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Beziehung
zum Vater prägt Leben und Persönlichkeit der Tochter
Was Töchter von ihren Vätern lernen
Hamburg (ots) - Kaum ein Mann ist im Leben einer Frau so wichtig wie
der Vater. Zu diesem Schluß kommen nach einem Bericht in der jüngsten
Ausgabe der Zeitschrift "Für Sie" die neuesten psychologischen
Forschungen. "Die Verbindung eines Mädchens zu ihrem Vater hat
enorme Bedeutung für ihr Lebens- und Liebesglück", sagt
die Diplom-Psychologin Dr. Angelika Faas. Der Vater eröffne ihr Zugang
zu einem Erfahrungsbereich, zu dem sie "sonst kaum Zugang finden würde
- zum Phänomen der Männlichkeit". Am starken Arm des Vaters
werden Mädchen in eine Welt geführt, die so ganz anders ist als
die durch Emotionalität geprägte Mutterdomäne, und in der
weit mehr auf Sachlichkeit gesetzt wird, heißt es in dem Bericht.
"Sie lernen, daß sie mit ihren Vätern anders umgehen müssen
als mit ihren Müttern, um zu punkten", sagt Faas.
Emotional stehe die Mutter einem Mädchen zwar näher, mit ihr
identifiziere sie sich, aber in den Augen ihres Vaters könne sie die
Wirkung ihres Verhaltens-Repertoires ablesen, abschätzen, wie sie
bei anderen ankommt. "Im Umgang mit dem Vater liegt die Grundlage
dafür, wie eine Frau sich später selbst einschätzt, aber
auch wie sie mit anderen Menschen zurechtkommt und welchen Männertyp
sie mag", meint die Diplompsychologin. Von ihm lerne sie, sich in
der Männerwelt Respekt zu verschaffen. Experten seien sich einig,
daß seine Reaktionen auf ihr Verhalten, auch sein Umgang mit der
Mutter, seine Rolle in der Partnerschaft und sein alltägliches Auftreten
prägen, heißt es in dem "Für Sie"-Bericht. Am
Modell des Papas forme sich nicht nur die weibliche Einstellung zu Männern
allgemein, es würden auch die Weichen für die Partnerwahl gestellt.
"Väter sind die erste und wichtigste männliche Bezugsperson
im Leben eines Mädchens", sagt die US-Erziehungsexpertin Nicky
Marone. Wenn ein Vater Wert auf traditionelle weibliche Verhaltensweisen
lege, werde das Mädchen daraus schließen, "daß es
männliche Anerkennung dann erlangt, wenn es sich diesen Traditionen
gemäß verhält". Die beiden US-amerikanischen Professorinnen
Margaret Hennig und Anne Jardim suchten im Leben von 25 Top-Managerinnen
nach einer Erklärung für deren ungewöhnlichen Erfolg. Dabei
stießen sie nach dem "Für Sie"-Bericht immer wieder
auf einen sehr engagierten Vater, der sich viel Zeit für sein Kind
genommen hatte und es an traditionell männlichen Aktivitäten
wie Angeln und Jagen teilnehmen ließ. Jeder der Väter habe es
wichtig gefunden, daß seine Tochter Mut zum Risiko zeigte und sich
ungewohnten Aufgaben stellte. "Das väterliche Vertrauen in ihre
Fähigkeiten macht Mädchen stark", sagt Dr. Angelika Faas.
"Ein Mann besitzt die Kraft, seine Tochter davon zu überzeugen,
daß sie einen Teil von seiner Welt abbekommen kann. Wagnisse, die
gemeistert worden sind, geben dem Kind Selbstvertrauen", meint die
Diplompsychologin. Selbst Rückschläge könnten diesen Effekt
kaum wieder aufheben.
FÜR SIE 11/99 - 12.5.99, Seiten 159-162
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Was Töchter |
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Kaum ein Mann ist so wichtig im Leben einer Frau wie ihr Vater. Neueste psychologische Forschungen sagen, wie die Beziehung zum Vater Leben und Persönlichkeit prägt und auch die späteren Karrierechancen mitbestimmt
Der Countdown läuft. Vivian (11) kniet auf dem Steinboden vor ihrem Nürnberger Elternhaus, setzt den Schraubenschlüssel an und strahlt mit der Frühlingssonne um die Wette. Das Hinterrad sitzt schon wieder in seiner Halterung. Der Reifen ist geflickt. Nur noch ein paar Muttern festziehen, dann kann die sonntägliche Radtour losgehen. Anerkennend legt der Vater seiner Tochter die Hand auf die Schulter. "Hast du gut gemacht, Mädchen!" sagt er, Stolz und Respekt in der Stimme.
