Aus dem Jahresbericht 1997 des Ev. Beratungszentrums München e.V. Psychologische Beratung für Eltern, Kinder, Jugendliche und Familien:
Standort- und Kursbestimmung in der Tätigkeit der Erziehungsberatungsstelle
prägten das Jahr 1997.
Personalveränderungen und ein Leitungswechsel machten dies notwendig:
Es war dies der Weggang zweier MitarbeiterInnen Ende 1996 (Dr.
J. und P. B.), die einen anerkannten fachlichen
Schwerpunkt in der Arbeit bei Gewalt und sexuellem
Mißbrauch hatten, sowie zwei Erziehungsurlaube ab Frühjahr
1997. Außerdem trennten sich im März 1997 das Evangelische Beratungszentrum
und die bisherige (seit 1994) Leiterin der Erziehungsberatung, Dipl.- Psych.
Annemarie R.
In Absprache mit dem Träger wurden daher im Sommer in der Erziehungsberatung
zusammen mit der Kommissarischen Leiterin (seit März ist dies die
Leiterin der Ehe- , Familien- und Lebensberatung) eine Standort-
und Kursbestimmung durchgeführt.
.....
Auf diese notwendige Zeit des Rückblicks, der Neuorientierung und
des Neubeginns geht der Beitrag "Alles
hat seine Zeit" von Margret Schlierf aus der Sicht einer neu dazugekommenen
Mitarbeiterin ein. Er überträgt Aussagen aus einem "zeitlosen"
Text auf die Lebensgeschichte einer Institution. Als ein Ergebnis der
Standortbestimmung hatte sich u.a. gezeigt, daß eine "Verjüngung"
des Teams sinnvoll sei, und daß zu dem hohen Erfahrungswissen der
langjährigen MitarbeiterInnen jüngere MitarbeiterInnen das vorhandene
Wissen ergänzende Schwerpunkte einbringen sollten.
Da bis zur Klärung der Leitungssituation in der Erziehungsberatung
die Leitungsstelle befristet mit zwei Fachkräften ohne Leitungsverantwortung
besetzt wurde, konnten in der Erziehungsberatung der Landwehrstraße
im Laute des Jahres insgesamt vier neue, junge MitarbeiterInnen eingestellt
werden. Dazu kam ein weiterer Mitarbeiter als Erziehungsurlaubs- vertretung
in der ökumenischen Erziehungsberatung
Qualitätssicherung, der Ausbau von Diagnostik
in der Erziehungsberatung sowie die Wiederaufnahme der Arbeit bei Gewalt
und Verdacht auf bzw. sexuellen Mißbrauch wurden neben der "üblichen"
EB- Arbeit als vorrangige Schwerpunkte für 1997/98 festgelegt. ...
Noch im Jahr 1997 beschäftigten uns und vor allem den Träger
einzelne Beschwerdefälle aus den zurückliegenden Jahren im Kontext
der Arbeit bei Verdacht auf sexuellen Mißbrauch. Wiederholte anonyme
Briefe an zahlreiche Beratungsstellen im Großraum München verunglimpften
den Träger, unsere Stelle und die MitarbeiterInnen, die in dieser
Arbeit tätig gewesen waren. Dazu kam ein entsprechender Artikel in
der Zeitschrift "Der
Spiegel". Vorgehen und Duktus erinnerten zeitweise an den Stil
einer Kampagne. Leider konnten die Beschwerdefälle
bis jetzt nicht geklärt werden, da die betreffenden Beschwerdeführer
die dazu notwendige Schweigepflichtsentbindung verweigern.
In der schwierigen Arbeit bei Verdacht auf bzw. sexuellem Mißbrauch
in einer Familie besteht leider die Gefahr, daß Berater und Beraterinnen,
die zunächst zur Hilfe gezogen werden, selbst in die Auseinandersetzungen
mithineingezogen werden und massive Eskalationen des Konflikts in andere
Ebenen hinein stattfinden. Gleichzeitig gilt für die die Arbeit in
diesem Bereich:
Die Wahrheit ob ein Verdacht oder eine Beschuldigung begründet sind
oder nicht, kennen selbst nur die betroffenen Familienmitglieder. Und hier
stehen oft Aussage gegen Aussage bzw. Schweigen
und Aussage und unterschiedliche Interessen einander gegenüber. Bei
einem Auftrag der Erziehungsberatung, die nach §27 Kinder- Jugendhilfe-
Gesetz für das Kindeswohl eintreten soll und für
das Kindeswohl förderliche Erziehungsbedingungen, ist dies eine
brisante - "mit Stolpersteinen und Minen"- versehene Situation.
In einem eigenen Arbeitskreis und in überregionalen Informationstagen
des Diakonischen Werks Nürnberg haben wir uns mit den notwendigen
Rahmenbedingungen, dem Vorgehen und den Gefahren der Arbeit bei Verdacht
bzw. sexuellem Mißbrauch beschäftigt.
Im Jahr 1997 ging es auch mit der Qualitätssicherung voran. Nach einem Einführungsworkshop zu Qualitätsmanagement wurden die Leitbildentwicklung sowie in Zusammenarbeit mit dem Evang. Fachverband für Lebensberatung in Bayern bzw. dem Diakonischen Werk eine Evaluation zur Klientenzufriedenheit begonnen. Diese Fragebogenaktion wird in einem Probelauf von einem halben Jahr getestet. Zwischenergebnisse wurden auf der Fachtagung "Kompaß oder Gütesiegel? Qualitätsmanagement als Organisationsentwicklung in der psychologischen Beratung" des Evang. Zentralinstituts für Familienberatung im Januar 1998 in Berlin vorgestellt. ....
Unser Dank geht an alle, die die Arbeit der Psychologischen Beratung
für Eltern, Kinder, Jugendliche und Familien im vergangenen Jahr finanziell
und ideell unterstützt haben:
Insbesondere danken wir unseren Zuschußgebern, der Landeshauptstadt
München, dem bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung,
Familien, Frauen und Gesundheit, der Regierung von Oberbayern, dem Landkreis
München, der bayerischen Landeskirche sowie dem Diakonischen Werk
Nürnberg.
Dr. Barbara Alt
Diplom- Psychologin
Dietmar Krause
Kommissarische Leiterin der Erziehungsberatungsstelle Diplom-
Sozialpädagoge