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Wer in Deutschland Vater wird, hat eine Chance von 1:2, seine Kinder entweder zu verlieren oder nur noch Zahlesel und Wochenendclown zu sein (bei ehelichen Kindern: Scheidungsquote bei 42 % / bei nichtehelichen Partnerschaften mit Kind liegt die Trennungwahrscheinlichkeit bei ca. 60 % und in über 50 % der Fälle ist der Kontakt zum Kind bereits nach dem 1. Jahr nach der Trennung völlig abgerissen; in den restlichen Fällen geben deutsche Gerichte in der Regel nur minimalen Umgang - maximal jedes 2. Wochenende und ein paar Ferientage).

Jetzt gibt es Hoffnung aus einer ganz unvermuteten Richtung - eine Alternative ?

Auch Männer können schwanger werden

Berliner Morgenpost 22.2.99

BM/AFP London - Was Arnold Schwarzenegger in dem Hollywood-Streifen «Junior» vormachte, halten Experten für durchaus realistisch: eine Schwangerschaft bei Männern.

Die Londoner «Sunday Times» zitierte einen der führenden Experten der britischen Fortpflanzungsmedizin, Lord Robert Winston, mit den Worten, die moderne Technologie erlaube es, daß Männer einen in den Unterleib eingepflanzten Embryo austragen könnten und per Kaiserschnitt zur Welt brächten. Allerdings sei die Einnahme von weiblichen Hormonen notwendig, damit der Fötus nicht abgestoßen werde.

Die zur Versorgung des Fötus notwendige Plazenta könne an den Darm angebracht werden, so Lord Robert. Ähnliches passiere auch bei Schwangerschaften von Frauen, in denen der Embryo außerhalb der Gebärmutter ausgetragen werde. Er räumte aber ein, daß das Risiko von Blutungen im Bauchraum groß sei und die Behandlung mit weiblichen Hormonen vermutlich zu einer Brustvergrößerung führen werde.


Auch Männer können Kinder bekommen

Angesehener britischer Fruchtbarkeits-Experte stellt revolutionäres Verfahren vor

Von Sigfried Hellm

BM London - Vater werden ist nicht schwer. Dieser Spruch kann wörtlich genommen werden, denn: Auch Männer können Kinder kriegen - wenn der Arzt nachhilft. Wenn ausgerechnet der angeblich männlichste aller männlichen Filmstars Arnold Schwarzenegger im Film «Junior» schwanger wurde, so steht dem Wunsch des Mannes nach einem eigenen Kind nichts mehr entgegen.

Das erklärt Lord Robert Winston (58), Professor an der Londoner Uni-Klinik Hammersmith Hospital, der die Technik in einem Buch mit dem Titel «The IVF-Revolution» erläutert, das im April veröffentlicht wird. IVF steht für In-Vitro-Befruchtung, also die künstliche Befruchtung im Reagenzglas.

Professor Winston, der als renommiertester Mediziner Englands für künstliche Befruchtung gilt, erläuterte das Konzept so: «Die Schwangerschaft eines Mannes ist durchaus möglich. Sie ist vergleichbar mit einer ektopischen Schwangerschaft bei der Frau, also außerhalb des Uterus. Dem Mann müßten während der Schwangerschaft reichlich weibliche Hormone verabreicht werden.»

Nach der im Reagenzglas erfolgten künstlichen Befruchtung würde der Fötus in die Bauchhöhle des Mannes verpflanzt. Die Plazenta würde an ein beliebiges Organ «angekoppelt» und von diesem über den Blutkreislauf ernährt. Das Baby würde dann per Kaiserschnitt geholt werden.

Die revolutionäre Behandlung, die die Evolution des Menschengeschlechts im Verlauf von Jahrmillionen auf den Kopf stellt, wäre durchaus attraktiv für homosexuelle Partnerschaften. Lesbierinnen machen von der In-Vitro-Technik der künstlichen Befruchtung bereits zunehmend Gebrauch, um ihren Wunsch nach Kindern zu erfüllen.

