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Sabine F. über ihre Kindheit und die Folgen der Vaterabwesenheit |
Keine Frage, daß ich diese Aktion unterstütze. Nicht nur Scheidungskinder geraten in einen Teufelskreis, der letztendlich zu einer dauerhaften Persönlichkeitsstörung führen kann. Es gibt genug Kinder, deren Eltern in einer ungesunden Partnerschaft leben, die in dieselbe Krise geraten. Ich selbst habe
meinen Vati als Kind heiß und innig geliebt.
Mit 12 Jahren hielt ich die Wegnahme meines Vatis nicht mehr aus: Ich liebte ihn, bekam aber durch meine Mutter ein immer negativeres Bild von ihm. Mein einziger Weg, aus diesem Zwiespalt heraus zu kommen, war, meinen Vati nicht mehr lieb zu haben. Ich begann ihn zu hassen, er war für mich zum Arschloch geworden. Die Distanz wuchs. Ich wehrte jedes Anzeichen seiner väterlichen Zuneigung ab, wünschte mir aber aus tiefstem Herzen, ihn wieder in den Arm nehmen zu können. Mit 17 Jahren
nahm ich wiederholt eine Überdosis Tabletten. Wie sehr hätte
ich mir einen Erwachsenen, einen Freund gewünscht. Aber hier verschließen
alle ihre Augen. Als ich 19 war,
starb mein Vater. Wir hatten bis dahin nicht mehr zueinander gefunden.
Mit 30 griff ich wieder zu Tabletten, kam wiederholt ins Krankenhaus und habe den letzten Versuch knapp überlebt. Ich kam in die Psychiatrie, wo man eine Borderline-Persönlichkeitsstörung diagnostizierte. Die Psychiatrie war grausam, aber hier erwachte mein Überlebenswille. Heute bin ich
32 und sehr glücklich. Zu meinem Vater
habe ich wieder ein gesundes Verhältnis bekommen. Kurz vor seinem
plötzlichen Tod hatte er mir einen Brief geschrieben, den ich lange
nicht gelesen habe, über den ich heute jedoch sehr froh bin. Immer
wieder lese ich darin. Dabei kommt Meiner Mutter
quält sich durch ihr eigenes Leben. Sie versucht immer wieder sich
subtil an mir festzuhalten, beneidet mich darum, daß ich begonnen
habe zu leben, was sie sich selbst verwehrt. Gewiß kann sie nicht
anders. Aber ich strebe danach, dieses Band zwischen uns endgültig
zu durchtrennen, möchte nicht mehr in ihren Fängen stecken. Freilich,
sie ist meine Mutter, aber ich bin nicht mehr ihr erziehungsbedürftiges
Kind, das ihre Liebe und Fürsorge braucht. Jetzt ist es zu spät.
Ich bin erwachsen, im Sinne des Wortes. Ich kann jederzeit
wieder umkippen, aber ich gebe nicht mehr auf. Ich habe lange gekämpft
und habe das große Glück, daß ich durchgehalten und überlebt
habe. Im Fall Adler gibt es ein 12 jähriges Mädchen, das gewiß einen ähnlichen Weg vor sich hat. Ich kann nur hilflos zusehen, ihr wie all den anderen Kindern von ganzem Herzen die Kraft zum Durchhalten wünschen und hoffen, daß sie bald einen Menschen findet, der es ehrlich meint, an dem sie sich festhalten, orientieren kann und ein Schlupfloch für sich findet für ihre eigene Persönlichkeit. Die Gesellschaft macht die Augen zu vor all den Kindern, die eine derartige Kindesmißhandlung erfahren, weil sie nicht spektakulär genug ist. Wie viele Kinder
müssen noch leiden, zu Drogen greifen, vereinsamen, sterben, bis endlich
die mächtigen Kräfte im Land aufwachen? Was mir über
all die Jahre sehr geholfen hat war das Schreiben.
Ich schrieb
sie für dieses Mädchen, C., und ihren Papa,
Es würde mich freuen, wenn sie durch eine Veröffentlichung auf Ihren Seiten ein paar Menschen Mut und Hoffnung geben könnte. Vor allem den Kindern oder inzwischen Erwachsenen, die bisher kein Schlupfloch, keine Lobby gefunden haben und ganz alleine sind. Sabine F. Nürnberg |
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