Dr. X. hat in einem Rundfunkgespräch
(8.10.96) neben der bemerkenswerten Aussage, daß er von einer
vollen Wahrung der Schweigepflicht wenig hält, auch ausführlich
dargelegt, daß der Umgang mit sexuellem Kindesmißbrauch eine
besondere Ausbildung und sehr, sehr viel Erfahrung erfordere. Die meisten
Therapeuten seien da viel zu naiv, besonders dem Täter gegenüber.
Woher er aber selbst diese Erfahrung schöpft, ist uns nicht bekannt.
In allen uns bekannten Fällen haben sich ja Sachverständige und
Gerichte seinen Erkenntnissen nicht in irgendeiner Weise angeschlossen.
In einer sehr umfangreichen Suche in der Fachliteratur (3.600 Zeitschriften,
1966-1996; Literaturdatenbanken etc.) konnte auch keine eigene Veröffentlichung
gefunden werden. Aus dem uns bekannten ergab aber eine Literatursuche u.a.
eine äußert frappierende Übereinstimmung mit den
Ideen aus dem Ackerman Incest
Project, New York. Sie, sind, wie ein Vergleich mit der nachstehenden
Übersetzung der Ackerman Ausschreibung zeigt, z.T. sogar wortwörtlich,
in der neuesten Ausschreibung von Fortbildungskursen
durch Dr. X. und Frau Y. wieder zu finden.
Insbesonders findet sich da: Die "Stolze Geschichte": Der Aufbau
von Stolz in einer schambeladenen Familie, feministischer Zugang der Parteilichkeit,
Rekonstruktion der Macht, die Idee der Vernetzung, narrative Familientherapie
etc. Der Idee, gemeinsam mit Familienmitgliedern Schriftsätze
an Gerichte und Sozialdienste abzufassen, hängen Dr. X. und Frau Y.
ebenfalls nach, wie aus einer Reihe von Fällen bekannt ist. Dazu kommt,
daß sich Dr. X. ebenfalls zur systemischen Familientherapie bekennt.
Ferner hatte er einem Klienten erzählt, daß er seinen USA Urlaub
auch zu einer Fortbildung benützen wolle. Eine gründliche Suche
ergab aber kein weiteres Institut mit zum Ackerman Projekt vergleichbaren
Kursangeboten. Die unten zitierte Arbeit (1992) der Ackerman-Projektleiterin,
Marcia Sheinberg, wurde in der Literaturdatenbank eindeutig mit der Suche
nach "incest AND feminism" gefunden. (Inzest wird in diesen Kreisen sehr
viel weiter definiert, als allgemein üblich.)
Für Uneingeweihte mag es erstaunlich sein, daß sowohl in
der Ackerman Auschreibung, als auch in der von Dr. X. und Frau Y. sowie
in der gesamten verwandten Literatur das äußerst schwierige
Problem der Verifizierung einer sexuellen Mißhandlung unerwähnt
bleibt, vielmehr die Tat und der Täter von vornherein feststehen.
Familien sicher für Kinder
machen:
Das Inzest Projekt
(Übersetzung der Ausschreibung des Ackerman
Institute, New York)
Projektleiterin: Marcia Sheinberg, M.S.W. (FN1):
Projektteam: Judith Stern Peck, M.S.W., Arthur Maslow, C.S.W.,
Peter Fraenkel, Ph.D.(FN2),
Marcia Scanlon, Fiona True, Ray DeMaio, Ph.D., Sippio Small, M.S.W., Manny
Munoz, M.S.W., Carmen Goris, M.S.W., Jon Frankel, M.S.W., Ann Richman,
M.S.W., Kathleen Little
-
Projektbeschreibung und Ziele
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Spezifische klinische Hauptprobleme
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Leitprinzipien des Projekts für die klinische
und/oder forschende Exploration
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Beispiele klinischer Protokolle entwickelt im Projekt,
um bestimmte Familienprobleme oder Situationen zu beherrschen
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Zusätzliche Information
Projektbeschreibung und Ziele
Seit 1990 hat das Ackerman Institut für Familientherapie mit einem
Konsortium von Einrichtungen in New York City zusammengearbeitet, um ein
koordiniertes und umfassendes Konzept zur Behandlung von Familien, in denen
Inzest stattfand, zu entwickeln.
