BILD-Zeitung vom 21.12.1996

Richter: Der Verdacht bleibt bei allen bestehen

Ein Angeklagter im Kinderschänder-Prozeß. Er versteckt sein Gesicht.
Angeklagter

Gestern in Mainz: Jubel im Gerichtsaal - weil sechs angebliche Kinderschänder freigesprochen wurden.

Ein Prozeß mit Riesenaufwand: 112 Verhandlungstage, die Angeklagten (zwei Ehepaare, zwei Verwandte) über 21/2 Jahre in U-Haft. Anklage: übelster Mißbrauch von acht Kindern, das älteste jetzt acht Jahre.

Richter Jens Beutel (kürzlich zum neuen OB von Mainz gewählt): "Die Angeklagten haben damit zu leben, daß der Verdacht sexuellen Mißbrauchs bei allen fortbesteht."

Es gebe zwar keinen Zweifel, daß die Kinder "körperliche Gewalt und schweren Mißbrauch in den Familien erfahren haben". Aber der Staatsanwalt habe nicht beweisen können, welcher der sechs Angeklagten sich wie und wann "konkret" an den Mädchen und Jungen vergriff. Konkret, vielleicht auch noch mit Datum und Uhrzeit - wie kann man das von geschundenen, verwirrten Kindern erwarten?

Noch zwei ähnliche Prozesse laufen in Mainz - 17 Angeklagte, alle verwandt (oder bekannt) mit den Freigesprochenen. Sie waren es, die beim Urteil klatschten...