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Freies Wort vom 6. Juni 1998:
Wenn im Scheidungskrieg alle Register gezogen
werden
MDR drehte Reportage im Altkreis Bad Salzungen
Bad Salzungen (swo). Christian spielt mit seinem Hubschrauber. "Der ist von Papa - und das Auto auch, und das auch." Doch seinen Papa hat der fünfjährige schon Monate nicht mehr gesehen. Seine Mama, Andrea Sander, verweigert ihm das Umgangsrecht.
So beginnt die 45minütige Reportage des MDR mit dem Titel "Kampf ums Kind" in der Reihe "Alles aus Liebe", die am Montag, 8. Juni, um 22:30 Uhr im MDR ausgestrahlt wird. Für ihre Dokumentation suchte Andrea Ufer Paare, die bereit sind, ihre Geschichte zu erzählen - und fand sie in Bad Salzungen (wir berichteten). So unterschiedlich die drei Fälle auch sind, eines ist bei allen gleich: Aus Liebe wurde Haß, den die Partner unter Zuhilfenahme des Druckmittels "Kind" ausleben. Die Sanders sind das einzige Paar, wo beide Partner vor der Kamera sprechen. In ihren Worten ist der "Kampf" besonders zu spüren. Da redet Klaus Sander vom "Ausnahmezustand", Andrea Sander spricht von "panischer Angst" und daß sie "zurückschlagen" würde. Die Sanders zogen und ziehen in ihrem dreijährigen Scheidungskrieg alle Register, angefangen von einer Anzeige des Vaters gegen die Mutter wegen Kindesmißhandlung über Beleidigungen, einen Klagemarathon bis hin zu Tätlichkeiten.
Im Fall Dieter Wolfram aus Bad Liebenstein hält die Noch-Ehefrau den achtjährigen Sohn ebenfalls vom Vater fern. Doch hier haben beide Elternteile neue Partner gefunden und der Achtjährige steht - wie im Film deutlich wird - zwischen den Stühlen. Psychischer Druck und das "Erkaufen" von Falschaussagen mit Geschenken durch die Mutter kommen dazu, und der Vater befürchtet, daß er seinen Sohn verlieren wird. Deprimiert wirkt Dieter Wolfram angesichts der Ohnmacht, die er empfindet, weil er nichts machen kann, um das Umgangsrecht mit seinem Sohn wahrzunehmen.
Ohnmächtig und hilflos fühlen sich auch Andras Schran und seine Lebensgefährtin Jana Henn, als plötzlich die Kripo vor ihrer Tür steht, alle Videos beschlagnahmt und beide zum Verhör mitnimmt. Der Vorwurf: sexueller Mißbrauch an beiden bei der Mutter lebenden Söhnen Schrans. Eineinhalb Jahre sieht Andreas Schran die Kinder nicht, bis sich schließlich alle Vorwürfe in Luft auflösen. Zwar trifft sich das Paar jetzt wieder mit seinem älteren Sohn, doch: "Es ist nichts mehr wie früher."
Doch nicht nur die Paare läßt Andreas Ufer sprechen. Auch die Bad Salzunger Familienrichterin Kathrin Koch, den Familienberater Joachim Wangemann, den Jugendamtsleiter des Wartburgkreises Bernd Scheumann und das Vorstandsmitglied des Bündnisses für Kinder und Menschenrechte, kommen zu Wort. Sie liefern Daten, schildern andere Fälle und geben fachlichen Rat.
In Bad Salzungen, wie überall, geht jede dritte Ehe kaputt und wie überall streiten sich Eltern um die Kinder. Die Reportage des MDR macht dies deutlich, zeigt aber auch, daß das, wovon alle Beteiligten reden, nämlich nur an das "Wohl des Kindes" zu denken, nur ein frommer Wunsch bleibt. Spiel mit der Macht, Schikane und die Genugtuung, dem anderen eins auszuwischen, ihn treffen zu könne, aber auch die Angst, das Kind zu verlieren, sind die Hauptmotive beim "Kampf ums Kind".
Der fünfjährige Christian Sander jedenfalls schreibt am Ende des Films einen Brief an "seine Papa" und bittet die Filmleute: "und ihr nehmt ihn mit."