Mutter ist Vorbild, aber auch Konkurrenz, der Vater ein Idol
Väter und Töchter - ein starkes Gespann: Sie konkurrieren nicht wie Mutter und Tochter, kämpfen nicht wie Vater und Sohn. Ihre Beziehung ist manchmal distanziert, oft innig und immer prägend. Sie verbindet eine Liebesgeschichte der besonderen Art. Väter müssen weder berühmt noch genial sein - für ihre Töchter sind sie dennoch Idole. Söhne kopieren ihren Vater. Töchter bewundern ihn. Söhne wollen Helden werden, Töchter lieben Helden. Söhne geben mit ihrem
Papa puscht das Durchsetzungsvermögen
Vater an, Töchter wollen ihn heiraten. Keine Frage: Väter haben Macht über die Gefühle ihrer Töchter. Sie sind die erste Liebe im Leben einer Frau und bleiben es so lange, bis einer kommt, der sie ersetzen kann. "Die Verbindung eines Mädchens zu ihrem Vater hat enorme Bedeutung für ihr Lebens- und Liebesglück", sagt die Hamburger Diplom-Psychologin Dr. Angelika Faas. "Weil er ihr Zugang zu einem Erfahrungsbereich eröffnet, zu dem sie sonst kaum Zugang finden würde - zum Phänomen der Männlichkeit."
BILD: Väter machen ihren Töchtern Mut, Neues auszuprobieren
Väter lehren Mädchen, wie Männer denken und was ihnen gefällt
Väter umgibt eine Aura des Geheimnisvollen. Und die Gefühle, die ein Mädchen seinem Papa entgegenbringt, sind nicht selten voller Widersprüche. Er ist Vorbild und Gegenpart zugleich, wird nicht selten als Besitzer empfunden, der sie verdammt noch mal endlich loslassen soll, und gleichzeitig als Beschützer, der sie auffängt. Gerade diese Gegensätzlichkeit macht die Vater-Tochter-Beziehung so vielschichtig. "Papis Erziehung war nie streng, aber für mich unlogisch", sagt Alexandra Freund, Tochter von TV-Ansagerin Petra Schürmann über ihren Vater Dr. Gerhard Freund. "Ich lernte von ihm Wasserski laufen und ein Baumhaus bauen. Und er hat mir die Sicht eines Mannes erklärt, wenn ich Krach mit meinem Freund hatte." Am starken Arm des Vaters werden Mädchen in eine Welt geführt, die so ganz anders ist als die durch Emotionalität geprägte Mutterdomäne. Und in der weit mehr auf Sachlichkeit gesetzt wird. "Sie lernen, daß sie mit ihren Vätern anders umgehen müssen als mit ihren Müttern, um zu punkten", sagt Dr. Angelika Faas. Oder wie Constanze Stoiber, Tochter des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, es formuliert: "Wenn Papa mit mir diskutiert, fange ich an zu denken." Vaters Welt - er verkörpert Wissen, Kampfgeist und Durchsetzungsvermögen.
