jeder bemühen, für die Probleme des anderen Verständnis zu zeigen", so der Referent.
Dem Thema Jungensozialisation nahm sich Diplom-Sozialpädagoge Gert Sender an. Er versuchte, das Problem durch Zahlen zu verdeutlichen. "Doppelt so viele Jungen wie Mädchen werden in Erziehungsberatungsstellen angemeldet. Außerdem tauchen sie bis zu 60mal häufiger in der Kriminalitätsstatistik auf", fasste der Vater eines 21-jährigen Sohnes zusammen. Gründe sieht er vor allem in dem geringen Anteil der Männer am Erziehungsurlaub (lediglich ein Prozent beteiligt sich in den ersten Jahren), auch gebe es zu wenig männliche Erzieher in Kindergärten und Grundschulen. "Väter tauchen nur als die ausgeschlafenen Veranstalter spektakulärer Wochenendausflüge auf. Und das ist bei aller Liebe zu wenig", kritisierte Gert Sender. "Es fehlt einfach das männliche Vorbild."
Ihre Ansprüche und Erwartungen in Bezug auf Erziehung konnten die mehr als 100 Zuhörer dann in Teamarbeit formulieren. In mehrere Gruppen aufgeteilt, sollten die Väter und Mütter definieren, wie oder was ein "richtiger Mann" ist. Eine Gruppe, die ausschließlich aus Vätern bestand, beschrieb das Lebensgefühl eines zwölfjährigen Jungen. Stichworte wie "Suche nach Anerkennung", "Leistungsbereitschaft" aber auch "Selbständigkeit" und "Abnabelung" füllten schnell die Plakate.
»Abends wenn wir essen fehlt uns immer einer«
Kinder schreiben an die Väter 1939 bis 1945
Ausstellung in Frankfurt
Frankfurt. »Man denkt bei den Soldaten immer an die Ledermäntel und die Stiefel vergisst, dass es auch Väter waren«, sagt Herta Lange, Jahrgang 1926, heute. Seit den 80er Jahren sammelt sie Briefe von Kindern und Vätern aus der Zeit von 1939 bis 1945. Fast tausend Briefe hat Herta Lange bisher zusammengetragen. Eine Auswahl zeigt erstmals das Museum für Kommunikation in Frankfurt unter dem Titel »Abends wenn wir essen fehlt uns immer einer«.
»Lieber Vati! Wir sind alle noch gesund, aber mir ist nach dir sehr bange«, schrieb die elfjährige Edith im März 1945 an ihren Vater, der zu Hause in Breslau als Volkssturmsoldat bleiben musste. Edith erhielt nie eine Antwort, denn der Vater starb kurz darauf. Er fiel in derselben Nacht, in der sein zweites Kind geboren wurde. Ediths Brief trug der Vater bei sich.
Über 30 Milliarden Briefe gingen während des Zweiten Weltkrieges zwischen Soldaten und ihren Familien hin und her. Für die Kinder waren Feldpostbriefe die einzige Möglichkeit, Kontakt mit dem Vater zu halten. Die Geschichten, die sie erzählten, geben einen Einblick in die Lebenswelt der Kriegskinder-Generation.
In mit Zeichnungen und Gedichten geschmückten Briefen schrieben die Töchter und Söhne mitfühlend, »du armer Vater du würst wohl sehr frieren! In Stalinkrat ist es ja mintendes 40, 35, 20, 27, 13 Krat Kälte«; sie erzählten von ihren Erlebnissen zu Hause und versuchten, den Vater am Familienalltag teilhaben zu lassen: »Wir waren eben zum essen es hat ser gut geschmekkt es gap Hammelfleisch Wirsingkohl und Katoffel. Mutti krigt mich garnich satt.«
Millionen von Vätern waren im Zweiten Weltkrieg an der Front, viele schrieben täglich einen Brief nach Hause. Der Postverkehr war gut organisiert, so dass Briefe oft nur wenige Tage brauchten. Die Feldpost wurde zensiert, doch die so genannten Feldpostprüfstellen konnten angesichts der Flut von Sendungen nur einen geringen Anteil tatsächlich öffnen und kontrollieren.
