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Frankfurter "Blitz-Tip", Nr. 49, Dez. 1997 (Frankfurter Anzeigenblatt)
Passiert, glossiert - von Dr. Jaqueline Kämpfer, 06105/288-124
KinderKinder
Übrigenskönnen wir auf ganz verschiedene Weise die Unwahrheit sagen. Wir können flunkern, faustdick auftragen oder jemandem ein X für ein U vormachen. Das sind die harmlosen Formen der Lüge. Weil, wir ihren Wahrheitsgehalt" schnell durchschauen können sie uns sogar erheitern. Dann kennen wir noch die Notlüge, die uns manchmal aus der Klemme hilft und deshalb auch von Kindern sehr geschätzt wird. Kein Verstädnis dürfen wir jedoch mit solchen Lügenbolden haben, die das Blaue vom Himmel herunter und wie gedruckt lügen., daß sich die Balken biegen oder sogar mit Horrorlügen werben, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Dies ist kein Kinderspiel, deshalb sind solche Profilügner keine guten Vorbilder für Kinder.
Zu ihnen gehört der "Deutsche Kinderschutzbund Frankfurt am Main e.V.". Was sich dieser Verein mit seiner Spendenwerbung in Anzeigen und auf Großplakaten ungestraft leisten darf, müßte eigentlich den Staatsanwalt interessieren. Obwohl die Werbetexte des Schutzbundes dermaßen hirnrissig sind, daß selbst mir graust, zitiere ich drei:
"In Frankfurt wird alle 17 Minuten ein Kind mißhandelt." Oder: "In Frankfurt schlagen 2 von 23 Vätern ihre Kinder mit dem Gürtel." Oder: "In Frankfurt kriegen 8 Prozent aller Kinder zu Weihnachten Prügel." Um journalistischen Beistand anzubieten, rief ich den Kinderschutzbund an, denn als junge Mutti weiß man am besten, wie schutzbedürftig unsere Lieblinge sind. Und nun raten Sie mal, warum ich so erbost bin? Alle Zahlen, die mich so erschreckt haben, sind erstunken und gelogen. Was uns als komma-genaue und somit streng wissenschaftlich exakt bewiesene Zahlen plakativ vorgegaukelt wird, wurde über den Daumen gepeilt - also manipuliert.
Kinder, Kinder, wie kann man die Öffentlichkeit nur so für dumm verkaufen? Leider werden auch in Frankfurt die Hilflosesten unserer Gesellschaft mithandelt, sexuell mißbraucht und sogar von ihren Vätern geschlagen. Sicher sogar mit dem Gürtel. Daß so etwas geschieht, ist skandalös. Es ist aber gleichzeitig ein Skandal, daß ausgerechnet ein Verein, der unbestreitbar wichtige Ziele in der Satzung stehen hat, die Öffentlichkeit mit frei erfundenen Zahlen dermaßen täuscht, um sein Spendenaufkommen zu mehren. Wem kann man jetzt noch etwas glauben? Wer sagt in Deutschland überhaupt noch die Wahrheit? "Mit sochen manipulierten Zahlen können Sie doch nicht werben", hielt ich dem Schutzbund am Telefon vor. Zitat: "Dafür sei der Verein nicht verantwortlich, die Zahlen habe sich allein die Werbeagentur ausgedacht."
Das war die nächste Lüge, denn im Jahresbericht steht etwas ganz anderes. So ist das: Mit Falschaussagen die Öffentlichkeit hinters Licht führen und die Verantwortung auf irgendwelche Werbeknechte abwälzen. Schauen wir mal in den Kommentar zum Werberecht. Dort heißt es schlicht: "Wer wirbt, muß die Wahrheit sagen. Wer strafbare Werbung betreibt (z.B. unwahre), wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe belegt." Streng genommen könnten Gutgläubige, die aufgrund dieser Anzeige geworben haben und sich nun getäuscht fühlen, ihr Geld zurückverlangen, wovon ich allderdings abrate. Frage: Warum eigentlich greifen die Kinderschützer so tief in den Lügensack und machen sich strafbar, wenn z.B. folgende Texte dieselbe Wirkung gezeigt hätten? "Hilfe, in Frankfurt werden viel zu viele Kinder mißhandelt." Oder: "Hilfe, einige Väter schlagen ihre Kinder sogar mit dem Gürtel." Diese Wahrheiten sind schrecklich genug, sie bedürfen keiner aufbauschenden Lügen!
Leider hat dieser Unsinn stille Förderer: Einige Medien. Sie veröffentlichen die irreführenden Anzeigen und Plakate kostenlos, obwohl sie genau wissen, daß die Schreckenszahlen erlogen sind und auf die bewußte Täuschung der Öffentlichkeit abzielen. Obwohl ich kein so kluges Köpfchen bin, möchte ich auf den Imageschaden für die Stadt Frankfurt hinweisen, den die Werbung des Kinderschutzbundes angerichtet hat. Viele Gäste werden zu Hause von der "Stadt der Kinderschänder und Gürteltäter" berichten und dies mit den manipulierten Zahlen belegen.
Kinder, Kinder, man müßte alle 17 Minuten 2 von 23 Kinderschützern 8 Prozent des Tages übers Knie legen, bis sie die Wahrheit sagen, rät
Zum Thema "Es geht ums Geld!" siehe auch "Zart war es, bitter war´s" Zartbitter Köln