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Fuldaer Zeitung vom 6. Mai 98:
Die meisten sind verunsichert
Nur knapp ein Fünftel der deutschen Männer hält am alten Rollenbild vom „starken Mann“ fest. 19 Prozent glauben nach wie vor, daß Erwerbsarbeit Männersache und Haushalt samt Kinderbetreuung Frauensache sei, ergab eine im Fuldaer Bonifatiushaus vorgestellte bundesweite Studie.
Diese Minderheit ist auch weiterhin überzeugt, daß der Mann die wichtigen Entscheidungen zu treffen und beim Kennenlernen den ersten Schritt zu tun hat.Der Werteforscher Paul M. Zulehner, Pastoraltheologe an der Universität Wien, gab einen Zwischenbericht der Untersuchung vor den Teilnehmern an der Haupttagung der Gemeinschaft der Katholischen Männer Deutschlands. Die Studie wurde von den beiden großen Kirchen initiiert und vom Bundesfamilienministerium mitfinanziert.
Nur ein Fünftel der repräsentativ ausgewählten 2000 Befragten entspreche dem Typus des sogenannten „neuen Mannes“, sagte der Theologe. Diese Männer lehnen die traditionelle Rollenaufteilung ab, seien bereit Erziehungsurlaub zu nehmen und akzeptierten die gerechte Verteilung von Haus- und Erwerbsarbeit. Interessant sei die Altersaufteilung, betonte Zulehner. Während das traditionelle Männerbild erwartungsgemäß bei den über 50jährigen vorherrsche, sei es auch bei den unter 20jährigen verbreitet. Dagegen ordnen sich in der jungen Generation nur rund zehn Prozent dem „emanzipierten Typ“ zu. „Der Abschied vom neuen Mann ist schon in Sicht“, mutmaßte Zulehner. Seiner Ansicht nach sind die besten Zeiten der Entwicklung neuer Geschlechterrollen bereits vorbei.
Der Rest der Befragten finde sich in den Zwischentypen „pragmatisch“ und „ängstlich-unsicher“. „Der pragmatische Typ sucht sich die Rosinen aus. Ohne sich selbst zu ändern nutzt er die Vorteile der Emanzipation“, erläuterte Zulehner. So helfe dieser Typ Mann nicht in Haushalt und Familie mit und halte wenig von Berufstätigkeit der Frauen, freue sich jedoch über den Beitrag der Partnerin zum Familieneinkommen. Mit rund 25 Prozent stelle er den zweitstärksten Männertypus nach dem „ängstlich-unsicheren“, dem nach den Umfrageergebnissen rund 36 Prozent zuzuordnen seien. Dieser Teil akzeptiere sowohl aus der traditionellen als auch aus der gleichberechtigten Rollenverteilung der Geschlechter Aspekte, sitze so gleichsam zwischen zwei Stühlen. „Wir haben die Chance, diese Männer im Sinne der Schöpfungstheologie zu beeinflussen“, sagte Zulehner. Dies heiße, eine partnerschaftliche Familienform zu propagieren.
„Männer müssen ein Stück ihrer alten Macht abtreten, dafür erschließen sich ihnen neue Lebensbereiche“, forderte die Abteilungsleiterin im Bonner Familienministerium, Dr. Marion Thielenhaus, auf der gleichen Veranstaltung. Väter hätten heute in den Familien keinen festen Stellenwert mehr, weil ihnen bei der neuen Rollenverteilung keine Aufgabe bei der Kinderziehung zugewiesen worden sei. Deshalb suchten Männer verstärkt Bestätigung im Beruf.
Tiroler Tageszeitung vom 6.5.98:
Männer werden nach der Hochzeit zahm
Wien (APA) - Am Polterabend wird nochmal so richtig die Sau rausgelassen, dann ist die Junggesellenzeit vorbei. Aber wenn Männer vor den Traualtar wandern, ändert sich nicht nur der Familienstand, auch im Hormonhaushalt tut sich einiges, und das für gewöhlich so "starke Geschlecht" wird plötzlich ganz zahm.
Dies berichtet das deutsche Fachmagazin "Psychologie Heute" in seiner März-Ausgabe. Demnach hat der US-Forscher Allan Mazur von der Syracuse University festgestellt, daß bei Männern der Testosteronspiegel sinkt, sobald sie verheiratet sind. Dies hat zur Folge, daß sie nach der Hochzeit ein weniger aggressives und dominantes Verhalten an den Tag legen. Kommt es zu einer Scheidung, nimmt die Testosteronkonzentration wieder zu. Alleinstehende Männer seien deshalb so testosteronstark, weil sie mit anderen männlichen Wesen im Wettbewerb stünden und eine Frau erst noch "erobern" müßten, glauben die Wissenschafter.
Verheiratete hätten ihr Ziel hingegen bereits erreicht. Sie brauchen ihre Haut auf dem Partnerwahlmarkt nicht mehr offerieren und bekämen darüber hinaus noch soziale Unterstützung durch ihre Ehefrauen. Diese Einflüsse machten ein hohes Niveau des Männlichkeitshormons überflüssig. Nach einer Scheidung würden diese entspannenden Effekte hingegen wegfallen. Der Mann müsse wieder ums weibliche Geschlecht kämpfen und der Testosteronspiegel steigt.