Der Vater war fort und doch nicht fort, seine Autorität blieb gegenwärtig. Wünsche und Sorgen trugen die Kinder an den Vater heran, er wurde um Erlaubnis gebeten. »Ich muss jeden Tag mit Turnschuhen zur Schule gehen. Mutti will es nicht erlauben, dass ich die Holzsandalen anziehe, schreibe Du ihr doch einmal, dass sie es mir erlauben soll.«
Das Leben der Sechs- bis 16-Jährigen drehte sich um Schule, Feste und die Hitlerjugend. Typisch für die Kinderbriefe im Zweiten Weltkrieg war das Nebeneinander von akribisch aufgelisteten Schulnoten, selbstgebackenem Pflaumenkuchen und schließlich Berichten von nationalsozialistischen Propagandaveranstaltungen: »Am 20. Januar machte der HJ. Standort Rottweil einen Propagandamarsch durch die Stadt. Ich marschierte gleich hinter der Bannfahne. So konnte ich fabelhaft beobachten, wer die Fahne grüßte u. wer nicht«, schrieb der fünfzehnjährige Egbert 1944 an seinen Vater.
Für manche Kinder war der Vater weit weg, nach langer Trennung verloren sie den Bezug zu ihm. Zum Schreiben aufgefordert von der Mutter oder in der Schule, wirkten die Briefe steif, sie waren eher eine Pflichtübung. Die Väter versuchten ihre Rolle als Erzieher aus der Ferne wahrzunehmen: »Vergiß nur ja nicht, Deine Schularbeiten zu machen und vor allem nicht flüchtig, sondern mit Sorgfalt u. Fleiß. Vernachlässige auch nicht das Klavierspielen!« schrieb ein Vater 1944 an seine Tochter. Die Schrecken des Krieges erwähnten die Väter nur selten, die Zeilen sprachen von der Sehnsucht, den Kindern nahe zu sein und »nach dem Krieg gemeinsam etwas zu unternehmen«.
Wer den Zweiten Weltkrieg als Kind erlebt hat, wird in manchen Briefen sich selbst entdecken, für die Nachkriegsgenerationen erzählt die Ausstellung ein Stück Geschichte ihrer Eltern und Großeltern. Neben Briefen vermitteln Schul- und Liederbücher, Spielzeug, Plakate und Wochenschauen die Lebenswelt der Kinder im Nationalsozialismus.
Für Herta Lange ist mit der Ausstellung das Thema noch nicht erschöpft. Sie sammelt weiter Briefe von Kindern und Vätern aus dem Zweiten Weltkrieg. Wer Kontakt mit ihr aufnehmen möchte, schreibt an: Herta Lange, Kaiserstraße 28 in 41747 Viersen. Karin Kura
»Abends wenn wir essen fehlt uns immer einer. Kinder schreiben an die Väter 1939 1945« läuft bis 16. Juli im Museum für Kommunikation in Frankfurt, Schaumainkai 53. Der Eintritt ist frei.
Siehe auch:
Presse 1999
Psychische Störungen durch fehlende Väter - FAZ 8.9.99
Wenn Kinder ohne Vater aufwachsen müssen, kann das zu anhaltenden psychischen Störungen führen. Die Beeinträchtigungen äußern sich mitunter noch nach Jahrzehnten.
Das belegen Untersuchungen, die Wissenschaftler des Klinischen Instituts für Psychosomatische Medizin der Universität Düsseldorf und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim vorgenommen haben. In der Studie wurden 600 Männer und Frauen der Jahrgänge 1935 bis 1955 einbezogen. Über elf Jahre hinweg dokumentierte man die in diesem Kollektiv auftretenden, vorwiegend psychosozial beeinflussten ("psychogenen") Krankheiten. Dazu zählen beispielsweise Psychoneurosen und Persönlichkeitsstörungen einschließlich Suchterkrankungen.
Wie die Arbeitsgruppe um Matthias Franz jetzt berichtet, lässt sich ein klarer Zusammenhang zwischen einer mehr als 6 Monate dauernden Abwesenheit des Vaters in den ersten 6 Lebensjahren und der psychogenen Beeinträchtigung im späteren Leben feststellen. Dieser Befund, so schreiben die Forscher, ist angesichts der steigenden Zahl allein erziehender Mütter sozialpolitisch brisant ("Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie", Bd. 45, S. 260).
