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    Bericht aus "Sonntag aktuell", 5. Okt. 1997, Seite 4 - (siehe auch "2.000 DM Belohnung")

    Nicht ohne meine Töchter
    Nach der Trennung: Ein Vater kämpft um seine beiden Kinder

    Der Mann trägt schwarz: schwarzes Hemd, schwarze Hose, schwarze Socken, schwarze Schuhe. Es scheint, als ob er sein Inneres nach außen kehren möchte. Karl Seip ist traurig und verzweifelt. Der Mann in Schwarz sucht seine beiden Töchter Christine (8) und Clara (9). Nein, er muß nicht fürchten, daß die beiden weggelaufen sind, entführt wurden oder womöglich einem Sexualdelikt zum Opfer fielen.

    Seine Frau Claudia hat die beiden Töchter mitgenommen und "hält Christine und Clara seit Monaten an einem unbekannten Ort im Raum Köln/Bonn versteckt", behauptet der 53jährige. Ein Schicksal, das er mit etlichen Männern teilt, denen Familiengerichte das Sorgerecht für ihre Söhne oder Töchter verweigert haben.

    Doch dieser Mann kämpft mit allen Mitteln um seine Kinder. Auf der Suche nach den beiden scheut er die Oeffentlichkeit nicht, er sucht sie geradezu. Mit einer auffälligen Zeitungsanzeige fahndet er nach den Töchtern. 2.000 Mark verspricht Seip darin demjenigen, der ihm hilft, seine Kinder zu finden.

    Daß er sie damit in ihrer neunen Umgebung im Raum Könl/Bonn zur Zielscheibe der Öffentlichkeit in der Schule, Nachbarschaft und bei den Freunden macht, scheint der 53jährige zu verdrängen. Ein egomanischer Familienvater, der sich von Gott und der Welt verlassen fühlt, der in der Ehefrau nur noch die Entführerin der Kinder siehnt?

    Das wäre etwas zu simpel im Falle der Familie Seip. Denn im feinen Baden-Baden waren die Seipss eine Vorzeige-Verbindung. "Vorbildlichst", erinnert sich eine Mitarbeiterin der Lokalzeitung. Das Ehepaar und die beiden Kinder hatten alles, was man zum Leben in der Stadt der Millionäre braucht: eine Villa im Grünen, einen Pferdestall, ein Kunstgeschäft und mehrere Boutiquen.

    Geld allein macht ja bekanntlich nicht glücklich. "Aber wir waren zufrieden", erzählt Seip, "eine intakte Familie eben". Wie zum Beweis zieht er Fotos aus den harmonischen Tagen hervor, die radfahrenden Kinder, die Familie an Weihnachten. Deswegen sei er "völlig platt" gewesen, als seine Frau ihm zum Jahresende 1996 eröffnete: "Ich verlasse Dich - mit den Kindern!"

    Der Mann war am Ende - "suizidgefährdet", sagt er. 23 Jahre Ehe waren mit einem Schlag zu Ende. Seine Ehefrau Claudia zog mit den beiden Töchtern zu einem anderen Mann. Das hätte der verlassene Familienvater noch hingenommen, doch eine anonyme Anruferin habe ihm mitgeteilt, daß der neue Partner seiner Frau "Geheimagent einer sektenähnlichen Organisation" sei.

    Hirngespinste eines Verlassenen? "Quatsch", erwidert Seip. Er beauftragte den Sektenaussteiger Oliver Schramm und den Stuttgarter Scientology-Bekämpfer Eberhard Kleinmann mit einer Analyse des ganzen Sachverhaltes. "Denn jetzt hatte ich wahnsinnige Angst um die Kinder", sagt Seip.

    Beide Experten kamen zu dem Schluß, der Ablauf dieser Familientragödie sei eine geradezu standardisierte und klassische Strategie einer Organisation wie Scientology, denn Kinder seien für Sekten von großer Bedeutung. Im Streit ums Sorgerecht, den Versorgungsausgleich und die Verteilung des gesamten Vermögens der Familie Seip werde hier das Ehepaar von dritter Seite (Claudia Seips neuer Partner) derartig gegeneinander aufgebracht, daß der Ruin der Familie unmittelbar bevorstünde.

    Seip ist bereits jetzt völlig am Boden: Die Vorstellung, daß da "einer mit teuflischen Psycho-Tricks die Kinder manipuliert, treibt mich an den Rand des Zusammenbruchs".

    Und was sagt die Justiz dazu? Das Amtsgericht Baden-Baden hatte beschlossen, daß der Familienvater seine Kinder tageweise zu sich nehmen darf. Aber wie soll das funktionieren, wenn der Ehemann den Wohnsitz der Ehefrau nicht kennt?

    Tatsächlich war Claudia Seip auch für Sonntag Aktuell nicht unter der in der Gerichtsakte angegebenen Adresse erreichbar. Und den Aufenthaltsort ihres neuen Partners konnte selbst die Kriminalpolizei nicht ermitteln.

    Auf seine 2000-Mark-Belohnungs-Anzeige hat Klaus Seip kaum Resonanz erhalten. Auch eine Kampagne, mit der er Familienministerin Claudia Nolte, einige Landtage und den Verfassungsschutz informiert hat, bringt den Vater nicht weiter:

    "Keine Antwort vom Ministerium". Dazu fällt dem Mann in Schwarz nur noch ein: "Die lassen mich im Regen stehen".


    Anhang: Die Anzeige von Karl Seip:

    -- 2.000.- DM Belohnung --

    Wer hilft mir, meine beiden Töchter zu finden?

    Christine (8) und Clara (9) Seip

    Unter Verstoß des Beschlußes des Amtsgerichts Baden-Baden vom 18.03.97 werden meine beiden Töchter seit 7 Wochen in Bonn oder Köln an einem unbekannten Ort versteckt gehalten. Ich habe keinerlei Kontakt, kein Lebenszeichen von meinen Kindern. Der Täter, unter dessen psychischer Gewalt meine kleinen Kinder seit 8 Monaten stehen und der unsere Familie, Ehe und Existenz vernichtet hat, ist ein von dienem ausgeschiedenen Mitglied enttarnter Agent einer Organisation, gegen die der Verfassungsschutz bundesweit ermittelt. Das Familienministerium, diverse Landtage, der Verfassungsschutz, das Gericht und die Medien sind informiert. Der Täter, ein 34 Jahre alter Krankenpfleger, arbeitet auf der psychiatrischen Jugendabteilung einer Psychiatrie in NRW. Dort läßt er sich auf Anfragen verleugnen.

    Ich selbst befinde mich seit März in Lebensgefahr. Mehrfach (auch auf Band aufgezeichnet) und gegenüber den Kindern geäußert, wurde mir mit meinem Tod gedroht, falls ich die Ermittlungen nicht einstelle und meine Kinder nicht aufgebe.

    Ich bitte die Leser auf diesem Wege um Hilfe. Ein Hinweis: Beide Mädchen besuchen wahrscheinlich eine 3. und 4. Grundschulklasse in Bonn oder Köln. Jeder Hinweis wird streng vertraulich behandelt.

    Karl Seip, Baden-Baden


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