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EIN MUSS FÜR JEDE EMANZIPIERTE FRAU:
HELGA MARIA SCHNEIDER:
EIERSALAT - Eine Frau geht seinen Weg
Kiepenheuer & Witsch, 1999, DM 14,90 - ISBN 3-462-02815-4
Auszüge aus http://privat.schlund.de/H/Helge-Schneider/news.htm:
Über das Buch:
Die Erlebnisse der Helga Maria Schneider - das Frauenbuch, auf das man lange gewartet hat ...
Dies nun ist das ultimative Vermächtnis einer bislang völlig unbekannten großartigen Schriftstellerin, die genau den Ton getroffen hat, den die Frauenwelt bislang vermißt hat. Eine begnadete Geschichtenerzählerin, in einer unspektakulären, hinreißenden Einfachheit geschrieben - wahre Geschichten, die ohne Schnörkel daherkommen. Diese Frau hat ein ungewohntes poetisches Gewicht.
Hier ein Satz aus ihrem neuen, ersten und deshalb so betörenden Buch: »Er meinte wohl, ich wollte ihn zu einem Inselsamos einladen! Falsch verbunden. Ich richtete mich zu voller Größe auf und drehte ihm den Arm um, bis es knackte. Dann setzte ich mich wieder. Der Kerl strich jammernd von dannen.«
Wo hat frau schon einmal so etwas Urtümliches, so etwas einfach Gerechtes gelesen? Nirgendwo. Doch bei Helga Maria Schneider fallen die Sätze wie Ohrlaschen aufs Papier. Durchdringend, selbstbewußt, streng. Ein Muß für die moderne Frau. Hier kann sie einiges an Schneid abgucken bei einer Koriphäe der emanzipierten Schreiberei. Kein Wort zuviel, keine Seite zuwenig. Das Einmaleins der »Femina emanzipa autonomika«.
Die Autorin: Helga Maria Schneider; geboren 1951 in einer Großstadt. Studium bei Hanns Schleiner und Walburga Hodenstrips. Absolventin der berufsgenossenschaftlichen Gärtnereizunft zu Bern. 1992 Austritt aus der Ökumene.
1. Auflage 1999
Aus dem Vorwort:
"Viele meiner Schwestern sind in mancher Beziehung nicht sehr konsequent. Sie hadern. Vor allen Dingen in bezug auf ihre eigenen Männer, wenn sie überhaupt verheiratet sind. Sie lassen zuviel durchgehen, meiner Meinung nach. Wenn im Haushalt die Toilettenbrille mehr als einmal die Woche hochsteht, ist es ein untrügliches Zeichen dafür, daß der Ernährer ausgewechselt werden muß. Wie eine Glühbirne, die ihren Dienst erfüllt hat. Herausschrauben! Wegtun! Neue rein! Das ist immer meine Devise gewesen, meine Damen, denn sonst wäre ich ja nicht da, wo ich jetzt bin: In der totalen Unabhängigkeit.
Ich gehe sogar selber arbeiten, und zwar als Lehrerin für Hauswirtschaft. Ich gehe natürlich verkleidet, um mir mein letztes bißchen Scham zu erhalten. Denn ich bin nicht nur ganz Frau, sondern ich bin auch clever. Das muß frau heute eben sein. Und nun wünsche ich allen viel Aufklärung, aber auch Spaß an meinen nun folgenden Aufzeichnungen. Aufzeichnungen einer ehemals gedemütigten, doch dann Erstarkten. Lesen Sie nebenbei auch das Spezialkapitel über Sachen, die frau eigentlich auch kann, nur hat ihr bis dato noch keiner gezeigt, wie es geht. Zum Beispiel: Glühbirnenaustausch (also auch Elektrik!).
Verdammt! Was fällt diesem Scheißtypen, wie mein Mann einer ist, ein, mich allein in Urlaub zu schicken! Ich saß im Flieger und ärgerte mich maßlos über diese Arroganz. Der feine Herr wollte mir damit seine Macht demonstrieren. »Hier, ich habe mal wieder Überstunden gemacht, damit du verreisen kannst! Ich kann leider nicht mit, denn für mich reicht das Geld nicht.« Eine jämmerliche Ausrede, finde ich. Er hätte sehr wohl mitgekonnt, dann wäre ich eben nicht mitgeflogen. Wenn frau wirklich will, geht alles.
