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Main-Echo, Bericht vom 24.10.1997
»Eigentlich war ich fast froh, als sich meine Eltern trennten. Ich war die Streitereien leid. Aber jetzt geht´s mir immer noch nicht gut.« Dieses Statement stammt von einem Mädchen, dessen Eltern sich scheiden ließen, und steht für unzählige gleichartige Erfahrungen. Verletzungen, Angst, Wut, Einsamkeitsgefühle, Konflikte bis weit ins Erwachsenenalter. Das Mädchencafé in Aschaffenburg bietet jetzt für Mädchen aus Scheidungsfamilien eine Gruppe an, die sich alle zwei Wochen zum Erfahrungsaustausch trifft. Der Nächste Termin: Montag, 3. November, von 16.30 bis 18 Uhr im Mädchencafé in der Pestalozzistraße 17.
»Scheidungskinder haben oft das Gefühl, daß sie ganz alleine sind mit ihren Erfahrungen. So schlecht wie mir geht´s keinem, meinen sie. Dabei geht es vielen genauso«, erklärt Monika Weilandt die Intention, diese Mädchengruppe ins Leben zu rufen. Zwei Fans hat die Diplom-Sozialpädagogin bereits gefunden. Marlen (15) und Olivia (17) finden die Idee des Gesprächs, der Reflexion und der Lösungssuche im Kreis von Gleichgesinnten prima. »Wir hoffen, daß noch mehr Mädchen dazukommen und sich konstruktiv einbringen«, sagt Olivia. Daß alles, was in der kleine Runde erzählt werde, streng vertraulich bleibe, verstehe sich ja wohl von selbst. »Man kriegt kaum mit, wie es bei anderen läuft. Viele sehen auch den Ernst des Themas nicht«, ergänzt Marlen ihr Interesse am Austausch.
Olivia und Marlen waren noch sehr klein, als ihre Eltern sich und damit auch die Geschwister trennten, doch noch heute knabbern sie an ihren Erlebnissen. Konfliktscheu und harmoniebedürftig die eine, trotzig und provokativ die andere, haben sie Rollen übernommen, die ihnen als Kind unbewußt zugeteilt wurden. Heute wissen sie, daß »vieles schief gelaufen« ist. »Unsere Eltern hätten den Konflikt anders lösen müssen. Sie haben uns Kindern beispielsweise alleine die Entscheidung überlassen, bei welchem Elternteil wir leben möchten«, sagt die ältere Schwester. Ein enormer Druck und eine Verantwortung, der Kinder nicht gewachsen sind.
Doch nicht um Schuldzuweisung geht es Olivia und Marlen, sondern einfach darum, typische Verhaltensweisen und Schwächen zu erkennen, um Wiederholungsfehlern vorzubeugen. »Weil Scheidungskindern das Vorbild einer funktionierenden Beziehung fehlt, haben sie häufig Schwierigkeiten mit Beziehungen zu anderen. Zudem haben sie oft nicht erlebt, wie man Konflikte konstruktiv löst und empfinden sie als bedrohlich, ja unüberwindbar.«
Monika Weilandt beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema »Scheidungsfamilie« und kennt die Fallen, in die Betroffene gerne tappen. »Hier geht es nicht um Defizite und Reparatur, sondern um Austausch und Lösungen. Ich möchte die typischen Verhaltensweisen aufzeigen und Problemen vorbeugen«, betont sie. Mit Beratungsstellen und Therapeuten soll die Gruppe denn auch keineswegs konkurrieren. Im Gegenteil: Monika Weilandt hofft auf die Zusammenarbeit mit ansässigen Institutionen. »Die Selbsthilfegruppe soll eine Ergänzung sein.«
Die Mädchen eventuell soll später auch für Jungen eine Gruppe angeboten werden sollten mindestens 14 Jahre alt sein, eine Altersgruppe, die der Pädagogin aus mehreren Gründen günstig erscheint. »Zum einen sind die Jugendlichen jetzt in der Lage zu reflektieren und Probleme zu benennen. Zum anderen beginnt die Ablösung vom Elternhaus, die auch Ängste mit sich bringt und die Scheidungsproblematik wieder aktualisiert. Außerdem gehen die Jugendlichen jetzt eigene Beziehungen ein, und da das eigene Beziehungsverhalten stark von der Erfahrung der elterlichen Scheidung geprägt ist, kann eine Bearbeitung dieser Erfahrungen einige Konfliktpunkte beseitigen.«
Kommentar paPPa.com: Grundsätzlich ein begrüßenswertes Projekt, vielleicht sogar mit Modellcharakter. Aber: Warum sind nur Mädchen von diesem Problem betroffen? Lassen Eltern von Jungen sich nicht scheiden?