2. Internationaler
Kongress zu Männerpolitik und Geschlechterdemokratie
vom 28. bis 30.
September
in der Akademie der
Wissenschaften Berlin-Brandenburg
Zum Auftakt
trällerte a capella ein verdammt guter Männer – Chor, der Heidelberger HardChores,
witzig, in hervorragender musikalischer Qualität, mit kabarettistischen Einlagen der Sänger. Ein guter Einstieg.
Für die Grußworte
war niemand geringeres als Frau Dr. Bergmann angesagt. Der Bundesministerin für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend zuliebe wurde der 2. Männerkongress sogar
um eine ganze Woche nach hinten verschoben. Bei aller Liebe zur
Frauenministerin in Männerkreisen. Wer nicht erschien, das war sie. An ihrer
Stelle fand sich aber Frau Brigitte Unger-Soyka (Mutter mit drei Kindern) ein.
Nach einem Ministerposten in Baden-Württemberg ist sie nun zur
Abteilungsleiterin zur Abeilungsleiterin Gleichstellung im Bundesministerium
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend avanciert. Was das immer auch sein
mag, vielleicht so etwas wie die leitende Frauenbeauftragte, wie einige
Gleichstellungsbeauftragten immer noch in einigen Ländern oder Berliner
Stadtbezirken sich zu nennen pflegen.
Ihr zentrales
Thema: Genter mainstreaming.
Was heißt das. Im
Internet unter Frauenfragen Sachsen-Anhalts steht die Definition:
Gender
Mainstreaming ist eine neue Strategie in der Gleichstellungspolitik. Die
Strategie bedeutet, dass bei allen politischen Vorhaben - egal ob z. B. in der
Gesundheitspolitik, der Innenpolitik oder im Städtebau - die unterschiedlichen
Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und
selbstverständlich berücksichtigt werden müssen. Durch die Kombination von
Gender Mainstreaming und Frauenförderpolitik soll die Wirksamkeit von
Gleichstellungspolitik verstärkt werden.
Tief verwurzelt in
unsere Gesellschaft sind Hierarchien, die es abzubauen gelten. So Frau Unger –
Soyka. Er in der Rolle des Ernährers und sie in der Rolle der
Familienarbeiterin. Auch im Berufsleben verdiene sie weniger. Ihr Gehalt als
Erzieherin reiche nicht einmal an das eines Tierpflegers heran. Maßstab
menschlichen Handels seien immer noch männliche Normen. Der Normalmensch sei
eben orientiert an männlichen Mustern. Familienarbeit rangiere nun mal ganz
unten usw. Auch wenn mehr Mädchen das Abitur machen (53%) und dazu noch häufig
besser als die Jungs machten, fehle es immer noch an geeigneten
Rahmenbedingungen für die Frau. Jetzt mischen sich die Männer ein in Fragen der
Geschlecherdemokratie. Gut so sagt sie. Wir seien an einer Wende angekommen.
„Wenn die andere Seite nicht mit zieht kommen wir nicht voran“ Mit dem Wort
„wir“ meinte sie wohl die Frauen. (Männer als Instrument der Frauenförderung?)
Wir seien eben noch am Anfang. Genter-mainstream sei nun das Leidprinzip
zukünftiger Politik. Hier stände man noch ganz am Anfang, siehe Steuerklassen,
Ehegattensplitting, Kinderbetreuung usw. Wenn an Genter-mainstreaming gedacht
würde, spiele Kinderbetreuung eine der bedeutenden Rollen. Aber auch die Frage
von Gewalt, welche natürlich, das wollte sie wohl hier nicht offen sagen,
selbstverständlich von Männern ausgeht. Mir hat sie diese These aber mit
deutlichen Worten im Nachgespräch um die Ohren gehauen, da gab es kein
Widersprechen.
Auch Ihr Kollege,
Claes Borgström, Umbudsman für die Gleichstellung der Geschlechter in
Stockholm, beklagte die bedauernswerte Stellung der Frau auch in Schweden, wenn
gleich die Regierung 50% zu 50% aus Männern und Frauen bestehe und in den
Kommunen sich ein ähnliches Bild abzeichne, wie auch im schwedischen Reichstag.
