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Kölner Stadtanzeiger, 23. Mai 98
Stille Schreie aus dem Dunst
Sie sind gefangen in einer Welt aus Angst, Selbstzweifeln und Mißtrauen: Kinder alkoholabhängiger Eltern. Bei ihnen zu Hause spielen sich Szenen voller Gewalt und Chaos ab. Ist Papa wieder betrunken? Die Mama jähzornig? Zwei Millionen Kinder wachsen in Deutschland in einer Suchtfamilie auf. Ein Report von Michaela Krüger
Ein Kind, das ständig kritisiert wird, lernt
vor allem zu verurteilen.
Ein Kind, das Feindseligkeiten erfährt, wird streitsüchtig werden.
Ein Kind, das Schmach erleidet, wird in Schuldgefühlen leben.
Ein Kind, das ermuntert wird, wird Vertrauen haben.
Ein Kind, das man lobt, lernt etwas zu schätzen.
Ein Kind, das im Spiel Regeln beachten lernt, wird im Leben wissen, was
Gerechtigkeit ist.
Ein Kind, das Sicherheit und Geborgenheit erlebt, wird spüren, was
Vertrauen ist.
(Schwedisches Gedicht)
Bis heute weiß sie nicht, ob es einfach nur ein Traum war. Schlaflos, mit wachen Augen lag Germaine K. damals in ihrem Bett, als ihr betrunkener Stiefvater zu ihr kam und sich an sie drängte. In der Luft war dieser verdammte Geruch von Schnaps und Bier - und in ihr dieses alles dominierende Gefühl der Angst. Eine Panik, die sie zu erdrücken schien. Inmitten des Erstarrens fiel plötzlich Licht in die Dunkelheit des Raumes, die Tür öffnete sich, und auf der Schwelle zeichneten sich die Silhouetten ihrer Mutter und der Großmutter ab. "Jetzt ist es genug", hört sie noch heute, so deutlich wie damals, die entschiedene Stimme ihrer Oma.
Genug. Dieses schlichte Wort vermochte in seiner Kürze alle Seelenqualen des damals 15jährigen Mädchens auszudrücken.
(Rest des Textes gelöscht)
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