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  • Prof. Gerhard Amendt, Offener Brief an die Bundesministerin Frau Dr. Bergmann zu der landesweiten Plakatkampagne "Mehr Respekt vor Kindern", 18.1.2001 - Volltext des Briefes beim Väteraufbruch für Kinder
    "... Sie schlagen in Ihrer Aktion die Jungen nicht, aber Sie verletzen sie zutiefst, indem Sie ihr Leiden an ihren schlagenden Müttern und Vätern wie ein Naturereignis unerörtert vorbeiziehen lassen. Und die zu Ende gedachte Logik des Plakats gipfelt dann darin, dass Jungen eigentlich geschlagen werden dürften, wenn nicht die Gefahr damit verbunden wäre, dass sie als Männer weitergeben würden, was ihnen angetan wurde. Sie sagen das nicht, aber es liegt der vorbeugenden Logik gegen bitterböse Buben zynisch zu Grunde. Das Plakat mit dem Jungen: Wer Schläge bezieht, wird Schläge verteilen bildet als das unausgesprochene Respektlose den harten Kern Ihres Rufs nach mehr Respekt! Das ist ein unaufhebbarer Widerspruch und deshalb eine Sackgasse für Ihre Kampagne!"
  • Dr. Karin Jäckel - 19.1.2001, Autorin: "Für Ihren offenen Brief an die Bundesfrauenministerin Dr. Bergmann danke ich Ihnen sowohl als Mutter dreier Söhne wie auch als Autorin, die sich Ihren Überlegungen vollinhaltlich anschliesst."
  • Keinen Respekt vor Kindern? Plakataktion des Bundes gerät in Kritik - Weser-Kurier vom 19.01.2001
    "Gute Absichten reichen für den Erfolg von Plakataktionen wohl nicht aus. Mit einer groß angelegten Kampagne will das Familienministerium für mehr Respekt gegenüber Kindern werben. Doch nach der Auffassung von Gerhard Amendt, dem Sprecher des Institutes für Geschlechter- und Generationsforschung an der Universität Bremen, bewirken die gewählten Motive das Gegenteil. ..."
  • Initiative von Alexander Bentheim und Susanne Ehrchen: "Bitte um Unterstützung in einer notwendigen Angelegenheit: Angehängt ist ein Offener Brief, den wir aufgrund unseres Unverständnisses und auch Ärgers gegenüber Teilen der aktuellen Kampagne "Mehr Respekt vor Kindern" des Bundesministeriums verfaßt haben. ... Wir würden uns freuen, wenn Du/Ihr/Sie bereit wärst, diesen Brief mit zu unterzeichnen, der dann - mit allen Namen und ggf. Berufs- oder Organisationsbezeichnungen - Frau Bergmann zugehen soll. (...) Mit dieser Aussage werden nicht nur die klassischen Rollen- und Gewaltklischees bedient, es wird erneut der zwar landläufige - aber nicht zulässige - Automatismus "Vom Opfer zum Täter" hergestellt."

  • Worum es geht:

    19.1.2001 - Dr. Karin Jäckel, Autorin (u.a.v. Deutschland frisst seine Kinder, Mein Kind gehört auch zu mir, Der gebrauchte Mann - Abgeliebt und abgezockt - Väter nach der Trennung, Die Frau an seiner Seite, Furcht vor dem Leben, Monika.B.)

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Amendt,

    für Ihren offenen Brief an die Bundesfrauenministerin Dr. Bergmann danke ich Ihnen sowohl als Mutter dreier Söhne wie auch als Autorin, die sich Ihren Überlegungen vollinhaltlich anschliesst.

    So wichtig und sinnvoll auch ich es erachte, dass Gewalt gegen Kinder und Gewalt überhaupt eingedämmt wird, so verfehlt ist die feministische Parole "Gewalt ist männlich". Gewalt ist leider menschlich, ohne Ansehen des Geschlechts. Und das gilt für Täter wie Opfer.

    Wie viele Kinder habe ich im Laufe meiner Recherchen erlebt, die Opfer ihrer Mütter wurden. Mit der blossen Haut auf heiße Herdplatten gesetzt oder gedrückt, mit Füßen getreten, von der Treppe gestoßen, mit tagelangem Schweigen und Ignoranz bestraft, in Schränke ein- oder bei Dunkelheit vor die Haustür ausgesperrt, wegen Unfolgsamkeit allein auf dem Spielplatz stehen gelassen, auf dem Nachtstopf angebunden - die Liste der körperlichen und seelischen Leiden ist lang. Und keines dieser Leiden ist milder, weil von der Mutter verursacht, keines weniger schmerzhaft als diejenigen Verletzungen, die von Vätern kamen.