Dennoch, die Industrie will wohl auch in Schweden nicht so recht mitziehen. Die
Lohnunterschiede seien unverändert seit 1980 die gleichen. Technik den Männern
und das Sekretariat immer noch den Frauen. Noch seinen auch in Schweden die
Frauen den Männern untergeordnet. Ihm ginge es hier um mehr Demokratie, gegen
diskriminierende Verstöße von Menschenrechten. Gleichstellung sei schließlich
eine Frage von Demokratie. Noch immer glaubten Männer Privilegien nicht
aufgeben zu wollen. Alle Welt glaube, die Schweden hätten die Gleichstellung
erfunden, aber auch Schweden richte sich nur an bindende Europakonventionen
aus. Allerdings sei frau in Schweden in der Frage der Kinderbetreuung wohl ein
wenig weiter als in Deutschland. Hier gibt es die Möglichkeit sich 360 Tage
freistellen zu lassen, bei 80% der Bezüge eines Facharbeiters. Leider seien es
immer noch zu wenig Männer die diese Vergünstigung des Staates wahrnehmen
wollen. Deshalb hat Schweden obligatorisch einen Papamonat eingerichtet, der
nicht übertragbar ist. Doch was machen die Väter daraus. Sie machen einfach mit
der Familie Urlaub, zur Zufriedenheit ihrer Arbeitgeber. Nun möchte man einen
zweiten Monat im Jahr zum Papamonat erklären, obligatorisch und nicht
übertragbar. Sollte dies nicht klappen, denkt man schon über einen dritten
Papamonat nach. Dies und Freistellung mit Facharbeitergehalt und vieles mehr,
wird in Schweden möglich, dank einer Elterversicherung, die alle, mit und ohne
Kinder, zahlen müssen. Auch kann man in
Schweden bis zum 8. Lebensjahr eines Kindes reduziert arbeiten, nur wieder eine
ganze Stelle zu bekommen, daran würde es noch etwas hapern. In Deutschland
bleiben da gerade 600,-- DM Erziehungsgeld, weniger als Sozialhilfe. Nur, ein
Erziehungsgehalt wie die Opposition in Deutland es fordert, lehnt die deutsche
Kollegin des schwedischen Gleichstellungsbeauftragten ab. Sie vermutet, das
würde doch nur die Frauen an den Herd zurückdrängen. Also, fast wie in
Schweden.
Natürlich gehört
genter-mainstream längst zum schwedischen Polit- Programm. Nun müssten sich die
Männer allerdings, wie er meint, nicht die Schuld für Vergangenes Leid der
Frauen auferlegen, aber sie sollen die Verantwortung dafür tragen, das es den
Frauen jetzt besser geht. Diese Wirklichkeit würden viele Männer noch
verleugnen. Sie erklären sich wohl mit genter-mainstreming einverstanden,
würden sich aber nicht engagieren. Er nennt es den passiven Widerstand seiner
Landsleute.
Leiden Männer unter
den gleichen patriarchalischen Strukturen wie Frauen lautet die Frage des
Veranstalter. Hier musste unser deutsche Gleichstellungsbeauftragte mit der
Antwort allerdings passen. Meine Frage, ob nicht die Bezeichnung Ministerium
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend allein schon gegen die Prinzipien des
genter-mainstreaming verstoße, ließ sie aber aufhorchen. Theoretisch könne sie
dem durchaus zustimmen. Deshalb ihr Versprechen: „Ich werde diese Anregung an
die Ministerin weiterreichen.“ Wir dürfen hoffen, das wir Männer zumindest in
der Namensgebung des Ressorts demnächst vorkommen, oder sie lassen die Frauen
weg und belassen es nur noch bei der Familie. Dies würde allerdings einen
Familienbegriff voraussetzen, bei dem zukünftig auch der Mann mitgedacht wird.
Jedenfalls eins
wurde wieder mal – zumindest mir deutlich – Männerfragen sind Frauenfragen.
Männer haben sich eben um Frauenfragen zu kümmern, erst dann sind sie richtig
Mann. Oder? Warten wir den Rest des 2. Männerkongresses ab, ehe wir uns einer
gesellschaftlichen Operation unterziehen.
Gruß Pappa.com