Töchter - mit der Mutter identifizieren sie sich, der Vater ist ihr Spiegel
Emotional steht die Mutter einem Mädchen zwar näher, mit ihr identifiziert sie
| Promi-Umfrage Was Töchter über ihre Väter sagen Franziska van Almsick über ihren Vater Bernd: "Bei ihm finde ich Ruhe. Ich nutze ihn als Freund, um alles zu bereden, was mich bedrückt. Ich kann ein Bügeleisen und ein Fahrrad reparieren, ein Schloß ein- und ausbauen, Feuer machen ohne Streichhölzer - und all das verdanke ich Papi." Alice Brauner über Filmproduzent Artur Brauner: "Verliebt bin ich nicht in Papi. Er ist einfach nicht mein Typ. Allerdings hat mein Lebensgefährte einige seiner Charakterzüge: Er ist klug, souverän und männlich. Deshalb habe ich mich in ihn verliebt." Schauspielerin Jamie Lee Curtis über ihren Vater Tony Curtis: "Wir haben eine sehr angenehme, freundschaftliche Beziehung. Das war nicht immer so. Es gab Zeiten, da haben wir jahrelang kein Wort gewechselt, weil ich mit seinem Lebensstil nicht einverstanden war. Bis wir uns einmal so richtig ausgesprochen haben, laut und brutal ehrlich." Jette Joop über Modeschöpfer Wolfgang Joop: "Sein Rat ist mir lebenswichtig. Ich finde es einfach toll, was er aus seinem Talent gemacht hat." Anett Bremer über Moderator Heiner Bremer: "Paps ist mein bester Freund. Ich liebe seine Toleranz, seine Geduld und daß er zuhören kann. Für diese Tugenden liebe ich auch meinen Ehemann. Zwischen Paps und mir gab es nie Geheimnisse. Es war normal, alles zu besprechen. Mein Vater hat mich gelehrt, jedem Kummer und jeder Träne auch etwas Positives abzugewinnen." |
sich, aber in den Augen des Vaters kann sie die Wirkung ihres Verhaltens-Repertoires ablesen. Abschätzen, wo sie im Leben steht und wie sie bei anderen ankommt. Dr. Angelika Faas: "Im Umgang mit dem Vater liegt die Grundlage dafür, wie eine Frau sich später selbst einschätzt, aber auch wie sie mit anderen Menschen zurechtkommt und welchen Männertyp sie mag." Von ihm lernt sie, sich in der Männerwelt Respekt zu verschaffen. Experten sind sich einig: Seine Reaktionen auf ihr Verhalten, aber auch sein Umgang mit der Mutter, seine Rolle in der Partnerschaft und sein alltägliches Auftreten prägen. Am Modell des Papas formt sich nicht nur die weib-
Der Papa stellt Weichen für die spätere Partnerschaft
liche Einstellung zu Männern allgemein - es werden auch die Weichen für die Partnerwahl gestellt. Wissenschaftler der Universität Chicago befragten Töchter in einer Langzeit-Studie nach ihren Vorstellungen von ihrem Traumpartner. Die meisten der befragten Frauen gaben an, einen anderen Typ Mann als den Vater heiraten zu wollen. Doch zwei Drittel von ihnen gerieten später genau an die Kategorie Mann, die ihnen von klein auf so vertraut war.
| Die besten Bücher zum
Thema
Mary E. Loomis: Tochter ihres Vaters, Synthesis Verlag, 155 Seiten, 25DM Sigrid Steinbrecher: Die Vaterfalle, rororo, 252 Seiten, 14,90 DM Victoria Secunda: Tochter bleibt man ein Leben lang, Goldmann, 510 Seiten, 17,90 DM Julia Onken: Vatermänner, Beck'sche Reihe, 204 Seiten, 16,80 DM Wielant Machleidt, Vater und Tochter, Deutscher Studienverlag, 112 Seiten, 24 DM |
"Väter sind die erste und wichtigste männliche Bezugsperson im Leben eines Mädchens", sagt die US-Erziehungsexpertin Nicky Marone. "Wenn ein Vater Wert auf traditionelle weibliche Verhaltensweisen legt, wird das Mädchen daraus schließen, daß es männliche Anerkennung dann erlangt, wenn es sich diesen Traditionen gemäß verhält." Im Wesen der Tochter spiegeln sich die väterlichen Charakterzüge. Zu einem nicht geringen Teil liegt es an ihm, ob die Tochter zu einer selbstbewußten, fröhlichen Erwachsenen heranwächst, die ein vertrauensvolles Verhältnis zu Männern entwickeln kann.