Die Ziele des Inzestprojektes sind zweifach:
-
1. Ein umfassendes Therapiekonzept für Familien zu entwickeln, in
denen Inzest stattfand.
-
2. Ein multi-Stellen-, interdisziplinäres Ausbildungsprogramm für
die Arbeit mit Inzest zu entwickeln. Durch die Implementierung eines Programmes,
das die spezifischen Bedürfnisse der Klienten jeder Einrichtung als
auch die typische Rolle dieser Einrichtung bei Familien berücksichtigt,
hoffen wir, eine gemeinsame Sprache und einen gemeinsamen Zugang zu institutionalisieren.
Die Einrichtung eines Ausbildungsprogrammes ist der erste Schritt im Aufbau
eines multi-Einrichtungs-Netzwerks das den Bedürfnissen der Familien
von der Aufdeckung bis zur Therapie dienen wird.
Als Teil dieses Ausbildungsprogrammes entwickeln wir ein Therapiehandbuch
und einen Satz von Videobändern. Ein drittes, verwandtes Ziel des
Programms ist es, ein Modell zur Integration von Forschung und klinischer
Arbeit zu entwickeln. Wir führen qualitative Studien über die
von Sitzung zu Sitzung sich entwickelnde Wirkung der Therapie aus, sowie
eine Langzeitstudie. Information aus dem Untersuchungsmaterial wird wieder
der klinischen Arbeit zugeführt, welche umgekehrt wieder die Untersuchungsziele
bestimmt.
Spezifische klinische Hauptprobleme
Inzest - besonders wie Inzest und die Familienerlebnisse nach der Aufdeckung
zu einer "Geschichte der Scham" führen, die das Selbstbewußtsein
der Familie dominiert.
Leitprinzipien des Projekts für die klinische und/oder
forschende Exploration
-
1. Aufbau der Stärken einer Familie (ihrer stolzen Geschichten), sogar
während die Inzesterfahrung voll angesprochen wird (Geschichte der
Scham). Die Therapie versucht, die Familiengeschichte der Scham einzuordnen,
um andere positivere Geschichten und Beschreibungen hervorzubringen, welche
dann die Hinwendung auf eine Zukunft ohne Dominanz der Inzesterfahrung
erleichtern.
-
2. Anerkennung der komplexen (positiven und negativen) Gefühle, die
Opfer und nicht-Täter-Eltern(teil) für den Täter haben.
Entwicklung einer nichtverurteilenden Atmosphäre die Familienmitgliedern
erlaubt, ihre Erfahrung voll auszutauschen.
3. Anerkennung, daß innerfamiliärer sexueller Mißbrauch
ein hierachischer Mißbrauch ist, der in gewissen kulturellen Ideen
impliziert ist: z.B., der Auffassung gewisser Männer, auf Sex Anspruch
zu haben.
-
4. Die Notwendigkeit, bei Familientherapie einen multi-modularen Zugang
zu haben, der die Familien, Einzel-, und Gruppentherapie für Opfer,
nicht-Täter Elternteile, Geschwister und Täter einschließt.
5. Therapie wird als kooperative Beziehung zwischen Therapeut und Familienmitgliedern
ausgeführt: Mitverfassung von Schriftsätzen für die Gerichte
und Sozialdienste, gemeinsame Orientierung des Ablaufs und Fokusses der
Therapie, und gemeinsame Evaluation der Wirkung.
Beispiele klinischer Protokolle, entwickelt im Projekt,
um bestimmte Familienprobleme oder Situationen zu beherrschen
Kritisch für unseren Zugang ist das multi-modulare Format der Therapie.
Das mißbrauchte Kind und ausgewählte Familienmitglieder nehmen
in Familien-, Gruppen-, und Einzeltherapie teil, sowie an künstlerischer
Arbeit und Pizza-Imbissen. Jede Therapie-Modalität stellt einen sozialen
Kontext dar, in dem Familienmitglieder neue Perspektiven entwickeln können,
die ihnen helfen sich selbst anders zu sehen, was Veränderung und
Heilung ermöglicht. Familienmitglieder nehmen an Entscheidungen teil,
wie Information zwischen den einzelnen Modalitäten ausgetauscht wird,
um Behandlungserfolge und ihr Gefühl des persönlichen Einflusses
auf die Behandlung zu stärken.