Mein Zorn auf diese beschissene Kreatur war im Laufe der Jahre, die wir jetzt verheiratet waren, gewachsen. Dabei fing alles so schön an! Ich hatte ihn in der Stadtbücherei kennengelernt, er arbeitete dort als Bücherabstauber. Er sagte damals, meine schönen gelben Entenschuhe, die ich so gerne anhatte, würden ihm gut gefallen. Ich fühlte mich geschmeichelt. Dann ergab sich, daß wir uns zufälligerweise zwei Tage später in dem Wollädchen, wo frau seine eigene Wolle zum Knäuel-Wickeln mitbringen kann, wieder über den Weg liefen. Jetzt trug auch er gute Schuhe. »Hey, ich bin der Jürgen. Entschuldigung, daß ich dich anspreche.« Ich war überrascht. Bis jetzt hatte sich noch nie jemand getraut, mich persönlich anzusprechen. Das gefiel mir, wenn ich recht überlege, schon damals nicht an ihm. Ich fiel wie ein aus dem Nest gefallener Vogel auf diesen Schwächling rein. Ein Feigling vor der Dame!
Seine Familie wehrte sich mit Händen und Füßen gegen die Heirat. Doch er ließ sich von mir überreden. Ich wollte mich schon damals emanzipieren und brauchte dafür einen Kerl wie ihn. Ich weiß gar nicht genau, warum. Er brachte auf jeden Fall alle Eigenschaften eines, wie ich glaubte, Mannes mit. Außer natürlich, er hatte diesen Makel - das kleine, ekelhafte Ding in einer ausgeleierten Unterhose. Und auch sein Bauch war alles andere als erotisch. Ich ließ ihn in der Hochzeitsnacht nicht ins Bett. Am nächsten Tag besorgte ich ihm ein Abonnement in einem Sportclub. Er sollte sich körperlich in Form bringen, damit frau auch was von ihm hat. Ein Trick von mir. Er sollte niemals meine Haut spüren. Er soll zahlen. Für immer. Und so heuchelte sich mir in der Kirche ein »Ja« ab.
Was will frau machen, liebe Schwestern, schuld sind nicht wir an dieser Entwicklung, sondern doch die Männer selber, sie machen ja hierzulande noch die Politik! Noch - wohlgemerkt. Denn ein Umschwung ist in Sicht. Dank solcher hervorragender Koriphäinnen wie zum Beispiel: Rosamunde Pilcher, Liesel Westermann, Angela Merkel und auch Angela Davis. Nicht zu vergessen: Milva. Eine Frau, die allen Frauen Mut gibt, die genauso gut aussehen wie sie. Wie wir. Denn wir sind schön. Allesamt. Es gibt keine häßliche Frau, es gibt nur keine schönen Männer auf der Welt. Außer, wie ich feststellen werde, dort, wohin ich gerade in Urlaub fliege.
(...)

Reaktionen auf das Buch:
"Ein aufrüttelnder Bericht, der unter gegebenen Umständen nicht als Lebenshilfe miß-, sondern verstanden werden sollte! Das Frauenbuch, auf das man lange gewartet hat!" (H. M. Schneider)
"Helga Maria Schneider kommt mit ihrem Erstlingswerk extrem angekrasst um die Ecke gegrätscht." (TV-Media)
"Das Riskanteste, aber eben auch Schätzenswerteste an Schneiders Buch wäre also (...) die heuristische Bereitstellung eines Vokabulars, in dem Spekulationen dadurch vor Beliebigkeit geschützt sind, daß Leitbegriffe sich an ihrer Erzählbarkeit bewähren müssen." (Spex)
"In seinem neuesten Werk zeigt sich Helge Schneider mal wieder in Hochform. Als verbitterte Emanze schlitzt und poppt er sich durch die widerliche Männerwelt. In unglaublichen Haßtriaden zeigt er den " Scheiß-Jaucheschwengelstrategen " ( Zitat ) wo es langgeht. Ein erzdämonischer Lesetip !" (Anonymus)
Ravi Unger auf Amazon.de:
"Frauen, die Zeit des Wartens ist vorüber. Endlich liegt er vor, der Lebensbericht von Helga Maria Schneider. Eiersalat, eine schonungslose Abrechnung mit der von Männern dominierten Welt.
Wie sagt Frau Schneider gleich im Vorwort so treffend: Wenn im Haushalt die Toilettenbrille mehr als einmal die Woche hochsteht, sei dies ein untrügliches Zeichen dafür, daß der Ernährer ausgewechselt werden muß.