Der magische Einfluß des Vaters: Er gibt seiner Tochter Selbstbewußtsein
Wie richtungweisend das Verhalten des Vaters gerade in bezug auf die Ausprägung des weiblichen Selbstbewußtseins ist, belegen Forschungsarbeiten der US-amerikanischen Professorinnen Margaret Hennig und Anne Jardim. Die beiden Wissenschaftlerinnen suchten im Leben von 25 Top-Managerinnen nach einer Erklärung für deren ungewöhnlichen Erfolg. Und stießen dabei immer wieder auf einen sehr engagierten Vater, der sich viel Zeit für sein Kind genommen und es an traditionell männlichen Aktivitäten wie Angeln und Jagen teilnehmen lassen hatte. Jeder der Väter fand es wichtig, daß seine Tochter Mut zum Risiko zeigte und sich ungewohnten Aufgaben stellte. So waren alle Frauen bestens gerüstet, sich in von Männern geprägten Institutionen durchsetzen zu können - ohne ihre Weiblichkeit verleugnen zu müssen. Väter komplettieren die Persönlichkeitsstruktur ihrer Töchter, bieten ihnen Verhaltens-Alternativen an, die sie voranbringen können. Denn manchmal kann es durchaus von Vorteil sein, nicht nur weibliche Attitüden im Repertoire zu haben, sondern es auch auf Papas Art versuchen zu können."Das väterliche Vertrauen in ihre Fähigkeiten macht Mädchen stark"
BILD Vom Vater können Mädchen lernen, bei Schwierigkeiten nicht so leicht aufzugeben
weiß auch Dr. Angelika Faas. "Ein Mann besitzt die Kraft, seine Tochter davon zu überzeugen, daß sie einen Teil von seiner Welt abbekommen kann. Wagnisse, die gemeistert worden sind, geben dem Kind Selbstvertrauen. Selbst Rückschläge können diesen Effekt kaum wieder aufheben." Weit häufiger als die Mutter ist es der Vater, der seine Tochter anfeuert, wenn sie auf Abenteuer-Tour geht, die höchsten Baumwipfel erklimmt, lernen will, wie man eine Bohrmaschine benutzt. Papa puscht das weibliche Ego. Seine Anerkennung ist ihr immer wieder Ansporn, alles zu schaffen, was sie sich vorgenommen hat. Feedback und Bestätigung, die sie von ihm bekommt, bedeuten für sie die Chance, ihre Persönlichkeit so zu perfektionieren, daß sie den Wettbewerb im Leben aufnehmen kann. Väter, die ihre Töchter ermutigen und fördern, sind so etwas wie eine Freikarte für beruflichen Erfolg und erfülltes Liebesleben einer Frau.
Rebecca Krüger
Main-Echo 21.4.99
Pfarrerin Elfriede Koch sprach beim Frauentreff im Ulmerhaus in Lohr
Vater-Tochter-Beziehungen und ihre Folgen
Nur von Gott dürfe erbeten werden, das Bedürfnis nach
Liebe zu stillen
Lohr. Wächst ein Mädchen ohne Vater auf, wird es diesen sein Leben lang auch im hohen Alter noch suchen. Es sucht nach einem Mann, der ihm den Vater ersetzt, der ihm gibt, was es nie gehabt hat, den es aber nie geben wird: »Vom Einfluß des Vaters auf das Leben einer Frau« sprach Elfriede Koch am Mittwoch abend beim Frauentreff im Ulmerhaus in Lohr.
Dem Traum vom Mann, der den Vater ersetzt, nachjagend, werde jede Beziehung in die Brüche gehen, sagte Pfarrerin Elfriede Koch. Aber auch eine falsche Erziehung und Distanz blieben nicht ohne Folgen. Mit einigen Beispielen machte Koch ihre Thesen deutlich.
Bekämen Mädchen vom Vater nicht das Gefühl vermittelt, liebenswert zu sein, werde diese Selbstsicherheit fehlen. Aber auch Distanziertheit, die Ablehnung bedeuten könne, oder so viel Liebe, die in sexuellen Mißbrauch umschlagen könne, seien kaum wieder gut zu machen.
Alle wüßten, daß zum Entstehen eines menschlichen Lebewesens Vater und Mutter notwendig sind. Doch wüßten auch alle, daß zu einer gesunden seelischen Entwicklung in den ersten Lebensjahren diese beiden Erzeuger gleichermaßen bedeutend seien, fragte Koch.
Die spezielle Aufgabe des Vaters in der kindlichen Entwicklung sei, den Kindern zu ermöglichen, sich von der Mutter, mit der es ja schon vor der Geburt fest verschmolzen seien, zu lösen. Wärme, Herzlichkeit und Liebe könne auch ein Vater vermitteln, dazu könne er herausfordern und anspornen. Das Zusammenspiel von Mutter- und Vaterliebe helfe dem Kind, ein unverwechselbares, eigenes Wesen zu werden.
Durch eine gesundes Vaterbeziehung werde einem Kind geholfen, sich der Außenwelt zu öffnen, sich Anforderungen und Herausforderungen zu stellen und Leistung zu bringen. Mut und Selbstbeherrschung würden entwickelt. Somit steht nach Kochs Rollenbild der Vater für Abenteuer, Wagnis nach außen, Öffnung zur Außenwelt, Leistung, Selbstbehauptung und Durchsetzungskraft. Der Mutter dagegen schrieb sie Geborgenheit, Rückzug nach Innen, Verschmelzung mit dem tragenden Grund des Lebens, Beziehung, Nähe und Einheit zu.