    Und wie oft wurde den von ihren Müttern gequälten Kindern nicht geglaubt, wenn sie sich endlich dazu durchringen konnten, bei Verwandten, Lehrkräften und anderen Bekannten Hilfe zu suchen. "Eine Mutter macht so was nicht!"

    Die feministische Ignoranz des von Müttern verursachten Kinderleids bedeutet bitterstes Unrecht an den betroffenen Kindern und zugleich einen gleichermaßen gefährlichen wie absurden Schutz für Täterinnen. Unter dem Deckmantel des Vorurteils "Gewalt ist männlich" agieren sie völlig ungeniert in einem Dunkelfeld, dessen Ausmaß nicht interessiert, weil angeblich gar nicht vorhanden.

    Für Frau Dr. Bergmann bedeutet Kinderschutz nachweislich vor allem Mädchen- und Frauenschutz sowie Frauenförderung mit dem Ziel, Männern Privilegien zu entziehen (Zitat). Schutz für Jungen und Männer durch das von ihr vertretene Minsterium ist angesichts dieses Ziels nicht nur überflüssig sondern auch kontraproduktiv. Aus feministischer Sicht sind sie das starke Geschlecht des Klassenfeinds aller Frauen. Und es entspricht diesem Bild, einen geschlagenen, gedemütigten, zutiefst verletzten, wehrlosen Jungen nicht zu bemitleiden, sondern zu allem Übel auch noch hämisch als künftigen Gewalttäter zu diffamieren.

    Welche Selbstzweifel und Seelenängste dieses Plakat in betroffenen Kindern für die unerträgliche Gegenwart und die ihnen vorgezeichnete Zukunft als Erwachsene auslöst - interessiert das überhaupt eine/n der Plakatmacherinnen und Plakatmacher? Ist ihnen klar, dass viele gepeinigte Kinder Gewalt so sehr hassen, dass sie lieber sterben würden, als selbst "so einer" oder "so eine" zu werden? Und dass die oftmals einzige Hoffnung, die diese Kinder haben, das Festhalten an dem magischen Satz ist, "Wenn ich erst groß bin"? Eine Hoffnung, die ihnen die fatalistische Botschaft des Plakates raubt.

    Mit der Hoffnung, daß Ihr offener Brief gegen die feministische Einäugigkeit hilft, grüßt Sie

    Karin Jäckel


    http://www.mensstudies.de/info-offener-brief.htm - hier nur Auszüge, bitte auch im Original nachlesen

    Alexander Bentheim und Susanne Ehrchen
    - eMail: maennerweg@aol.com, Fax: 040. 38 19 07
    oder Postanschrift: c/o Switchboard, Postfach 65 81 20, 22374 Hamburg

    Liebe Kollegen und einige Kolleginnen, wir wenden uns an Sie/Euch mit der Bitte um Unterstützung in einer – wie wir finden – notwendigen Angelegenheit. Angehängt ist ein Offener Brief, den wir aufgrund unseres Unverständnisses und auch Ärgers gegenüber Teilen der aktuellen Kampagne "Mehr Respekt vor Kindern" des Bundesministeriums verfaßt haben (siehe z.B. auch aktuelle SPIEGEL-Ausgabe Nr. 50, S.40/41). Der Brief soll in der Januarausgabe des "Switchboard. Zeitschrift für Männer und Jungenarbeit" veröffentlicht werden. Wir würden uns freuen, wenn Du/Ihr/Sie bereit wärst, diesen Brief mit zu unterzeichnen, der dann - mit allen Namen und ggf. Berufs- oder Organisationsbezeichnungen - Frau Bergmann zugehen soll. (...)

    Mit dieser Aussage werden nicht nur die klassischen Rollen- und Gewaltklischees bedient, es wird erneut der zwar landläufige - aber nicht zulässige - Automatismus "Vom Opfer zum Täter" hergestellt. Und es werden auch die vielen, z.T. jahrelangen Bemühungen um eine andere, geschlechts- und konfliktbewußte Jungenarbeit nicht ernst genommen. Frau Dr. Bergmann, das kann doch nicht in Ihrem Sinne und Absicht der Kampagne sein! (...)

    AKTUELLER Nachtrag vom 30.1.2001:

    Da es seitens des Ministeriums eine erste, aber nicht zufriedenstellende Antwort gibt, wird diese Initiative vorläufig fortgesetzt und wir sammeln weiter Unterschriften - auch international. Wir würden uns daher freuen, wenn auch Sie/Ihr/Du sich mit einer Unterzeichung dem Brief anschliessen wuerden (z.B. auf diesem Wege möglich; bitte mit Adresse und ggf. Berufs-/Funktions- und Organisationsbezeichung). In weiteren Schreiben werden auch die neuen Unterzeichnungen dem Ministerium übermittelt.


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    Stand dieser Seite: 18.02.2001 - Fundstelle: http://www.paPPa.com/kinder/norespekt.htm
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