Als zweite Gruppe kommen solche Männer in Frage, deren Frau auf keinen Fall ein Kind bekommen kann. Beim dem Fruchtbarkeits-Spezialisten Dr. Simon Fishel in Nottingham haben sich bereits drei Ehepaare als Versuchskaninchen für eine Fötus-Transplantation in den Ehemann gemeldet.

Ein Nachteil der Methode: Männer müßten damit rechnen, daß ihnen während der Schwangerschaft als Folge der Hormontherapie Brüste wachsen. Die könnten nach der Entbindung durch gegenteilige Hormonbehandlung wieder abgebaut werden.

Den Anstoß für die gezielte Entwicklung der neuen Methode lieferte eine Frau in Oxfordshire, die mit einem Baby schwanger war, das nicht in der Gebärmutter heranwuchs. Eine Ultraschall-Untersuchung zeigte, daß der Fötus in die Bauchhöhle der werdenden Mutter abgewandert war und mit seiner Plazenta an ihrem Darm angewachsen war, über den das Baby ernährt wurde.

Die werdende Mutter entschied sich, trotz der Risiken bei dieser höchst ungewöhnlichen ektopischen Schwangerschaft nicht abzutreiben. Sie wurde ohne Probleme von einem gesunden Kind entbunden.

Ist nun zu erwarten, daß Homosexuelle in festen Partnerschaften mit dem Wunsch nach eigenen Kindern schon morgen die gesamte Kulturgeschichte der Menschheit auf den Kopf stellen werden? Bevor ein Mediziner dem lieben Gott ins Handwerk pfuscht, müßte - zumindest in England - die Aufsichtsbehörde für künstliche Befruchtung grünes Licht geben.

Suzanne McCarthy, Direktorin dieser Behörde, sagte zu diesen Zukunftsaussichten: «Wir würden Anträge gewissenhaft prüfen. Dabei ginge es uns aber nicht nur um die wissenschaftichen Details, um Risiken und Zuverlässigkeit, sondern auch um die Frage, warum es geschehen soll.»

Dr. Simon Fishel: «Diese Behandlung ist ethisch akzeptabel. Wenn dabei keine Risiken eingegangen werden.» Tim Hedgley, Leiter der Organisation für Fruchbarkeitsfragen, begrüßte die Möglichkeit, daß demnächst Männer Mütter werden können: «Daran ist überhaupt nichts Makabres. Man könnte einen Mann rechtlich nicht daran hindern, denn das wäre Diskriminierung.»

Dr. Jill Dunne, Dozentin für Fragen der Geschlechter an Londons School of Economics, meinte: «Bevor wir darüber nachzudenken beginnen, ob Männer Babys kriegen können, sollten wir daran denken, wie sie die Zeit finden, eine liebende, enge Beziehung zu ihren Kindern zu entwickeln.»

[Nahezu gleichlautender Berichte in DIE WELT, 22.2.1999]

Auszug aus der B.Z. (Berlin) vom 22.2.99, S. 67:

(...) Die Methode wäre nicht nur für homosexuelle Paare attraktiv. Auch Paare, bei denen die Frau kein Kind austragen kann, sind interessiert.

Beim Institut für künstliche Befruchtung in Nottingham haben sich schon drei Paare als Probanden für die Männerschwangerschaft gemeldet. Institutsdirektor Simon Fishel ist ebenfalls vom Gelingen des Experiments überzeugt: "Die Plazenta bietet die hormonalen Bedingungen, der Fötus muß nicht im Uterus heranwachsen." (...)


Saarbrücker Zeitung 16.3.99

Schwangere Männer keine Zukunftsmusik mehr

Befruchtungs-Forschung macht Fortschritte: Embryo wird eingepflanzt - Entbindung per Kaiserschnitt - Zufuhr weiblicher Hormone bringt Probleme mit sich

Wenn der Vater die Mutter ist: Britische Forscher können sich jetzt sogar schwangere Männer vorstellen. Die Wissenschaft macht's möglich.

