Berliner Zeitung vom 16. Mai 1997
Bürgermeister nimmt
Jugendamt in Schutz
Fall Tobias: Mitschuld der Behörden zurückgewiesen
Der dreijährige Tobias war vor einer Woche von seinem Vater aus einem Fenster im fünften Stock geworfen worden. Das Kind überlebte schwerverletzt (wir berichteten). Am Mittwoch abend stellte das Jugendamt Hellersdorf seinen Bericht zu diesem Fall vor.
Die Verhältnisse in der Familie S. seien drei verschiedenen Ämtern bekannt gewesen. Keines der Ämter habe jedoch eine Gefährdung des Kindes befürchtet, erklärte Jugendamtsleiter Karl-Heinz Struzyna.Auch Vorwürfe, der Familie sei der Kita-Platz zu Unrecht gekündigt worden, wies Struzyna zurück.
Nach Angaben Struzynas war der Platz im März 1996 zur Verfügung gestellt, vorübergehend aber von der Mutter wieder zurückgegeben worden. Allerdings wurden für die Nutzungszeit, so Struzyna, Zahlungsrückstände festgestellt. Trotzdem sei die Kündigung des Kita-Platzes aufgeschoben und eine Ratenzahlung mit der Familie vereinbart worden. Die habe die Familie aber nicht eingehalten. Erst daraufhin sei der Platz entzogen worden.
Struzyna wies darauf hin, daß die finanzielle Lage der Familie gründlich überprüft wurde, aber keine Zahlungsunfähigkeit festgestellt werden konnte. Zwischenzeitlich habe sich die Mutter zweimal von ihrem Mann getrennt und das einstweilige elterliche Sorgerecht beantragt. Dieses sei ihr auch zugesprochen worden.
Klett und Struzyna sprachen alle beteiligten Ämter von einer Mitschuld frei.