Der Vater als prägender männlicher Partner sei heute über weite Bereiche der frühkindlichen Entwicklung nur wenig präsent. Zwar dürfe man aus den Ergebnissen nicht ableiten, jedes bei nur einem Elternteil aufwachsende Kind würde psychisch oder psychosomatisch erkranken. Das Risiko sei aber erhöht.
"Hohe Störungsrate" - Ohne Vater aufzuwachsen birgt Risiken. Der Arzt Matthias Franz über neue Studien - FOCUS 37/1999
Depressionen im Kindesalter oft Folge von Trennung
Hamburg (dpa) - Depressionen im Kindes- und Jugendalter treten häufig bei wiederkehrenden negativen Erfahrungen wie Verlust und Trennung auf.
«Ursachen für Depressionen können das unberechenbare Verhalten von Eltern, Scheidung oder Misshandlungen, denen Kinder über einen längeren Zeitraum ausgesetzt sind, sein», sagte die Leiterin der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik Aachen, Prof. Beate Herpertz-Dahlmann, in einem dpa-Gespräch. Auch genetische Faktoren und unzureichende Bewältigungsstrategien könnten Depressionen erzeugen.
Verschiedene Studien belegen, dass zwischen 0,5 und 2,5 Prozent der Kinder und zwei bis acht Prozent der Jugendlichen an Depressionen leiden. Problematisch sei, dass Depressionen bei Kindern schwer erkennbar sind. Während Erwachsene über eine traurige Verstimmung klagten und sich zurückzögen, verhielten sich Kinder oft aggressiv und stürzten sich in Konflikte. «Die depressive Grund-Erkrankung würde so häufig übersehen», erklärte die Kinder- und Jugendpsychiaterin. Die Kinder nehmen dann die Krankheit mit ins Erwachsenenleben, wobei die Heilungschancen abnehmen und sich die Selbstmordgefahr erhöht.
Braunschweiger Zeitung 28.5.99
Expertenrat: "Präsenz ist gefragt"
Väter jede Minute für Kinder wichtig
Wenn Martin Poschel (28) nach Hause kommt, ist er meist völlig fertig. Als Gruppenleiter in der Produktionsabteilung eines großen Werkzeugbauunternehmens trägt er Verantwortung für zwei Dutzend Mitarbeiter und eine ganze Produktionsstraße. Da sind Zwölf-Stunden-Arbeitstage keine Seltenheit. Kaum verwunderlich, daß er zu Hause erst einmal ein paar ruhige Minuten bräuchte. Die aber will ihm keine seiner beiden Töchter Merlin (2) und Luisa (5) so richtig gönnen. Sie haben auf Papa gewartet.
Schließt er dann abends meist nach acht die Tür zur Wohnung auf, stürzen ihm die Mädchen mit Freudengeschrei entgegen. Beide Kinder warten darauf, daß getobt wird, bis sich die Balken biegen, geschmust wird, bis zur Atemnot und gequasselt, bis zum Ohrensausen. Erika Poschel (26) weiß, wie wichtig diese Zeit für Vater und Töchter ist, und genießt selbst die Minuten der Einsamkeit: "Auch wenn die Kinder um neun kaum ins Bett zu bekommen sind."
So haben die Poschels notgedrungen ihren Lebensrhythmus auf den Arbeitsplatz des Vaters ausgerichtet um wenigstens ein wenig wirkliche Familie sein zu können. Was aber wird sein, wenn Luisa zur Schule geht und abends den Schlaf benötigt, weil sie morgens nicht mehr ausschlafen kann?
Bei vielen Familien sieht es ähnlich oder schlimmer aus. Wie die Härte des Berufslebens steigt, so fällt gleichzeitig die Präsenz der Väter in der Familie. "Für eine gesunde Entwicklung des Kindes sind jedoch Vater und Mutter gleichermaßen wichtig", weiß der Sozialpädagoge und Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Jugend- und Sozialforschung, Jörg Sommer. Und zwar durchaus auch in unterschiedlichen Rollen. Sommer: "Was wiederum nicht bedeutet, daß die Eltern brav ihre gesellschaftlich normierten Vater- und Mutterrollen auszufüllen haben. Hausmann und Managerin als Elternpaar sind für Kinder nicht weniger akzeptabel. Auch eine Rollenschachtelung, das heißt ein teilweiser geschlechtsspezifischer Rollentausch ist möglich. Lediglich ständiges gegenseitiges Streitigmachen der definierten Rollen kann negative Auswirkungen auf die Kinder haben.
