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Die Presse, Österreich, vom 29.10.1997
Oberösterreich hat eine Beratungsstelle für Männer eröffnet: Mutiert das "starke" Geschlecht zum "kranken"?
Von unserer Mitarbeiterin SONJA FRANCK
LINZ. Die Frauen haben sich emanzipiert, verdienen ihr eigenes Geld, sind selbstbewußter geworden. Die Männer scheinen dabei auf der Strecke geblieben und in eine tiefe Krise geschlittert. "Viele Männer fühlen sich emotional und versorgungsmäßig abhängig von der Frau und haben Angst, ihre Zuwendung zu verlieren", berichtete VP-Familienlandesrat Walter Aichinger bei der Eröffnung der ersten Männerberatungsstelle in Oberösterreich.
90 Prozent der Männer definieren sich laut Aichinger über den Beruf. Wenn der private Haussegen schief hängt, flüchten viele Männer in den Beruf. Dieses Verhalten verstärke Beziehungsprobleme. Bei Trennung oder Scheidung fehle vielen eine Schulter zum Anlehnen oder ein Freund zum Reden.
Doch nicht nur emotionale Schwächen führten zur Entstehung der Männerberatung, auch gesundheitliche Leiden. Männer begehen drei- bis viermal so häufig Selbstmord wie Frauen, greifen öfter zum Alkohol und landen eher in der Psychiatrie. Aichinger: "Frauen sind gesünder und widerstandsfähiger, sie überleben Männer im Durchschnitt um acht Jahre."
Ein Sozialarbeiter und zwei Psychotherapeuten wollen nun ihren Geschlechtsgenossen bei Arbeitsfragen sowie bei sexuellen Konflikten und psychischen Krisensituationen zur Seite stehen. Die Männerberatungsstelle ist Montag, Dienstag und Donnerstag von 18.00 bis 20.00 Uhr geöffnet und telephonisch unter (0732) 603800 erreichbar. Interessierte werden beraten.
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