Doch es sei wichtig, daß beide in der Erziehung und Beziehung ein gesundes Mittelmaß finden. Der Vater dürfe nicht der immer Kontrollierende und mit Strafen drohende sein, dem nichts recht gemacht werden könne. Er müsse auch der Lobende sein, der nicht überfordert, aber auch nicht unterfordert. Der dem Kind das Gefühl vermittelt, es sei genau so richtig, wie es ist.
Auch Väter müßten die Mädchen auf den Schoß nehmen, sie streicheln und liebkosen und den väterlichen Gefühlen freien Lauf lassen und nicht den Starken mit viel Abstand herausstellen.
Habe ein Mädchen aber einmal erfahren, daß es Papas kleiner Liebling war und erlebe es bei Beginn der Pubertät plötzlich Zurückweisung und Ablehnung, zerbreche etwas in ihm. Es werde nur ganz schwer zu seinem Frausein ja sagen können, sagte Koch. Hier wäre hilfreich, die aufleuchtenden Augen und den zärtlichen Stolz für ihre weibliche Schönheit beim Vater zu entdecken, diese aber als etwas, was nicht für ihn, sondern für ihren zukünftigen Mann bestimmt sei. Es sei für ein Mädchen eine Wohltat vom Vater Komplimente über sein Aussehen, seinen Charme, seine Attraktivität zu hören, ohne darin etwas von grenzüberschreitender Begehrlichkeit spüren zu müssen.
Das Leben einer Tochter könne vom Vater negativ geprägt sein, wenn er zeige, daß kein anderer Mann an ihn heranreicht.
Doch die Vater-Tochter-Beziehung habe noch eine weitere, sehr wichtige Funktion. Aus der Erfahrung mit dem Vater forme sich die Vorstellung von Gott. Kinder nähmen an, Gott habe so ähnliche Eigenschaften wie ihr Vater. Dies scheine auch in Gottes Absicht zu liegen, so Pfarrerin Elfriede Koch.
Ein Vater solle seinem Kind das erste Gleichnis, das erste Anschauungsmaterial für Gott werden. Aber im Laufe des Lebens lerne ein Kind, daß alle die Gottesbilder nur ein tastender Versuch sind, den Unbegreiflichen und Unfaßbaren zu beschreiben. Alle Gottesbilder würden abgelegt und durch andere ergänzt. Schon Jesus habe Gott bewußt »Vater« genannt. Das Bild Gottes im Bewußtsein und Unterbewußtsein sei das einer liebevollen, intelligenten Persönlichkeit, die den Menschen zugewandt sei, die Menschen schütze, aber auch viel stärker sei und trotz aller Liebe und Nähe so ganz anders, so fern, so überlegen sei.
Menschen ohne Vatererfahrung stellten sich gerne Gott als »Mutter« vor, die Zahl dieser Menschen wächst. Denn das Wort »Mutter« löse in ihren Erinnerungen Liebe, Geborgenheit und Schutz aus.
Doch besser wäre es, das Vaterbild dieser Menschen zu heilen. Doch wie soll eine gestörte Vaterbeziehung zurecht gerückt werden? Der Weg könne lang, anstrengend und sehr schmerzhaft sein, aber er werde sich lohnen, sagte die Pfarrerin. Er heile nicht nur das Bild des Vaters in der Erinnerung, sondern auch das eigene. Es bedeute die Versöhnung mit Gott.
Der erste Schritt sei, die Wahrheit zu erkennen. Wer war der Vater, wie hat er mich geprägt, wo waren seine Stärken und Fehler? Hilfreich sei, dem Vater einen Brief zu schreiben, den Schmerz und die Wut zum Ausdruck zu bringen. Das helfe, selbst dann, wenn der Brief nie abgeschickt wird. Sei etwas ausgedrückt und herausgelassen, könne es klarer erfaßt und bewältigt werden.
Vergebung sei ein weiterer wichtiger Punkt, ohne sie gebe es keine Heilung: nicht länger einfordern, was der Vater schuldig geblieben ist. Liebesdefizite könnten nicht nachgeholt werden. Jesus habe dieses unser Konto aufgefüllt, er habe teuer dafür bezahlt. Nur von ihm dürfe erwartet und erbeten werden, das Bedürfnis nach Liebe zu stillen. Doch der erste Schritt müsse von den Menschen kommen.
Gott dürfe auch darum gebeten werden, einen positiven Vaterersatz zu schicken, einen, der das wieder gut macht, was der Vater versäumt hat. Hier könnten Gespräche sehr hilfreich sein. Die etwa 50 Frauen und zwei Männer hatten nach dem Vortrag Redebedarf, der in kleinen Gruppen gestillt wurde.