- Von LUTZ HERRMANN, London -

Manche meinen, das sei der Einfall eines Witzboldes. Andere vermuten, die britische Zeitung "Sunday Times", die eine Revolution ankündigte, brauche ein Sensatiönchen. Eine dritte Kategorie von Briten denkt, bei der rasanten Entwicklung der Befruchtungs-Forschung ist bald folgendes möglich: Männer, die Babys austragen. Das Fernsehen ließ einige schmunzelnd schwanger werden. Printmedien bildeten das Muskelpaket Arnold Schwarzenegger ab, wie er im Hollywoodfilm "Junior" seinen sieben Monate dicken Bauch zärtlich vom Filmstar Emma Thompson streicheln läßt.

Professor Robert Winston, in Anerkennung seiner Verdienste als Pionier der Befruchtung seit drei Jahren Lord im Unterhaus, ist nebenbei angesehener Direktor einer Spezialklinik in London-Hammersmith. Der Mediziner leitet auch die BBC-Sendung "Der menschliche Körper". Er sieht seinen Beitrag nicht als Gag. Nicht, daß er humorlos wäre. In der "Sunday Times" meinte er unlängst ganz ernsthaft, Schwangerschaft bei Männern sei möglich und erwünscht. Ärzte würden einem Mann ein Embryo mitsamt der Plazenta (Mutterkuchen) einpflanzen. Der Mann trüge es neun Monate aus. Das Baby käme per Kaiserschnitt zur Welt. Lord Winston hat sein Konzept in einem Sachbuch, das im April erscheint, anschaulich entwickelt.

Zweiflern hält der Topforscher der künstlichen Befruchtung erstaunliche Fortschritte in der Technologie entgegen. Schwangere Männer seien ganz bestimmt "möglich", meint er. Einem Mann müßte freilich eine so hohe Dosis an weiblichen Hormonen zugeführt werden, daß ihm Brüste wachsen könnten. Er erwarte natürlich keinen Ansturm an Bewerbern. Aber kinderlose und homosexuelle Paare sähen hier eine Chance, eine Familie zu gründen.

Ein Kollege des Lords, der Direktor einer Klinik für künstliche Befruchtung in Nottingham, Simon Fishel, sagt, es gebe tatsächlich keinen Grund, warum ein Mann ein Kind nicht austragen sollte. "Es ist allein die Plazenta, die die nötigen hormonellen Voraussetzungen schafft, sie muß nicht unbedingt in einer Frau sein!" In den letzten zwei Jahren, erzählte Fishel weiter, hätten ihn drei Paare angesprochen. Weil die Frauen keine Kinder bekommen konnten, sollten ihren Partnern ein Embryo eingepflanzt werden. Aber Fishel lehnte letzten Endes wegen des hohen gesundheitlichen Risikos ab. Unbeantwortet bleibt, was im Falle starker Blutungen der inneren Organe passiert. Ethische Bedenken habe er jedoch nicht. Und: Die Paare wollten sich echt einer Behandlung unterziehen, es sei unangemessen, über ihr Anliegen und ihre Befindlichkeit zu lachen.

Viele Fachleute meldeten sich zu Wort. Sei es nicht an der Zeit, das traditionelle Mutterbild umzukehren? Sind auf dem Gebiet der künstlichen Befruchtung nicht enorme Entwicklungen im Gange? Haben nicht immer mehr Männer die Mutterrolle übernommen? Soll man Experimente nicht so weit treiben, daß Männer schwanger werden? Anfang der sechziger Jahre wohnten Ehemänner zum erstenmal der Geburt ihres Kindes bei. Das Heer alleinerziehender Männer geht weltweit in die hunderttausend. Unter homosexuellen Paaren ist der Wunsch nach Kindern besonders groß. Suzanne McCarthy, Exekutiv-Chefin der Behörde für menschliche Befruchtung und Embryologie, erklärt, wenn ein Antrag auf Erlaubnis entsprechender Forschungen gestellt würde, "dann werden wir ernstlich darüber diskutieren. Uns würde aber nur der wissenschaftliche Aspekt interessieren." Brave, neue gebärende Männerwelt. Der Kolumnist Hunter Davies schmückt sie in der Zeitung "Independent" etwas zynisch aus: "Das war schon lange überfällig! Frauen sind zu dominierend geworden, gerade in den letzten 30 Jahren. Sie brauchen heute überhaupt keinen Kerl mehr: Sie können sich künftig in jeder lokalen Spermenbank bedienen."


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