Aber auch berufstätige Väter können ihre Aufgaben im Tageslauf übernehmen. Denn Wickeln hat noch keinem Manager geschadet, ebenso wie ein Heizungsmonteur einen wohlschmeckenden Babybrei zubereiten kann. Wichtig für Kinder jeden Alters ist es, beide Bezugspersonen erleben. Doch ist ein Vater, der gerade mal am Samstag eine halbe Stunde Zeit hat, um halbherzig die Hausaufgaben zu kontrollieren, de facto in der Erziehung nicht vorhanden.
Dabei geht es gar nicht um das Supervorbild: den Hausmann auf Zeit, das Jugendideal, den tollen Kumpel oder die allwissende Autorität. Gefragt ist einfache Präsenz. Das Teil-sein des familiären Miteinanders. Ganz ohne allzu hohe Ansprüche. Der "Nur-Vater" im Alltag ist wichtig und wertvoll genug. Vaterlose Kinder sind benachteiligte Kinder. Ihnen fehlt ein Gegenpart zur Mutter, eine vorgelebte Beziehungsdynamik mit all ihren Nuancen und Konflikten, fehlt eine Alternative zur mütterlichen Autorität.
Vaterlos aufgewachsene Kinder neigen mehr als doppelt so häufig zu Verhaltensstörungen, über die Hälfte ist in der Schule leistungsschwach, später kontaktarm und fast immer unfähig, dauerhafte feste Bindungen aufzubauen. Ehen von vaterlos aufgewachsenen Kindern werden überdurchschnittlich häufig geschieden. Vaterlos aufgewachsene Kinder neigen besonders zu Gewaltausbrüchen, der Anteil der Jugendlichen aus alleinerziehenden Familien unter jugendlichen Neonazis ist fatal."
Braunschweiger Zeitung 28.5.99
Vom Kumpel zum erfahrenen Gesprächspartner
Warum der Vater nötig ist
Bis zwei Jahre: Kinder mit intensivem Kontakt zum Vater lernen schneller sprechen, können sich besser an ihre Umwelt anpassen und fremdeln weitaus weniger.
Bis vier Jahre: Vater-Kinder können sich meist besser im Kindergarten behaupten, finden schneller Freunde und haben meist weniger Probleme, gerne in den Kindergarten zu gehen.
Bis sechs Jahre: Vater-Kinder gehen fast immer gerne zur Schule, kommen besser mit den Lehrern zurecht und lassen sich von ihren Mitschülern weniger unterbuttern. Sie verarbeiten die neu auf sie einströmenden Erfahrungen weitaus besser, wenn sie ab und zu mit dem Vater darüber sprechen können.
Bis zehn Jahre: Jetzt wird der Vater zum Kumpel und auch zur Meßlatte. Besonders einprägsam ist es für die Kinder, wenn der Vater während einer Auseinandersetzung zugibt, daß er unrecht hat. Ebenfalls wenn sie sich ihm gegenüber durchsetzen können.
Bis zwölf Jahre: Der Einstieg in die Erwachsenenwelt naht. Jungs stehen jetzt auf Exkursionen und Abenteuer mit Papa. Mädchen brauchen ihn, um zum Beispiel bei Restaurant- oder Kinobesuchen einen attraktiven Begleiter auszutesten.
Bis 14 Jahre: Jetzt kommt es dicke, auch für Väter. Plötzlich ist ihre kostbare Zeit weniger gefragt. Auf Schmusereien stehen weder Töchter noch Söhne, aber trotzdem bleibt der Vater wichtig. Als seltener, aber bedeutender Partner für "Erwachsenengespräche" und zum Beobachten der Elternbeziehung, die wichtig für die Entwicklung der Beziehungsfähigkeit des Kindes ist.
Ab 14 Jahre: Jetzt zählt vor allem der erfahrene Gesprächspartner, der einen als gleichwertig und ernstzunehmend achtet.
Bereits berichtet hat paPPa.com über:
Siehe aktuell - 17.2.2001 auch: Kinder in Angst
Stand dieser Seite: 17.2.2001, eingestellt im März 2000 - Fundstelle: http://www.paPPa.com/kinder/folgen.htm
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