Gesagt, getan! Und so macht Frau Schneider erstmal ausgiebig Urlaub in südlichen Gefilden (leider immer noch finanziert von besagtem Ernährer, der zu Hause bleiben und für die Kohle sorgen muß, aber, Schwestern, der Gedanke zählt). Nachdem man im Flieger erstmal einem Kerl in Uniform, der pampig werden wollte, die schweren Wanderstiefel in den Schritt versenkt hat und sich herausstellte, es war nur der Steward, der den Begrüßungssekt bringen wollte, kann der eigentliche Urlaubsspaß beginnen. Ein paar Schlückchen Schampus und frau war wieder bester Laune, während die Crew den sich am Boden Windenden versorgte. Selber schuld!
Schon auf der Landebahn saugt Frau Schneider mit "bebenden Nüstern" die würzige Seeluft ein. Ah, Urlaub! Wenn nur diese lästigen Männerhorden nicht wären. Und doch kann frau nicht immer nur im Dienst sein. Einige Seiten und ein paar Samos weiter, und schon liegt der Surflehrer flach. Ganz nett, jetzt aber gilt es, den Kerl schnellstens wieder loszuwerden. Wie passend, daß da am Urlaubsort gerade ein Frauenfilmfestival stattfindet. Nach einem erschütternden Schwarzweiß-Film über malträtierte Gefängnisinsassinnen in Alaska darf´s dann auch mal lustig werden: Dick und Doof, aber von Frauen für Frauen. Ohne diesen dämlichen Humor.
Man hat natürlich längst erraten, es ist Helge Schneider, der uns diesen köstlichen Schwachsinn präsentiert. Wer mit dem "Schneider-Sound" etwas anfangen kann, wird hier bestens bedient. Zudem runden wundervoll filigrane Filzstiftzeichnungen, von H.M.S. selbst gefertigt, diesen Lebensbericht einer emanzipierten Frau aufs Harmonischste ab." - Ravi Unger
Du kannst nicht immer Lieschen sein - Helga Maria Schneider findet Männer schmutzig und macht Frauen fix und fertig Der Tagesspiegel 2.4.99
Eiersalat - Warum Helge Schneider jetzt Helga heißt Berliner
Morgenpost 2.3.99
Uwe
Wohlmacher traf sich mit Helge Schneider zum Gespräch. - Auszüge:
Warum wurde aus Helge jetzt Helga Maria?
Die meisten Bücher werden von Frauen gelesen, da habe ich mir gedacht, schreibste mal ein Frauenbuch, da kann ich mehr verkaufen.
Was steckt denn nun wirklich dahinter?
Also, wenn man das so liest, merkt man die Vorurteile, die man so hat. Das ist nämlich kein Juxbuch, sondern ernst gemeint. Da steckt ja viel Wahrheit dahinter. Und es ist auch gut für die Männer, sich mal Gedanken über das Verhältnis zwischen Mann und Frau zu machen und mal über ihre Rolle nachzudenken.
Gibt es einen Kernsatz in dem Buch?
Ja. «Eine Frau muß' eine handbreit Rock unterm Knie haben und jede Menge Grips im Hirn. Das sind die beiden Mußs.» Ich glaube, das ist der Kernsatz.
Welche Pläne haben Sie in der näheren Zukunft?
Im August eine neue Platte und dann kommt der Film zu meinem neuen Buch «Eiersalat» ins Kino. Das macht man ja heutzutage so. Und dann denke ich darüber nach, ein Auto herauszugeben. Mehr sag' ich aber jetzt nicht. Das muß reichen.
FNP 5.3.99
Von Sophia-Caroline Kosel
Komiker Helge Schneider hat ein neues Buch geschrieben: "Eiersalat. Eine Frau geht seinen Weg".
"Frauen sind zäh, Yeah, yeah, yeah. Das hätten die Beatles mal singen sollen." Mit diesem Männer-untypischen Spruch hat Komiker Helge Schneider die Lacher auf seiner Seite. Doch nicht nur der Spruch, auch die Garderobe und der neue Name des Mülheimer Entertainers sorgten im Dresdner Studentenklub "Bärenzwinger" für Amüsement. Als "Helga Maria Schneider" trägt der Künstler einen altmodischen Rock, Wanderstiefel sowie einen Damenhut im Loden-Look. In der Elbestadt stellte Schneider nun sein neues Buch vor. Titel: "Eiersalat. Eine Frau geht seinen Weg" (Verlag Kiepenheuer & Witsch, 14,90 Mark).
