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Wie Kinder Außenseiter werdenEine Kölner Studie über jugendliche AggressivitätKöln - Wenn Jugendliche in die Kriminalität abrutschen, hat sich diese Entwicklung in den weitaus meisten Fällen schon viele Jahre im voraus angekündigt. Mit erschreckend hoher Wahrscheinlichkeit entwickeln Kinder, die schon früh Opposition und Aggression an den Tag gelegt haben, später dissoziale Verhaltensweisen - wie lügen, Schule schwänzen, stehlen, zündeln. Und je später typische Fehler im Miteinander von Eltern und Kindern erkannt und korrigiert werden, desto ungünstiger ist die Prognose. Diese entmutigenden Erkenntnisse entstammen einer Studie über "Aggressivität und Dissozialität von Kindern und Jugendlichen in Deutschland", die Manfred Döpfner, Julia Plück und Gerd Lehmkuhl von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität zu Köln jetzt vorgestellt haben. Die Studie basiert auf einer bisher einzigartigen bundesweiten Untersuchung; bei einer repräsentativen Befragung wurden Fähigkeiten und psychische Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen zwischen vier und 18 Jahren ermittelt. Zu den wichtigsten Ergebnissen der Studie zählt der Beweis eines Zusammenhangs zwischen kindlicher Aggressivität und späterer Dissozialität. In der Studie wird eine typische Entwicklung dargestellt, die in der frühen Kindheit durch elterliche Erziehungsfehler, mangelnde Kontrolle und Wärme zu aggressivem Verhalten des Kindes führt. Daran gekoppelt sind häufig Störungen wie Hyperaktivität. Aggressivität und Teilleistungsstörungen führen in der Schule zu Mißerfolgen. Aggressive Kinder werden zudem von Gleichaltrigen oft abgelehnt und suchen die Bindung an gleichfalls von der Norm abweiche Altersgenossen, die sich gegenseitig Anerkennung geben. Dieser unheilvolle Weg mündet in der Jugend mit großer Wahrscheinlichkeit in die Kriminalität. Die für jeden an der Erziehung junger Leute beteiligten Erwachsenen lesenswerte Studie bringt zahlreiche interessante Einzelergebnisse: So fallen Jungen im Elternurteil und in der Selbsteinschätzung weit häufiger als Mädchen durch dissoziales Verhalten auf. Mädchen reagieren aber empfindlicher auf äußere Störungen wie Scheidung der Eltern oder Armut in der Familie, indem sie deutlich verstärkt Auffälligkeiten zeigen. Unterschiede zwischen Kindern, die auf dem Land oder in der Großstadt aufwachsen, fallen dagegen kaum ins Gewicht. In Familien mit großen Problemen sozialer oder persönlicher Art treten Störungen bei den Kindern bis zu doppelt so häufig wie in nicht problembeladenen Elternhäusern auf. Und die Schwierigkeiten jeglicher Hilfe von außen lassen sich an der Beurteilung der Störungen durch die Eltern ermessen: Nur ein geringer Anteil der auffälligen Kinder und Jugendlichen wird von den eigenen Eltern als problematisch oder gar behandlungsbedürftig eingeschätzt. |