Zusätzliche Information
Zwei Arbeiten beschreiben die Therapierichtung in mehr Detail:
-
Sheinberg, M. (1992) Umgehung von Therapiesackgassen bei der Aufdeckung
von Inzest: Kombinieren von Ideen aus dem Feminismus und sozialem Konstruktivismus.
Family Process 31:201-216. Zusammenfassung: Dieser Aufsatz beschreibt
einen Zugang zu den sozialen und emotionellen Schismen die interfamilären
Mißbrauch (Inzest) kennzeichen. Es wird argumentiert, daß Ideen
aus dem sozialen Konstruktivismus und Feminismus so kombiniert werden können
das anscheinende Entweder/Oder Alternativen Beide--Und Möglichkeiten
werden. Diese beinhalten: Soziale Kontrolle vs. Therapie, Scham vs. Stolz,
Bindung an seinen mißbrauchenden Partner vs. Bindung an sein verletztes
Kind, und "Gerechtigkeit" vs. "Fürsorge".
-
Sheinberg, M., True, F., & Fraenkel, P. (1994) Behandlung des sexuell
mißbrauchten Kindes: Ein rekursives multi-modulares Programm. Family
Process 33: 263-276. [Beschreibt HelferInnenkonferenzen, die
Mitwirkung des Opfers und "vertrauenswürdiger'' Familienmitglieder.]
-
FN1). M.S.W.: Master of Social Work (Magister in Sozialarbeit)
FN2). Ph.D.: Philosophy Doctor (Dr.phil.)
Der international bekannte Experte Dr. Ralph Underwager
(Psychotherapeut, Pastor), der sich schon seit Jahrzehnten mit
diesen Problemen in Form von Therapie, Gutachten für Gerichte und
Parlamente, sowie zahlreichen Veröffentlichungen und Seminaren befaßt,
äußerte sich zu dieser Ausschreibung und der aus dem Projekt
stammenden Literatur wie folgt (Persönliche Mitteilung, Auszugsweise
Übersetzung):
"Wir haben von diesem Inzestprojekt nicht gehört, es ist aber das
gleiche wie viele andere. Im Augenblick, wo jemand mit radikal-feministischen
Annahmen beginnt und über Sozialen Konstruktivismus spricht,
kann man sicher sein, daß die Wissenschaft keinen Einfluß
hat auf das, was gesagt und getan wird. Die epistomologische Basis sind
Intuition, Gefühle und subjektive Übereinstimmung statt objektiven,
empirischen und meßbaren Daten. Diese Annahmen sind in ihrer Wurzel
Anti-Wissenschaft. Wie wir [mit Hollida Wakefield] in unserem neuesten
Buch Return of the Furies (1994) schrieben, glauben wir, daß
ein geduldiges, standhaftes Vertrauen auf die Basis der westlichen Zivilization,
Vernunft, am erfolgreichsten ist. Wir haben auch den Einfluß
des radikalen Feminismus auf Anschuldigungen von sexuellem Kindesmißbrauch
in diesem Buch diskutiert. In unserem Buch Accusations of Child Sexual
Abuse (1988) zeigen wir, daß die Therapie von angeblich mißbrauchten
Kindern auf der für erwachsene Vergewaltigungsopfer beruht. Sie ist
zudem noch stark von feministischen Anliegen und Ideologien geprägt.
Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz, daß diese Therapie Kindern
oder irgendjemand in irgend einer Weise hilft. Ceci weist ebenfalls
in seiner 1994 Master's Lecture darauf hin. Es ist bekannt, daß die
beste Therapie für Familien in denen Inzest vorgekommen ist, primär
kognitiv und verhaltensorientiert in seiner Natur ist. Das vorgeschlagene
Modell wird in keiner Weise durch wissenschaftliche Daten als effektiv
und hilfreich unterstützt.