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Rezension des Buches
"Das Rätsel, das aus Kinderaugen fragt.
Die Lehre vom Geistes-Menschen nach Texten von Viktor
Frankl und Bô Yin Râ",
hrsg. v. Otto Zsok/Rita Briese,
München: Profil Verlag 2000, 90 Seiten, DM 32,00
Der meditative Bildband evoziert Ehrfurcht vor dem Kinde und seiner geistigen Herkunft, die nicht mit der genetischen Abkunft zu verwechseln ist. So wie im berühmten 'Propheten' von Khalil Gibran in 'Sprich zu uns über die Kinder' gesagt wird, Kinder seien Eltern nur anvertraut ('durch euch aber nicht von euch'), wird auch hier in aller Deutlichkeit die Würde und Unantastbarkeit des kleinen Menschen angeführt. Im vorliegenden Buch heißt es zum Beispiel: 'Mit jedem Menschen, der zur Welt kommt, wird ein absolutes Novum ins Sein gesetzt, zur Wirklichkeit gebracht; denn die geistige Existenz ist nicht übertragbar, ist nicht fortpflanzbar von den Eltern aufs Kind' (Frankl). In den Worten von Bô Yin Râ: 'Du wirst das Rätsel, das aus Kinderaugen fragt, auch niemals lösen, wenn du nicht klar erkennst, daß hier ein völlig Neues dir begegnet.' Die Unikalität und geistige Herkunft eines jeden Menschen ist deutlich und daraus leitet sich die Verpflichtung der Eltern zu einem ehrfurchtsvollen und Glück schaffenden Umgang mit dem Kinde und miteinander ab: 'Das Glückeserbe, das dem Kinde durch die Eltern werden kann, muß zuerst von den Eltern geschaffen werden' (Bô Yin Râ).
Jegliche Ausübung von Gewalt – sei es tätliche oder subtile, zum Beispiel in Form eines Oktrois von eigenen unerfüllten Lebenszielen oder in Form eines Scheidungskrieges – schadet dem Kinde in seiner Werdung. Diese Gefahr kommt im letzten Kapitel 'Verteidigungsrede für das Glück des Kindes' von Otto Zsok sehr eindrücklich zur Sprache: 'Ich rede hier als ein Kenner des Elends jener Kinder, die miterleben müssen, wie der eine Elternteil den anderen Teil mit subtilen Mitteln vom Zugang zum gemeinsamen Kind ausschließt.'
Als zentrale Botschaft des Buches wird angeführt, daß Eltern dem 'Heiligsten und Höchsten, was in einem Kind in Erscheinung tritt, dienen' müßten, auch wenn sie 'nicht mehr als Mann-Frau-Paar zusammenleben'. Das Wohl des Kindes sei ein sinnvolles Ziel und deswegen müsse man versuchen, 'den Willen des anderen Menschen' zu achten und 'bewußt den Ausgleich mit dem anderen Menschen' (d.h. dem Elternpartner) zu suchen. So könne der 'Frieden bewahrt' und der andere dauerhaft 'bejaht' werden. Um mit Bô Yin Râ zu schließen: 'Alles, was man sonst auf dieser Erde finden kann, bleibt nur ein kleines neben jenem Glück, das in der Ehe (bzw. Elternschaft, Anm. d. Rez.) aufgerichtet werden soll.'
Ein Bildband, das Respekt vor dem Kinde aus philosophischer und spiritueller Warte einfordert und den in Trennungsfamilien häufigen Kindesentzug zum Thema hat, ist meines Wissens ein Novum. Es tut gut, sich den darin zu findenden Kinderblicken und Gedanken auszusetzen und den Entschluß zu fassen, alles – wirklich alles! – zu tun, was das Gedeihen des eigenen anvertrauten Kindes fördert und Abträgliches zu unterlassen.
Dipl.-Psych. Robert E. Mayer - r.emmanuel_mayer@diff.uni-tuebingen.de
Siehe von Otto Zsok auch: Die Seele des Kindes - Eine Botschaft für getrennt lebende Eltern
Stand dieser Seite: 23.11.2000 - Fundstelle: http://www.paPPa.com/kinder/zsok-rez-raetsel.htm
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