Nach Komplimenten für das schöne Dresden und einem Schluck aus der Teetasse beginnt Helga Maria Schneider zu lesen: "Wenn im Haushalt die Toilettenbrille mehr als einmal die Woche hochsteht, ist es ein untrügliches Zeichen dafür, daß der Ernährer ausgewechselt werden muß. Wie eine Glühbirne, die ihren Dienst erfüllt hat." Und jetzt wird der Autor energisch: "Herausschrauben! Wegtun! Neue rein!". Schneider stellt sich vor als "eine ehemals gedemütigte, doch dann Erstarkte". Ihrer Leserin - der Frau von heute - verspricht die emanzipierte Schrifstellerin Aufklärung und Lebenshilfe.
In der zweistündigen Lesung berichtet die nach eigenen Angaben 46 Jahre alte Autorin, wie sie nach ihrem ersten Urlaub ohne Ehemann diesen aus der Wohnung warf, um sich für immer vom männlichen Geschlecht loszusagen. Aber ganz problemlos verläuft "der Weg zur vollständigen Emanzipation" nicht: Helga Maria Schneider bringt einen Jungen auf die Welt: "Total unzufrieden holte ich die erste Windel aus dem Hängeschrank. Der Junge nörgelte und wimmerte. Die Brust war mir irgendwie zu schade für den, da gab ich ihm einen Schluck H-Milch." Wenig später ist das Problem gelöst, denn der Vater des Kindes nimmt es mit zu sich. Aber: "Warum bin ich denn noch vom Tomatenmann abhängig?", fragt sich die Hausfrau nun. Und sie kommt zu dem Schluß: "Das Leben ist eben keine langstielige Rose, meine Damen!"
Berliner Morgenpost 7.5.99
Von Patrik Gollstein
«Ich war selbst überrascht», sagte Christiane G. am Donnerstag nach der Urteilsverkündung. Vor dem Berliner Landgericht wurde sie von dem Vorwurf des Totschlags freigesprochen. Nach mehrmonatiger Untersuchungshaft hieß es, die Mutter eines siebenjährigen Jungen habe in Notwehr gehandelt.
Am Ende einer zerbrochenen Ehe, in Angst und ohne Ausweg hatte die 43jährige gelernte Bibliothekarin am 12. September vergangenen Jahres ihren Mann Dieter getötet. 19 Schläge zählte der Gerichtsmediziner am Kopf des Toten. Die Verletzungen stammten von einer gußeisernen Pfanne. Frau G. aber konnte sich im Prozeß nicht mehr an die Hiebe erinnern. Nur, daß sie hinter sich gegriffen habe, als ihr Mann sie aus der Küche drängen wollte und ein Messer geschwenkt habe.
Nach der Tat rollte sie die Leiche in den Wohnzimmerteppich und legte sie ins Kinderzimmer. Zehn Tage lang lebte sie so mit ihrem Sohn. Dann erschien die Polizei, denn der Verwesungsgeruch hatte längst den ganzen Neubau durchdrungen.
Vorausgegangen war das, was der Vorsitzende Richter Hartmut Füllgraf als «Ehehölle» bezeichnete. Im Jahr ihrer Heirat kam 1991 Sohn Paul zur Welt. Beide Eltern schenkten dem Kind ihre ganze Aufmerksamkeit. Vor Kollegen hatte Heizungsmonteur Dieter G. nur Worte für den Sohn, Frau G. ging so weit, ihre Umschulung zur Messe-Managerin aufzugeben.
Bald begannen die Streitereien. Der schmale Ehemann machte seiner fülligen Frau Vorwürfe, sie vernachlässige ihr Äußeres, das Kind, Hausfrauenpflichten.
Man wurde handgreiflich - beide. Gelegentlich versperrte ihr Dieter G. die Haustür, zog ins Wohnzimmer, während die Küche Domäne der Frau blieb. Die Scheidung, so das Gericht, wagte aber keiner der Eheleute. Zu groß war die Angst, Paul zu verlieren. Der «Kitt» der Partnerschaft sei der Sohn gewesen.
Ausgerechnet auf dem «strittigen Feld» der Küche fand die letzte Auseinandersetzung statt. Aus jenem Teil der Wohnung verdrängt zu werden, der laut stillem Einverständnis bislang ihr zugestanden hatte, das blieb nicht ohne Wirkung auf die Angeklagte.
Trotz Freispruch wollte Frau G. die Nacht zu Freitag noch im Gefängnis schlafen. Ihre Wohnung trägt noch Spuren von Bluttat und Kripo. Zukünftig, so hofft sie, wird Paul wieder bei ihr leben, der jetzt bei Pflegeeltern untergebracht ist.